Einfach zu banal? Saab bloggen in Zeiten des Krieges!

Am letzten Donnerstag warteten die Lesenden vergeblich! Kein neuer Beitrag ging online, es blieb ruhig auf dem Blog. In der Nacht zum Donnerstag hatte die russische Armee ihren Angriff auf den ukrainischen Nachbarn gestartet. Am Morgen darauf erschien es mir zu banal, über Saab zu schreiben. So, als wäre nichts geschehen. Ich nahm den für den Vormittag geplanten Artikel vom Netz. Über Autos erzählen, während ein paar 100 Kilometer weiter Europäer sterben?  Das konnte ich nicht!

Krieg in der Ukraine

Ich war kalt überrascht von Putin, dem ich zwar viel zugetraut hatte. Aber trotz aller Kriegsrhetorik rechnete ich nicht mit einer Aggression in diesem Ausmaß. Denkbar erschien mir ein Staatsstreich in Kiew und das Einsetzen einer Russland-treuen Regierung. Ober die komplette Annexion der beiden “Republiken”, die Putin Jahre zuvor gewaltsam aus der Ukraine gelöst hatte. Aber ein großer Krieg?

Dafür erschienen mir die Russen zu intelligent

Vor etwas mehr als 80 Jahren waren es deutsche Panzer, die erstmals durch Kiew rollten. Zwei Schlachten, 1941 und 43, wurden um die Stadt geführt, mehr als 141.000 Tote beklagten beide Seiten. Ich hoffte, nach 80 Jahren wären die Menschen weiser. Aber aus der Vergangenheit zu lernen, scheint unmöglich zu sein. Wie viele Menschen in den nächsten Tagen und Wochen die Verteidigung von Kiew mit ihrem Leben bezahlen werden, können wir nicht ahnen.

In den folgenden Tagen frustrierte mich die deutsche Regierung, die an das Appeasement der Vorgänger anknüpfen wollte. Wegschauen wie bei der Krim, wie in Syrien und Libyen. Die Wohlfühlzone um keinen Preis verlassen, denn wer erklärt dem deutschen Wähler, wenn Heizungen kalt bleiben und Firmen stillstehen? Die Appeasementstrategie wurde erst am Tag 4 des russischen Krieges gegen die Ukraine beerdigt.

Durch erheblichen Druck der Verbündeten

Erkennbar ist – der Krieg in Europa wird alles verändern. Er bringt alte Themen zurück auf die Agenda, die völlig vernachlässigt wurden. Die naive Vorstellung, dass eine große Industrienation keine schlagkräftige Armee benötigt, ist Geschichte. Wie auch die Strategie, mit jedem System auf der Welt Handel treiben zu können, und bei den schwarzen Seiten der Partner einfach wegzuschauen.

Der Krieg zeigt uns Grenzen. Die Ukraine ist, in den Städten, eine hochmoderne und digitale Demokratie. Deren digitale Verletzlichkeit russische Angriffe mit Wiper-Malware demonstrieren. Daten werden gehackt, effektiv gelöscht und sind nie mehr zu rekonstruieren. Der Schaden ist unermesslich und, sollte der Staat den Krieg überleben, kaum gutzumachen. Digitalisierung funktioniert und ist nützlich – in einer idealen Welt. Aber nicht mit einem missgünstigen Nachbarn, der Panzer flankiert von digitalen Angriffen rollen lässt.

Saab Szene in der Ukraine

In der Ukraine gibt es eine rührige Saab Szene – wie auch in Russland. Bisher sah man Fahrzeuge beider Nationen friedlich auf internationalen Treffen nebeneinander parken. Wie die ganze Saab Szene länderübergreifend und friedlich ist. Das gab mir in den letzten 10 Jahren, seit ich das Projekt schreibe, Hoffnung. Wenn Nationen, die einst gegeneinander standen, miteinander reden und ihre Hobbys teilen – wie die Begeisterung für eine Marke wie Saab – dann kann das nur gut sein. Dachte ich mir…

Auf YouTube findet man ein Saab Video, das vermutlich aus Tschernihiw (Chernihiv) kommt. Es zeigt ein Saab Treffen im Sommer 2021, und wären da nicht ukrainische Flaggen im Hintergrund, der Film hätte auch irgendwo in Russland oder Weißrussland spielen können.

