164 Jahre Tradition – GM beerdigt Holden

Eine große Marke, eine lange Tradition. Holden wurde 1856 im südlichen Australien als Hersteller von Pferdesätteln gegründet. Seit dem Jahr 1908 baute man Automobile. 1931 stiegen die Amerikaner ein, lange 89 Jahren gehörte das Unternehmen zu GM. Das endgültige Ende kommt nun 2021. Nicht überraschend, der Niedergang zeichnete sich ab. Die Produktion in Australien wurde bereits 2017 eingestellt, 2.900 Mitarbeiter verloren damals ihren Job.

Holden Commodore - ein großer Name. Aber auch nur ein Opel Insignia
Holden Commodore – ein großer Name. Aber auch nur ein Opel Insignia. Bild: Holden

Seit dieser Zeit werden Holden Fahrzeuge nur noch importiert,  und GM betreibt konsequentes Badge-Engineering. Ein einst stolzer Holden Commodore ist jetzt nur noch ein Derivat auf Opel/Buick Basis, eigene Entwicklungen sind Vergangenheit. Die Marke hat seit dem Ende ihrer lokalen Produktion massiv an Marktanteilen verloren. Begründet wird das Aus mit einem weiteren Rückzug aus den Märkten für rechts gelenkte Fahrzeuge. Die dort absetzbaren Stückzahlen sind überschaubar, der Aufwand zur Homologation von neuen Fahrzeugen ist aber aufgrund uneinheitlicher Vorschriften hoch. Großbritannien hat GM mit dem Verkauf von Vauxhall an den PSA Konzern bereits verlassen, jetzt folgen neben Australien mit Neuseeland und Thailand weitere Regionen. Das thailändische GM Werk wird an den chinesischen Hersteller Great Wall verkauft, der seine Marktposition in Asien damit weiter festigen kann. Detroit plant,  die dadurch frei werdenden Mittel in Investitionen in Zukunftstechnologien zu bündeln.

Holden und Saab waren zusammen lange Jahre unter dem GM Dach zu Hause. Die erste Kooperation bahnte sich 1993 an. Die Australier waren auf der Suche nach einem Antrieb für den neuen Holden Commodore. Sie stießen dabei auf die Turboantriebe aus Södertälje, die modernsten Motorenbau darstellten. Es kam zum Aufbau zweier Versuchsträger, aber in Serie gingen die Motoren nie. Opel sabotierte die Holden – Saab Kooperation, den Ablauf des Dramas haben wir vor einem Jahr veröffentlicht.

Holden Motoren für Saab

Erfolgreicher war der Einsatz des Holden V6 Motors in der Saab Welt. Der Grundmotor aus australischer Produktion ist im Prinzip ein robuster, ehrlicher Antrieb. Saab war in den 2000er Jahren das Turbo-Kompetenzzentrum im GM Verbund und optimierte den Grundmotor für den Einsatz im Saab 9-3 II und anderer Fahrzeuge. Erst mit 250, später mit 280 PS war der Antrieb eine durstige Möglichkeit,  ein schwedisches Auto mit 6-Zylindern zu fahren, aber immer mit einer Portion Fahrspaß im Hintergrund. Im engen Motorenabteil des 9-3 thermisch belastet, stellten die 280 PS ab Werk die höchste Ausbaustufe dar. Zusätzliche Leistung war, im Hinblick auf die Gesundheit der Maschine, nur mit einem größeren Ladeluftkühler empfehlenswert.

Der letzte Einsatz australischer Technik im Saab erfolgte bis 2011 mit dem neuen 9-5 und dem Saab 9-4x. 300 PS waren in den überarbeiteten Motoren die stärkste Ausbaustufe. Nur Saab Tuner Hirsch schenkte noch etwas mehr Leistung ein.

Mit Holden beerdigen die Amerikaner eine weitere traditionsreiche Marke. Nicht ohne zuvor über Jahre hinweg Milliarden australischer Steuergelder als Subventionen empfangen zu haben. Die Parallelen zu Saab und Schweden, wo der Staat Milliarden in die Infrastruktur investierte, um den Standort zu sichern, sind kaum zu übersehen. 185 Vertretungen mit dem Holden Schriftzug am Gebäude gibt es noch, deren Zukunft ist jetzt ungewiss. 600 der restlichen 800 Holden Mitarbeiter verlieren ebenfalls  ihre Beschäftigung. 200 verbliebene Angestellte kümmert sich um die Abwicklung und die Versorgung mit Ersatzteilen. Der legendäre Lang Lang Proving Ground, vor 2 Jahren erst mit einen zweistelligen Millionenbetrag modernisiert, wird aufgegeben und steht zum Verkauf.

GM bringt Hummer 2021 zurück

GM scheint ein industrieller Dinosaurier zu sein, der sich seine Abwärtsspirale selbst konstruiert. Auf Kosteneinsparungen folgen immer die Verluste von Marktanteilen und die darauf resultierende Aufgabe ganzer Regionen. Für ein stolzes, altes Unternehmen, das einst den Anspruch auf globale Präsenz hatte, eine traurige Situation.

Eine schlüssige Antwort für die Zukunft scheint man nicht zu besitzen. Oder vielleicht doch, und sie ist sehr amerikanisch. Nach dem Ende von Pontiac, Saab, Saturn, Oldsmobil und der Trennung von Opel und Vauxhall holt Detroit eine tote Marke zurück. Ausgerechnet die Marke Hummer soll nach den Plänen in Detroit wiederbelebt werden. Das Label im Konzern, das vermutlich von den Fans am wenigsten vermisst wird, soll ab 2021 für die Zukunft sorgen. Mit einem elektrischen Truck reifen die Träume von gelebter Nachhaltigkeit und emissionsfreier Mobilität.

