Turbo Faszination mal anders – Citroën CX GTI Turbo 2

Vor 30 Jahren zog kurz nach meinem ersten Saab ein weiterer Turbo in meine Garagen. Ein Citroën CX GTI Turbo 2, Baujahr 1987. Der Turbo der anderen Art, der Gegenentwurf zum Saab 900. Aber nicht minder faszinierend. Der CX blieb nur kurz, der 900 ein paar Jahre länger. Aber, dem CX weine ich irgendwie immer noch hinterher. Was bei mir selten ist, und sich auf maximal eine Handvoll Fahrzeuge erstreckt.

Turbo Schriftzug am Lenkrad und Ladedruckanzeige unter dem Drehzahlmesser
Turbo Schriftzug am Lenkrad und Ladedruckanzeige unter dem Drehzahlmesser

Der CX GTI Turbo 2 war grün-metallic, Bilder von damals existieren keine mehr. Das hier abgebildete Fahrzeug ist ähnlich, es teilt mit meinem CX Baujahr und Ausstattung und wird in Schweden versteigert. Der CX GTI kam damals aus erster Hand, von einem Citroën Händler in der Nähe, und Scheckheft gewartet. Der Händler existiert schon lange nicht mehr, der CX vermutlich auch nicht. Denn die Geschichte nahm kein glückliches Ende.

Turbo Faszination man anders

Natürlich war der CX der Gegenentwurf zum Saab. Was beim 900 gnadenlos logisch angeordnet war, das war es bei dem französischen Gegenstück nicht. Man muss nur an das Autoradio denken, dass es sich in der Mittelkonsole zwischen den Sitzen gemütlich gemacht hatte. Das ergab ein tolles, aufgeräumtes Cockpit. Bestes Citroën Design, eine Skulptur und wunderschön. Aber mit einer fürchterlichen Bedienbarkeit für das Radio. Cool, und viel besser als ihr Ruf, waren auch die Bediensatelliten und die Schalter im Dachhimmel.

Weil es alleine schon genial war, wenn man treffsicher den richtigen Knopf dieser Andersartigkeit traf.

Innenraum, Armaturenbrett wie eine Skulptur
Innenraum, Armaturenbrett wie eine Skulptur

Generell war der CX GTI Turbo 2 ein faszinierendes Auto und die Überlebenden sind es heute auch noch. Der Citroën war die Concorde für die deutsche Autobahn. Superbequem, lässig. 168 Turbo PS aus reichlich 2,5 Litern Hubraum treffen auf die Hydropneumatik und ein Leergewicht von geschätzten 1,4 Tonnen.

Es ist diese gewagte Komposition, die das Fahrzeug einzigartig macht.

Citroën CX GTI Turbo 2
Citroën CX GTI Turbo 2

Die Concorde für die deutsche Autobahn

Nach einem gefühlt etwas größerem Turboloch schlägt der Lader zu, hebt das Fahrzeug leicht aus den hydropneumatischen Federn, und beschleunigt es nachdrücklich. Das Erlebnis hat etwas von einem rasantem Sofa und Flugzeugstart und ist eine sehr eigenwillige Mischung. Diese Citroën Turbo Erlebnisse, sie sind 30 Jahre her, sind bei mir immer noch präsent. So als ob es gestern gewesen wäre. Von allen jemals gefahrenen CX war der GTI Turbo 2 der mit dem nachhaltigsten Eindruck.

Gleichzeitig war er auch mein letzter CX, bis heute.

Denn auch in einer anderen Disziplin wusste der Citroën zu beeindrucken. Er war ein Stammkunde in der Werkstatt. Generell stand der CX mehr, als dass er fuhr. Was, im Nachhinein, mit meiner fehlenden Erfahrung in jugendlichen Jahren zu tun hatte. Heute würde ich Altauto-Probleme systematisch angehen, damals vertraute ich auf die örtlichen Schrauber. Ein Fehler, denn der CX entwickelte sich zum teuersten Auto meiner Jugendjahre.

Großer charakteristischer Heckspoiler des CX Turbo 2
Großer charakteristischer Heckspoiler des CX Turbo 2

Der Citroën CX GTI Turbo 2 liebt die Werkstatt

Das konnte nicht gut gehen.

Natürlich nicht. Die Rechnungen für sämtliche Gebrechen erreichten astronomische Höhen, der psychologische Druck wuchs, und irgendwann gab ich auf. Ich drehte eine letzte Runde mit dem CX, schwebte noch einmal durch die Stadt, und stellte ihn dann bei einem Onkel ab. Der verkaufte – wie ich damals zu hören bekam – ordentliche Autos. Also keine Citroën, die man in der Familie boshaft mit Zitronen übersetzte. Sondern gute deutsche Fabrikate. Mir blutete das Herz und mit dem CX endete meine Citroën Geschichte für Jahre.

Ich vermisste das Auto bereits 10 Minuten später, aber die Faktenlage war eindeutig. Ich hatte keine Wahl. Man kann sich mit Autos ruinieren, ich hatte Lehrgeld bezahlt und eine Menge gelernt.

