Autojahr 2020. Alte Autos und Trollhättan.

Deutschland nimmt Kurs in Richtung Elektroauto. Technologie-offen zeigt man sich dabei nicht. Ganz im Gegenteil. Das könnte sich als Problem erweisen. Denn während die deutschen Konzerne ihre Energie in Batterie-elektrische Fahrzeuge stecken, wechselt China unerwartet den Kurs. Und stellt fest, dass eine nachhaltige Mobilität aus unterschiedlichen Lösungen besteht.

Cockpit Entwurf der 9-X Bio Hybrid Studie
Cockpit Entwurf der 9-X Bio Hybrid Studie

China 2020

Während das Batterie-Elektroauto in der EU als alternativlos gilt und jeder Kritiker Gefahr läuft,  mit einem Shitstorm überrollt zu werden, überrascht China 2020. Subventionen für Elektroautos fallen weg,  und der gesetzlich vorgeschriebene Anteil rein elektrischer Fahrzeuge bei den Zulassungen steigt nur moderat.

Stattdessen zeigt sich das Land nun Technologie-offen. Neben Batterie-elektrischen Fahrzeugen werden weiter Milliarden in die Entwicklung von Wasserstoff-betriebenen Lösungen gepumpt. Und Methanol steht überraschend ganz oben auf der Liste – als ein alternativer Kraftstoff,  der Unabhängigkeit von Ölimporten verspricht. In China wird er aus Kohle gewonnen, etliche neue Kohlekraftwerke sind im Bau. Besonders verblüffend ist aber die Anweisung an die Hersteller, von nun an verstärkt sparsame Verbrenner zu entwickeln. Vom Abgesang auf die “alte” Technik ist 2020 keine Rede mehr. Pragmatisch modifiziert die Administration ihren Kurs und sieht in synthetischen Kraftstoffen und Verbrennern einen weiteren Baustein zur Mobilität.

China setzt 2020 auf Wachstum durch Export. Schon jetzt wächst der Exportanteil schneller als bei jeder anderen Autonation. Gleichzeitig steigt der Durchschnittswert der exportierten Fahrzeuge kontinuierlich an. Für die Zukunft sollen Elektroautos einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg leisten,  meldet das Handelsministerium. Denn dort sieht man sich besser aufgestellt als die etablierten Konzerne. Tatsächlich ist die Zahl von Start-ups, die mit europäischer Hilfe entwickelt haben, kaum zu überschauen. Etliche beginnen 2020 die Auslieferung und planen den Export.

Alte Autos 2020

Es ist kein Geheimnis – die Saab Flotte altert. 2011 war das letzte Produktionsjahr, 2008 kamen letztmalig Stückzahlen unter das Volk. Im Hinblick auf Klimadiskussion, Elektrifizierung und die Digitalisierung darf man sich schon nach der Daseinsberechtigung von analogen Fahrzeugen fragen. Werden sie schnell von den Straßen verschwinden oder haben sie eine Chance, das nächste Jahrzehnt zu überleben?

Sicher ist, der Ton wird immer rauher werden. Die Polarisierung wird zunehmen. Die Empörungswelle der Umweltsau Satire zeigte einen kleinen Vorgeschmack. Auf der anderen Seite wird es aber auch im neuen Jahrzehnt Menschen geben, die gerade analoge Dinge zu schätzen wissen. Ein Auto, das ohne Terabyte große Datenspur seine Bahnen zieht, das wirklich im eigenen Besitz ist, und das funktioniert, wenn man den analogen Schlüssel dreht, das hat was.

Denn die ganze Digitalisierung hat natürlich auch Schattenseiten. Sie ist abhängig vom Funktionieren einer aufwändigen Infrastruktur, die den Verbraucher gläsern macht und außerdem einen riesigen CO2 Abdruck nach sich zieht. Der jährlich stark wächst, und jetzt schon die Größenordnung kleinerer Volkswirtschaften umfasst. Diese Nachteile werden ein Thema sein, die man in einigen Jahren verstärkt diskutieren wird. Und die wiederum für den längeren, nachhaltigen Gebrauch analoger Mobilitätslösungen sprechen. Vor allem dann, wenn synthetische Kraftstoffe aus grüner Energie verfügbar sein werden.

Trollhättan 2020

In China lauert die Gefahr. Und diesmal wirklich. Marken, die 2020 ihre Elektroauto-Produktion starten, haben Produkte, die durch ein internationales Netzwerk entwickelt wurden und wettbewerbsfähig sind. Deren Cloudlösungen sind den Europäern voraus, und in die Elektronik ist das Wissen von einem halben Jahrhundert geflossen, währenddessen China die Werkbank der Welt für jede Art elektronischer Geräte war.