Das Video zeigt junge Menschen, die einfach nur Spaß mit ihren Autos und Freunden haben. So wie überall auf der Welt. Und nur ein paar Monate später ist die Idylle vorbei. Es ist Krieg.

 

Tschernihiw liegt aktuell östlich des Einfallskorridors der russischen Armee in Richtung Kiew. Die Stadt soll eine wichtige Basis der ukrainischen Armee sein, was die Lage nicht entspannter werden lässt. Ich habe keine Ahnung, wie es der Saab Gemeinde dort geht, denn heute wurden in der Region heftige Gefechte gemeldet.

Sitzen die Menschen im Bunker, leben sie noch, sind sie auf dem Weg nach Westen? Vielleicht kämpfen sie, mit dem Gewehr in der Hand, gegen die Invasoren? Man macht sich Gedanken und Sorgen – und ist im Geiste und Herzen mit dabei.

Mich berührt dieser Krieg und mich stört meine Ohnmacht. Ein Krieg ist durch nichts zu rechtfertigen. Wir sollten intelligent genug sein, unsere Probleme auf andere Art zu lösen. Dass nach 80 Jahren wieder Panzer in Richtung Kiew rollen, ist eine Bankrotterklärung unserer Spezies. Weil es Jahre zuvor Dutzende von Möglichkeiten gegeben hätte, die Entwicklung zu stoppen.

Natürlich werde ich weiter über Saab schreiben. Auch in Kriegszeiten (wie auch in Zeiten der Pandemie) brauchen wir alle eine Dosis Normalität und Banalität. Etwas, was uns wegholt von unseren Sorgen. Permanenter Alarmismus ist keine Lösung. Deshalb gibt es weiter Autogeschichten, auch wenn es mir aktuell schwerfällt. Ich würde mich freuen, wenn auch Sie weiter Saab lesen wollen.

28 thoughts on “Einfach zu banal? Saab bloggen in Zeiten des Krieges!

  • Ein großes Wagnis

    Lieber Tom,
    ohne nochmals in das Thema einzusteigen, möchte ich einmal ganz explizit und ausschließlich meinen Dank äußern – für den Artikel selbst und die Plattform, die er bewegten Lesern und auch dem Blogger selbst im Zuge der Kommentare geboten hat.

    Da musste ganz viel einfach mal raus. Gedanken, Gefühle, Ängste, persönliche Betroffenheit. Die Kommentare sind randvoll und das Thema sehr emotional. Es hätte hier auch eskalieren können. Das ist es nicht, aber es war ein großes Wagnis.

    Würden die Leser eine gute Umgangsform miteinander wahren? Wie breit, vielleicht unbequem und radikal würde das Meinungsspektrum werden? Es ist vermutlich das größte Wagnis, das dieser Blog je eingegangen ist. Ein Krieg auf Leben und Tod zum Thema. Existenzieller geht es nicht.

    Die Diskussion in den Kommentaren empfinde ich als erstaunlich friedlich, als informativ und gedanklich anregend. Mir persönlich hat sie gut getan und aus den Kommentaren und Daumen lese ich heraus, dass eine Mehrheit der Lesenden es vermutlich ähnlich empfindet.

    Es war ein Wagnis. Vielen Dank, dass es bewusst eingegangen wurde. Ich denke, es hat sich gelohnt.

  • Amazingly written. You’re far closer to the situation than I am over in the UK currently, but this is a disaster for humankind altogether. As you say, old rules have been lost forever now and nothing can or will be the same again. I have many many readers of Saab vs Scepticism in both Russia and Ukraine and my thoughts of safety and peace are with them all

    Thanks for sharing this and let’s hope out small Saab community can somehow provide some much needed normality in the coming days, weeks and years

  • Putins Testlauf

    @ F. Weber. Das stimmt. Putin hat die Annektion der Krim als solchen begriffen. Und richtig, alles begann schon viel früher und hinterher ist man immer schlauer …

