Saab Klassiker & Youngtimer

“Talladega Rot” geht immer! Diesen Saab 900 SPG werden Sie mögen!

Alles außer Rot, schrieb vor einiger Zeit ein Leser in den Kommentaren. Damit meinte er roten Lack, den er bei einem Saab gar nicht gut fände. Tatsächlich sind rote Fahrzeuge, mit dem Saab Zeichen auf der Motorhaube, nicht immer leicht verkäuflich.

Rot ist generell die Anti-Farbe bei großen Limousinen. Ein Saab 9-5, egal aus welcher Baureihe, ist mit dieser Farbgebung problematisch. Hier bevorzugt man gedeckte Töne. Und selbst beim kleineren 9-3 liebt oder hasst man diese Lackierung. Neutral bleiben, das funktioniert gar nicht.

Anders verhält es sich, wenn es um den klassischen Saab 900 Turbo geht. Dann ist Rot nicht nur eine Farbe. “Talladega Rot” sagten sie einst bei Saab dazu. Ein kräftiger, satter Rot-Ton, der alles veränderte.

Mit einem Mal fand man die Lackierung sehr attraktiv. Wer wollte da noch sagen, dass Rot gar nicht geht?

Saab 900 SPG (1990) - das Rot steht ihm
Saab 900 SPG (1990) – das “Talladega Rot” steht ihm

“Talladega Rot” geht immer! Diesen Saab 900 SPG werden Sie mögen!

Es gibt Autos, die können einfach jeden Farbton tragen. Dazu gehört die erste Saab 900 Baureihe, deren Design Björn Envall gezeichnet hatte. Die Linienführung ist gerade. Sie ist streng, klar und harmonisch. Ein 900 versteckt nichts und ist deshalb in der Lage, mit jeder Lackierung eine gute Figur zu machen.

Großmeister Envall verbarg keine Gestaltungsschwäche – in Schwarz, was jedes Auto tragen kann, sieht der 900 ebenso gut aus wie in Weiß oder Silber.

Was wiederum nicht bei jedem Fahrzeug so ist, da helle Farben gnadenlos jeden Designfehler anzeigen.

Klassisches Saab Design von Björn Envall
Klassisches Saab Design von Björn Envall

Diesen “Talladega Roten” Saab 900 SPG werden sie mögen

Sogar Rot, also Talladega-Rot, steht dem 900 gut. Vor allem dann, wenn es wie bei unserem hier gezeigten Auto um einen Saab 900 SPG geht. SPG, das stand in Nordamerika für die “Special Performance Group” von Saab und war im Prinzip kompatibel mit den Aero Modellen, die in Europa verkauft wurden.

Ein SPG 900 trägt die typische Seitenbeplankung, die nicht nur der Optik, sondern tatsächlich der verbesserten Aerodynamik dient. Saab entwickelte sie einst gemeinsam mit dem Rennwagenspezialisten Tom Walkinshaw und brachte so die ersten 900 über die 200‑km/h-Marke.

Zu jedem SPG Turbo gehören außerdem die Spoiler an Front und Heck und die Verbreiterung der Radläufe.

Super Aero Felgen im Format 16"
Super Aero Felgen im Format 16″

Verfügt der 900 dazu noch über die Super Aero Felgen im 16″ Format, wird er vollständig zur Ikone.

Allerdings altern auch Ikonen.

Vor einigen Jahren wurde bei “Bring A Trailer” dieser hier gezeigte 900 SPG angeboten, der in “Talladega Rot” von einer eventuell vorhandenen Rot-Phobie heilen könnte. Die Ausstattung ist perfekt. Ein Coupé mit Schiebedach ist das, was von jedem Enthusiasten gesucht wird. Das Leder zeigte sich im nicht häufigen Grau, es benötigte Pflege und Aufarbeitung, und das Armaturenbrett trug kein (!) Holz, was speziell bei einem Hochleistungsturbo gut passt.

