Früher war nicht alles besser – Citroën GS im historischen Dauertest

Der Mensch neigt dazu, mit dem Abstand vieler Jahre, die Vergangenheit zu verklären. Unser Gehirn blendet negative Dinge aus und hebt positive hervor – sagt die Wissenschaft. Ziemlich sicher trifft dies bei denjenigen zu, die alte Autos mögen. Wie den Citroën GS, der ein charmant-innovativer Beitrag zur kompakten Mittelklasse war.

Heute sieht man den GS mit freudigen Augen. Ah, Hydropneumatik und Lupentacho. Très chic! Doch wie war das vor 50 Jahren, 1973, mit dem GS? Das Blättern in der Auto Motor Sport aus dem Januar des Jahres fördert einen interessanten Langzeittest ans Licht. 50.000 Kilometer mit dem GS, einem komplett neuen Auto, das erst seit knapp 2 Jahren auf dem Markt ist.

Das ist eine mutige Sache, oder?

Citroën GS im historischen Dauertest
Citroën GS im historischen Dauertest

Vor einem halben Jahrhundert galten 50.000 überlebte Kilometer als Benchmark. Autos, die das in einem Stück schafften, waren gut. Zuvor waren es nur 20.000 Kilometer gewesen, aber jetzt lag die Messlatte höher. Die Auto-Motor-Sport (Link) wagte sich damals mit einem Exemplar auf die Bahn, das ein halbes Jahr nach Produktionsstart von den Bändern fuhr.

Mon dieu, Citroën GS fahren ist teuer!

Das Testprogramm war straff, 50.000 Kilometer in 12 Monaten. Der Citroën GS überlebte, nicht unbedingt mit Bravour, aber auch nicht als Katastrophe. Die Probleme lagen im Detail und es waren viele kleine Ärgernisse, die für eine ewig lange Mängel Liste sorgten. Das brach der Heizungshebel ab, Türverkleidungen lösten sich, Schlösser waren defekt. Schlimm? Nicht schlimm, scheinbar in dieser Zeit normal. Schlecht waren die lausigen Qualitäten und Nachlässigkeiten vorrangig für die Endabrechnung. Die lokale Citroën Werkstatt war fleißig im Rechnungsschreiben, der Hersteller knausrig in Fragen der Kulanz.

Das trieb die Kilometerkosten auf sagenhafte vier Pfennige hoch. Mon dieu, es ist teuer diesen Citroën zu fahren!

Klar ist natürlich auch, die deutschen Redakteure können dem Lupentacho nichts abgewinnen. Zu schlecht ablesbar, nur ein halbes Jahrhundert später ist er lange schon Kult. Man räumt den Konstrukteuren ein erkennbares Bemühen ein, Bedienelemente logisch anzuordnen. Gelungen ist das natürlich nicht. Die Sitze sind bequem und zum Ende des Dauertests durchgesessen und man kommt nicht umhin dem GS in einigen Disziplinen Respekt zu zollen.

Dauertestwagen - es lebe die Hydropneumatik!
Dauertestwagen – es lebe die Hydropneumatik!

Citroën GS fast auf Nobelklasse Niveau

Die Hydropneumatik macht den GS, der damals in Deutschland von Monat zu Monat beliebter wird, einzigartig. Er rangiere fast auf dem Niveau der Nobelklasse, räumt die Redaktion ein. Es tritt kein Schaden und Ölverlust ein. Stattdessen unerschütterliche Richtungsstabilität, hohe Bodenhaftung und Kurvengeschwindigkeiten, jedoch mit ausgeprägter Seitenneigung.

Sogar die Bremsen, mit vier Scheibenbremsen und kurzem Pedalweg, lobt der Dauertest. Mustergültig bewertet wir auch der Verbrauch von 10,1 Litern auf 100 Kilometern. Leichtbau und Aerodynamik zahlen sich aus. Und so verhageln am Ende nur zwei Dinge die Bilanz des Citroën GS. Die hohen Kosten, welche die lokale Werkstatt auf ihr Konto bucht und die auf lange Sicht zu erwartende Reparaturunfreundlichkeit.

Bestimmte Aggregate seien so angebracht, dass sie nicht leicht zu erreichen seien. Wartungsfreundlichkeit sei nicht gegeben. Als Beispiel gilt der Wechsel der Zündkerzen, für den man 60 DM zahlen müsse oder das Nachstellen der Handbremse mit 17 DM.

Die Mängelliste - für 1973 scheinbar kein Drama
Die Mängelliste – für 1973 scheinbar kein Drama

Ausgewählter Geschmack ist kostspielig

Rückblickend erscheint die Mängelliste unendlich lange und die aufgeführten Details unbegreiflich. Der GS sei eben kein Auto für Leute, die extrem sparsam seien, endet der Dauertest. Die besondere Note des Citroën erfordere stattdessen ein vergleichsweise hohen Preis, denn regelmäßige Werkstattbesuche lassen sich kaum vermeiden.

Nein, sicher war früher nicht alles besser. Aber es war schon immer etwas kostspieliger, einen ausgewählten Geschmack zu haben.

2 thoughts on “Früher war nicht alles besser – Citroën GS im historischen Dauertest

  • Völlig richtig. Und mehr noch. Auch unter dt. Marken gab es, je nach Klasse, langjährig verschiedene Testsieger Abonnements. Objektivität und Unabhängigkeit sind nicht unbedingt Stärken der AMS …

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  • Ein typischer AMS Test aus dieser Zeit. Was nicht aus einer Deutschen Autofabrik kam, konnte nichts sein.
    Wir kennen doch alle diese unseligen Tests, x gegen y gegen z und am Schluss gewann immer ein Deutsches Fabrikat. Die Punktetabelle konnte man so schön nach seinem Gusto gestallten und die Vergabe der Punkte war manchmal mehr als abenteuerlich.

    Mein Vater war mit seinem GS sehr zufrieden, kaufte sich dann nach fünf Jahren den Nachfolger GSA. Der Komfort war für so ein kleines Auto einmalig.

    Antwort

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