Talbot Solara – wenn Marken sterben bauen sie schlechte Autos?

Woran liegt es, wenn eine Automarke scheitert? Ein Freund stellte einst fest, dass es bei Saab an den Autos nicht gelegen haben könne. Die Gründe müsse man woanders suchen. Das kann ich, täglich mit älteren Saab unterwegs, unkommentiert so stehen lassen.

Etwas anders sieht es bei Talbot aus. Der Solara war die letzte Mittelklasse Limousine der Marke, ein merkwürdiges Auto, das in seinem Stammbaum die Namen Simca, Chrysler und Alpine trug, zuletzt auch Talbot. Und das in der Historie mit Saab Beziehungen interessieren kann und DNA der schwedischen Marke transplantiert bekam.

Dass es mich in meiner Jugend quälte gehört ebenfalls dazu, was eventuell dazu führt, dass ich voreingenommen und nicht objektiv gegenüber dem Solara urteile.

Talbot Solara - Wirtschaftlichkeit als Trumpf?
Talbot Solara – Wirtschaftlichkeit als Trumpf?

Der Talbot Stammbaum mit vielen Namen

Für einige Jahre war der Talbot Solara in der SX Ausführung unser Familienauto (Link), meine Erfahrungen waren traumatisch. Auch später wurde ich mit dem Talbot nicht warm, nur als er für einen symbolischen Preis in Form eines Kasten Bier im top-gepflegten Zustand den Besitzer wechselte, tat es mir etwas leid um ihn.

Angefangen hatte der Talbot Solara seine Laufbahn als Schrägheck unter dem Code Chrysler C6. Seine Ur-Version wurde als Simca 1307, 1308 und 1309 verkauft, in Großbritannien als Chrysler Alpine und in Spanien als Chrysler 150. Chrysler nahm 1979, der C6 war im vierten Jahr, seinen Abschied von Europa.

Unter der neuen Regentschaft der PSA Gruppe änderten sich die Namen in Talbot 1510, Talbot 150 und Talbot Alpine. 1980 endlich betrat die Stufenhecklimousine als zusätzliches Derivat den Markt – der Talbot Solara war geboren. Wem das bis jetzt nicht verwirrend genug war, dem kann man noch von der Saab Version des Solara erzählen.

Der Talbot Solara aus dem Saab Werk

Als Talbot Solara VIP und Talbot 1510 (Link) wurde er bei Saab-Valmet gebaut (Link), es gab eine Diesel Variante, einen Turbo und eine exklusive Version mit Saab Sitzen und Sitzheizung als DNA Transfer. Die Stückzahlen blieben freilich klein, der finnische Solara wurde nicht exportiert und war nur für den lokalen Markt vorgesehen.

Davon ahnten die möglichen Kunden in Mitteleuropa nichts. Hier versuchte der PSA Konzern den Solara als wirtschaftlich günstige Reiselimousine zu vermarkten. Das funktionierte am Anfang der 1980er-Jahre noch recht gut, die Verkaufszahlen stimmten, brachen dann aber zu Mitte des Jahrzehnts ein.

Talbot Solara Werbung 1981
Talbot Solara Werbung 1981

Investitionen fehlen, der Solara ist veraltet

Woran es lag, ist unschwer festzumachen. Die Verarbeitung galt als lieblos, Innovationen und Investitionen blieben aus und die mangelhafte Zuverlässigkeit sorgte für die Frustration der Kunden. Der Solara war veraltet, das Fahrwerk basierte immer noch dem Simca 1100, der 1967 vorgestellt worden war.

Das großzügige Raumangebot der Solara Limousine und ihre ebenso üppige Ausstattung mit, für die damalige Zeit, vielen elektrischen Gadgets konnten das nicht wettmachen. Böse Zungen behaupteten damals, dass Peugeot mit der Übernahme der Chrysler Aktivitäten von Anfang an nur das Ziel gehabt hätte, einen Marktbegleiter aus dem Rennen zu nehmen. Das könnte zutreffend sein.

Welche Zielgruppe adressierte Talbot?

Das Ende der Marke war 1981, als Talbot in Deutschland für den Solara warb, noch weit entfernt. Die Frage ist aber, ob die Slogan wie Schöner fahren – Rundum sparen und Spaß beim Sparen ausreichten, um die Kunden zu begeistern. Sprang da ein Funke über und gab es die Zielgruppe überhaupt?

Und wenn es sie gegeben haben sollte, war der Solara des passende Produkt für sie?

Hätte ein sparsam orientierter Kunde nicht gleich zum praktischen Schrägheck gegriffen, statt zu einer Reiselimousine? Es mag sein, dass Talbot schlicht die falsche Zielgruppe adressierte, die nie ein Stufenheck aus der Mittelklasse gekauft hätte. Erfahren wird man es nicht.

Mitte 1986 endete die Produktion des Solara, in Finnland hatte man schon ein Jahr zuvor das Ende beschlossen. Die Marke verschwand, ein bereits fertig entwickeltes Modell kam als Peugeot 309 zu den Händlern und Talbot war Geschichte.

3 Comments
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dirk willeke
dirk willeke
2 Jahre zuvor

ich habe damals drei talbot solaras gehabt. der 1. war rot hatte ihn ca. 1 jahr lang. dann einen weißen mit alu felgen den hatte ich nur sehr kurz. danach bekam ich einen dunkel blauen solara SX. den fuhr ich solange bis beim getriebe auf einmal der rückwertz gang nicht mehr funktioniete. da empfohl mir mein vater einen 205 grd von peugeut.

danach hatte ich später einen passat.

lg dirk

aus dortmund

Volvaab Driver
Volvaab Driver
2 Jahre zuvor

Streng genommen wurde die Marke ja nie wirklich geboren. Start 1979 und Produktionsende schon 1986?

Das war eine Schwangerschaft von PSA und Talbot wurde abgetrieben. Ob es gute Autos waren und sie eine Zielgruppe hätten, hat nie wirklich interessiert, glaube ich.

Was die Zielgruppe betrifft, wäre ich da nichtmal pessimistisch. Die Limousine galt dieser Zeit als die Normalform eines Autos. Mercedes hat bis 1975 kaum je etwas anderes verkauft, Kombis nichtmal regulär im Programm gehabt. Und Saab hatte seine erste Limousine (den 99) erst ein paar Jahre zuvor als Meilenstein gefeiert. Eigentlich galt das Stufenheck damals als massentauglich, branchenweit als sicherste Option mit der besten Prognose für hohe Stückzahlen und Absatz. Daran kann es Mitte der 1980ern nicht gelegen haben. Die Abtreibung war wohl längst und so oder so beschlossen.

Witzig aber, dass es Talbot mit Saabausstattung gab! Wer hätte das gedacht? Ich nicht.

Johann 93
Johann 93
2 Jahre zuvor

Saab hatte fast immer die Produkte, die gefragt waren. Zum Schluss halt nicht mehr. Der SUV Boom ging völlig an Saab vorbei.

Bei Talbot war es vermutlich Peugeot. Die hatten keine Lust und machten den Laden dicht.