    Und doch empfinde ich die damalige Zurückhaltung von EU und NATO als die richtige Reaktionen. Auch für “uns” war es ein Testlauf und mehr noch, es war auch eine Botschaft.
    Nur hat Putin sie nicht verstanden. Viele Menschen in Russland, bis hinein in die Organe und die erweiterte Staatsführung, hingegen schon. Die Krim war nach russischer Lesart ein Testlauf, wie weit die Einmischung von NATO und EU in “Innere Angelegenheiten” gehen würde. Die Annektion erhielt innerhalb der russischen Bevölkerung und, das ist wichtig, auch von einem signifikanten Anteil der Krimbewohner selbst erstaunlich viel Zustimmung.
    Die westliche Zurückhaltung war insofern geschickt, weil sie die Behauptung einer Bedrohung Russlands durch EU und NATO entkräftet hat. Das war damals die Botschaft, die Putin aber nicht kapiert hat.
    Sein Krieg gegen die Ukraine wird ganz besonders vor diesem Hintergrund von vielen Russen als eine vollständig sinnlose und “private” Aggression Putins empfunden, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Die westliche Zurückhaltung bei der Krimannektion war vielleicht gar nicht so falsch?

  • Ich befürchte, das alles begann schon viel früher. Man hätte die Besetzung der Krim nicht einfach so hinnehmen dürfen. Das war Putins Testlauf. Außer gespielter Empörung und plakativer Sanktionen passierte nichts.

    Vermutlich hat man so Putin ermuntert nun den großen Schritt zu wagen. Hinterher sind wir stets schlauer.

  • @Saabansbraten: Kluge Worte, so kluge Worte und so fein gewählt. Hab Dank dafür.

    Daneben fiel mir noch der gute alte Platon ein, der seinerzeit dazu aufrief, dass man die Dinge von zwei Seiten betrachten möge. Und da fällt mir ein Freund ein, der als Berufssoldat schon lange wusste, dass er Anfang diesen Jahres zu einem längerdauernden Nato-Manöver ins Baltikum muss, lange bevor sich an der ukrainisch-russischen Grenze etwas abspielte und der wusste, dass dieses Manöver gegen geltende Verträge der Nato mit Russland (Stichwort: Nato-Osterweiterung) verstösst. Da hat jede Seite gehörig Dreck am Stecken.

    So oder so, auch solche Konflikte beginnen in unser aller Köpfen, in unserem Denken. Indem wir negativ denken, uns negativ äußern (die bösen Russen, die Anderen, der Feind, der Schwurbler) haben wir einen Prozess der Ab- bzw. Ausgrenzung begonnen. Im Kleinen ist der andere “der Depp” und im Großen ist er “der Feind”. Faktisch leben der Depp wie der Feind in uns selbst und erst wenn wir das erkennen und daraus abgeleitet weise handeln, wird sich auf diesem Planeten etwas ändern. Bis dahin wird weiterhin gemordet, geschändet, versklavt, ausgebeutet, geraubt und und und ………………. und wir lehnen uns zurück, reden von den Bösen und wähnen uns die Guten zu sein.
    Unter uns und ganz offen: das funktioniert so leider nicht.

    • Das mit dem Manöver ist Schwachsinn. Die Manöver sind (waren) angemeldet, von beiden Seiten. permanente Stationierung von Nato Truppen sind nicht erlaubt, weshalb sie rotieren. Ansonsten hat jeder Staat die Freiheit sich dem Bündnis seiner Wahl anzuschließen.

      Was nicht erlaubt ist, ist die Besetzung der Krim, die Bombardierungen in Syrien, Georgien und so weiter. Leider sind die Russen gerade die “Bösen”, da hilft den 600.000 geflüchteten Ukrainern auch die Lektüre von Plato nicht.

  • P.S.

    Ich finde beides gut und richtig. Also dass weiter über Saab geschrieben wird und dass das Thema Ukraine sich hier in einer Kolumne spiegelt – wie gewohnt sachlich und nachdenklich.

    Man kommt um das Thema einfach nicht drumherum. Ich denke darüber nach, Solidarität und Flagge an meinen Autos zu zeigen und wie am besten. Am liebsten wäre mir natürlich, der Konflikt würde mit einem Abzug von Putins Truppen enden, bevor ich vielleicht einen breiten blau-gelben Streifen über Haube und Dach des schwarzen SC folieren lasse …

  • Danke Tom. Wie immer, besser hätte es nicht ausgedrückt werden können.