Werte, für die Hummer und die eingeschränkt sozial kompatiblen Fahrzeuge zu keinem Zeitpunkt standen. Jede der aufgegebenen GM Marken, Saab inklusive, wäre für eine rein elektrische Wiedergeburt besser geeignet gewesen. Rund 2,2 Milliarden US-Dollar werden in die Wiederbelebung fließen. Ob das Geld intelligent investiert sein wird,  werden die Käufer entscheiden.

10 Gedanken zu „164 Jahre Tradition – GM beerdigt Holden

  • Traurig, traurig aber für mich ein weiterer Beweis nie, nie, nie etwas aus GM Produktion zu kaufen. Dies ist bereits in der Vergangenheit schon so passiert. Das andere Fahrzeug war teurer aber definitiv nicht gm. Überhaupt hat sich bei mir in den letzten Jahren die Aussage breitgemacht wer den “grossen Murks” überhaupt kaufen will. Hummer elektrisch? Echt eine Glanzentscheidung, wobei Platz für ein Kraftwerk hat das Teil ja. Sehe da schon ein Kohle oder Ölkraftwerk was Strom produziert, das würde zu der restlichen Technik passen. Ist aber zwingend erforderlich für eine Überlandfahrt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Oder soll aus GM Sicht jetzt jede Stadt mit Hummer e-mobilen vollgekleistert werden.

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  • Seit dem Opel GM verlassen konnte, schreiben sie wieder schwarze Zahlen. Warum nur?!

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  • Wie immer aufschlussreich und informativ. Danke Tom.

    Obwohl mir der Artikel ausgewogen scheint, mag mir das Kunststück, irgendeine nachvollziehbare Strategie GMs zu konstruieren, nicht so recht gelingen …

    Ich finde auch in den hintersten Winkeln meiner Hirnwindungen allerhöchstens ein gewisses Verständnis und ein wenig Nachsicht für das eine oder andere Rückzugsgefecht.

    Aber wie dem auch sei, mir ist das ein gewisser Trost. Wäre GM nach der Veräußerungs Saabs auf Erfolgskurs, würde es mich weitaus mehr schmerzen. Dass man einen E-Hummer nun als letzten Rettungsanker sieht, dass man eine (vermutlich schlechte) Kopie des (blöden) Cybertrucks für einen großen Wurf hält, das ist schon auch eine gewisse Genugtuung. Möge der GM-Konzern ganz einfach den Marken folgen, die sie bislang in den Abgrund gestoßen haben und gut ist …

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  • … und gut ist….
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

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  • Irgendwann hört das Glück eines jeden Unternehmens auf, trotz seiner selbst zu bestehen.

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  • GM hätte Saab nie abwickeln dürfen. Die Chinesen beweisen bei VOLVO eindrücklich das Potential schwedischer Automarken. Die Preise die VOLVO aufruft sind mittlerweile eine Frechheit, aber sie tun es, weil sie es einfach können. Saab hätte dieses Potential auch gehabt.

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  • Ich denke nicht das die Chinesen Volvo so gut tun und auch hier wird es nur eine Frage der zeit sein bis sich die Chinesen vom Thema Volvo wieder entledigen werden.
    Was GM angeht, ein Konzern der Europa nicht verstehen wollte und nie verstanden hat.
    Von mir aus weg mit Ihnen.
    Ja auch wenn Opel das zeitliche segnen sollte, so ist das gegenüber der Marke Saab mehr als nur gerecht.

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  • I wonder how soon GM become a simple financial service co, ie: ‘We lend money’, as Honestly, they have betrayed the very essence of Vehicle making in this world ……..

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  • Haben die Amis die Europäer irgendwann verstanden???
    Ich vermisse (in der heutigen Zeit) keine Fahrzeuge von GM.
    Also, ich kann beim Drama zuschauen…

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  • Ob ein großer elektrischer Pickup jetzt besonders clever oder nachhaltig ist, wird vermutlich in Europa und Nordamerika unterschiedlich gesehen.

    Fakt ist, dass US-Hersteller in Nordamerika bei den großen Pickups den Markt beherrschen und vermutlich noch relativ problemlos Geld verdienen können.
    Aber auch dort mischen mittlerweile die Japaner mit und auch Europäer schielen schon darauf. Und auch dort geht der Trend zum Elektroauto, Tesla hat seinen Cybertruck vorgestellt, Ford einen elektrischen F-150 angekündigt und mit Rivian und Bollinger stehen zwei Startups in den Startlöchern.

    Dass GM den Markt, auf dem sie noch einigermaßen groß sind, freiwillig den Mitbewerbern überlässt, ist eigentlich nicht zu erwarten gewesen. Ob sie mit dem GMC Hummer EV den richtigen Pfeil im Köcher haben werden, wird sich zeigen.

    Und retten wird er GM wohl auch nicht, auch in den USA wird man früher oder später akzeptieren müssen, dass es um mehr geht, als die Autos nur auf eine andere Energieform umzustellen.
    Mal sehen ob der Konzern, der unter anderem den Turbolader in die PKW-Großserie gebracht hat (vielleicht hätte den Laden doch mehr mit Saab verbinden können), noch mal eine zukunftsfähige Idee haben wird …

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