Ein finnischer Neuwagen – Saab 900c Sedan

Es war in den späten 90er Jahren. Ich war in Finnland zu Besuch und einer meiner Geschäftsfreunde hatte sich einen neuen Saab 900 Sedan gekauft. Einen Turbo, bestückt mit einer beeindruckenden Flut von Antennen für Telefon und Mobilfunk. Im Konvoi waren wir unterwegs durch die finnische Taiga. Also irgendwo im nirgendwo.

Saab 900c 1989
Saab 900c 1989

Er mit dem Saab vorneweg, ich mit meinem Wolfsburger Fabrikat, auf das ich zwangsverpflichtet war, hinterher. Der VW hatte alle Mühe Anschluss zu halten, was nur zum Teil an der Motorleistung des Saab lag. Viel mehr aber am miserablen Fahrwerk des Golf, der auf Schotterpisten keine Chance, nicht den Hauch davon, gegen den 900 hatte.

Meine bis heute fortdauernde Skepsis gegen Produkte vom Mittelland Kanal hat ihre Wurzeln in Finnland, nicht aber meine Begeisterung für Saab. Denn ich hielt den 900 Sedan zwar für ein beeindruckend schnelles, aber auch ein sehr hässliches Auto.

Das mit der Hässlichkeit hat sich im Laufe der Jahre in das Gegenteil verkehrt. Was ich in früher Jugend als nicht attraktiv ansah, finde ich jetzt zumindest interessant. Oder, präziser auf den Punkt gebracht, markant.

Saab 900c Sedan

In Finnland, was nur ein Zufall sein kann, wartet ein Saab 900 Sedan auf einen neuen Besitzer. Eigentlich kein Ding – wäre es kein Sedan und kein spezielles Fahrzeug. Der klassische 900 als Limousine ist selten geworden, und das Fahrzeug ist ein Neuwagen. Ja, mal wieder, und es bleibt überraschend was in manchen Garagen so parkt. Spannender Weise steht er mal gerade 20 Kilometer von Tampere entfernt, das vor über 30 Jahren der Ausgangspunkt meiner Aktivitäten war.

Aber mit dem damaligen 900 hat er nichts zu tun. Denn erstens befindet er sich im Neuwagenzustand und hat sogar noch die Kunststofffolie des Werks an den Türverkleidungen. Und zweitens ist er ein 900c. Das absolute Basismodell mit 110 PS, 1989 zum ersten Mal für den Straßenverkehr zugelassen.

Viel von den Wegen und Straßen in Finnland hat er in 31 Jahre nicht gesehen. Gerade 9.600 Kilometer meldet der Zähler im Cockpit. Dass es in den Jahren nur einen Eigentümer gab, versteht sich fast von selbst. Der Zustand scheint traumhaft, die Inca Felgen verströmen einen leichten Hauch von Luxus und der Spoiler am Heck macht ein klein wenig auf Turbo.

Selbstverständlich hat der Saab 900c Sedan zwei Antennen, eine für Mobilfunk und eine für das Radio. Die Minimal Ausstattung der 90er Jahre. Gebaut wurde der 900 natürlich im Land, bei Saab Valmet, was für Qualität und eine lange Lebenserwartung spricht.

Wenig Ausstattung, toller Zustand, ein seltener Sedan? Was kann und darf ein Auto, das es in dieser Verfassung eigentlich gar nicht mehr gibt, kosten? Eine gute Frage! Natürlich neigt man als Verkäufer zur Spekulation. 29.000 € sind eine Menge Geld für einen Saab 900c Sedan. Das verursacht Schmerzen, selbst wenn man die Limousine als interessant oder markant ansieht.

Mit Bildmaterial von mobile.de

8 thoughts on “Ein finnischer Neuwagen – Saab 900c Sedan

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    Vor ein paar Jahren haben wir in Norrköping einen Saab 96 V4 von 1979 in 167 chamotte brun angeschaut. Da waren die Schutzfolien auch noch dran. Seitdem keinen so guten mehr gesehen.

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    @ Ebasil (Folien & andere Wunder)

    Ein 31 Jahre altes Auto mit originaler Schutzfolie ist wahrlich skurril. Aber was wundert mehr oder weniger? Ich kann mich nicht entscheiden.
    Wieso ordert man eine Brot & Butter Version, einen Gebrauchsgegenstand (zumal mit AHK), um diesen zu schonen?

    Ich kann mir das nur spekulativ und nur so erklären, dass sich jemand erstmalig den kostspieligen Wunsch nach einem Neuwagen erfüllt und es nicht über das Herz gebracht hat, diesen zu verschmutzen & zu verschleißen …

    Vielleicht liege ich komplett daneben? Aber irgendeine vermutlich rührende Geschichte muss ja hinter so einem Auto stecken. Ein faszinierendes Angebot & Fundstück …

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    Interessant was im verlaufe der Zeit noch alles zum Vorschein kommt.

    Diese Karosseriefarbe 213-Rodonitrot war nicht sehr gefragt obwohl sie 5 Jahre im Programm blieb und von Modelljahr zu Modelljahr marktabhängig erhältlich; zu jener Zeit bot der skandinavische Markt welche ausgefallene Lackfarben an, die z.T. nur kurz im Angebot waren und wir in Mitteleuropa teils wenig bis keine Kenntnis hatten oder nur auf Anfrage erhältlich war, z.B. 185-Goldgelb, 155-Elfenbeinbeige(weiss), 116-Azurblau, 157-Zirkonblau, 162-Dolomitbeige, 188-Florentinbeige, 217-Ascotgrau.

    Gehe davon aus, dass die Motorisierung nicht wie beschrieben 110PS, sondern lediglich 100PS hat; denn das Bild mit dem Motorraum deutet auf einen Vergaser hin, wie ursprünglich der 900c (c = carburator) ausgestattet war.
    Dieses Model war exklusiv für den skandinavischen Markt als günstiges Basismodell ohne Katalysator in verschiedenen Ausführungen bis anfangs 90er im Angebot; der 2-türer Sedan sogar noch als Steilschnauzer, bis auch im letzten skandinavischem Land Finland der Kat zwingend wurde. Als luxeriöseres Modell war in Skandinavien gleichzeitig auch noch das Modell 900i (i = injection) mit H-Motor als 8-Ventiler ohne Kat. mit 118PS im Angebot. Bei uns in Mittel-EU bot man diese Motorisierung schon oder z.T. nur noch mit Kat. und lediglich 110PS an, und wurde marktabhängig früher oder später vom damals neuen 900i-16v abgelöst.

    Von diesem Gesichtspunkt her, ist dieses Exemplar in Finland eine absolute Seltenheit und dank seiner geringen Laufleistung sowie gut erhaltenem Originalzustand, seinen Preis wert. Beachte dass der verlangte Preis um einiges höher liegt als der damalige Neuwagenpreis. Dies könnte zur Folge haben, dass der Marktwert für gut erhaltene SAAB-Oldtimer in Basisausführung im Verlaufe der Zeit, vielleicht auch schon kurzfristig, sich erhöhen kann und demzufolge auch in anderen Sammlergruppen beliebter wird, da es immer weniger gut erhaltene Exemplare im Angebot hat. Bin überzeugt, dass auch ein herkömmlicher Saugermotor das Interesse bei einige Sammler weckt, und zum wiederleben führt. Muss nicht immer eine luxeriösere Turbo-Ausführung sein, um unser Interesse erwecken.

    Bedenke, dass heute vermehrt auch nicht Saab-Leidenschaftler inzwischen an ältere Saab interessiert sind, da sich viele damalige technische aktive sowie passive Sicherheitsvorzüge dieses Fahrzeugs im Vergleich gegenüber andere Oldtimer ähnlicher Generationen, wesentlich fortgeschrittener war. Vielen Sammler wird erst “heute” Bewusst, was effektiv hinter einem echten Saab steckt. Demzufolge wird der 99+901er auch in anderen Sammlerkreisen immer mehr Interesse anlocken.

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    Schwedische Autos und Schotterpisten. Das passte lange Jahre wie die Faust aufs Auge.

    Jüngere Saab und Volvo sind allerdings ebenso wie andere Autos für glatten Asphalt optimiert. Mein 9-5 würde diesem 900 trotz doppelter Leistung auf vielen Pisten nur hinterher fahren.

    Fast schade, dass dieser 900 für Pistenspaß zu schade ist.

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    Was ganz Besonderes und bestimmt einmalig heutzutage – wie mein Vorkommentator schon schrieb, glaube/hoffe auch ich, dass es den Einengibt, der dieses schööne Stück dann findet. Deshalb ist der ambitionierte Preis auch ok.

    Zwei Fragen bleiben allerdings:
    1. Dann fahren oder wegstellen? – Immer die gleiche Krux!
    2. Wieso fährt man fast 10.000 Kilometer mit Plastikverpackung an den Türen??? Sehr komisch!

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    Viele € werden da gewünscht…,mutig für diesen Sedan.
    Doch: weltweit gibt es genug Menschen mit viel Geld. Autosammler sowieso. Es braucht ja “nur” den Einen…
    Also: ich kann gönnen!
    Dem neuen Besitzer viel Freude mit dem seltenen Oldie.

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    ja genau, das war einer jener Saab, der die Hosenbeine von Schmutz frei hielt, weil die Türdichtung unter die Türschwelle griff – ist am Foto zu erkennen. Mein Bruder hatte solch einen Saab (von mehreren), allerdings mit Turbo.

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    Sehr viel Geld, aber sowas gibt es wohl auch nur einmal. Dann relativieren sich die 29 000€ wieder.

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