    Wir schauen in der Tat zu lange hin…. bis es eines Tages vor unserer Tür steht. Es ist beschämend, bis zu welchem Grad wir mit Diktatoren und Mördern Geschäfte machen, um unsere Wohlstands-Seifenblase nicht zu gefärden. Ich persönlich bin hier in Spanien von verzweifelten Ukrainern – und nein, ich gendere nicht – umgeben, meine polnische Familie lebt 120 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, und Strassen voller Panzer gehören zu meinem Erfahrungsschatz. Ich bin traurug und wütend meiner Ohnmacht, und der Dummheit der Menschheit wegen. Aber trotz allem: ich möchte über Saab lesen. Und ich möchte über Saab schreiben. Habe in den letzten Tagen alle Projekte in Frage gestellt. Und mit allen Beteiligten einstimmig beschlossen sie durchzuführen. Es wäre ein voreiliger kleiner Sieg eines geisteskranken Despoten unsere Normalität aufzugeben. Und “Carpe diem” machte noch nie mehr Sinn…..

    Der Lizi

  • Mein 15-Jähriger hat aktuell einen erhöhten Gesprächsbedarf …

    Er spricht mehrmals täglich mit mir und an Wochentagen schon vor der Schule – heute am Montag und zuvor letzten Freitag.
    Kenne ich so von dem Pubertier eigentlich gar nicht. Die Angst vor WW III macht ungewöhnlich gesprächig …

    Ist gar nicht so einfach, diese Angst zu zerstreuen und zu relativieren, aber die AW steckt im Artikel und mein Pubertier ist sogar schon selbst darauf gekommen. Er schrieb mir, nicht die Russen sind der Feind, sondern Putin.

    Es gibt hoffentlich bald wieder Saabtreffen, an denen Russen und Ukrainer gemeinsam teilnehmen.

    • Ja, Du sagst es: Putin ist der Feind, nicht das russische Volk. Das festzuhalten, geht allzu leicht unter.

      • Ihr Lieben,
        ist nicht allein das schon Kriegsrhetorik, jemanden als “Feind” zu bezeichnen, den von hier wahrscheinlich noch nie jemand persönlich getroffen noch gesprochen hat? Einen Menschen als sein Feindbild auszumachen?
        Worte im Artikel sagen es:
        Wir sind intelligenter – besser noch weiser – das zu lösen. Es ist, auch in Zeiten einer “Pandemie”, die ihrer eigenen Definition nichtmal standhält, genau das, was es zu lernen gilt: nicht in eine Spaltung und (gar unbekannte) Verurteilung zu gehen, raus aus dem Sündenbockverhalten – und dafür in neues Gemeinsames.
        Dafür gilt es, bei sich selbst anzufangen. Trotz aller Wut, aller Traurigkeit, aller Sorgen, aller Bestürzung.
        ‘Ich weiß, dass ich nicht viel weiß’ – doch ich spüre, was richtig ist. Und da sagt mir mein Herz deutlich, dass es nicht zu ihm passt, jemanden als seinen Feind zu bezeichnen.

        • Es ist leider, und ich bedauere das, Realitäts-Rhetorik. Sieht man die Bilder und Fakten der letzten Nacht an, dann wurde wieder gestorben, und zwar mehr als in den Nächten zuvor. Der Feind ist Putin, der Angriff und das Töten ist nicht zu rechtfertigen, und auch am Tag 6 des Krieges ist wenig Hoffnung. Ganz im Gegenteil. Die Dinge eskalieren.

          Wir “feinen” Mitteleuropäer müssen lernen, damit umzugehen. Wir müssen der Realität in das hässliche Gesicht sehen und Sachverhalte klar adressieren. Ich sehe da keinen anderen Weg.

          Den Krieg wird nur das russische Volk beenden können. Es alleine kann seinem “Präsidenten” die Rote Karte zeigen. Auf welchem Weg auch immer.

          • Gut gesagt. Mal wieder …

            Und die Rhetorik kann Leben retten. Sie kann Putin isolieren und einen Sturz fördern. Und sie kann vereinen und Brücken bauen – zum russischen Volk, das zu Tausenden in der Heimat verhaftet wird und in der Ukraine stirbt.

            Es ist nicht nur legitim, sondern auch geboten, Putin rhetorisch zu isolieren, während man ganz Russland Brücken baut. Brücken für einen Frieden und eine Freundschaft in Freiheit, sobald der Krieg beendet ist.

            • Lieber Volvaab Driver/lieber Herbert,
              denn versuche ich mal, mehr zu verstehen:
              Wie möchtest Du das machen – jemanden rhetorisch isolieren? Ihn einzeln stellen? Ihn allein lassen? Und: wie fühlt sich das an?

