Corona, Saab und das Undenkbare. Wenn Jahrestage anstehen.

Nähern sich Jahrestage, tendiert man zum Rückblick. Vielleicht wird es sentimental, unter Umständen ist man überrascht. Wenn man feststellt, dass sich das Undenkbare ereignet hat. Im Juli kommt einer dieser Tage. Vor 10 Jahren in Schweden, Saab tanzte auf dem Vulkan, fand in Trollhättan das Festival statt. Saab war frei und präsentierte großes Theater. Der 9-5 NG lief von den Bändern, die kleine Stadt war voll mit Fans. Mit einem Freund war ich mittendrin. Und es fiel eine Entscheidung, die heute noch nachwirkt.

Corona und das Undenkbare. Grenzenloses Reisen ist nicht mehr.
Corona und das Undenkbare. Grenzenloses Reisen ist nicht mehr.

Die Saab Show vor 10 Jahren

Es war mein erstes Saab Festival, für meine Begleiter ebenfalls. Ohne das Drama rund um die Marke wären wir nie auf die Idee gekommen,  extra nach Schweden zu reisen. Saab inszenierte sich fantastisch, die Stimmung war prächtig. Unzählige Gleichgesinnte, die tolle Geschichte vom Phoenix, der aus der Asche steigt im Hintergrund. Die Region fest in Saab Hand. Da fallen, im Überschwang der Gefühle, schon komische Entscheidungen. Der Blog wurde an diesem Festival Wochenende im Juli 2010 geboren. Eine Entscheidung, die immer noch Auswirkungen hat. Auch wenn es damals undenkbar schien, dass das Saab Thema mich noch ein Jahrzehnt beschäftigen würde.

Die verrückte Zeit 10 Jahre später

Wie haben wir die letzten Monate erlebt? Hätte 2010 jemand prophezeit, dass wir 10 Jahre später mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen, er wäre beim psychologischen Dienst gelandet. Es war das Undenkbare, das Wirklichkeit wurde. Wir fügen uns diszipliniert, seit Wochen. Sogar Banken betreten wir nur noch mit Gesichtsmaske, ohne dass ein Alarmknopf betätigt wird.

Offenbar richten wir uns ein mit Corona. Wir leben mit dem Virus, das unsere Welt durcheinander bringt. Die Turbulenzen reichen bis nach Trollhättan. In der Stallbacka verzögerte sich durch das Virus alles, Kurzarbeit in den ehemaligen Saab Hallen. Gleich nebendran, da wo sie einst Flugmotoren für die ersten Saab Flugzeuge bauten, sieht es noch bescheidener aus. GKN Driveline, 1941 als Svenska Flygmotor AB gestartet und später in Volvo Aero umbenannt, trennt sich von 350 Mitarbeitern am Standort. Für die Stadt ein herber Schlag.

Saabblog hingegen hat die ersten Corona-Monate gut überstanden. Trotz großer Bedenken am Beginn der Pandemie. Der Coronaeffekt macht sich mehrfach bemerkbar. Da ist zum Beispiel das extrem volle Postfach. Am Anfang sorgte es für Stress, mittlerweile ist Gelassenheit eingezogen. Abarbeiten? Allein zeitlich unmöglich! Der Blog ist in den letzten Monaten wieder zur einer Ein-Mann-Show geworden. Kein Volontär weit und breit, der die Post und Anfragen erledigen könnte. Ist die Erkenntnis erst einmal gereift, lebt man damit.

Ein volles Postfach – immer mehr Lesende. Entertainment und alte, analoge Autos aus Schweden sind Trend. Die Zahl der Lesenden ist beeindruckend, und vor einigen Tagen hatten wir die Besucherzahlen des kompletten Jahres 2018 schon überschritten. Hoffentlich, so mein Gedanke, nutzen Werkstätten und alle,  die Saab als Geschäftsmodell leben, diesen Moment des Interesses.

Und wo sind wir in 10 Jahren

Wie geht es weiter? Wo steht das alles in 10 Jahren? Die Welt hofft auf einen Impfstoff. Ohne ihn wird es kein Zurück in die Normalität geben. Kein Saab Festival 2021, kein Reisen ohne Grenzen und ohne Furcht. Wie viel man gehabt hat, erkennt man erst dann, wenn man es verloren hat.

Und Trollhättan? Da darf man die Fantasie fliegen lassen und das Undenkbare denken. In den letzten Monaten hat man in den heiligen Saab Hallen Stühle gerückt und alte Zöpfe abgeschnitten. Mobilität wird ziemlich schnell nicht mehr das sein, was es über Jahrzehnte war. Dafür benötigt man neue Köpfe, ein anderes Denken.

Lassen wir uns überraschen! Es kann sein, dass in 10 Jahren jemand eine Kolumne schreiben wird, in der er feststellt, dass sich das Undenkbare ereignet hat.

