Von Berlin nach Paris mit 367.000 Kilometern

Wenn Autos Menschen wären, dann würden sie spannende Geschichten auf Lager haben. Wie das Saab 900 Cabriolet, das einst Mirco gehörte. Es ist ein Wanderer zwischen den Nationalitäten. International, weltgewandt,  und, um bei dem Mensch – Auto Vergleich zu bleiben…manch einer wäre froh,  so weit herumzukommen. Gebaut wurde der Saab 1987 und gehörte damit zu dem ersten Modelljahr des Cabriolets in Europa.

Saab 900 Cabriolet, erstes Modelljahr für Europa
Saab 900 Cabriolet, erstes Modelljahr für Europa

Saab Kunden mussten damals Geduld mitbringen, wollten sie einen offenen 900 fahren. Die Lieferzeiten waren elendig lang, die Preise gesalzen. Die übliche Zielgruppe, bestehend aus Architekten, Ärzten, Freiberuflern und Künstlern,  schlug gnadenlos zu. Wer IN sein wollte, der musste im offenen Saab vorfahren.

Von Berlin nach Paris

Das Saab 900 Turbo 16 Cabriolet fand seinen Weg 2010 zu Mirco. Damals hatte es bereits 292.000 Kilometer auf seinem Tacho stehen. Es wurde in Berlin von einem zugewanderten Schwaben verkauft, den es nach Indien weiter zog. Seitdem pendelte das Cabriolet im Sommer zwischen den beiden Wohnsitzen von Mirco hin und her. Berlin – Paris und zurück, das war von nun an die Lieblingsstrecke. Geschont wurde der Saab nicht. Zwar hatte er Saisonzulassung, aber in der warmen Jahreszeit fuhr er durchschnittlich 7.000 Kilometer pro Jahr quer durch Europa.

In den 10 Jahren und rund 70.000 Kilometern kam es zu einigem Verschleiß. Immerhin war das Cabriolet seit dem Sommer 2017 ein staatlich anerkannter Klassiker mit H Gutachten. Und nach rund 30 Jahren überrascht es nicht, wenn immer mal etwas an Gebrechen auftaucht. Lichtmaschine, Schalldämpfer, Fensterheber, Motor neu lagern und Fahrersitz neu beziehen. Das ist normaler Verschleiß, dazu kam noch eine neue Frontscheibe und der Tausch der Motorhaube. Auch die Saga, dass schwedischer Stahl nicht rostet,  widerlegte der 900 nachdrücklich. Eigentlich, so Mirco, gab es zu den HU Terminen immer etwas zu schweißen. Die bei einem offenen 900 die üblichen Ecken der Karosserie halt. Die legendären Achswellentunnel, Radläufe, Kofferraumboden, Fahrerfußraum und das Batteriefach. Nichts,  was unerwartet wäre. Die Wartung erledigte meist die Saab Garage von Detlef Koeke in Hamburg.

366.666 Kilometer auf der letzten Fahrt Berlin - Paris
366.666 Kilometer auf der letzten Fahrt Berlin – Paris

Zuverlässig war der alte Saab aber schon. Nur einmal, auf dem Rückweg vom Mittelmeer,  machte der 900 bei Hannover auf der 2.500 Kilometer Tour schlapp. Die Lichtmaschine hatte ihren Dienst quittiert, eine verzeihbare Schwäche.

Von der Saab Sammlung und zurück

Ein Saab ist kein Saab,  und zwei Saabs ergeben noch lange keine Sammlung. Das Cabriolet war Saab Nummer 2 bei Mirco,  und zu dieser Zeit erwischte ihn der Sammlervirus. Er sammelte Saabs im Eiltempo ein. In den Niederlanden, Deutschland,  Frankreich und Belgien. Erst ein 9000, ein 900, dann ein 96. Immer weiter, solange bis es dann 12 Fahrzeuge waren, die in einer Halle bei Hamburg landeten. Gesammelt in nur 3 Jahren, überführt auf eigener Achse in die Hansestadt. Irgendwann zog aber die Vernunft ein – und das schwedische Blech aus der Halle aus. So rasch wie eingekauft,  wurde reduziert,  und zum Jahresanfang 2020 waren nur noch 3 Saabs vorhanden. Ein 89er 9000 Turbo, ein 85er 900 Turbo 16 und 900 8v aus dem Jahr 1984. Letztendlich sollen aber nur zwei bleiben. Wer noch gehen muss, ist offen. Leben und Zufälle entscheiden.

Im September 2019 verließ auch das Cabriolet die Sammlung. Gekauft in Berlin, verkauft in Paris. Die 366.666 Kilometer standen auf der letzten Fahrt nach Paris auf dem Zähler. Der Käufer ist ein Belgier,  der in diplomatischen Diensten in der französischen Hauptstadt lebt. Er besitzt bereits ein 900 Coupe, das Cabriolet will er für die nächsten 10 Jahre fit machen. Dessen internationale Laufbahn geht damit weiter. Es wird weiter Geschichte und Geschichten sammeln, und vielleicht wird sie irgendwann irgendwer erzählen.

Wir suchen weitere Kilometerkönige!

Das Umgehen mit höheren Kilometerständen und der Gedanke der Nachhaltigkeit wird einer unserer Schwerpunkte für die Zukunft sein. Wir werden uns damit anfreunden müssen, wollen wir weiter Saab fahren.

Haben auch Sie einen Saab mit einer hohen Laufleistung oder sehr langer Haltedauer? Es muss nicht jeweils der höchste Kilometerstand sein! Für uns zählen neben dem Alter des Fahrzeugs auch die gelebte Nachhaltigkeit. Alle Besitzer von Kilometerkönigen, die ihr Auto auf dem Blog sehen möchten, sind eingeladen, Bilder und Informationen zu schicken.

2 Gedanken zu „Von Berlin nach Paris mit 367.000 Kilometern

  • Eine tolle Geschichte über ein schönes Auto, welches offenbar in guten Händen war und abermals in gute Hände gegeben wurde.

    Vielen Dank an Tom und den Einsender.

    P.S.
    Ich fühle mich ein wenig an meinen 50 Jahre alten Göteborger mit rund 500.000 Km erinnert. Die Liste der Mängel und Reparaturen gleicht wie ein Ei dem anderen. Lichtmaschine, Auspuff, Sitzbezüge. Unter dem Strich fährt und fährt er zu geringen jährlichen Kosten und gänzlich ohne Wertverlust.

    Die Preise für Verschleiß- und Ersatzteile sind geradezu lachhaft. Jederzeit würde ich wieder und ungeachtet der Laufleistung einen älteren (und technisch relativ einfachen) Schweden erwerben.

    Es sind vielmehr die jüngeren Autos, die mich in Sachen Erhaltung und Kosten (letztlich in Sachen Nachhaltigkeit) ängstigen ….

    Die sind viel komplexer und empfindlicher. Allein die Beleuchtung meiner Chrombrille (Xenon-Brenner und Neigungssensor an der Hinterachse wurden Mal getauscht), hat innerhalb weniger Jahre schon so viel Geld verschlungen, dass man davon wohl locker 2 oder 3 Kilometerkönige nach allen Regeln der Kunst und der StVO für einige Dekaden illuminiert hätte …

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  • Sehr spannende Geschichte, wäre schön wenn der neue Besitzer sich hier auch mal meldet

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