Unterwegs im Wunderland. Die Saab Factory Tour 2010.

Das Saab Festival 2010 erfüllte den Fans fast alle Wünsche. Saab war gerettet, die Produktion lief. Der neue 9-5 kam auf den Markt und die Zukunft schien rosig. Was lag näher, als noch ein paar Erwartungen mehr zu befriedigen? Ein Besuch im Werk steht bei vielen ganz oben auf der Liste der Wünsche. Im magischen Sommer 2010 ging der in Erfüllung.

Unterwegs im Wunderland. Saab Factory Tour 2010.
Unterwegs im Wunderland. Saab Factory Tour 2010.

Fans unterwegs im Wunderland

Nicht für jeden, so viel ist klar. Die Saab Factory Tour war im Handumdrehen ausgebucht. Wer das Glück hatte Einlass zu bekommen, der durfte vor Ort erleben wie ein Saab entsteht. Für den ein oder anderen ein Moment der Magie. Im Juli 2010 lief das Werk im 1-Schicht Betrieb. Auf dem Auslieferungsplatz sammelten sich fabrikneue Autos. Das Unternehmen war damit beschäftigt den Bestand der Händler in aller Welt aufzufüllen. Nach Monaten von Stillstand und Unsicherheit kamen nun wieder Fahrzeuge auf die Märkte.

Der Anfang war schwer. Zu mächtig war die Abhängigkeit vom ehemaligen Eigentümer, zu groß die Herausforderungen. Im Sommer 2010 war der Optimismus dennoch greifbar. Die Vorzeichen waren gut. Die Auftragseingänge stiegen von Woche zu Woche, Kunden und Vertriebspartner begannen wieder Vertrauen zu fassen. In Trollhättan hoffte man bereits auf eine zusätzliche Schicht, wozu es nicht kommen sollte. Denn der Hoffnungsträger, der neue 9-5 Sportkombi, würde es nicht mehr auf den Markt schaffen. Dabei ruhten die Erwartungen für größere Stückzahlen besonders auf ihn.

Das Werk selbst galt als Perle im ehemaligen Reich von GM. Hochmodern und mit seinem hohen Automatisierungsgrad besonders effizient. Der Karosseriebau war der beste im Konzern, mit ein Grund warum Trollhättan Prototypen und Studien auch für andere Marken bauen durfte. Selbst die Lackieranlage war fast neu, viel moderner als das was in Göteborg stand.

Was sollte vor diesem Hintergrund noch schiefgehen? Dass es tatsächlich schiefgehen könnte, diese Idee war im Juli 2010 ganz weit weg. Zu gut war die Laune, zu magisch der Moment. Die Fakten kamen erst 2011 auf den Tisch. Bis dahin galt die Illusion vom kleinen, unabhängigen Hersteller, der es geschafft hatte.

3 thoughts on “Unterwegs im Wunderland. Die Saab Factory Tour 2010.

  • Das mit dem Zahlungsziel kam etwas später. Erinnere ich mich richtig, dann war es im Winter 2010/11.

  • Das war eine verrückte Zeit. Bangen und Hoffnung im regelmäßigen Wechsel.

    Habe ich so intensiv mit keiner anderen Marke, keinem anderen Produkt oder Konsumgut je zuvor oder seither durchlebt.

    Saab ist eben Saab. Und na klar, immer wieder der neue 9-5 SC. Auch in diesem Artikel. Der große Hoffnungsträger.

    Hätte VM ihn und den 9-4X nicht auf die Händlertour geschickt und Vorserien realisiert, hätte er mir einiges an Abschiedsschmerz erspart …

    Ich hätte aber auch niemals erfahren, wie übel GM Saab mitgespielt hat. Jemanden ein Bein zu stellen ist schon fies. Jemanden erst einen Marathon laufen zu lassen und kurz vorm Ziel zu Fall zu bringen, ist zynisch und grausam.

    Im Nachhinein kommt mir die Händlertour wie eine einzige (und absolut gerechtfertigte) Anklage vor. Die Stimmung bei meinem Vertrauten war merkwürdig zweigeteilt …

    Die Kundschaft war euphorisch. Die Schweden? Der dt. Händler und seine Mitarbeiter? Sie waren wohl realistisch.

    Sie waren nett, höflich, auskunftsfreudig, gute Repräsentanten und gute Gastgeber, aber von Euphorie keine Spur. Diese merkwürdige Stimmung im Angesicht zweier Neuerscheinungen werde ich nie vergessen.

    Auch nicht, welcher Konzern diese Party verdorben hat.

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  • Danke Tom, für diese spannende Reise ins Jahr 2010!
    Wie gerne hätte ich die schwedisch-saabische Produktionsluft riechen wollen…

    Ich kann mich noch erinnern wie ich damals fast täglich nach Pressemeldungen gesucht habe, um die wieder aufgenommene Produktion und die weitere Entwicklung von SAAB zu verfolgen. Das Handelsblatt war damals eine gute Online-Quelle – wobei auch sehr verzögert.

    War es nicht auch zu Beginn der 9-5 NG Fertigung so, dass viele Lieferanten um verlängerte Zahlungsziele gebeten wurden bzw um sonstige Entgegenkommen bis höhere Stückzahlen realisiert worden wären?

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