Saab Blog: Die (Saab) Lage aktuell in Schweden ?

Saab Werk Trollhättan
Saab Werk Trollhättan

Es rumort in Schweden und vor allem in Trollhättan. Es ist schwierig, womit beginnen wir ? Die Schweden sind eigentlich mehr der ruhige, zurückhaltende Menschanschlag. Außer an Midsommar, da geht man aus sich heraus. Aber, Midsommar ist vorbei. Paul Åkerlund, Bürgermeister von Trollhättan, hat heute für schwedische Verhältnisse sehr klare Worte gefunden. Um es auf den Punkt zu bringen, ihm stinkt die Sache gewaltig und er sieht sich, seine Kommune und Saab von Stockholm alleine gelassen.Er fordert eine Hilfe der großen Politik in jeder Beziehung und endlich Bewegung im Fall Antonov.

Der Milliardär aus Russland ist nach wie vor aktiv, gab im Gegensatz zu Muller mit dem er in täglichem Kontakt steht Interviews. Heute sagte er, werde er als Saab Aktionär genehmigt “sei das Geld morgen auf dem Konto”. Auf jeden Fall will Antonov weiterhin Druck machen.

Genau wir der Gewerkschaftsvorsitzende der IF Metal, der der auch Druck machen will und sich für Saab einsetzt. Denn, man merkt jetzt in Schweden dass ein Konkurs und ein Verschwinden der Marke Saab doch nicht so locker ist, wie die Stockholmer Regierung das gerne hätte. Gestern schon haben schwedische Stahlwerke, die Schrottstahl aus Trollhättan bekommen, festgestellt dass – upps – Stahl fehlt. Und das im boomenden Stahlgeschäft.

Die Union Gewerkschaft sammelt jetzt auch die Forderungen ihrer schätzungsweise 500 Mitglieder ein und will bis spätestens Freitag Saab die Zahlungsaufforderung zustellen. Dann hat Saab noch 7 Tage Zeit zu zahlen. Union Mitglieder haben es besser als die von der IF Metal. Klassenunterschiede in Schweden ? Während die Arbeiter, die in der IF Metal organisiert sind, nur Geld nach Bonitätsprüfung erhalten, bekommen die Angestellten der Union bei der SEB Bank ihr Überbrückungsgeld – ohne Bonitätsprüfung. Verrückte Welt.

Heute hat in Trollhättan ANA Saab sich von 75 Mitarbeitern getrennt, diese Anzahl aber später wieder relativiert. Die bereits vor einigen Wochen gekündigten Mitarbeiter, 18 an der Zahl, sind in dieser Summe bereits enthalten. ANA beschäftigt ca. 200 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten der Region.

Trollhättan mit seiner Universität und seinen Forschungsinstutitionen sind auf den Automobilbau ausgerichtet. Im Prinzip eine Paradies für jeden Autobauer, denn die meisten Innovationen kommen von kleinen Firmen die im Innovatum oder im Gebiet der Kommune Trollhättan sitzen. Ein Miniatur Silicon Valley des Automobilbaus, klein aber fein. Zudem wird mit der neuen Autobahn in Richtung Göteborg die Anbindung an die weite Welt verbessert. Der Flughafen wäre nach Fertigstellung damit fast vor der Haustüre. Ohne Saab allerdings ist dieses Autoparadies zum Scheitern verurteilt.

Die ersten Kommentatoren werden nachdenklich, nachdem die IAC Group Sverige heute ihre 44 Millionen Kronen Forderung an den Kronofogden weitergegeben hat. Man sieht das als “Katastrophe” und als “Dammbruch”, denn jetzt werden alle anderen Lieferanten den Kronofogden besuchen und Forderungen geltend machen.

Lars Holmquist, CEO der CLEPA, sieht den Konkurs jetzt als den einzigsten Ausweg, ebenso die meisten Pressestimmen in Schweden.

Stefan Bratzel, Professor für Automobilwissenschaft an der FHDW in Bergisch Gladbach sieht gute Chancen für eine insolvente Saab Automobile AB. “Dann wird die Übernahme von Saab durch die Interessenten günstiger” sagte er.

Überhaupt, heute waren aus jeder Richtung Stimmen zu hören die mit einem baldigen Konkurs – nicht aber mir einem Verschwinden von Saab rechnen. Das ist der große Unterschied zu der Situation Ende 2009. Damals, als GM Saab zu Grabe tragen wollte, war die Marke für die Presse und andere Autohersteller tot. Heute sieht das völlig anders aus.

Zugegeben, man hat leider ein Management das den Beweis erbracht hat nicht rechnen zu können, neue Finanzlöcher treten wie Naturereignisse völlig spontan auf, okay. Aber man hat auch, und das zählt wirklich, sehr eindrucksvoll den Beweis erbracht dass man gute Autos bauen kann und dass gute neue Produkte auch in kleinen Unternehmen entwickelt werden können. Das macht Saab attraktiv für Investoren.

Haben wir noch die Frage, wo kommen die 120 Millionen Kronen her, warum bleibt der Spender anonym ? Kommt das Geld wirklich aus China und nicht von Freunden aus Russland, dann ist es klar von welcher Adresse es kommt. Das Brisante daran ist folgendes. Im Prinzip ist die Bestellung, oder Überweisung,  eine verdeckte Unternehmensfinanzierung. Oder glauben Sie im Ernst jemand hätte heute entdeckt dass ihm noch exakt 582 neue Saabs fehlen ? Eben.

Das könnte aber auch die mächtige NDRC so sehen, die wäre dann sehr, sehr  – na ja – ärgerlich. Daher bleibt der Spender in Deckung. Denn es ist ein gefährliches Spiel, das der Absender des Geldes spielt.

Text: tom@saabblog.net