Die Seitenbeplankung gehört zum SPG Paket
Die Seitenbeplankung gehört zum SPG Paket

Eine Saab Ikone für den Alltagseinsatz

160.000 Meilen (ca. 257.495 km) meldete der Tachometer. Bei 135.000 Meilen (ca. 217.261 km) wurde der Motor revidiert und bei Meilenstand 158.000 gab es eine neue Windschutzscheibe. Der Saab war definitiv kein Museumsstück, er war ein normales Alltagsauto, an dem immer wieder repariert wurde. Entsprechend wurde auch seine Historie nicht zu 100 % geklärt, und der Kilometerstand konnte ebenfalls nicht garantiert werden.

Armaturenbrett ohne Holz - der Airbag der späten Baujahre
Armaturenbrett ohne Holz – der Airbag der späten Baujahre

Viele Jahre gelebte Geschichte gehen auch an einem Saab nicht spurlos vorbei – in jeder Hinsicht.

Das Armaturenbrett hatte Risse, ein Ersatz lag jedoch schon bereit. Korrosion gab es ebenfalls. Ein im Bundesstaat New York gefahrener 900 rostet im selben Maße, wie er es in Kassel, Hannover oder im Voralpenland auch tun wird.

Die alternde Ikone war gepflegt, aber nicht überbehütet.

Das Rot des Ventildeckels ist nicht Original
Das Rot des Ventildeckels ist nicht Original

Die Auktion bei Bring A Trailer (Link) lief nicht uninteressant, auch weil damals SPG Saabs immer wieder beachtliche Spitzenpreise erlösten. Diese kamen jedoch aus Kalifornien, hatten traumhafte Zustände und wenige Kilometer. Geht der Saab 900 Turbo Boom in den USA auch im Spätsommer 2023 ungebremst weiter, fragten wir uns damals?

Oder unterscheidet die Szene zwischen Alltagsfahrzeug und Sammlerstück? Die Antwort im Jahr 2023 war nicht ganz eindeutig. 13.000 US‑Dollar standen am Ende fest. Zu wenig für einen Sammlerstatus, aber auf jeden Fall angemessen für ein Talladega-rotes Alltagsfahrzeug.

Mit Bildmaterial von Bring A Trailer

Der Beitrag erschien zuerst am 8. September 2023 und wurde seitdem redaktionell überarbeitet

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1 Kommentar
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Ebasli
5 Stunden zuvor

Tja, so unterschiedlich sind die Geschmäcker. Ich bekenne mich offen zu der gegenüber der Farbe Rot neutralen (und somit offenbar seltenen) Gruppe. Unfreiwillig habe ich ja nun selbst einen roten 9-3 NG, weil ich mir beim Gebrauchten die Farbe eben nicht aussuchen konnte. Und ich finde das Laserrot – na ja, ganz ok. Natürlich hätte ich lieber einen blauen gehabt. Aber viel “schlimmer” als Rot finde ich Braun, Weiß, Grün, (Post-)Gelb, Silber – abgestuft nach Fürchterlichkeit. Aber auch da gilt, dass es Ausnahmen gibt, zB die wunderbare Fehlfarbe Seegrasgrün oder Scarabäusgrün usw. Saab hatte viele hinreißend schöne Grüntöne, wohingegen ich das, was man jetzt zT an (matten) Olivtönen an SUV durch die Gegend fahren sieht, einfach nur abscheulich finde.

Und so gab es viele ganz herrliche, wunderbar schöne Metallicrottöne bei Saab, über die ich mich immer sehr freue. Nur das Laserrot finde ich zu hell und nicht ganz so grandios – aber ich kenne mindestens drei (männliche!) Saab-Enthusiasten, die gerade diese Farbe einfach nur geil finden. Einer weiß sowieso, wer gemeint ist. 😉 Sie gehören zweifellos zu der Gruppe der entschiedenen Rot-Liebhaber. Eben alles Geschmackssache und eine Frage der Nuancen.

Das Talladegarot steht nicht nur dem 900 OG, mal abgesehen davon, dass es Kult ist, ganz ausgezeichnet. Es ist auch deshalb so schön, obgleich ebenfalls kein Metallic, weil es eben diese eine Nuance dunkler ist als das Laserrot beim 9-3 NG.

Fazit dieser zu langen Farb-Rede: Ein ganz toller Saab, danke für den Hinweis und die tollen Bilder!