3 thoughts on “Corona, Saab und das Undenkbare. Wenn Jahrestage anstehen.

  • Ein – natürlich wegen des Schicksals von Saab – wehmütig stimmender, aber auch sehr interessanter Beitrag, der Einblicke in die Hintergründe des Blogs, seines Verfassers und hoffentlich auch in eine möglichst noch lange währende Zukunft des Blogs gewährt.

    “Auch wenn es damals undenkbar schien, dass das Saab Thema mich noch ein Jahrzehnt beschäftigen würde.”

    Interessante Aussage, die zeigt, dass natürlich nicht alle Saab-Fans so “Saab-monogam” sind wie andere. Ich – keine große Ahnung von Autos und Technik – musste unbedingt einen Saab haben, seit ich das erste Mal (zufälligerweise) einen fuhr. Jetzt habe ich zwei und ich käme nicht im Traum darauf, mir jemals ein Auto eines anderen Herstellers zu kaufen. Sogar nicht einmal als Dienstwagen, auch wenn das wegen der verfehlten Steuerpolitik (die die klimafeindliche Wegwerfgesellschaft bezuschusst) für mich nachteilig ist. Sicherlich gibt es unter den Lesern noch mehr “ausschlielich Saab”- Enthusiasten wie mich.

    Aber natürlich auch solche Saab-Freunde, die sich grundsätzlich für Autos und automobile Technik interessieren und deshalb natürlich auch mal über den “Tellerrand” schauen bzw. fahren oder kaufen. Dazu gehört, wie wir wissen, auch der Blogger – der aber ganz offensichtlich gleichwohl eine ganz besondere Vorliebe für Saab hegt, auch noch nach 10 Jahren. Hoffen wir, dass es noch lange so bleiben möge! Und auch bei allen anderen zwei- oder “mehrgleisig” fahrenden Lesern! So leben unsere Schätze weiter und auch die Querbezüge und Vergleiche zu anderen Marken sorgen immer wieder für hochinteressante Beiträge des Blogs und Kommentare der Leser!

    Aber es verwundert doch ein wenig und verdient großen Respekt, dass Tom gleichwohl über 10 Jahre so unendlich viel persönliche Lebenszeit, Energie, Geld und Engagement in dieses Thema und unser aller Saab-Leidenschaft gesteckt hat. Ein ganz großes Lob für die Qualität des Blogs und ein noch größeres Dankeschön dafür!! 🙂

    Aber: “Der Blog ist in den letzten Monaten wieder zur einer Ein-Mann-Show geworden.” Das ist eine schlechte Nachricht! Wo sind die Enthusiasten der jüngeren Generation geblieben, um auch mittelfristig unseren Blog zu unterstützen und am Leben zu erhalten?

    “Es kann sein, dass in 10 Jahren jemand eine Kolumne schreiben wird, in der er feststellt, dass sich das Undenkbare ereignet hat.”

    Ich jedenfalls hoffe, dass es in 10 Jahren noch diesen Blog mit vielen Saab-Themen geben wird, in dem mehrere Autoren interessante Beiträge schreiben – und auch Tom hin und wieder, dessen vorzüglich recherchierte und geschriebene Berichte immer so ein Genuss sind!

    Eine Illusion? Vieleicht, aber die Liebe zu einer untergegangenen Marke aus einer anderen automobilen Zeit, die Leserzahlen und das volle Postfach lassen hoffen!

    Danke für alles! 🙂

  • Dieses Jahr ist wirklich ungwöhnlich. Zum Urlaub geht es nach Mecklenburg statt nach Schweden. Ich hatte mich schon so sehr auf Trollhättan gefreut. 2021? Mal sehen!

  • Corvid-19 hat der Welt (wieder) gezeigt was (wirklich) wichtig ist: GESUNDHEIT und enge persönliche Kontakte.
    Restaurantbesuche? Nett, aber nicht wirklich (Lebens-) wichtig. Geselligkeit geht auch im kleineren Rahmen.
    2 Std. am Samstag shoppen? Nun ja, das mag jeder für sich entscheiden.
    Thailand oder doch lieber Toskana? Evtl. sind Torgau und die dortige Elbaue sind auch ganz nett…
    Kein Theater, Kino oder Konzerte, das schmerzt wirklich. Dieses geistige “Futter” fehlt sehr deutlich, und streamen oder so ist (für mich) keine Alternative.
    Die Viren der Zukunft werden uns begleiten…, mal schauen, wie schnell die Menschheit lernt, die Lebensräume von irdischen “Mitbewohnern” zu respektieren…
    Insofern hat Corvid-19 evtl. historische Dimension.
    Positiv denken hilft.
    Insofern gute neue Woche! 🙂

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