Ein Paket von meiner anderen Automarke

Es ist ein offenes Geheimnis, dass mein automobiles Herz nicht nur für Saab alleine schlägt. Auch Marken wie Alfa Romeo oder Citroën nehmen auch einen gewissen Teil ein. Besonders mit Citroën verbindet mich vieles. Privat und im Unternehmen war der Fuhrpark einst fest in der Hand der Marke mit dem Doppelwinkel. Wäre nicht Saab aufgetaucht, würde ich heute vielleicht ein Citroën Projekt schreiben. Ausschließen möchte ich es nicht.

Citroën SM
Citroën SM

Citroën, meine andere Automarke

Die Citroën Geschichte begann in frühester Kindheit auf der roten Rücksitzbank einer DS. Das beeinflusst ein ganzes Leben, denn wer in einer DS seine automobile Prägung erhielt, der wird sie nie mehr los. Leider gehörte die DS nur meinem Nachbarn und nicht unserer Familie. Trotzdem kam ich wöchentlich in den Genuss, mit der DS durch die Welt zu schweben. Später löste dann ein CX die Göttin ab. Dem folgte ein anderer,  und es wäre wohl endlos weiter gegangen, wäre 1989 mein Nachbar nicht zurück nach Berlin gezogen. Die Mauer war gefallen, Berlin eine freie Stadt, die Zeit im bayerischen Asyl vorbei.

Der Nachbar ging. Das Schweben aber blieb.

Viele Jahre später begann ich endlich selbst zu schweben. Nachdem ich meinen Mazda  RX 7 spontan in einem oberbayerischen Graben versenkt hatte, lief mir ein BX zu. Ein innovatives Auto, dessen Vision man in Deutschland nie so ganz verstanden hatte. Mein Citroën Händler erkannte die sich ergebenden Möglichkeiten, und es blieb nicht nur bei einem Citroën. Es folgten viele mehr, darunter auch das ein oder andere limitierte Modell, das ich nie hätte verkaufen dürfen.

Sportives Citroën Cockpit
Sportives Citroën Cockpit

Ich mag die Marke heute noch, denn sie hat ein paar Dinge über die Zeit gerettet, die ich schätze. Citroën ist weit entfernt von dem Premium-Anspruch mancher Hersteller, aber die Autos sind bezahlbar, uneitel, und haben einen hohen Nutzwert. Die fehlende Eitelkeit ist etwas, was man heute kaum noch findet. Etwas, was schon immer, neben genialen Innovationen, zum Markenkern gehörte.

Denn welche Marke leistete sich schon den Spagat zwischen 2CV und DS

Mittlerweile, nach vielen Jahren, ist wieder ein Citroën in der Familie. Ein Berlingo – über den ein Freund sagte, ihn zu fahren sei wie Urlaub auf Rädern – bereichert unseren Fuhrpark. Die Entscheidung war eine Rückkehr zu den Wurzeln, die wir nie bereut haben. Der Berlingo ist ein unkompliziertes, entspanntes Auto in bester Markentradition. Er entschleunigt den Alltag, ist günstig im Unterhalt und zuverlässig.

Durchgehendes Leuchtenband am Heck - schon besonders
Durchgehendes Leuchtenband am Heck – schon besonders

Zuverlässiger übrigens als mein deutsches Premium-Fabrikat, das ich zur Zeit (noch) als Dienstwagen nutze.

Und nun? Vor ein paar Monaten bekomme ich ein Paket von meiner anderen Automarke. Dann kam der Neubau, der Umzug, das Paket blieb liegen. Es wurde fast vergessen, andere Dinge drängten sich in den Vordergrund. Jetzt liegt es wieder auf meinem Schreibtisch.

Also los, packen wir es endlich aus

Na klar, da steckt etwas von Citroën drin, und ich lade die Lesenden in dieser Woche zu einem kurzen Ausflug zur Marke mit dem Doppelwinkel ein. Der wird, das verspreche ich, unkonventionell, unterhaltsam und wohltuend analog. Weil unsere Freunde auf der anderen Seite des Rheins die Dinge stets etwas anders angehen und dabei gute Ideen entwickeln. Man muss sich nur darauf einlassen wollen.

22 thoughts on “Ein Paket von meiner anderen Automarke

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    Wenn Tom über Citroen schreiben möchte soll er es tun. Ich würde es gerne lesen.

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    Innovationen

    Bin gespannt wie ein Flitzebogen. Über Citroën lässt sich so unglaublich viel sagen. Wer denkt, die Geschichte begönne „erst“ mit der DS, sollte sich zum Citroën Traction Avant (1934 — 1957) einlesen.

