Saab Meeting in den Niederlanden 2019

Anfang-Mitte November, wir stehen bei einem kalten Bier zusammen am Grill, und lassen das letzte Treffen der Saison Revue passieren. Die Klassikstadt in Frankfurt hatte zum Saisonabschluss geladen, selbstverständlich mit saabiger Beteiligung, die wie immer für Aufmerksamkeit unter dem Auto begeisterten Publikum sorgte. Das letzte Treffen bei wirklich gutem Wetter wahrnehmen und den 900 danach in der Garage zum wohl verdienten Winterschlaf einlagern. So zumindest war der Plan, der alte Schwede soll seine wohlverdiente Pause bekommen. Oder nicht?

Lauter schöne Heckansichten. Entdecke den Fehler!
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Niederländische Spontanität

Nein! Denn die niederländischen Saabkollegen haben scheinbar etwas gegen die temporäre Stilllegung des schwedischen Gefährts und locken mit einem Saab Treffen am Ende des Monats in der Nähe von Utrecht. Wir tauschen zwei Blicke miteinander aus, und ich streiche dem 900 die eigentlich versprochene Ruhezeit. Der 900 soll also nochmal auf die Straße – aber nur bei gutem Wetter, ein solcher später Einsatz zu eisigen Temperaturen muss nicht sein, das eventuelle Salz auf den Straßen soll ihm erspart bleiben.

Wir kündigen uns via Instagram an, buchen ein passendes Hotel und realisieren erst später wie verrückt der schnell beschlossene Plan eigentlich ist. Fünf Stunden Autofahrt für ein „kleines“ Treffen mit Freunden, die wir beim Festival kennengelernt haben – es gibt bestimmt bessere Ideen. 

Die Tage gehen ins Land, der 30.11 rückt immer näher.

Der Wetterbericht muss nun stündlich die neuesten Wetterdaten ausspucken, und tatsächlich: Sonne und blauer Himmel statt grauer Tristesse und Regen. Und trotzdem hadere ich langsam mit meiner vorschnellen Entscheidung, den alten Saab noch einmal nach Holland quälen zu wollen. Klar, dass Wetter stimmt, aber nimmt man in solch einer Situation nicht doch lieber den Kilometer fressenden 9-5? Der Diesel sammelt seit Monaten fleißig immer neue Kilometer, meistert dies ohne Probleme und steht’s zuverlässig. Doch auch er würde sich sicherlich über eine Pause freuen. Eine schwierige Wahl welche am Ende zugunsten des Oldies fällt.

Der finale Tag

Es ist Samstagmorgen, der Wecker wirft mich um 5:45 als aus dem Bett. Halb verschlafen wird Wegproviant und Kameraequipment gepackt und schon geht’s zum 900. Beim Öffnen der Tür schlägt mir der typische Saab Geruch entgegen, der mir nach einer Woche Firmenwagen positiv auffällt. Der Franzose kennt nur die typischen plastischen Gerüche – nichts was mit einem 30 Jahre alten Saab mithalten könnte.

Der Schlüssel ist gezückt und landet gekonnt zwischen den beiden Vordersitzen, Sekunde später erhellt der Sound des 900 die engen Gassen – sehr zum Leidwesen der anliegenden Nachbarn, die das Brummen des 8V mittlerweile gewöhnt sein dürften.

Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass jetzt vermutlich die halbe Straße senkrecht im Bett steht, lege ich grinsend den ersten Gang ein und rolle Richtung Autobahn.

Die weiteren 4 Stunden Fahrt verlaufen ohne größere Vorfälle und wir überqueren sicher die Landesgrenze und landen einige Zeit später in einem kleinen Ort bei Utrecht, der einen umso größeren Parkplatz bereithält. Mit deutscher Pünktlichkeit sind wir um 11:55 am Veranstaltungsort – 5 Minuten vor Beginn. Und obwohl wir überpünktlich eintreffen, sind wir nicht die Ersten. Diverse Fahrzeuge haben sich schon eingefunden, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie z.B der lila lackierte 99 Turbo oder der Porsche 911 der zwischen zwei 900ern steht.

Zu allem Überfluss stellen wir fest, dass man in den Niederlanden wohl gerne Salz streut, denn der Parkplatz ist übermäßig mit den kleinen Kristallen versorgt worden. Dabei ist Salz doch das absolute Gift für einen Oldtimer, das dem 900 eigentlich erspart bleiben sollte. Aber immerhin hält der Wetterbericht was er verspricht, und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt treffen immer mehr Oldtimer auf dem Parkplatz ein.

