Saab-Scania – Ein führender schwedischer Industriekonzern

Ein Blick zurück in die Welt, so wie sie 1987 war. Saab-Scania präsentierte einen neuen Image-Film. Damals sah man sich als ein führendes Unternehmen im Segment der Transport-Technologie. Innovativ, erfolgreich, ganz vorne. Interessant. Denn, würde es den Konzern in dieser Konstellation heute noch geben, könnte man über einem integrierten Mobilitätsanbieter sprechen. Die Chancen zu einem zu werden, standen damals jedenfalls recht gut.

Saab Werk Trollhättan in den 80er Jahren
Saab Werk Trollhättan in den 80er Jahren

Schweden gehörte in den 80er Jahren zu den 10 wohlhabendsten Nationen der Welt. Der Export boomte, und der Saab-Scania Konzern hatte seinen Anteil daran. Die Luftfahrt Division stellte Zivil- und Militär Maschinen her. Die Saab JAS 39 Gripen stand kurz vor ihrem Erstflug, sie demonstrierte technische Führerschaft und war eines der modernsten Mehrzweckkampfflugzeuge der Welt.

Einst ein führender schwedischer Konzern

In Trollhättan lief seit ein paar Jahren der Saab 9000 von den Bändern. Ein Überraschungserfolg, gefeiert auf den Märkten und teilweise mit langen Lieferzeiten erhältlich. Die Trionic, Saabs revolutionäres Motorsteuersystem war damals komplett entwickelt, auch wenn die Markteinführung noch Jahre auf sich warten ließ. Und Scania eilte weltweit mit Lastkraftwagen von Erfolg zu Erfolg.

Gute Zeiten also.

Der Image-Film zeigt einen stolzen, erfolgreichen Konzern. Die Divisionen werden vorgestellt und es ist beeindruckend, was Saab-Scania auf die Beine stellt. Man darf darüber nachdenken, wo der Konzern heute stehen würde, wäre er nicht ab 1990 nach und nach zerschlagen worden? Vielleicht wäre er zu einem der führenden Mobilitätsanbieter für unsere Zukunft geworden? Die Voraussetzungen waren gegeben. Moderne Hardware, eigene Software und die technische Infrastruktur zur Kommunikation. Eigene Computerproduktion, Satelliten, die modernsten Rechenzentren in ganz Europa. Die volle Kette der Wertschöpfung.

Die schwedische Industrie ist heute in ausländischen Händen

Statt in ihre Zukunft zu investieren und auf die vorhandenen Stärken zu setzen, gingen die Schweden einen anderen Weg. Die Familie Wallenberg, lenkende Kraft hinter dem Konzern, machte Kasse. Der Gruppe zerlegte sich nach und nach. 3 Jahre nach Veröffentlichung des Films gingen 50 % der Automobildivision an GM. 10 Jahre später der Rest. 1995 löste sich Scania von der Saab AB, wurde zum eigenen Konzern. 4 Jahre später versuchte Volvo das Unternehmen zu übernehmen, was von den Kartellbehörden abgelehnt wurde. Seit 2014 ist Scania, profitabelster LKW Hersteller der Welt, vollständig im Besitz des VW-Konzerns.

Das Video – ein Rückblick in die alten Tage also. Als Schweden eine der ganz großen Industrienationen war und sich die wichtigen Firmen noch in schwedischer Hand befanden. Das hat sich, in mehr als 30 Jahren, grundlegend geändert. Volvo Cars ist chinesisch, die Reste der Saab Automobil Division ebenfalls. Scania ist heute deutsch und selbst die Flugmotoren Produktion in Trollhättan ist britisch. Bleibt immer noch die Saab AB, weit von damaliger Größe entfernt, die immer noch als schwedisches Unternehmen gilt.

10 Gedanken zu „Saab-Scania – Ein führender schwedischer Industriekonzern

  • Cool! Geschichtsstunde auf Saabblog! Spannend zu sehen und schon so lange her. Kam pünktlich für die Mittagspause 😉

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  • Tolles Uebersichtsvideo. 20 % Wachstum pro Jahr und 25% Gewinn Steigerung pro Jahr. Das weren Zeiten fuer Saab-Scania.
    Was eine Geschichte, leider ist es jetzt Geschichte.