    Eine Modellvariante war der Commerciale mit großer Heckklappe. Man kann gar nicht anders, als Parallelen zu einem Saab 9000 zu ziehen. Dabei liegt rund ein halbes Jahrhundert zwischen dem Commerciale und dem Saab.

    Echt faszinierend.

    In Natura habe ich den Traction Avant zuletzt vor knapp 14 Jahren auf Bornholm gesehen. Dort standen in Rønne gleich zwei Exemplare im Zustand von Neuwagen in einer Sackgasse und im rechten Winkel zueinander. Das Setting (Kopfsteinpflaster und ältere Gebäude) war perfekt. Natürlich zückte ich die Kamera …

    Eine sehr nette ältere Dame kam hinzu, sprach mich an und gab sich als Witwe und Besitzerin zu erkennen.
    Der längere schwarze 4-Türer sei das Familienauto gewesen. Mit dem kürzeren schilfgrünen Zweitürer, der 90 PS habe, seien früher auch Rallyes und durchaus mit Erfolg bestritten worden.

    Die Dame war sehr rüstig und geistig fit, das Gespräch flüssig auf Englisch. Sie monierte noch, dass ihre Kinder (vermutlich 60+) kein Interesse an den Autos hätten. Ich äußerte Verwunderung und Bedauern, dankte ihr herzlich für das Gespräch und verabschiedete mich. Heute und während ich das schreibe, überkommt mich das Gefühl, dass ich in mehrfacher Hinsicht ganz viel falsch gemacht habe.

    Ich hätte gerne einen der beiden. Sie hätte wenigstens einen der beiden vermutlich gerne und noch zu Lebzeiten in den Händen von jemanden wissen wollen, der ihn gerne hätte. Das perfekte Match. Ich stand total auf dem Schlauch …

    Als mildernden Umstand kann ich nur anführen, dass ich frischgebackener Vater eines Erstgeborenen und die Familienplanung damit noch nicht abgeschlossen war. Der Erwerb eines Oldtimers in einem außerordentlich gutem Zustand war jenseits meiner Vorstellungskraft. Und dennoch, es wird mich lebenslänglich wurmen, dass ich nichtmal nach einem Preis gefragt habe.

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    Mein Vater hatte eine BX, uneitel trifft es wirklich, im nachhinein gesehen war er einem SAAB nicht unähnlich. Aber da man damals noch neu SAABe bekommen konnte wären wir nie auf die Idee gekommen ihn zu behalten. Heute denken wir schon etwas anders darüber. Ansonste war mein/unser Citroenwelt durch die Filme mit Louis de Funès beinflusst.

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    Es liegt wohl auf Grund meines jungen Alters, dass ich mit den Oldtimern Franzosen nicht all zu viel anfangen kann, wenn gleich ich eine DS wunderschön finde. Da ich aber seltene Autos, die man nicht an jeder Ecke findet mag, würden mir ein C6, Vel Satis oder gar Avantime sehr gut gefallen. Auch finde ich die neuen DS Modelle recht schön und würde ich jederzeit einem deutschen Überallauto vorziehen. Daher gerne weiteres über Citroen.

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    (Fast) täglich ein feines SAAB-Menu und nun als Zwischengang ein Amuse-gueule von Citroën – einfach großartig Tom!
    Bei uns fing die eigene automobile Welt mit einem MGA 1600 Mk II Bj. 1962 an, den ich mir als Student bald nicht mehr leisten konnte wegen der vielen Reparaturen.
    Dann folgte fast die gesamte Renault Palette von R4 bis R17 Coupé und dann kamen die hydropneumatischen Citroëns: 3 x BX von 90 – 150 PS und als Krönung der XM. Damit gab es keine schlechten Strassen mehr. Allerdings fehlte die Zuverlässigkeit der beiden SAABs, die uns heute begleiten.
    Bin schon sehr gespannt.
    Liebe Grüße in die Runde.

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    Auch Lizi outet sich hiermit als großer Fan von Citröen. In der Familie gab es diverse ZX, BX und CX Turbo mit all dazu gehörenden Geschichten. Ein Xantia begleitete mich persönlich einige Jahre. Dann wurde es still um den Doppelwinkel….
    Und heute – bei aller Saabliebe – fällt es mir sehr schwer, bei manch einer XM oder C6 Anzeige wegzuschauen.. Nicht auszudenken, eines Tages finde ich eine Zitrönige Werkstatt, die mit der gleichen Leidenschaft die Marke lebt, wie unsere Saabbetriebe es tun…. Auch den Weg von DS finde ich persönlich sehr spannend.