Das Radio - bedien-unfreundlich zwischen den Sitzen
Das Radio – bedien-unfreundlich zwischen den Sitzen

Der Citroën übt Rache auf seine Art

Die Geschichte ging natürlich weiter. Sie nahm, so ist anzunehmen, kein gutes Ende. Mein Onkel verkaufte den CX, ich bekam etwas Geld auf die Hand. Mein gestresstes Bankkonto erholte sich wieder, und der Citroën fuhr mit seinem neuen russischen Besitzer in Richtung Osten. Ob er Russland jemals erreichte, ist unklar, die Spur von Auto und Russen verliert sich bei Erfurt.

Was war geschehen?

Der CX GTI Turbo 2 hatte ein Wegfahrsperre. Eine, die nach einem Zahlencode verlangte und die unter einer kleinen Klappe verborgen war. Ein ziemlich schickes Gadget, zur damaligen Zeit. Aber auch ein teuflisch gefährliches. Im Wagen selbst lag ein kleiner Zettel mit einem handschriftlich vermerkten Code vom Vorbesitzer. Da ich bei elektronischen Dingen schon von Berufswegen misstrauisch bin, unterließ ich es, das Tastenfeld auch nur scharf anzuschauen. Geschweige denn, es zu aktivieren.

Denn, mit falschem Code blockierte das Steuergerät und der CX war tot.

Der Russe war da viel naiver.

Er aktivierte am Abend in Erfurt die Wegfahrsperre, ging in sein Hotel, und gab am anderen Morgen den gewissen Code ein. Der, keine Überraschung, natürlich nicht korrekt war. Der CX übte für die Versetzung nach Osten Rache auf seine Art. Er verweigerte den Dienst, die Telefonleitungen glühten, der Russe hatte ein echtes Problem.

Helfen konnte niemand. Vermutlich war ein neues Steuergerät fällig, oder eine teure Rechnung der Erfurter Werkstatt. Es mag sein, dass der Citroën verladen wurde und auf einem Transporter nach Russland kam. Wie auch immer. Gehört habe ich nie mehr von ihm, aber die andere Turbo Faszination vermisse ich immer noch. Ein wenig.

Mit Bildern von bilweb

14 thoughts on “Turbo Faszination mal anders – Citroën CX GTI Turbo 2

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    Das mit der Concorde auf der Autobahn gefällt mir. Und der CX….ja….der gefällt mir auch sehr! Eine Diva ist es. Aber dennoch – in des Wortes wahrster Bedeutung – hinreißend.
    Ich sitze, während ich diese Zeilen schreibe, gerade im ICE nach Paris, wir donnerten mit 300 Km/h an einem Parkplatz vorbei. Und mein Blick wurde magisch von diesem cappuccinobraunen CX der ersten Serie mit altem französischen Nummernschild angezogen…..es fehlten nur die gelben Scheinwerfer.

    Was für ein Design, was für ein Schiff……

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      Ja, verlockend. Immer noch. Lernt der Mensch aus seinen automobilen Dummheiten?

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        Das ist eine rhethorische Frage, Tom, oder? 😉

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        Hoffentlich nicht (lernen …)!!! 😉

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    So ein CX war niemals günstig im Unterhalt. Aber jeder gefahrene Kilometer machte enormen Spaß, der CX ist einzigartig und ragt aus der Masse heraus.

    Und, es muss nicht unbedingt ein Turbo sein 😉

    Die anderen CX machen ebenso Spaß!

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    Charakterstark

    Einfach nur herrlich, wie unterschiedlich und individuell damals die Autos waren. Bei einer Feier standen vor meinem Elternhaus einmal ein 900, eine CX und ein 245 direkt hintereinander. Jedes dieser drei Autos war der jeweils exakte Gegenentwurf zu den beiden jeweilig anderen …

    Da stand auf nur rund 30 Quadratmetern und ganz selbstverständlich eine technisch konzeptionelle und gestalterische Bandbreite an Innenräumen und Karosseriedesign, die man so heute nichtmal mehr an einem Samstag Vormittag vor einem großen Supermarkt auf einem ganzen und vollständig zugeparkten Hektar findet …

    Ich vermisse diese Charakterstärke und Individualität im Automobilbau, das Vorhandensein von “Marotten” und Alleinstellungsmerkmalen, die für den Erwerb einst ausschlaggebend waren.

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      Das wird nicht besser werden. Jetzt kommen die uniformen Chinesen. Da kann man die Marken kaum noch auseinanderhalten. Es wird immer uniformer. Und langweiliger.

