Volvo 740 GLT gegen Saab 9000. Das Schwedenduell.

Volvo gegen Saab. Das ewige Duell. Kleine Marke gegen großen Platzhirsch. Mitte der 80er Jahre tat sich in Schweden Seltsames. Saab forderte Volvo erstmals in der gehobenen Klasse heraus. Der neue 9000 CC traf auf den Volvo 740, der ein Jahr zuvor auf den Markt gekommen war. Im Vergleich der Spotlight-Redaktion tritt die Limousine aus Göteborg gegen den 9000 an. Sind beide Fahrzeuge überhaupt miteinander vergleichbar?

Schweden Duell. Saab 9000 2.3i 16v gegen Volvo 740 GLT.
Schweden Duell. Saab 9000 2.3i 16v gegen Volvo 740 GLT.

Für den Film sollte man mental in die damalige Zeit eintauchen. Volvo produziert recht eckige Fahrzeuge, die einen festen Kundenkreis haben. Abseits der vielen Klischees, dass Menschen mit Strickpullover und Birkenstock-Schuhen auf die kantigen Volvos gestanden hätten und auch der Studienrat um die Ecke einen fuhr, sind die Produkte aus Göteborg eine verlässliche Währung. Langzeitautos mit gutem Wiederverkauf und einem hohen Nutzwert. Dass sie als sehr sicher gelten und Volvo sich wirklich als einer der ersten Hersteller um die Umwelt kümmert, kommt noch dazu.

Und dann kommt Saab mit dem 9000

Mit einem Auto, das so anders ist. Rundlich statt eckig und ein Kombi Coupe. Viel sportlicher – aber ebenfalls mit hohem Nutzwert. Zum ersten und leider auch zum letzten Mal rückt der Underdog aus Trollhättan Göteborg bedrohlich auf die Pelle. Natürlich bleibt man bei Volvo nicht untätig. Der 740 wird  Modell-gepflegt, erhält modernere Motoren und tritt so zum Duell an.

Im Vergleichstest tut sich der Volvo 740 GLT schwer. Der komplett neue 2.3 Liter des Saab überzeugt gegen den Antrieb des Volvo, der sein sportliches Versprechen nicht einlösen kann. Im Zwischensprint von 80 auf 120 nimmt der Saab dem Volvo 4 Sekunden ab. Ein klares Ergebnis.

Und in dieser Art geht es weiter. In Göteborg setzt man auf Zahnriemen, in Trollhättan auf wartungsfreie Kette, was weitere Punkte bringt. 10 % weniger Verbrauch verbucht der Saab,  und im Getriebekapitel verliert der 740 erneut. Dafür kann der Volvo mit einem sehr guten Einstieg glänzen, leistet sich aber im Innenraum weitere Schwachpunkte. Mithilfe einer Legion weißer Tennissocken kommen Mängel beim Platzangebot zum Vorschein,  und auch die Sicherheitsausstattung ist nicht so perfekt,  wie man es erwartet.

Überspringen wir die Sache mit dem Laderaum.

Die Disziplin geht natürlich an den Saab, was nicht ganz fair ist. Denn Volvo hätte alternativ die Kombiversion mit riesigem Laderaum in der Preisliste stehen. Selbst das Fahrwerk des 740 GLT findet keine Gnade bei der Redaktion, immerhin kann der enge Wendekreis des Volvo beeindrucken.

Die Liste der Dinge, die am Volvo 740 GLT nicht gefallen, wird immer länger.

Am Ende bleibt der Saab in so gut wie allen Disziplinen klar vorne, und die Redaktion hat den 740 GLT ziemlich auseinandergenommen. Nicht klar versenkt, aber doch demontiert. Fast jedem Pluspunkt des Volvo, und da findet man nicht so viele, schiebt die Redaktion ein virtuelles Fragezeichen hinterher. War der Volvo ein schlechtes Auto?

Vielleicht einfach das falsche Auto. So anders als der Saab, was sich schon an seinem kantigen Außendesign manifestiert. Von allen Fahrzeugen dieser Zeit wäre es der 740, der mich am allerwenigsten interessiert hätte. Seine Existenz nahm ich gerade noch zur Kenntnis. Einer meiner Kunden bewegte einen als Kombi. Aber besitzen oder auch nur fahren wollen? Niemals!

Hatten beide Fahrzeuge überhaupt die gleiche Zielgruppe?