    Einen schönen Restsonntag

    Der Lizi

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    Ich mag Citroën auch. Hätte gern einen C6, habe aber etwas Angst vor den Folge- und Unterhaltskosten.

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      Deine Angst ist nicht unbegründet Stefan. Der C6 ist technisch gesehen fast eine Raumfähre. Aber eine wunderschöne.

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    Toll wie viele Citroenisten oder Sympathisanten hier unterwegs sind. War Tomm nicht mal der Meinung Volvo wäre das 2. Thema für den Blog? Ich vermute jetzt einfach mal, Citroen hätte die interessantere Schnittmenge. Oder?

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      Vermutlich ja. Ich bin noch sehr über die Reaktionen überrascht. Positiv.

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      Sehe ich auch so, Stefan Paul.

      Auch und obwohl ich eine Affinität auch zu Volvo habe. Saab und Citroën passt. Und noch vor den Göteborgern würde ich lieber über Alfa Romeo lesen …
      Saab, Citroën und Alfa, es wäre ein ganz tolles, europäisch internationales Festival des Automobilbaus.

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      Was soll man bei so vielen positiven Anmerkungen noch sagen? Was die Schnittstelle betrifft schließe ich mich komplett an.

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        mobile meldet mir immer, wenn wieder eine ID oder eine DS neu inseriert wird,
        am liebsten Pastellfarben!
        Aber welchen soll ich abgeben, um nicht zuhause in Konflikte zu geraten?
        Und wieder der ganze Aufwand, auch finanziell, bis so ein gutes Stück wieder zuverlässig und optisch ansehnlich ist?
        Einstweilen träume ich weiter……

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    Komische Parallelen…
    Zu DDR Zeiten gab es jahrelange Wartelisten auf Autos. Mein Opa hatte damals eine Bestellung auf einen Lada laufen und 1981 gab es für ihn die Möglichkeit die Lada Bestellung in einen Citroën GSA Bestellung zu tauschen. Die DDR hatte neben Mazda 323 und VW Golf eben auch ein Kontingent Citroën GSA bestellt um das Straßenbild zu internationalisieren.
    Dieses Auto war wie von einem anderen Stern. Mit hydropneumatischen Fahrwerk, Lupentacho, Doppelvegaser, Bediensatelliten, einem einzigen Scheibenwischer!, Plüschsofa innen und dem kernigen 4 Zylinder Boxersound war ich als kleiner Junge von 8 Jahren hin und weg von diesem Auto.
    Als mein Opa 1985 starb übernahm mein Vater den Citroen und gab seinen Trabbi ab.
    Mal abgesehen vom Status ein solches Auto in der DDR zu bewegen war es unglaublich bequem gegenüber anderen Fahrzeugen. Nach der Wende haben wir in der Familie immer wieder Citroens gekauft und ich hege nach wie sehr vor große Sympathie gegenüber der Marke. Leider ist die Avangarde der Marke in den letzten Jahren auf der Strecke geblieben und nicht mehr wahrnehmbar.
    SAAB war mir als Marke seit 1985 bekannt und nach der Wende schielte ich immer wieder zu diesen ungewöhnlichen Autos herüber.
    Bis 2015 blieb ich Citroen treu und ich stand kurz davor mir einen gebrauchten C6 zu kaufen als mir eine wunderschöner 900er Cabrio begegnete.
    Die Zeit war reif zu wechseln auch und gerade wegen des Untergangs von SAAB Auto in Schweden ein paar Jahre zuvor.
    Es ist dann ein toller 9-3 OG Limited Edition geworden. Ein wunderschönes Auto mit der klassischen SAAB Linie.

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    Tom und Citroën. Das ist eine Überraschung. Hätte ich nicht geglaubt. Ich hätte vermutet, der stellt sich heimlich einen Porsche in die Garage. Aber, o.k, ich finde das inspirierend. Ich mag die Doppelwinkel Marke, also her damit.

    Übrigens: Zitrön oder Citroën 🙂

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      Porsches gibt es in meiner Gegend zu viele, das fällt sicher weg 😉

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    Markenopfer

    Großartig, dass Blog und Leser nicht zu solchen zählen. Für mich persönlich wird die Begeisterung für Saab genau dadurch erst richtig glaubwürdig.