Das Saab Festival verbindet

Einer der letzten eintreffenden Turbos ist der des Organisators, sein 900 rollt mit dem typischen Turboblubbern auf den Parkplatz. Zielstrebig läuft er auf uns zu, begrüßt uns freundlich und zeigt sich sehr erfreut darüber, dass wir für sein recht spontanes Treffen so viel Fahrzeit und Kilometer in Kauf genommen haben. Einen Satz den wir an diesem Tag noch öfter hören werden. Der Parkplatz füllt sich derweil immer mehr, von 99 Turbo, 96, über 9-5 NG und 900 versammeln sich an diesem Tag fast alle wichtigen produzierten Modelle der kleinen Marke aus Trollhättan. Und obwohl sich fast nur Oldtimer auf dem Parkplatz einfinden, sind fast alle Besitzer und Teilnehmer unter 25 Jahre alt.

Eine wirkliche Seltenheit, ist der Altersschnitt doch oft deutlich höher. Wir schlendern zwischen den Fahrzeugen entlang und führen viele tolle Gespräche. Ein spontanes aber wirklich entspanntes Treffen bei tollem Wetter. Es ist dieser Saab Spirit, der an diesem Nachmittag über dem gesamten Parkplatz hängt. 

Als wir schon wieder Richtung Startbahn rollen wollen, sprechen uns noch einmal ein paar altbekannte Gesichter an. Man kennt sich vom Festival in Trollhättan und Instagram, die Freude sich nach langer Zeit wiederzusehen ist also groß und kurzer Zeit später finden wir uns in einem angrenzenden Restaurant wieder. Seit dem Festival ist viel Zeit vergangen, man tauscht sich über aktuelle Projekte und neuerworbene Fahrzeuge aus und lässt die Erinnerungen von damals erneut Aufleben.

Der sparsame Schwede

Auf dem Rückweg zum Hotel mache ich noch einen kleinen Umweg, der Saab ist durstig. Nach über 500 Kilometern meldet sich die Tankanzeige im Cockpit und verlangt nach neuem Sprit. Also geht’s zur nächstbesten Tankstelle. Langsam füllt sich der Tank des Schweden, die Liter rauschen durch die Zapfanlage und in Gedanken denke ich über den fast schon beunruhigend niedrigen Spritverbrauch nach. Der 8V zeigt sich sehr sparsam, würde man in der Szene jedoch 8V oder 16V zu Wahl stellen, letzterer würde wohl ohne Probleme gewinnen.

Aber warum ist das so ? Ich komme zu dem Schluss das ich es wohl nie erfahren werde, und das metallische Klacken der Zapfanlage holt mich aus meinen Gedanken. Der Saab zeigt sich gesättigt, schnell bezahlen und dann den Verbrauch ausrechnen. Der wie befürchtet niedrig ist, in Spitzenzeiten kann ich mich mit meinem 900 auf 6,3 Liter/100 km einigen. Für einen 32 Jahre alten Schweden nicht schlecht, oder?

Das letzte Highlight an diesem Abend erwartet mich am Hotel, denn der 900 kriegt ausnahmsweise einen Stellplatz in einer Tiefgarage und mutiert nicht wie befürchtet für eine Nacht zum Laternenparker. Das Rolltor geht hoch, ein letztes Mal die ersten beiden Gänge hochziehen, kerniger 8V Sound erfüllt die Tiefgarage. Einparken, aussteigen und die wuchtige Tür ins Schloss fallen lassen. Ein weiterer unverkennbarer Saab Sound. Auf dem Weg zum Ausgang noch einmal umdrehen, ein letzter Blick. Mir fährt ein Grinsen über das Gesicht.

Was ein schönes Auto.

5 Gedanken zu „Saab Meeting in den Niederlanden 2019

  • Vielen Dank Justus,

    jetzt sind es schon X Beiträge von nunmehr 5 Autoren am 14. Januar.
    Unfassbar, wie der Blog ins neue Jahr startet …

  • Schöner Bericht! Was macht der Porsche Carrera unter so vielen Saabs?

  • Bilder und Bericht = 1a! Hat Spass gemacht es zu lesen, danke!

  • Tja, die jungen Leute fahren einfach so in der Gegend herum. Schweden, Holland, Hessen … Wie geil is das denn?

  • Toller Bericht Justus, schön, dass der Blog im Jänner schon mit so vielseitigen Beiträgen von verschiedenen Autoren gefüllt wurde, bin gespannt was noch kommt.
    Der 900 ist meiner Meinung schon so ein so besonderes Auto, da muss es wirklich nicht unbedingt ein Turbo sein.
    Hattest ja auch Glück, dass es dann nicht angefangen hat zu schneien.

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