Für Piloten mit Führerschein – der neue Saab 99 (1969)
Als die Saab Automobildivision 1968 den neuen 99 präsentierte, war man voller Hoffnung. Der Neue war ein entscheidender Schritt weg vom bisherigen Produzenten von Kleinwagen. Hinein in die Mittelklasse. Ein neues Marktsegment wollte erobert werden und das Marketing in Frankfurt-Niedereschbach setzte dabei auf bewährte Rezepte. Saab, das war vor allem ein schwedischer Flugzeughersteller.
Bekannt für seine Qualität, daher spielte man natürlich die Flugzeugkarte. In der Anzeige in den Printmedien erinnerte man den Betrachter an die Wurzeln. Ein kleines Bild mit dem JAS 37 Viggen, der damals als einer der besten Kampfjets der Welt galt, zeigte die Flugzeug DNA.
Und die Werbung ging noch einen Schritt weiter.

Für Piloten mit Führerschein – der neue Saab 99 (1969)
Der Werbeslogan “Für Piloten mit Führerschein” ist ein prähistorischer Vorläufer der “Born from Jets” Kampagne Jahrzehnte später. Dass der 99 keineswegs ein sportlicher Jet-Ersatz war, EMS und Turbo lagen noch weit in der Zukunft, ist die andere Seite der Geschichte. Ob das schwedische Auto tatsächlich Piloten begeistern konnte, ist ungewiss.
Klar ist: Es hatte handfeste Qualitäten zu bieten. Das Blech war dicker als bei der Konkurrenz, die Ausstattung war großzügig und die Verarbeitung lag sehr nahe am alten Mercedes Niveau. Dafür dauerte es auch beachtliche 73 Stunden, bis ein 99er das Werk verlassen konnte, auch das eine Art von Rekord. Doch mit dem von Saab erstmals beim 96 eingeführten 2‑Kreis-Bremssystem, Dreipunktgurten und einem vollständig gepolsterten Armaturenbrett war der 99 tatsächlich ein Pionier in seiner Fahrzeugklasse.

4 Scheibenbremsen fand man sonst nur bei hochwertigen, sportlichen Automobilen wie Alfa Romeo und das Zündschloss auf der Mittelkonsole war ein weiterer konsequenter Schritt bezüglich Fahrzeugsicherheit. Brachte er doch den Zündschlüssel weg von der Gefahrenzone für die Kniescheibe, die im Fall eines Aufpralls gegenwärtig gewesen wäre.
Doch es war nicht alles Sonnenschein. Der Triumph Motor, auf den man aus Gründen der Kostenersparnis und dem Glauben, sich eine eigene Motorenproduktion sparen zu können, setzte, erwies sich als Problemfall. Außerdem war der 99er am Anfang nur mit zwei Türen verfügbar, was nicht jeder Kunde akzeptierte. Dazu kam, dass der Saab teuer, aber auch etwas langweilig geraten war.
Designer Sason, dessen letztes Werk der 99 war, hätte gerne etwas anderes, Innovativeres gewollt. Seine Ideen gingen in Richtung Citroën DS, aber das war dem Management absolut zu viel Avantgarde. Vielleicht hätten sie besser auf ihn hören sollen.
– Fortsetzung folgt –