              Parallel merke ich auch:
              Es wandelt einen Krieg nicht in einen Frieden um, wenn wir in der Ferne mit möglicher Deutungs- und Interpretationshoheit anmaßen, was richtig und was falsch sei.
              Was hilft das Menschen dort vor Ort, wenn Menschen hier sagen: “Ich verurteile das auf das Schärfste.” Was führt daran zu mehr Frieden, wenn ich mein Gegenüber als “Feind” deklariere und sehe? Wissen wir aus der Ferne, was wirklich wie ist – kennt jemand die Interessen derer, die aktuell die Befehle ausführen (oder: ‘machen die auch nur ihren Job?’) – hat hier jemand Putin gesprochen und ihn gefragt, was er will? Auf wen genau bezieht sich dieses Feindbild überhaupt, und: was löst es, wenn ich es nutze?
              Ich bin auch da wieder an dem Punkt: jemand tue den ersten Schritt in die bessere Richtung. Und der geschieht nicht über das Gehen auf dem Weg, den ich als den ‘falschen’ sehe.

              Das ist es, was mich umso mehr wütend sein lässt: das viele Gerede über das, was in der Ferne passiert, und das sich selbst Hinstellen als ‘der Wissende’ und der, der’s mit Worten in der Ferne entscheiden und beeinflussen möge. Und dann wartet, dass es schon wer für einen erledige… oder?
              Ein großes HMPF.

              • Ja, tatsächlich möchte ich genau das. Putin allein zu stellen und alleine zu lassen, scheint mir aktuell geboten.

                Es könnte etliche Leben retten, russische und ukrainische. Das halten Sie moralisch für falsch?

                Sehr, sehr aufschlussreich!
                Vielen Dank für diese Offenheit.

                • Und dann, meinen Sie, ist alles gut – und niemand “Böses” wird mehr da sein (denn Putin macht das alles komplett allein)? 🙂

                  Schlafen Sie gut.

                  Schade, dass mein anderer Kommentar weiter oben kommentarlos gelöscht worden ist – er war in seiner Art nicht groß anders und enthielt ähnliche Fragestellungen.
                  Nun, da ich das Ausbeißen aneinander auch nicht für zielführend halte, gehe ich an der Stelle nicht weiter darauf ein außer meinen Wunsch zu äußern, dass Fragen und unterschiedliche Ansichten ausgehalten werden.

                  • Der Kommentar, um es klarzustellen, wurde nicht gelöscht. Die KI hat ihn als Spam erkannte und nicht freigegeben.

                    Ich habe mir die Mühe gemacht, den Kommentar zu lesen. Und ich stimme der Software bei.

                    Der Vergleich der “Corona-Spaziergänger” als Freiheitskämpfer ist schwerer Unfug.

                    Der Unterschied: In der Ukraine werden Menschen durch russische Soldaten getötet. Täglich und mehr denn je.

                    In Deutschland gehen Menschen spazieren, weil sie ihre Rechte in Gefahr sehen. Ich erspare dazu meine Meinung, sie dürfte bekannt sein. Aber was passiert mit den Menschen, die das tun? Sind sie einem Risiko ausgesetzt? Werden sie inhaftiert, gefoltert, getötet? Ich denke, das ist nicht der Fall.

                    Wenn man die russische Invasion verteidigen möchte, dann rate ich zu einem Experiment:

                    Stellen Sie sich auf den roten Platz in Moskau. Demonstrieren Sie gegen den Krieg. Die Geheimpolizei wird dem nicht zusehen und Sie werden schnell für eine lange Zeit aus dem Verkehr gezogen. Oder, ganz aktuell: Sie schreiben in einem Medium wie diesem gegen den Staat. Was passiert? Es geht offline.

                    Daher die Bitte, damit das Thema offen bleiben kann: Beim Thema bleiben. Keine Fakten vermengen und nicht die “Spaziergänger” als Helden verklären. Das sind sie sicher nicht.

                    • Danke für die Erklärung, Tom.

                      Um das ebenso klarzustellen: ich hatte ein nach meinem Empfinden passendes Zitat verwendet. Wenn der erste Satz aufstößt, ist der Rest dann ebenso unpassend?

                      Wem nützt Krieg?
                      Wer leidet?
                      Wer geht als Gewinner hervor?

                      Und:
                      Was ist Frieden?

                      Ich bleibe dabei:
                      Frieden ist nicht die Erzählung von oder Unterscheidung in die Guten und die Bösen.