    Und Citroën? Na klar, hätte ich einen SM, eine DS oder beide, würde ich sie niemals wieder hergeben. Und der Berlingo? Er verkörpert für mich in einem aktuellen PKW all das, was früher und in Schweden mal eine Volvo Duett war, über die ich hier ja schon geschwärmt habe …

    Ich hätte allerdings trotzdem nicht gedacht, dass Tom einen Berlingo haben könnte. Echt witzig 😉

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      Klar, Citroen und Saab, das geht sehr gut zusammen. Marken für Non-Konformisten und Individualisten.
      Ich fuhr 2 Enten und 2 GS, bis ich dann ein neues 900 Turbo-Cabrio kaufte in 1989, das ich immer noch habe.
      Die Citroens habe ich nicht mehr, dafür aber einen Volvo V40 T4, die andere Seelenverwandtschaft zu Saab.
      Was ich nie hatte und nie wollte: VW, BMW, Mercedes (außer evtl. Unimog). Ford Badewanne (P3) hatte ich mal in meiner Studentenzeit.

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    Stimme 100%ig zu. Ich habe zwei C5 Tourer gefahren. Einen mit Stahlfederung, einen mit Hydractiv-Fahrwerk. Der Fahrkomfort von letzterem war etwas besser als in meinem jetzigen SAAB 9-3 Vector, aber man merkte schon, dass Citroën mit seinem Alleinstellungsmerkmal nichts mehr anzufangen wusste. Der C5 war ein schönes Auto! In der mittleren Ausstattungsvariante war alles drin, was man sich wünschte, sogar das „Nightpanel“; zudem bequeme Sitze und jede Menge Platz. Bei der Übersichtlichkeit der Bedienung hätte man von SAAB lernen können.

    Das Design dieser Baureihe war angenehm aufgeräumt und kaum französisch, wie man es die letzten 25 Jahre immer wieder erlebt hat. Neben dem Osterei, das RoLand beschreibt gab es da bei Renault noch den Vel Satis. Früher war das mal anders, der XM mit seiner markanten Keilform legt Zeugnis davon ab. Aber auch der BX, der eigentlich mal als Volvo-Modell gezeichnet wurde. Praktisch, geräumig, modern. Motorhaube und Heckklappe waren aus GFK, des Gewichts wegen. Unsere Nachbarn fuhren einen roten TRD.

    Ich bin sehr gespannt auf die Zitrön-Serie! Und ich erlaube mir hier mal eine Verlinkung zu einem wunderbaren Filmchen, mit dem sich die Marke selbst auf die Schippe genommen hat: https://www.youtube.com/watch?v=2rA-BSuog7o

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    Citroen, da kann ich auch mithalten, bin ich doch mit 2CV und Ami 6 grossgeworden! Die Reisen im Ami 6 nach Italien und England sind unvergessen. Vorne werkelte der 602ccm Big Block 2 Zylinder mit 26 oder 29 PS und hinten quängelten die Kinder. Vier Pesonen und Gepäck, der Ami 6 Break schaffte das problemslos.
    Logisch dass mein erstes Auto ein 2CV war, der Kosename Ente war bei uns in der Schweiz nicht präsent, bei uns war das ein Döschwo. Später fuhr ich dann einen CX 2400 Pallas, wunderbares Fahrzeug, mit Lupentacho und Kugelaschenbecher.
    Meine in den 70er/80er Jahre gesammelten Citroen Prospeke umfassen ca. 50 Stk. inkl. dem raren Hochglanzprospekt vom SM.
    SM….., man schaue das Raumschiff heute mal an und denke sich dabei, dass dieses unlaubliche Auto im 1970 auf den Markt kam. Ein Auto wie von einem anderen Stern. Für mich nur noch vergleichbar mit dem Saab 9-5NG!

    Man stelle sich mal eine Kooperation Citroen / Saab vor!? Was hätte das für Autos hervorgebracht…..

    Schönen Sonntag an alle!

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    Wie überraschend ist das denn heute? Citroen wäre die einzige Alternative, die ich mir neben Saab vorstellen kann. Und jetzt outet sich Tom und hat einen Berlingo in der Familie. Klasse – ich freue mich ganz gewaltig!

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    oh wie erfreulich :)) Nachdem ich jetzt auch schon den 7. Citroen fahre, freue ich mich auf die kommende Woche. Es gab viele nette Modelle und einige sehr praktische (aber wie ich meine unschöne). Mein alter Xsara Picasso war so einer – Platz für 2 Waschmaschinen hintereinander, aber diese Eiform – grauslich. Leider gibt’s (weil Peugeot es so will) bis heute kein Cabrio vom Doppelwinkel. Was ich auch nie verstanden habe – diesen Mega-Knöpfe-Bedien-Dingsbums im Visa… egal… Möge die neue Woche bald beginnen :)))

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