Unbekannt – das vollelektrische Saab 9-3 Aero Cabriolet

Das Saab 9-3 ePower Projekt ist hinlänglich bekannt. Dass es aber parallel zum vollelektrischen Kombi auch ein elektrisches Saab Aero Cabriolet gab, wissen nur wenige. Denn während Saab die Kombis öffentlichkeitswirksam auf die Straße schickte, fuhr das Cabriolet im Verborgenen. Dabei kam es auch nach Deutschland und die ein oder andere Saab Werkstatt durfte unter die Haube schauen.

Vertraulich, versteht sich. Nach außen dringen sollte nichts. Schade, denn 400 Kilometer rein elektrisch dahingleiten, das hat was. Innovative Technologie aus Schweden machte es möglich. Wir begeben uns 10 Jahre später auf die Spurensuche.

Saab 9-3 Aero Cabriolet (elektrisch)
Saab 9-3 Aero Cabriolet (elektrisch)

Saab 9-3 ePower Concept

Während vom Saab 9-3e Power mindestens zwei Fahrzeuge überlebt haben, eines befindet sich im Fundus des Museums, ist der Verbleib des vollelektrischen Cabriolets unbekannt. Saab arbeitete an dem elektrischen Projekt mit mehreren Partnern. Federführend bei der Entwicklung waren nicht die Ingenieure aus der Stallbacka, es war ein Unternehmen aus Uppsala mit dem Namen ElectroEngine in Sweden AB. ElectroEngine hatte ein eigenes, innovatives Batteriesystem sowie Antriebssystem entwickelt, das besonders hohe Reichweiten und ein geringes Gewicht realisierte.

Eine Tochtergesellschaft bot ein ausgefeiltes Getriebe für Hybridfahrzeuge an, das mit zwei Elektromotoren eine besonders gute Beschleunigung bei niedrigem Verbrauch bot. Vermarktet wurden die Innovationen unter dem Namen “True Electric”.

Offiziell als eine Saab Innovation geltend, war das 9-3e Power Concept in den größten Teilen eine Idee des Unternehmens aus Uppsala. Auch, wenn das konkret niemals nach außen kommuniziert wurde.

Mit dem Ende von Saab kam auch das Aus für das ePower Projekt, aber das Cabriolet lebte weiter. Die Technik wanderte im Jahr 2012 in einen Volvo C70, hier mit elektrischem Allradantrieb. Wahrscheinlich erhoffte man sich die Aufmerksamkeit der anderen schwedischen Marke, nachdem Trollhättan als Auftraggeber ausgefallen war.

Doch die Geschichte ging nicht gut aus. Die Zeit war noch nicht reif für rein elektrische Innovationen und Volvo war nicht so aufgeschlossen, wie es Saab war. Zum Geschäft mit Volvo kam es nicht, 2012 galten in Göteborg andere Prioritäten.

400 Kilometer elektrische Reichweite

Während vom elektrischen 9-3 Aero Cabriolet keine Details veröffentlicht wurden, gab man sich in Sachen Volvo C70 mitteilsamer. Das Saab ePower Concept hätte noch mit 200 Kilometern Aktionsradius auskommen müssen, beim Cabrio ging mehr. Eine Reichweite von 400 elektrischen Kilometern war vor 10 Jahren beachtlich, die Spitzengeschwindigkeit von mehr als 200 km/h ebenfalls.

10 Jahre später sind von der ElectroEngine in Sweden AB kaum noch Spuren zu finden. Die Webseiten des Unternehmens und ihrer Töchter sind abgeschaltet, die Markenrechte wurden nicht verlängert. Letzte Aktivitäten sind noch bis in das Jahr 2014 hinein feststellbar, dann verliert sich jede Spur. Die Luxemburger Finanztochter der schwedischen Aktiengesellschaft beendete 2015 ihre Domizil-Vereinbarung, eine Liquidation ist wahrscheinlich.

Was blieb übrig von den Ideen? Erhalten hat sich ein Video des rein elektrischen Saab 9-3 Cabriolets in unseren Archiven, und ein Video des Volvo. Letzte Spuren einer elektrischen Zukunft, die man in Trollhättan fast zum Greifen nahe hatte.

8 thoughts on “Unbekannt – das vollelektrische Saab 9-3 Aero Cabriolet

  • Und wieder einer dieser “wäre” und “hätte” Geschichten. Vor Jahrzehnten schon hat Saab auf eine beeindruckende Art und Weise “Downsizing” praktiziert. Lichtjahre bevor dieser Ausdruck erfunden wurde.
    Und auch beim Thema moderne Antriebe in ungewöhlichen und grossartigen Fahrzeugen wäre den Entwicklern und Trollen sicherlich etwas anderes, als überdimensionierte und tonnenschwere SUV´s eingefallen. Ein Grund mehr unsere Schätze zu pflegen und zu geniessen. Bis die Gesetzte uns scheiden.

    Der Lizi

  • Ich gkaube mit einem elektrischen 9-3 Cabriolet hätte Saab Chancen gehabt. Hat TESLA nicht auch mit einem Roadster begonnen?

  • Das ist irgendwie sehr traurig. Damals ging es um schwedische Technologie, heute verbauen alle Hersteller chinesische Komponenten. Die Wertschöpfung liegt in China, wir subventionieren das mit unserem Steuergeld. Was ist da die letzten Jahre schief gelaufen?

  • Es ist frustrierend zu sehen, wie wenig sich in 10 Jahre getan hat. Elektrische Cabriolets? Fehlanzeige! Elektrische Kombis? Tom hatte irgendwo einen Chinesen ausgegraben, der einen anbieten will.

    Statt dessen dieser SUV Einheitsbrei, der immer gleicher aussieht. Oh Mann!

    • MG bietet einen elektrischen Kombi an und hat damit eine Alleinstellung am Markt.

  • Da sieht man mal, 10 Jahre später ist man eigentlich immer noch nicht weiter. Das spricht nur für die damaligen Ingenieure die ihrer Zeit weit voraus waren.
    Irgendwie hätte ich jetzt richtig Lust das Cabrio zu finden

  • Wahnsinn, wieder was extrem spannendes. Elektrisches Cabrio von Saab, was da alles möglich gewesen wäre.
    Statt Dieselnageln oder Turbopfeifen lautloses dahingleiten im Waldgebiet, dass wäre was gewesen.
    Musste eigentlich an der Bodenplatte viel geändert werden? Weiß man dazu etwas? Die Verwindungssteifigkeit war ohne Verbrennungsmotor sicher auch eine andere oder? Was ich interessant finde ist, dass die Fronten bei den Fahrzeugen völlig gleich geblieben sind zu den Verbrennern. Die heutigen E Autos die noch auf Verbrennerbasis sind, haben ja komplett geschlossene Fronten.

    • Ich kann es nicht sagen. Ich kenne den elektrischen Kombi, aber nicht das Cabriolet. Es war die nächste Evolutionsstufe, beim Kombi waren die Batterien im Mitteltunnel und luftgekühlt (!) über die Klimaanlage. Wie man bei Cabrio vorging, ist mir unbekannt.

      Nachfragen geht auch nicht, die Verantwortlichen von damals haben Lehrgeld bezahlt, das Engagement ging bitter aus. Reden mag darüber keiner.

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