                      Um aus der Kopf- und Argumentationsebene herauszukommen – und weil ich das Bleiben bei Fakten nicht für zielführend für ein echtes harmonisches und friedliches Miteinander halte – stelle ich lieber Fragen für andere Ebenen. Auf dass sich zuerst jeder selbst seine Definition von Frieden, Wahrheit, Respekt, Solidarität etc. finde.
                      Dann lässt sich im Miteinander klarer und ruhiger aufeinander zugehen.

                      Denn:
                      Wenn wir das hier nicht schaffen, wie soll das dann “da draußen” (das bitter real ist) funktionieren?

                      Ich wünsche ein schönes, ein ruhiges und ein möglichst hassfreies Wochenende.

                    • Tut mir leid, wenn ich das so schreiben muss. Aktuell zählen nur die Fakten. Bitte erzähle den Menschen unter russischem Artilleriefeuer von der Kopf- und Argumentationsebene, sie werden Dir nicht folgen können. Es ist manchmal an der Zeit, sich Wahrheiten zu stellen. Speziell, wenn es um Leben und Tod geht. Da ist zwischendrin kein Raum für Sophistik.

              • Ich muss hier leider noch mal antworten: Man muss Herrn Putin nicht fragen, was er möchte. Er zeigt und sagt es ja klar. Jeder, der sich ihm und seinen Plänen in den Weg stellt, hat mit Atomwaffen als Antwort zu rechnen. Deutschland auch. Ist das nicht eindeutig genug?

                Und: ‚machen die auch nur ihren Job?‘ gibt es nicht. Das erinnert an die Rhetorik des “Befehlsnotstands” nach 1945. Zum Glück ist die Rechtssprechung ein großes Stück in den letzten Jahrzehnten weiter gekommen. Soldaten werden zu Mittätern und die internationale Staatengemeinschaft stellt Kriegsverbrecher vor ein Tribunal. Auch Herr Putin droht dieses Schicksal, ebenso seinen Generälen.

                • Meinetwegen darfst Du antworten, so viel Du möchtest – ich find’ Austausch gut 🙂

                  Okay – also keine Kommunikation als Weg. Und wie löst ‘keine Kommunikation’ einen Konflikt?

                  Zu “machen die auch nur ihren Job”: Ich wünsche mir, dass dies nie als Grund für eigene Taten herangezogen wird, denn es ist kein wahrer Grund… es ist in meinen Augen ein Verstecken hinter Befehlen, Vorgaben oder Ähnlichem (je nach Umgebung), und ein Abgeben der eigenen (auch moralischen) Verantwortung.
                  Ich habe diesen Ausspruch jedenfalls zu häufig gehört in den letzten Jahren – und ich habe den Eindruck, dass viele Menschen handeln wie sie handeln, weil sie meinen, sie müssten es tun… oder weil die Angst vor der Konsequenz, wenn ich für Moral und Herz einstehe, zu groß ist. Ich bin darüber auch traurig, dass es so ist.
                  “Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin.” – auch das ist mein großer Wunsch. Nicht machen, wenn’s klar nicht gut ist.

                  • Ich finde die Fragen an Menschen und deren Motive, die Sie aufwerfen, überwiegend gut und richtig.
                    Das Motiv dahinter, lieber zwei bis vier Fragen mehr zu stellen, ein bis zwei Ebenen auf der Suche nach gegenseitigem Verständnis tiefer zu gehen, als vorschnell zu einer Meinung, gar einer Vorvorteilung anderer Sichtweisen zu gelangen, als per se ehrenhaft …

                    Was mich aber irritiert ist, dass Ihre teils persönlich adressierten Fragestellungen genau das implizieren. Da soll man sich Ihnen gegenüber rechtfertigen, wie man, ohne Putin je persönlich getroffen zu haben, zu einer Meinung gelangt sei. Sie unterstellen ausgerechnet am Beispiel Putins anderen Lesern einen Hang zur Besserwisserei, vorschnell Feindbilder zu entwickeln und der Gleichen mehr …
                    Das ist auch nichts anderes als ein Vorurteil, welches Sie Ihren Mitmenschen gegenüber offen ausleben. Ihre Kommentare sind ein Manifest moralisch philosophischer Überlegenheit und Ihre rein rhetorischen Fragen (ob man Putin denn je persönlich getroffen habe) sind ein Stilmittel der Isolation. Dahinter steckt nichts anderes als die Absicht, einen jeden Menschen, der über keine persönliche Kenntnis von und keine persönliche Erfahrung mit Putin verfügt, als unfähig einer gültigen Meinung zu diskreditieren und von einem Meinungsbild auszuschließen. Das ist schon echt harter Tobak. Und es ist randvoll innerer Widersprüche …

