SAAB. Zukunft.

Vor einigen Monaten veröffentlichte ich an dieser Stelle einen Artikel über meine sechs Jahre mit SAAB. Am Ende stand die Frage, ob dieser neben der Vergangenheit, die er mit mir hatte, und der Gegenwart, in der ich mit ihm zufrieden war, auch eine Zukunft bei mir hatte und wenn ja, welche Form diese haben sollte, eventuell auch in einer Dreiecksbeziehung mit einem Dienstwagen. In der Zwischenzeit bin ich berufsbedingt in den Stuttgarter Raum gezogen. Die Firmenwagen-Option stand nicht mehr im Raum, dennoch wollte ich mich in diesem Jahr nach einem neuen Fahrzeug umsehen – möglicherweise jetzt auch wieder nach einem neuen SAAB.


Um die Fragestellungen des letztes Artikels wieder aufzugreifen: ich und mein SAAB haben keine Zukunft mehr. An einem nebligen Morgen über den Fildern verlor ich bei Nullsicht die Orientierung, und beim Versuch, sie mittels Orientierung am Mittelstreifen wiederzuerlangen, übersah (!) ich eine vor mir liegende Kreiselinsel. Aus dem Nichts schiebt sich diese krachend unter meinen SAAB, und erst nach der Landung im Mittelpunkt des Selby Circle zwischen Plattenhardt und Bernhausen wird mir klar, was passiert ist.

Kurz gefasst: Der SAAB hat sein Leben gelassen. Kühler, Klimaanlage, Luftfilter, Servolenkung, Querlenkeranschläge, Antriebswellen – der Flurschaden ist enorm. Der Schlossträger ist eine Ebene nach hinten gewandert. Die Frontschürze ist zertrümmert, die Karosserie beim ersten Hinschauen zwar noch gut in Schuss, auf den zweiten Blick passen die Spaltmaße auch nicht mehr zusammen. Vom Innenraum mit beißendem Nitratgestank und aufgeplatztem Armaturenbrett dank Airbag ganz zu schweigen. Aber er hat sein Leben nicht umsonst gelassen. Mir ist nichts passiert, vom Abschleppdienst kann ich mit dem Taxi weiter zur Arbeit fahren.

Es muss also ein neuer SAAB her. Warum nochmal einer? Seit einer Mitfahrt vor etwas mehr als einem Jahr juckt es mich schon etwas, umzusteigen – vom 9-5(I) auf den 9-5(II). Weitere Gründe? Mehr dazu am Ende. Die Anforderungen sind jedenfalls klar: mindestens Teilleder, Ausstattung Vector oder höher. Dezenter Auftritt. Alles weitere ist ein nettes Extra.

Ein Anruf beim SAAB-Händler meines Vertrauens, Muckelbauer in Bamberg, lohnt sich. Nach Nennung der Anforderungen kommt ein passendes Angebot: ein 9-5(II) TiD Vector in Schwarz, Hirsch-Upgrade, Navigationssystem, schwarze Teillederausstattung. Zu Karsamstag bekomme ich als Osterei Bilder des Wagens, und ab da ist die Sache eigentlich ein Selbstläufer. Bei dem mehr als fairen Preis erlaubt das Budget sogar noch eine Umrüstung des Instrumententrägers auf die Farbdisplay-Variante.
Für den Übergang müssen neben dem elenden Bus – schönen Gruß an dieser Stelle an den Verkehrsverbund Stuttgart – insbesondere fürs Wochenende Leihwagen ran. Ein preußisch-strenger, aber souveräner A4, ein Ford Focus Kombi als Brot-und-Butter-Auto (immerhin kerniges Schwarzbrot und reichlich Butter), zwei Volvo – V60 und S60 – als Epitome automobilgewordener Lieblosigkeit. Eine E-Klasse führt mich zu dem Schluss, dass höchstens ein Mercedes sich so komfortabel fährt wie ein SAAB.

Terminkalender, die SAAB-Fahrern gefallen. Montag bis Mittwoch arbeiten, Donnerstag: „neuen“ SAAB abholen, Freitags: Zulassungsstelle, danach: Wochenende.
Terminkalender, die SAAB-Fahrern gefallen. Montag bis Mittwoch arbeiten, Donnerstag: „neuen“ SAAB abholen, Freitags: Zulassungsstelle, danach: Wochenende.

März und April gehen so ins Land. In der letzten Aprilwoche trifft endlich die Zahlung ein, die es mir erlaubt, den neuen SAAB-Kauf einzuleiten. Vor mir und Ralf Muckelbauer liegt noch ein – meinem knappen Zeitplan geschuldeter – Kraftakt. Nach meinem Anruf am Montag sind an dem Wagen noch Arbeiten zu erledigen: Service, TÜV-Vorführung, Aufbereitung. Dazu die Umrüstung des Instrumententrägers, die wegen bei GM vorzunehmender Programmierarbeiten einen Versand des Gerätes erfordert. Da der 28. Und 29. April die letzten beiden Tage sind, für die ich noch freinehmen kann, ist das Arbeitspensum… sportlich.

Und trotzdem klappt alles – an dieser Stelle nochmals meinen ausdrücklichen Dank an Herrn Muckelbauer dafür, dass er hier einige Hebel in Bewegung gesetzt hat und vieles möglich gemacht hat. Denn was mich dann, glänzend im Schein der Nachmittagssonne, erwartet, steht keinem Neuwagen nach. Denn obwohl ich eine Stunde vor dem vereinbarten Termin eintreffe, steht der neue 9-5 frisch poliert und innen wie außen grundgereinigt, glänzend in der Sonne. Trotz des ambitionierten Zeitplans, den ich dann noch auf den letzten Metern sogar noch überholt habe. Ich nehme den Schlüssel in Empfang und mache eine kurze Sitzprobe. Neuwagengeruch liegt in der Luft. Ein Druck auf den Starterknopf erweckt den Diesel zum Leben, das SAAB-Logo leuchtet auf dem zentralen Display auf.

