Vielleicht war sie zu eigenwillig – Citroën AMI Super

Ich mag die Marke Citroën und die alten Fahrzeuge eigentlich mehr als die aktuellen. Doch es gab einige Modelle, mit deren Existenz ich mich damals, als sie noch produziert wurden, nie so ganz anfreunden konnte. AMI 6 und AMI 8 gehörten dazu. Beide Citroën basierten auf dem 2 CV, den ich jedes Mal gerne fuhr. Aber, während der 2 CV stilvoll charmant war, eroberte weder der AMI 6 noch der Nachfolger mein Herz.

Woran lag es? Am vergleichsweise sachlichen Design, welches mir Jahrzehnte später besser gefällt als damals? Vielleicht war es das Baukastenprinzip, auf welches die Marke mit dem Doppelwinkel setzte. Auf der 2 CV Basis konstruierte Citroën ein größeres Modell, das in der Heimat sogar der Mittelklasse zugerechnet wurde. Der AMI 6 und 8 war als Limousine und Kombi zu haben, unter der Haube schlug aber nur ein schwaches Boxer Herz mit zwei Zylindern und mageren 32 PS.

Das änderte sich schlagartig mit dem Auftauchen der AMI Super, die ein leistungsmäßiges Upgrade bekommen hatte.

Citroën AMI Super auf Testfahrt (1973)
Citroën AMI Super auf Testfahrt (1973)

Ein Super Upgrade für den Citroën AMI

1973 stellte Citroën der Presse den AMI Super vor. Unter der Haube hatte sich richtig viel getan, der 4-Zylinder Boxer aus der GS war eingezogen. 1015 cm³ Hubraum, 54 PS, das klang viel besser als die bisherigen Daten. Tatsächlich war der zuvor äußerst betuliche AMI nicht wiederzuerkennen und kam mit seinen Fahrleistungen der GS gefährlich nah.

Den Sprint von 0 auf Tempo 100 erledigte der AMI Super jetzt in nur 17,2 Sekunden (zuvor waren es 32,9 Sekunden), die Endgeschwindigkeit notierte bei 146 km/h (zuvor 118 km/h). Das waren fast sensationelle Werte, auf jeden Fall Welten im Vergleich zur normalen AMI 8. Die GS war gleich motorisiert beim Sprint um 1,2 Sekunden langsamer und konnte auch in der Endgeschwindigkeit mit 150 km/h dem 2 CV Derivat nicht überzeugend das aerodynamisch geformte Heck zeigen.

Ein überlebender AMI 6 (2019)
Ein überlebender AMI 6 (2019)

Hatte Citroën sich etwa mit der AMI Super einen Rivalen für den GS (Link) in das Haus geholt? Zeitgenössische Autotester hatten ebenfalls diesen Gedanken und griffen ihn auf. Die Leistungsaufstockung, so schrieb die Auto Motor Sport anlässlich der ersten Testfahrt, sei auf jeden Fall entscheidend gewesen.

Der Motor sei drehfreudig, 7000 Umdrehungen seien kurzfristig drin, aber er sei zu schwach, was den Durchzug beträfe. Das Getöse sei natürlich das eines luftgekühlten Motors, das Niveau der Geräusche sei mit dem GS zu vergleichen, aber man tue falsch daran, aus diesem Grund in der AMI Super einen sportlichen Citroën zu sehen.

Die Kombivariante der AMI 6 ist heute besonders selten
Die Kombivariante der AMI 6 ist heute besonders selten

Der AMI Super ist zu eigenwillig

Beim Sprint hätte der AMI die Nase nur vorn, weil er 90 Kilogramm leichter sei, urteilten die Tester. Sonst aber kommt er nicht an den GS heran, der aerodynamisch ausgefeilt technisch mehr zu bieten haben. Von der Hydropneumatik mal ganz abgesehen.

Denn auch mit neuem, starkem Motor, bleibt der Citroën AMI Super doch nur ein 2 CV Derivat. Komfortbetont, aber stark untersteuernd in den Kurven, mit einer spektakulären Seitenneigung. Eine größere Ente, oder eben eine 2 CV Evolution, je nach Blickwinkel. Das abschließende Urteil damals: 6500 DM sind als günstig zu sehen. Einen Verkaufsboom wird der AMI Super aber in Deutschland nicht auslösen. Dazu ist er zu eigenwillig.

4 thoughts on “Vielleicht war sie zu eigenwillig – Citroën AMI Super

  • Der schöne Artikel passt haargenau zu meinem letzten Modellautokauf, denn jetzt ergänzt ein schöner Ami 6 in Zweifarbenlackierung meine Sammlung.

    Antwort
  • Ein historischer Citroën, der zu Unrecht heute völlig vergessen ist.

    Antwort
  • Ja, schließe mich dem Vorredner an. Ich lerne und genieße …

    Und ich kann nicht anders. Ist eben mein Hintergrund. Ich ziehe also Parallelen nach Schweden. Ist verrückt, wie sich der Begriff von Plattform und Derivat verändert hat …

    Heute heißt es, eine breite Palette an Modellen mit identischen Motoren und Bodengruppe zu haben. Es hieß aber einst, dass man 10, 20 oder 30 Jahre nach Erscheinen einen “Neuwagen” auf der alten Basis mit alter Technik bringen konnte …

    Legendär ist hier aus schwedischer Perspektive Volvo. Man hat nach WW II knapp 30 Jahre die gleichen Motoren mit geringen Modifikationen verbaut. Den 140 hat man auf die Plattform der Amazone gestellt und als 240 fortgesetzt bis in die Mitte der 1990er. Natürlich nicht ohne Modifikation, aber im Prinzip hatten die Plattform und Fahrwerksdimension der Amazone fast 40 Jahre Bestand.

    Heute baut man 40 Modelle synchron auf einer Plattform, damals 40 Jahre lang eine einzige Plattform für nur 2 oder 3 aufeinander folgende Modelle. Das ist irgendwie beides schräg. Ich habe dazu keine Meinung, keine Wertung. Ich finde es einfach interessant. Ist ein weiterer Anstoß vom Blog. Regt an, stimmt nachdenklich, ist wie immer gut geschrieben. Danke!

    Antwort
  • Oh, man kann hier echt was lernen. Einen AMI6 hatte ich als Kombi noch nie gesehen!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert