Der fliegende Finne und der Saab 900 Turbo Super Saloon

Die Nordic Special Saloon Championships, der Saab 900 Turbo Super Saloon und der fliegende Finne. Heute sind beide fast komplett vergessen. Dabei wollten sie in der Mitte der 80er Jahre zusammen Motorsport Geschichte schreiben. Im Jahr 1985 gingen in Skandinavien die Nordic Super Saloon Championships an den Start.

Saab 900 Turbo Super Saloon
Saab 900 Turbo Super Saloon

8 Rennen in drei Ländern.

Die neue Serie sollte in Finnland, Schweden und Dänemark gastieren. Bei Saab sah man beste Voraussetzungen, um auf den skandinavischen Märkten zu punkten. Frühere Motorsport-Erfolge waren verblasst, etwas frischer Glanz konnte der Marke nicht schaden. In Trollhättan entwarf man ein Monster mit vielen Spoilern, den Saab 900 Turbo Super Saloon.

Da sonst nur private Teams an den Start gingen, rechnete man sich große Chancen aus. Als Fahrer verpflichtete man den Finnen Leo Juhani “Leksa” Kinnunen. Der hatte den Höhepunkt seiner Karriere zwar schon hinter sich, war aber immer noch im Motorsport bei lokalen Rallye-Veranstaltungen aktiv. Kinnunen war als der “fliegende Finne” bekannt, und hatte schon fast alles gefahren, was möglich war. Oft war er im Auftrag von Porsche unterwegs, er hatte 1969 den Nordic Challenge Cup gewonnen und von 1971 bis 73 im Tripple die Interserie.

Auf der Targa Florio stellte er mit einem Porsche 908 einen Ewigkeitsrekord auf, 1971 wagte er ein kurzes Zwischenspiel in der Formel 1.

Im Mai 1985 geht der Saab 900 Turbo Super Saloon an den Start.

Und kommt nicht an. Das erste Rennen im finnischen Ahvenisto wird ein Desaster, die großen Träume drohen sich in Luft aufzulösen. In dieser Art geht es weiter, technische Problem bekommt das Saab Team nicht in den Griff. Am Ende der Saison sieht es ernüchternd aus. Acht Rennen sind gefahren, bei sechs davon kommt der 900 Turbo nicht ins Ziel. Zwei Zielankünfte mit einem 6. und einem 9. Platz können die Blamage nicht beschönigen.

Die Saison 1986 findet ohne das Saab Werksteam statt. Der Saab 900 Turbo Super Saloon verschwindet von der Bühne. Die Rennserie hält noch bis 1988 durch, wird umbenannt, und verschwindet mit dem Ende der Saison 1992 komplett.

Eine Spurensuche heute ist schwierig. Es ist, als hätte es das Auto nie gegeben. Vielleicht steht es in einer Sammlung oder es wurde im Werk verschrottet. Selbst die Biografie des fliegenden Finnen, der 2017 starb, verschweigt die Episode aus dem Jahr 1985.

AutoCult holt den Saab zurück.

Das Unternehmen ist auf Nischenprojekte und längst vergessene Projekte spezialisiert. Es bringt immer wieder erstaunliche Miniaturen auf dem Markt. Wie den Saab 900 Turbo Super Saloon von 1985, mit dem der fliegende Finne einen Sommer lang unterwegs war.

Das Modellauto von AutoCult kommt im Sammlermaßstab 1:43, seine Auflage beträgt nur 333 Exemplare. Erhältlich ist es im Fachhandel und im Netz.

4 thoughts on “Der fliegende Finne und der Saab 900 Turbo Super Saloon

  • Es gibt seit Kürze ein neues 1:43 Modell des Saab Safari – event. auch eine Betrachtung wert.

  • Diese nordischen Serien gab und gibt es immer wieder. Sie haben halt stets ähnliche Probleme und deshalb nicht die längste Lebensdauer. Große Länder, kleine Märkte, geringes Absatz Potenzial. Volvo spielte da auch gerne mit, denn es ist eine preiswerte Bühne für die Heimat. Bei Saab sah man das ähnlich.

  • Der Beitrag knüpft perfekt an den letzten und das Video an. Und es stimmt, was EF-elch sagt …

    Zufall, dass der charmante historische Zusammenschnitt nach dem Super-Saloon-Desaster in die Showrooms kam?

    Erfolge kehrt man gerne nach außen. Die hier angesprochene Nordic-und-so-weiter war von Saab abgesehen wohl insgesamt kein großer Erfolg? Erst umbenannt und dann eingestellt innerhalb weniger Jahre. Da fällt es leicht, die kurze Episode/Saabs einmalige Teilnahme unter den Teppich zu kehren …

    Ich spekuliere:
    Das Format hat sich für Hersteller nie gelohnt. Der Werbeeffekt (wenn es durch Erfolge einen gegeben hätte) wäre eng und auf den kleinen skandinavischen Markt begrenzt gewesen. Gleichzeitig waren die Regularien ambitioniert und seriennahe Fahrzeuge chancenlos. Es gab daher einen allgemeinen Mangel an Teilnehmern und weltweit kaum ein Medienecho. Die Serie selbst stand von Anfang an auf tönernden Füßen, kurz vor dem Aus.
    Die Teilnahme Saabs auch. Einen “billigen” Sieg hätte man mitgenommen. Aber an einem langfristigen, finanziell aufwendigem Engagement in dem neuen und bald gescheiterten Format, hatte man schlicht und einfach kein Interesse. Wenn es so oder so ähnlich war, dann hat Saab hier mein vollstes Verständnis.

    Trotzdem ein aufregendes Fahrzeug/Modell. Technische Daten und die genaue Natur der technischen Probleme oder fundierte Hintergründe zur Nordic-XY würden mich ja auch brennend interessieren. Bin da ganz bei EF-elch …

    Aber gäbe es mehr rund um dieses Mysterium, stünde es ohnehin hier – richtig?

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  • Sehr interessanter Artikel Tom !! Mich (uns?) würde natürlich interessieren warum es der 900er so oft nicht mal bis ins Ziel geschafft hat !?!? Hier kann man(n) sicher nur spekulieren…
    Ich denke – auch bei SAAB war es da nicht anders wie “überall” bis heute – ” Tue Gutes und rede darüber – Negatives behalte lieber für dich “!

    Klar – wer braucht schon negative PR, noch dazu in dieser Branche !?

    Bin immer wieder erstaunt und natürlich begeistert – wo Tom diese spannenden Themen / Nachrichten “ausgräbt” !?

    DANKE und bitte mehr davon ….

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