Was mich beeindruckt, sind neben dem Wagen, der sich beim ersten Rendez-Vous komplett dem entspricht, was mir in mehreren Telefonaten und von den Bildern versprochen wurde, ist die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Parforce-Ritt kommentiert wird: „Das muss funktionieren.“ An dieser Stelle daher nochmal meinen ausdrücklichen, von Herzen kommenden Dank an Ralf Muckelbauer und alle Mitarbeiter des SAAB Zentrums Bamberg. Auch und insbesondere dafür, dass man mich ohne Kaffee und Brotzeit nicht auf den Heimweg gelassen hat.

Mit dem Titel greife ich die Frage aus dem Titel des Vorgängerartikels wieder auf. Zukunft? Sollte ich in der Zwischenzeit daran gezweifelt haben: für mich ist SAAB auch die Zukunft. Und die weiteren Gründe, warum ich mich wieder für einen SAAB entschieden habe? Tja…

Filmprogramm im Odeon-Kino Bamberg. Da fährt man nach Bamberg, um einen SAAB abzuholen, und welcher Film läuft? Richtig... „Ein Mann namens Ove“. Leider erst im Abendprogramm.
Filmprogramm im Odeon-Kino Bamberg. Da fährt man nach Bamberg, um einen SAAB abzuholen, und welcher Film läuft? Richtig… „Ein Mann namens Ove“. Leider erst im Abendprogramm.

Diese Gründe lassen sich kurz zusammenfassen. Um etwas Zeit zwischen Ankunft meines Zuges und Abholtermin totzuschlagen, streifte ich nachmittags durch Bamberg. Unweit des Bahnhofs liegt das Odeon-Kino. Der dritte Film auf der Anzeigetafel, der leider nur in der Abendvorstellung läuft, ist „Ein Mann namens Ove“. Diesen Film, an diesem Tag und diesem Ort – wenn es einer Bestätigung bedurft hätte, dann wäre sie damit gegeben. Um die Brücke zu schlagen:

Etwas anderes als einen SAAB fahren? Warum?

Bereit zum Einsteigen: Der Neue ist gelandet.
Bereit zum Einsteigen: Der Neue ist gelandet.

Von Philipp Bohr, Völklingen/Filderstadt

Danke an Philipp  für seine Saab Geschichte! Habt auch Ihr etwas zum Thema Saab zu erzählen?

Die Geschichte einer unvergesslichen Urlaubsreise, eine Restauration, der erste Kontakt mit der Marke aus Trollhättan oder einfach warum Saab zum automobilen Leben dazu gehört. Was immer es ist, schreibt uns. Wir freuen uns darauf!

 

 

12 Gedanken zu „SAAB. Zukunft.

  • Ein wirklich schönes Ende und Anfang. Ich wünsche allzeit gute Fahrt und immer den SAAB-Spaß

  • Warum eigentlich in die Presse gewandert ????? Da gibt es noch so viele Ersatzteile, die oft für kleines Geld gesucht werden ….

    • Das habe ich auch gedacht, heute darf kein SAAB mehr so einfach in die Presse. Alles wird immer knapper.
      Trotzdem Philipp, gute Fahrt mit dem „NEUEN“!

    • Naja, so viele verwertbare Teile waren an dem alten nun einfach nicht mehr dran, irgendwie war überall Kunststoff gebrochen, Metall verbogen – sowas hält als Ersatzteil nie lange. Und Heckleuchten gibt’s auch beim Ersatzteilehandel.

      • In Deinem weiteren Kommentar schreibst Du von vergleichsweise sehr gutem Zustand. Und grad Kleinteile wie Plasteclips, Abdeckkäppchen, besondere Anbauteile gibt’s nicht mehr beim Ersatzteilehandel um die Ecke, und manchmal auch schon schwer beim darauf spezialisierten Saabhändler.
        Anders gefragt: ist Dein 9-5 schon in der Presse, oder gibt es noch die Möglichkeit der angemessenen Verwertung?

  • Gute Fahrt und alle Gute ! P.S.: Der Film Ove ist wirklich sehenswert…, nicht nur für SAABianer! 😉

  • Den neuen 9-5 würde ich auch gerne mal fahren. Herzlichen Glückwunsch jedenfalls zu diesem Kauf. Für mich eine der schönsten Limousinen überhaupt. Aber der alte 9-5 sieht auch nicht schlecht aus, je nach Farbe/Ausführung.

  • Schade Schade Schade. Eine der seltenen Brabus-Edition wird uns nun für immer verlassen und in den Trollhimmel einziehen.
    R.I.P.

    • Ja, leider… andererseits gehen die Meinungen über den Wert der Brabus-Edition weit auseinander, weil eben hauptsächlich Optik-Retuschen vorgenommen wurden, und die auch nicht immer in der Qualität, die man sich erhofft hat. Für einen Wagen mit 17 Jahren war an meinem allerdings wirklich alles noch in einem sehr guten Zustand.

      Ursprünglich hatte ich übrigens auch mit dem Titel „Nr. 97 meldet sich ab“ gespielt…

  • Das war eine richtige Entscheidung; viel Spass mit den 9-5 II.

    • Den habe ich… den habe ich… 🙂

  • Herzlichen Glückwunsch zum 9-5. Schön, dass es noch einen im Stuttgarter Raum gibt 🙂 War schon etwas einsam!

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