Ein Schwede aus Graz. Saab 9-3 Cabriolet Produktion bei Magna.

Saab Cabriolets kommen aus dem Norden. Aus Finnland, nicht aus Schweden. Der 900 wurde dort gebaut, die Nachfolger bis hin zum 9-3 I auch. Der Wechsel in den Süden kam mit dem 9-3 II. Ab 2003 wurde aus dem offenen Saab ein Cabriolet aus Österreich. Eine Entscheidung, die schwer nachzuvollziehen ist. Denn während man die Produktion in die Alpenrepublik verlegte, kämpfte das Stammwerk in Schweden um jeden einzelnen Arbeitsplatz.

Ein Schwede aus Graz
Ein Schwede aus Graz

Die Entscheidung für die Magna Produktion fällt in die Ära von Peter Augustsson. Ein Manager, der vom Konkurrenten Volvo kam, und in dessen Amtszeit die Weichen in eine fragwürdige Richtung gestellt wurden. Dazu gehörte auch die Vergabe der Produktion des neuen Cabriolets an Magna Steyr. Statt das Werk in Trollhättan besser auszulasten, wurde das Rendite-stärkste Saab Modell weiterhin im Lohnauftrag hergestellt. In Schweden wurden währenddessen Arbeitsplätze im großen Umfang abgebaut und dem Unternehmen ein striktes Kostensenkungsprogramm verordnet.

Graz statt Uusikaupunki

Das Video zeigt die Produktion im Grazer Magna Werk. Produziert wurde der Film für die Verkaufsräume der Saab Partner, der Sprecher im Hintergrund benutzt Floskeln, die sich die Marketingabteilungen Anfang der 2000er Jahre so ausdachten.  Premium ist das Schlüsselwort, vom Bettvorleger bis hin zur Zahnbürste wollte jedes Produkt nur noch das sein. Saab natürlich auch,  und heute ist dieser Begriff so was von aufgebraucht, dass man ihn nicht mehr hören mag.

Ein Problem dabei: Das Saab 9-3 Cabriolet war nicht Premium. Zumindest nicht am Beginn seiner Produktion, was kaum an Magna Steyr lag. Die Materialien waren nicht in der gewohnten Saab Qualität. Einige Komponenten des Innenraums, wie die Einfassung des Armaturenbretts, waren schlicht indiskutabel in Optik und Haptik. Eine Abhilfe brachte nur der Besuch beim Saab Händler, der für etliche Scheine mit Teilen von Hirsch Performance den Innenraum auf den gewünschten Standard brachte.

Davon abgesehen wurde die Qualität im Laufe der Produktion und der Modellpflege besser, und ein schlechtes Auto war das 9-3 Cabriolet sowieso nie gewesen. Es zu fahren macht viel Spaß, ganz egal in welcher Motorvariante man es wählt. Am Anfang seiner Karriere war es sogar mit 3 Getriebeversionen lieferbar. Manuell entweder mit 5 oder 6 Gängen oder einem Automatikgetriebe. Das manuelle 6-Gang Getriebe lieferte Opel zu, die Variante mit den 5 Gängen kam von Saab. Keine Frage, welches besser zu schalten war.

5 Sterne für das Saab 9-3 Cabriolet

Mächtig stolz war man in Schweden auf die 5 Sterne, die das Cabrio im NCAP-Crashtest erhielt. Alle Fahrzeuge von Saab hatten damit den höchsten Sicherheitsstandard, ein gewichtiges Verkaufsargument. Die Produktion des neuen Saab 9-3 Cabriolets bei Magna Steyr lief bis zum Ausscheiden von GM und der Übernahme des Unternehmens durch Spyker.

Victor Muller holte dann die Produktion nach Hause nach Schweden, auch wenn nicht sonderlich viele Fahrzeuge unter seiner Regie gebaut wurden. Bei Magna wird man darüber nicht zu traurig gewesen sein. Ein großes Geschäft soll die Produktion für Saab unterm Strich nie gewesen sein. Es sei viel mehr um den Imagegewinn gegangen. Magna wollte für eine europäische Traditionsmarke Cabriolets bauen.

12 Gedanken zu „Ein Schwede aus Graz. Saab 9-3 Cabriolet Produktion bei Magna.

  • Tolles Video, da bekommt an einen richtigen Einblick drauf. Es sind ja nur die Griffin Cabrios die wieder in Schweden gebaut wurden oder? ´Habs schon mal auf Facebook gefragt, aber vielleicht gibt es ja hier jemanden der das weiß. Die Made in Austria Aufkleber die man in Österreich auf manchen Cabrios finden konnte war eine Idee von Magna oder von Saab?

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  • Mein Cabrio ein 9-3 1.8t Vector (MJ 2005) hatte den Made in Austria Sticker! Könnte sogar das in dem Film sein! 🙂
    Espressoschwarz Metallic mit hellbeiger Innenausstattung in Handschuhlederqualität. Ich liebe es sehr und das nach 15 Jahren. Nach Hirschtuning (PS 195) und zusätzlicher Domstrebe jedes mal ein Genuss zum Fahren.

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  • Danke Tom, sehr interessant. War schon vergessen das unsere Cabrio beim Magna Styer gebaut wuerde.
    Noch immen eine des schoensten Cabrio’s die gebaut wuerde.

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  • Schönes Video! Nach dem Innenraun Facelift mit dem neuen Amaturenträger war der “Makel” allerdings beseitigt. Wenn man das alles so verfolgt muss man sagen, logische Entscheidungen wurden in TH nicht immer getroffen. Dafür hat Saab eigentlich recht lange existiert. Lag und liegt offenbar an der Liebe der Käufer und Besitzer!

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  • Espressoblack und Beige Polster, was für eine Traumkombination! Da gibt es nur eins, oft bewegen und ewig behalten, ein aussergewöhnliches Cabrio zum lieb haben.

    Meines ist lime metallic und graue Polster mit schwarzen Einlagen, auch sehr schön und auch zum lieb haben!

    Allzeit gute Fahrt und viel Freude mit dem schönen Cabrio

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  • Menschlich

    Faszinierend finde ich die Industrieroboter. Die haben alle 5 Finger an jeder Hand, tragen Schweißerbrillen, optische oder keine, die Haare kurz oder lang, Ohrring oder nicht, wirken authentisch männlich oder weiblich, sind sogar individuell gekleidet …

    Man könnte fast auf die Idee kommen, dass man Autos von Menschenhand im Herzen Europas bauen könnte.

    Ganz im Ernst, jedes Saab Cabrio ist ein Schatz, mit hohem handwerklichen Anteil gebaut. Leider habe ich keines. Noch nicht? Pflegt Eure Schätze. Allen Saabrios allzeit gute Fahrt.

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  • Also ich bin mit meinem Österreicher sehr zufrieden, einzig das 6-Ganggetriebe ist tatsächlich eher Müll.

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  • Die 5-Gang Automatic in meinem 2004 Cabrio ist Klasse. 175 PS und mit den Schaltwippen geschaltet läuft das Cabrio schön zügig und geschmeidig. Die Schaltvorgänge sind fast nicht zu spüren.
    Cabrio und Automatic, das passt doch einfach oder?

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  • Also da ich nur die 6 Gang Getriebe kenne muss ich jetzt die Frage stellen, was an den 6 Gang Getrieben nicht so gut sein soll? Hätte eher gedacht, dass die immer einem 5 Gang vorzuziehen sind,weil weniger Verbrauch und weniger Drehzahl

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    • Schaltet sich präziser, hat kürzere Schaltwege. Ist einfach angenehmer zu fahren.

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