Der Saab 9000 von Haus aus sportlich, der Volvo 740 bewusst gediegen. Volvo gab damals den schwedischen Mercedes. Repräsentativ, konservativ. Saab war der BMW aus Trollhättan. Viel modernere Kost und sportlicher unterwegs als der Mitbewerber aus Göteborg. Es ist möglich, dass die Schnittmenge von 740 und 9000 damals nicht so groß war.

Vielleicht war es so, dass man sich einen 740 GLT kaufte, weil man ein Volvo-Mensch war. Und einen Saab, weil man sich mit dem 9000 und der Philosophie der Marke verstanden fühlte. Und dass der Volvo bei Saab-Menschen ohne Chancen war, so wie der 9000 bei einem 740 Besitzer kaum auf die Einkaufsliste gewandert wäre.

Ove lässt grüßen.

5 Gedanken zu „Volvo 740 GLT gegen Saab 9000. Das Schwedenduell.

  • Ich war damals Werbetexter für Volvo (als grundsätzlicher Saabfahrer). Und muss hier zur Ehrenrettung von Volvo schon noch etwas hinzufügen. Der Vergleich ist etwas unfair, ist doch der 740er eher der Ackergaul von Volvo gewesen. Die 760er Version und vor allem der 780er hätten bei diesem Vergleich viel, viel besser abgeschnitten.
    Und … als dann der 850er kam, da hat es für Saab nicht mehr so toll ausgesehen. Ich habe damals den brandneuen 850er im Vergleich zu den Saab-Modellen auf der Volvo-Teststrecke in Torslanda auf Herz und Nieren geprüft und wenn ich es nicht gewohnt gewesen wäre, Saab zu fahren, wäre ich bei Vergleich im Saab in den Bäumen gelandet. Bei gleicher Geschwindigkeit (170 km/h) in eine langgezogene Kurve hat der 850er verkraftet, der Saab ist aber das erste Mal in meinen Autofahrerleben brutal übers Heck ausgebrochen. Trotzdem, Saab for ever.

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  • Interessanter Vergleich. Sowohl den Saab als auch den Volvo (als 940er) kennend, geht das Fazit aus meiner Sicht so in Ordnung. Was beim Volvo aber neben dem tatsächlich legendären Wendekreis gefällt, sind die absoluten Langzeitqualitäten. Meine Tochter bewegt einen 92er 940 mit aktuell 370 tkm im täglichen Betrieb. Weder die Mechanik noch die Karosserie zeigen irgendwelche nennenswerten Ermüdungserscheinungen. Die Sitze sind straff, die Polster nicht durchgescheuert. Und er ist ein absoluter Nichtroster. Aber Komfort – gerade im Vergleich zum 9000 – kann er nicht so. Rauhe Schale, rauher Kern halt.

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  • Der 740 hätte mir nie zugesagt, der 9000 schon mehr. Gut fand ich wirklich den 850, der hatte was. Der 9-5 war dann wieder etwas besser als der 850. Das ewige Schwedenduell eben. Ich finde es bedauerlich, dass es das nicht mehr gibt.

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  • Bevor ich zu Saab kam fuhr ich einen 940er Kombi. Das Ladevolumen war schier unbeschränkt und der Wendekreis einfach nur sensationell, der 940er machte fast eine Anort-Wende.
    Heute als eingefleichter Saabfahrer möchte ich keinen dieser “Premium” Volvos mehr fahren. Und die Preise sind ja sowas von abgehoben!

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  • Der 740 als Limousine …

    … ist definitiv ein Opfer. Geopfert dem US-Markt, lokalem Zeitgeist und einer äußerst kurzlebigen Mode.

    Die steile Heckscheibe ist unmöglich. Man sucht bei so einem Auto unwillkürlich die verchromten Speichenräder und am Kofferraumdeckel die charakteristische Form für ein im Innern deplatziertes Reserverad …

    Als Kombi finde ich ihn völlig okay. Quadratisch, praktisch, gut. Mit Dachreling und seinem riesigen Laderaum von hohem Nutzwert. In diesem Punkt hält kein 9K mit.

    Auch kann man dem Kombi die Fahreigenschaften eines Nutzfahrzeugs leichter nachsehen, als einer Limousine.

    Trotzdem scheint mir der Vergleich fair. Volvo hat den 740 zum gegebenen Zeitpunkt und in der getesteten Version ja freiwillig gebaut. Saab hat eben den 9K gebaut …

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