Warum ist ein Volvo 144 (im Vergleich zum Audi 100) so teuer?

Wenn es etwas gab, was die schwedischen Autohersteller immer quälte, dann waren es die Preise. Saab, solange es die Marke gab, produzierte zu teuer. Und bei Volvo, bevor der Hersteller chinesisch wurde, war das ebenfalls so. Während Saab für das Problem keine überzeugende Lösung fand, vereinfachte es sich der Marktbegleiter aus Göteborg.

Er besetzte erfolgreich das Thema Sicherheit. Das tat er so konsequent, dass es daneben für den kleineren Konkurrenten keinen Platz mehr gab. Zwar war ein Saab mindestens ebenso so sicher wie ein Volvo, vielleicht war er zeitweise sogar besser. Aber das offensive Auftreten und Werben damit hatte Volvo für sich gepachtet.

Warum ist ein Volvo 144 so teuer?
Warum ist ein Volvo 144 so teuer?

Warum ist ein Volvo 144 (im Vergleich zum Audi 100) so teuer?

Tatsächlich waren in den 1970er-Jahren die Lohnkosten in Schweden höher als in Deutschland, die Stückzahlen kleiner als bei den großen Gegenspielern, da kam einiges zusammen. Der Ausweg für Volvo Deutschland war das Werben mit der Sicherheit, was ziemlich erfolgreich gelang.

Wer damals aufwuchs, der erinnert sich die Sicherheit aus Schwedenstahl. Der wusste, dass sein Lehrer am Gymnasium nicht ohne Grund auf den kantigen Volvo vertraute. Sicherheit und Volvo, das war Allgemeingut.

Natürlich konnte man mit dem Thema Sicherheit gut das Problem der hohen Fahrzeugpreise umschiffen. So gut sogar, dass man offensiv in die Werbung ging und mit dem Begriff – Teuer – zu spielen begann. Woher kommt der Preis fragt Volvo und nennt die Summe von sagenhaften 120 Millionen DM, welche die Sicherheit gekostet habe!

Volvo 144 Werbung 1970 - erklärt, warum er so teuer ist
Volvo 144 Werbung 1970 – erklärt, warum er so teuer ist

120 Millionen, der Familienvater schnauft bei dieser Summe, die 1970 so gewaltig gewirkt haben muss wie die Milliarden, die aktuell ein deutscher Finanzminister vermisst, sie aber niemals hatte. Volvo legt jetzt noch einmal nach und stellt klar, dass diese Millionen nur in einen Jahrgang geflossen seien. In dem von 1970.

Der Familienvater, die Anzeige lesend, ist spätestens jetzt schwer beeindruckt.

So gesehen sei ein Volvo preiswert, dessen Preis bei 11.170 DM für das günstigste Modell beginnt. Denn Sicherheit sei Leben.

Der Volvo ist 18 % teurer als der Audi

War es wirklich so? War der Volvo 144 (Link) so viel teurer als das Fahrzeuge des Marktbegleiters? Vergleichende Werbung war 1970 verboten, aber das Heft in dem Volvo inserierte, wurde auch von Audi genutzt. Der Audi 100 (C1) war im selben Segment wie der Volvo unterwegs und Audi wirbt offensiv mit Preisen.

Audi 100 (C1) Werbung - der Volvo kostet 18 % mehr
Audi 100 (C1) Werbung – der Volvo kostet 18 % mehr

Der Einstieg in das Auto der Ingolstädter gelingt ab 9.450 DM – für das Fahrzeug aus Göteborg werden mindestens 11.170 DM fällig. Was vielleicht nicht dramatisch klingt, das sind immerhin 18 % mehr, die zu überweisen wären. Ein solcher Abstand ist kaufentscheidend, denn dem Audi kann man kaum vorwerfen, nicht sicher zu sein.

Dass der Gymnasiallehrer zum Volvo und kaum zum Audi (Link) griff, mag etwas mit der erfolgreich platzierten Werbung zu tun gehabt haben. Aber auch mit dem Image beider Hersteller grundlegend. Während das Audi-Image den Käufer eines 100 damals im Mileu gehobener Beamter und Angestellter verortete, galt Volvo als Marke der Intellektuellen und Lehrer.

Und die eigene Imagepflege, das wissen wir, konnte immer schon entscheidend sein. Auch wenn man dazu etwas tiefer in die Tasche greifen musste.

One thought on “Warum ist ein Volvo 144 (im Vergleich zum Audi 100) so teuer?

  • Der Volvo war sicher teuer, aber das robustere Auto.

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