Kühlwassergeruch und Probleme mit der Klimaautomatik

Wenn ein Auto schlanke 23 Jahre alt ist, dann darf es ab und zu ein Problem haben. Auffällig war der Kühlwassergeruch, den der Saab 9000 im Innenraum verbreitete. Die Ursache blieb erst einmal rätselhaft, denn vor einem guten Jahr waren erst sämtliche Schläuche erneuert worden. Hochwertige Silicon Schläuche sollten einen sicheren Betrieb gewährleisten. War die Entscheidung am Ende falsch?

Saab 9000 bei Saab Service Frankfurt
Saab 9000 bei Saab Service Frankfurt

Kühlwassergeruch – ein Rätsel

Der Geruch selbst war zu intensiv, um ihn zu ignorieren. Ein Wasseraustritt war nirgendwo sichtbar, erste Orakelsprüche verwiesen auf die Schläuche selbst. Könnten diese fehlerhaft sein? Das Orakel bewahrheitete sich nicht. Die Ursache für den Defekt wurde schließlich beim Wasserkühler gefunden. Das Kunststoff-Anschlussstück zwischen Kühler und neuem Silikonschlauch hatte kapituliert, war durchlässig geworden, und hatte Flüssigkeit austreten lassen.

Nach 23 Jahren keine Überraschung. Doch es stellt sich eine interessante Frage: Ist dieser Defekt eine Folgeerscheinung der Tauschaktion vom letzten Jahr? Denn schon bei der ersten Probefahrt kapitulierte ein antikes Anschlussteil vor dem Druck, der sich nun in den neuen Schläuchen aufbaute. Möglich wäre es. Aber wo wäre die Alternative?

Alles so lassen wie es ist, und warten, bis ein steinzeitlicher Schlauch im Motorraum nach fast ein viertel Jahrhundert die Fassung verliert?

Dauerbaustelle Klimaautomatik

Die Klimaautomatik im Saab 9000 gehört zur Sternstunde der Marke. Bei ihrem Erscheinen war sie innovativ, der Sensor für den Sonnenstand etwas ganz besonderes, und komfortabel sowie leistungsfähig. Das ist sie im Prinzip auch heute noch. Im Hochsommer fragt man im modernen Auto wo 30 Jahre Fortschritt geblieben sind. Denn meist ist das, was aktuell geboten wird, schlechter. Weil optimiert für wenig Verbrauch – und damit besser für das Weltklima.

Allerdings ist diese hochgelobte Klimaautomatik auch dafür zuständig, dass der Projekt-Saab bisher keine einzige Saison ohne einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt auskam. Erst war sie undicht, dann war der Kompressor defekt. Der wurde gegen ein Gebrauchtteil getauscht, das nicht lange seinen Dienst versah. Nach einer kurzen Phase meldete es sich ebenfalls mit einem Leck ab.

Ein neuer Klimakompressor brachte eine trügerische Sicherheit. Und tatsächlich war ein gutes Jahr Ruhe an der Front, der Saab fuhr durch den Sommer, dann aber nahm die Leistung der Klimatisierung kontinuierlich ab. Die Diagnose war klar: Ein Leck. Mal wieder.

Schuld waren Dichtungen, die nach langer Einsatzdauer einfach ausgehärtet waren. Sie wurden getauscht, das fragliche Bauteil gleich mit, denn für dessen Dichtheit wollte und konnte niemand garantieren. Jetzt ist die Hoffnung zurück, dass das Anna Projekt gut und ohne Pannen über den Sommer kommt.

Abschließend erledigte Saab Frankfurt die jährliche Inspektion. Wie immer ohne Beanstandungen, aber mit Liebe für das alte Blech. Ein genauer Blick darauf, auf den möglichen Rost, gehört in Fechenheim zum Standard. Eine mögliche Stelle wurde gefunden, gesäubert, und stellte sich als Fehlalarm heraus.

Zur Abholung stand der Saab frisch gewaschen auf dem Hof, die Arbeiten wurden genau erklärt und die Altteile lagen zur Besichtigung bereit. Das ist vorbildlich und auf dem Niveau sogenannter Premium Anbieter.

Bliebe noch die Sache mit dem neuen Himmel für den 9000. Ich habe den Saab abgegeben und gesagt „macht mal“. War ich da zu locker unterwegs? Einen Blick auf den neuen Himmel und auf etwas, was ich mir nie getraut hätte, folgt mit dem nächsten Beitrag zum Anna Projekt.

6 thoughts on “Kühlwassergeruch und Probleme mit der Klimaautomatik

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    Auf dem Schlauch stehen

    Ich stehe auf den 9K und insbesondere auf die jüngeren Aeros. Tolle Autos. Noch immer im Ruf, relativ simple und unanfällige Technik zu bieten …

    Das stimmt ja auch. Ganz besonders gemessen an jüngeren Fahrzeugen mit all ihrem Schnulli. Und doch gibt es mir zu denken, dass schon ein so altehrwürdiges Fahrzeug so komplex war und schwer in einem zuverlässigen Zustand zu erhalten ist.

    Und tatsächlich sind rund 90% aller Probleme, die ich mit PKW erlebt und erlitten habe, auf Schläuche, Verbinder oder die Elektrik zurückzuführen.

    Manchmal denke ich, dass ein nachhaltiges Auto noch viel simpler sein müsste, als es ein 9K Aero je war. Aber ich bin mir da längst nicht sicher.
    Dafür waren die Vollausstattungen und Motoren damals einfach viel zu gut. Ein schwieriges Thema ….

    Aber wie dem auch sei, einfach nur gut, wenn der Welt auch Young- und Oldtimer erhalten bleiben, die es uns nicht immer so einfach machen, wie man es gerne hätte. Die Komplexität nimmt zu. Dass es ein aktuelles Auto zum Oldtimer bringen könnte, kann ich mir kaum noch vorstellen …

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    Ich lese die Anna Geschichte gerne und das seit Jahren. Habe ich jemals mehr über ein Autolleben gelesen? Vermutlich nicht. 🙂

    Tom, eine Frage: irgendwann hast Du den Verkauf des 9000 überlegt. Scheinbar bist Du ganz davon abgekommen, oder?

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      @Francis Ja, die Idee stand mal im Raum. Es geht mir mit diesem Projekt so wie vielen anderen Fans von alten Autos auch. Irgendwann hat man die Krise, sieht kein Land, und möchte sich trennen. Zum Glück habe ich das nicht getan, ich denke, ich hätte den Schritt bereut.

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    Wenn das keine gelebte Nachhaltigkeit ist! Ein mehr als zwanzig Jahre alter Youngtimer, abseits vom Einheitsbrei der’Moderne‘, mit kundiger und liebevoller Hand vor dem Verfall gerettet. Eine durchaus sinnvolle Alternative zur staatlich gefo(ö)rderten Elektromobilität. Man könnte vielleicht die E-Auto-Prämie in einen gebrauchten Saab investieren – auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

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    Der 9000 sieht mit den Jahren immer besser aus, ich mag sein Design. Schön, wenn es auch in Frankfurt einen so guten Service gibt!

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    …was sind die Reparaturen und der geringe Mehrverbrauch gegenüber einem Neuwagen im Allerweltsdesign?

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