                    Eine Meinung über Putin darf man sich durchaus erlauben, auch ohne ihm freundschaftlich und finanziell verbunden zu sein. Die Meinungshoheit ist bei einem G. Schröder, der nach Ihren Maßstäben qualifiziert wäre, ganz sicher nicht in besseren Händen.

                    Ich könnte jetzt noch 20 andere Beispiele nennen, warum mir Ihre Rhetorik aufstößt, aber ich belasse es mal dabei. Dass Sie einer rhetorischen Isolation Putins um jeden Preis das Wasser abgraben wollen und dafür gleichzeitig und ausgerechnet die rhetorische Isolation von Kommentaren und Kommentatoren versus Putin betreiben, ist, wie gesagt, irritierend genug.

                    Practice what you preach, sieht für mich anders aus.

                    Ihr Maßstab an die Kritiker Putins ist erschreckend hoch. Nicht jede Witwe, jeder Vater, jeder Waise muss diesen Mann persönlich treffen, um sich wie G. Schröder auch eine Meinung erlauben zu dürfen. Und Putin muss nicht jede Türklinke persönlich mit Gift bestreichen,
                    nicht jede Kugel selbst schießen, nicht jeden Demonstranten persönlich abführen, bevor die Opfer sich eine Meinung bilden dürften. Sie haben in Ihren Kommentaren ein paar äußerst fragwürdige Maßstäbe dafür aufgestellt, wie man Ihren moralischen Ansprüchen Ihrer Meinung nach Genüge leisten könne und sich nach Ihren Maßstäben eine Meinung erlauben dürfe.

                    Ich finde das, wie gesagt, nach Ihren eigenen Maßstäben in sich alles widersprüchlich. Da wird an Vorverurteilung und Vorwürfen jedenfalls nicht gespart. Und das alles, damit es Putin rein rhetorisch nicht zu hart an den Kragen gehen möge?
                    Der arme Putin …

                    Stell Dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin. Stell Dir vor, es ist Krieg und Putin inhaftiert jedes Kind mit einem Peace-Symbol in der Hand und erschießt jeden Vater, der nicht hingeht …

                    Das ist die Realität. Und der Witz dabei ist, dass das Kind vielleicht gegen “jüdische Nazis” in der Ukraine demonstriert und der Propaganda Putins geglaubt hat, dass die Invasion eine Friedensmission sei. Ist schon komisch, wenn man bei einer laufenden Friedensmission für Frieden demonstriert und trotzdem als Minderjähriger schon im Knast landet …
                    Finde den Fehler.

                    Wenn Sie sich moralisch überlegen generieren wollen,. sollten sie Ihre Prioritäten neu setzen. Ich fühle mich da bei tausenden Opfern auf der sicheren Seite.
                    Und übrigens, ein verzweifelter und vereinzelter Diktator macht noch kein “Feindbild”. Es geht da weder um Nationalismus noch Rassismus. Aber selbst an diesem Punkt haben Sie sich gegenüber Kommentaren, verwehrt, die explizit einen Schulterschluss mit dem im russischen Volk vorhandenem Friedenswunsch angestrebt haben.

                    Auch eine rhetorische Kriegsführung, die zu betreiben sie anderen Kommentatoren aber so gerne und geschickt unterstellen. Sie werden nicht umhin kommen, da irgendwann einmal eine klare Position beziehen zu müssen. Und da können Sie sich nur zwischen Putin auf der einen Seite, Inhaftierten, Ermordeten, Verwaisten und Verwitweten auf der anderen Seite entscheiden …

                    Ich hoffe sehr, das Sie da nicht eine Sekunde zögern.

  • Danke, Tom. Du hast den richtigen Ton getroffen.
    Und ich teile Deine Gedanken dazu vollauf, auch die mit Blick auf die deutsche Politik. Was gestern binnen weniger Stunden hier stattfand, hat mich sprachlos gemacht, hoffnungsvoll. Vielleicht ist das ein kleiner Hoffnungsfunken, dass all das, was nur wenige Stunden Fahrt von uns stattfindet, auch etwas in eine positive Richtung bewegt.