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  • Beim Anschauen des Videos habe ich mich gefragt, wann und warum hat die Schwedische Politik, aber auch die Schwedische Gesellschaft die Kurve nicht gekriegt? Das Ganze ist doch eine ziemlich traurige Geschichte.
    Schweden quo vadis?

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  • Es wird also höchste Zeit, dass die Bänder in Trollhättan wieder anlaufen und man dort an die gute Phase von SAAB-Automobile anknüpft. Wenn alles klappt könnten wir dann wieder stolze Besitzer von Fahrzeugen “made in Trollhättan by Trolls” werden – ohne chinesischen Großkonzern im Hintergrund, ähnlich wie bei Volvo, wäre dies wohl nicht realisierbar.

    Es bleibt irgendwie spannend!

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  • Ich kann nicht nachvollziehen was da für Wirtschaftslenker am Ruder waren.

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  • @ Alter Schwede,

    fällt mir auch schwer. Einerseits und weil es so unendlich schade ist …

    Andererseits gibt es wenig, was ich mir partout nicht erklären, nicht nachvollziehen könnte …

    Familie Wallenberg hat Kasse gemacht, heißt es treffend im Artikel. Das ist auch ihr gutes Recht. Tausende machen es jedes Jahr so und nicht anders. Stichwort Start-up.

    Blöd nur, dass Saab nicht die gleiche Geschichte wie Scania geschrieben hat.

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  • @volvaab driver
    Da haben Sie absolut Recht. Kasse machen ist erlaubt. Ich meine auch gar nicht die Wallenbergs, sondern eher die Menschen aus Wirtschaft und Politik, die das zugelassen haben. Beim Saabdrama hat man gleich zweimal versagt.
    @tom
    War Scania vorher schon so aufgestellt, oder hat VW das aus Scania gemacht?

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  • @ Alter Schwede,

    meines Wissens agiert Scania schon immer und noch heute sehr selbständig an der langen Leine – sehr unabhängig von den Eigentumsverhältnissen.

    Da sie das langjährig und erfolgreich tun, hatte bis heute auch kein (Anteils- oder Haupt- oder alleiniger) Eigener je Grund, für eine einschneidende Intervention.

    So viel Erfolg und Eigenständigkeit hätte ich mir für Saab gewünscht. Dann wäre mir auch der Eigentümer egal.
    Es kam und lief anders, wie wir alle wissen.

    Der Kampf der Trolle um Eigenständigkeit ist legendär und war ein ewiger Reibungspunkt mit GM, die am liebsten in Richtung Badge-Engineering gegangen wären …

    Und leider letztlich und tatsächlich so viele Lizenzen und Rechte an Technik & Design hatten, dass Saab sich mit neuen Eigentümern nicht mehr sinnvoll fortführen ließ.

    Hier liegt für mich ein entscheidender Unterschied zwischen Saab und Scania. Und hier liegt auch die Schwierigkeit einer sinnvollen Intervention durch Wirtschaftslenker aus Politik und Wirtschaft …

    Ab einem gewissen Punkt hatte GM ganz einfach die Fäden in der Hand und ein Erfolg der Marke Saab wäre eine schallende Ohrfeige für das Management gewesen, die GM um jeden Preis verhindern wollte und leider auch zu verhindern wusste.

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  • Indirekt hat GM wenigstens eine Klatsche bekommen nach dem Verkauf von Opel. Gleich im ersten Jahr nach der Übernahme durch PSA werden schwarze Zahlen geschrieben. Ein wesentlicher Schritt zum Niedergang von Saab war die Eigenart von GM, Gewinne abzuziehen, aber viele Kosten (auch die nicht Saab betrafen) aufzubürden. Es ist richtig das viele Patente und Rechte bei GM verblieben sind und das VM die Hände eigentlich gebunden waren, allerdings glaube ich das die Mannschaft die damals vor Ort war mit Unterstützung des Staates auch das überwunden hätten. Aber gut, es ist Geschichte.

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  • @ Alter Schwede,

    stimmt. Das Beispiel Opel-PSA suggeriert, dass auch für Saab mehr drin gewesen wäre. Schon allein, weil hier Lizenzen offenbar kein Problem sind.

    Wäre Opel zuerst über den Tisch gegangen, hätte Saab vielleicht davon profitiert? Na ja, hätte, hätte …

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