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        Das ist wohl leider so …

        Absolut faszinierend finde ich, dass die von mir angerissene Bandbreite im Automobilbau und Design ja nicht etwa auf Nischenprodukten beruhte. Das waren alles mal Bestseller und Massenprodukte ihrer Zeit …

        Andersartigkeit und Charakter waren einst Verkaufsargumente. Die Speichenzahl eines Lenkrads allein konnte schon kaufentscheidend sein. Oder ein Fahrwerk. Oder was auch immer. Heute zählt nur noch, welches Modell welcher Marke einem allgemein gültigen (?) Ideal so nah wie möglich kommt …

        Kleinwagen bekommen eine Vollausstattung und “Geländewagen” werden für die linke Spur der dt. Autobahn optimiert. Jedes Auto kann immer alles und immer am besten. Kein Wunder, wenn sie sich immer ähnlicher werden. Es wird der Tag kommen, an dem Kleinwagen exakt so schwer und groß sein werden, wie ein SUV. Fiat 500 und der Mini sind ja nicht mehr fern davon. Und umgekehrt schrumpfen selbst Luxus-SUV als Coupé ihren Kofferraum, die Kopffreiheit auf den Rücksitzen und andere Maße auf das Niveau von “Kleinwagen”.
        Alles trifft sich in der “goldenen” Mitte. Alles wird ein einziger Einheitsbrei …

        Und genau deshalb fahren wir weiterhin Saab und gucken links und rechts nach anderen Young- und Oldtimern. Macht einfach mehr Spaß, als die Suche nach einem Neuwagen.

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          Und deswegen liebe ich meinen 9-4X und stelle ihn am liebsten
          Neben die ach so seltenen Porsche Chayenne oder erschrecke sie auf der Autubahn….
          Go4saab

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            Kenne ich so ähnlich. Aber hat man das überhaupt nötig?

            Habe mit meinem 9-5 einmal elastisch* auf der linken Spur an der Stoßstange eines Panamera geklebt.

            *Elastisch? Der Abstand war variabel. Einerseits gehört es sich einfach, bei einem höheren Tempo mehr Abstand zu halten. Und andererseits kam hinzu, dass der 9-5 oberhalb von 220 einfach kaum noch beschleunigt hat …

            Für mich war letztlich viel entscheidender, dass ich selbst genauso scheiße gefahren bin, wie der Idiot vor mir. Ich konnte in jeder Disziplin (mehr oder weniger souverän) mithalten – eben elastisch an der Stoßstange kleben, letztlich die selbe Strecke in der gleichen Zeit fahren …

            Vermutlich aber auch mit einem ähnlichen Verbrauch und wenig Zeitersparnis. Der reinste Egotripp. Schön, dass ein Saab auch das kann, aber ich schãme mich heute mehr, den Hirsch abgerufen zu haben, als es mich befriedigen würde. Das wirklich coole an Saab ist für mich persönlich, dass man sie vernünftig fahren kann und niemanden etwas beweisen muss …
            Ganz genau das kann der Porsche-Fahrer nämlich nicht …
            Der steht, sobald er vernünftig fährt, sofort unter Generalverdacht, dass sein Einkommen nicht für beides reicht – ein unvernünftiges Auto auch unvernünftig zu bewegen. Bin ich froh, dass ich mich an solchen Maßstäben nicht mehr messen lasse …

            Hat heute kein Saab der Welt mehr nötig und auch kein Saab-Fahrer. Schont eure Schätze und fahrt sie sicher und entspannt. Wir wissen doch alle, was sie könnten, wenn wir es wollten. Es reicht um zügig von A nach B zu kommen und mehr braucht es nicht …

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          Kann ich absolut nachvollziehen! Ich bin wohl der Einzige auf dem Planeten der einen Carrera 4S gegen einen Saab 9-3 2.0T XWD mit HIrsch Performance eingetauscht hat. Im Porsche fühlte ich mich einfach nicht wohl, warum auch immer. Im Saab war ich dann wieder zu Hause!

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            Ich glaube, mehr zu können als zu müssen und mehr Sein als Schein ist letztlich eine Wohlfühlformel …

            In einem Auto zu sitzen, von dem das “Publikum” (andere Verkehrsteilnehmer) ständig eine gewisse Performance erwartet – einen schnellen Start an der Ampel, eine schnell genommene Kurve auf einer Landstraße, mehr Sound und Krach, oder was auch immer dem Image von Marke, Modell und Fahrer gerecht wird – stelle ich mir sehr anstrengend vor …

            Saab fährt oder “fliegt” man unterhalb des Radars ganz ohne Druck und genau so, wie man selbst gerade unterwegs sein möchte. Das ist ein Stück individueller Freiheit und unbezahlbar. Weniger Image und weniger Vorurteile sind mir noch nie begegnet. In einem Saab ist man frei …

            (Mal abgesehen von nationalen Klischees, wie dem Mann namens Ove…)

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    CX und wie war ich in dieses Auto vernarrt! Im 1981 kaufte ich einen gebrauchten 2200 Pallas in dunkelgrau metallic, was ein schönes Auto. Ein Schiff, eine Sänfte vielmehr und Platz ohne Ende. Das Selbige kam dann aber auch schon nach einem Jahr……. Sie ahnen es, ich machte ähnliche Erfahrungen wie Tom und der CX wurde mir einfach zu teuer! Aber einmal im Leben sollte man DS oder CX gefahren sein, ist mit nix anderem vergleichbar.

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      Also mein Schwiegervater heult heute noch seinem vor 20 Jahren verkauften Xantia nach
      Andreas

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