    Eigentlich sollte ich in vier Wochen für einen Kunden eine Arbeit in Kiew antreten, die mit kurzen Unterbrechungen bis 2023 dauern sollte. Ich hatte mir schon vorgenommen, mit meinem SAAB hinzufahren; ein kleines Abenteuer und Stoff für unseren Blog.
    Ein junger Ukrainier arbeitet mit seinen Kollegen einer polnischen Firma seit anderthalb Jahren immer mal wieder nebenan beim Nachbarn, der sein Haus umfangreich ausbaut. Wir haben uns angefreundet über die Zeit, ab und an kommt er zu mir rüber, wir grillen, trinken Bier, reden. Durch mich weiß er nun auch, dass es zwei schwedische Automarken gibt. Ich habe ihn in meinem 9-3 mitgenommen und wir sind ein bisschen durch die Gegend gefahren bei uns.

    Wir hatten abgemacht, dass ich ihn dann ab und an zuhause in der West-Ukraine am Wochenende besuche, wenn ich nicht in Kiew sein muss. Er hat mir Bilder gezeigt vom Eisfischen oder vom Angelwochenende im Sommer in der Nähe des Ortes, an dem heute Gespräche zwischen einer russischen und einer ukrainischen Delegation stattgefunden haben. Unerreichbar weit entfernte Orte, Gegenden, in denen die russische Armee sich nun tummelt.

    Beide haben wir Putin viel zugetraut. Aber keinen Agriffskrieg gegen die Ukraine. Übermorgen ist er wieder bei mir.

    • Au Mann, da bist du ja relativ direkt betroffen …

      Eine Ergänzung zur Hoffnung. In Schweden und Finnland erlebt die Debatte um NATO-Beitritt eine Renaissance mit wachsender Zustimmung. Ihr Ausgang ist offen, aber käme es zu diesen Beitritten, stünde Putin innenpolitisch endgültig als auf ganzer Linie gescheiterter Geostratege da.

      73 Jahre nach Gründung der NATO noch immer neutral. Aber jetzt vielleicht nicht mehr lange. Auch eine NATO-Osterweiterung. Sie ginge vollständig auf Putins Konto. Und die Grenze zu Finnland ist mit 1340 km fast doppelt so lang, wie die zu Estland, Lettland und Litauen zusammen …

      Putin könnte den Einmarsch in die Ukraine selbst dann nicht mehr als Erfolg deklarieren, wenn die Besetzung gelänge. Ich hoffe, wir erleben gerade den Anfang von Putins politischem Ende. Und ich denke, er hat sich verkalkuliert.

  • Das Video macht es noch schwerer. Saab Fahrer wie wir – und jetzt so was. Das fährt auch mir in die Knochen. Schlimm…

  • Im Oktober habe ich den Saabfahrer vom das Video stammt noch bei der Saab Session Slovakia gesehen und jetzt das. Auch mir fehlt es schwer Worte für diese Situation zu finden.

  • Für mich es schwer einen Kommentar zu hinterlassen, der nicht zu euphorisch und lustig klingt. Aber ich probier es mal so: “Ich würde mich freuen, wenn auch Sie weiter Saab lesen wollen.” –> definitiv!!!
    Und ich möchte dir ein Lob für die Wortwahl aussprechen. Emotional und doch der aktuellen Lage angepasst. Wirklich gut gemacht.
    Bravo!

    • Die Priorität lautet für uns Europäer nun zu helfen und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise und je nach Möglichkeit und am besten in Abstimmung mit den offiziellen Kontaktstellen wie Vereine, Firmen und anderen Organisationen. Ich sehe hier schon jetzt eine hohe Hilfsbereitschaft in Deutschland und Europa. Die Ukraine gehört zu uns und wir helfen so gut es geht. Es wird ein langer Weg. Hoffentlich ein Weg der Taten und nicht nur der Worte…

      Die Ursachen dieser Eskalation und der völkerrechtlichen Verletzung durch Putin und sein Regime sind sicher vielschichtig. Unfassbar ist die Brutalität seiner Vorgehensweise – vor allem gegenüber der Zivilbevölkerung der Ukraine aber auch gegenüber seinem eigenen Land. Da wird er nun sicher nicht mehr von ablassen…

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