Während Arcfox, Enovate, Hycan, Nio und Xpeng weitere Fahrzeuge auf den Markt bringen, kommt aus Trollhättan mal wieder nichts. Evergrande, Hauptaktionär bei NEVS, plant im ersten Halbjahr 2020 die Präsentation des ersten neuen Fahrzeugs. Produktion 2021, somit wird es am Göta Älv in diesem Jahr ruhig bleiben. Die Hoffnung auf eine Herstellung des Sion hat sich zerschlagen, und ob Koenigsegg eine Kleinserie in der früheren Saab Fabrik bauen wird,  bleibt ungewiss.

Gut sind die Perspektiven hingegen für das Entwicklungszentrum. Die Liste der offenen Stellen ist lang, in der Stallbacka entstehen neue Arbeitsplätze mit einer gewissen Kontinuität. Der Entwicklungsstandort ist immer noch im Geschäft, und das macht Hoffnung auf mehr. Auf eine Autoproduktion im alten Saab Werk, irgendwann.

15 Gedanken zu „Autojahr 2020. Alte Autos und Trollhättan.

  • Was unsere Saabs betrifft bleibt zu hoffen, das die Politik uns zumindest noch einige Jahre in Ruhe lässt und wir diese Autos noch fahren können.

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  • Die Kritik an den deutschen Automobilbauern kann ich nur bedingt nachvollziehen. Es gibt schon seit den 90ern bei Mercedes Forschungen auf dem Gebiet der Brennstoffzellen (NECAR) und MB hat 2019 ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle plus Akku vorgestellt, das weltweit ein einzigartiges Auto ist. 2022 bringt BMW den X5 mit Brennstoffzelle als umweltfreundliche Antriebsalternative.

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    • Genau da steckt das Problem. Deutschland war mal führend in den 90ern, heute nicht mehr. Fahrzeuge mit Brennstoffzellen kommen aus Korea und Japan und China investiert Milliarden. Der Vorsprung wurde verspielt.

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  • Wie steht Ihr denn zu den alten Dieseln? Ich wohne auf dem Land und überlege einen 2005er 9-5 2.2 TID zu kaufen! Dumme Idee? Eure Meinung ist gefragt!

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  • @Stefan Ich sehe das reichlich entspannte. Wer nicht zwingend in Ballungszentren fahren muss, darf fahren was er will. Nach Jahren täglich Anti-Diesel, Anti-Auto in den Medien bin ich abgehärtet. Große Städte kann man sperren, kleine Orte nicht. Also ja, kauf den TiD und habe Spaß!

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  • Hallo Stefan,

    kein Problem mit dem für Saab-Freaks atypischen 2,2 TiD-Dieselmotor. Robust wegen der Steuerkette (kein Zahnriemen wie bei den 1,9er Fiat Dieselmotoren), nur etwas laut und gemessen an heutigen Dieselmotoren nicht der sparsamste Motor (Verbrauch zwischen 5,8 und 8,2 Liter, je nach Fahrstrecke). Meine beiden haben bis jetzt 335.000 und 230.000 km zurück gelegt.
    Empfindlich ist das Abgasrückführungsventiel (AGR-Ventil) und die Drallklappen im Ansaugtrakt, die sich relativ häufig mit Diesel-Rußgemisch zusetzen. Zumindest das AGR-Ventil und den im Ansaugrohr installierten Sensor muss man so alle 7.000 km ausbauen und mit Bremsenreiniger sorgfältig reinigen, da nach dieser Fahrtstrecke meistens die Check Engine-Lampe aufleuchtet. Zeitaufwand für die Reinigung 30 Miuten.

    Absehen würde ich von den Aisin-Warner Automatikgetrieben, da bei diesen turnusmäßig eine Getriebeölspülung (Tim Eckart-Methode) nach spätestens 120.000 km fällig ist, kostet ca. 450 Euro. Das Filtersieb ist sinnigerweise nicht von außen zugänglich (wie bei älteren Mercedes), sondern dazu muss das Getriebe ausgebaut und zerlegt werden, eindeutig eine Fehlkonstruktion wie bei den meisten anderen Automatikgetrieben heutzutage.
    Das manuelle Getriebe und die Kupplung sind beim 335.00er noch völlig ok, beim jüngeren 9-5 musste das Getriebe nach 185.000 km getauscht werden, da der Vorbesitzer diesen Spülungsvorgang versäumte.

    Rostmäßig die empfindlichste Stelle wie bei allen 9-5: Vor den Hinterrädern der Bereich der Längsschweller, vor allem, wenn dieser Bereich durch zusätzliche, sinnfreie Kunststoff-Verkleidungen abgedeckt ist. Darunter gammelt es ungehindert und von außen kaum zu sehen vor sich hin.

    Also suchen und nicht den erstbesten nehmen.

    Viele Grüße,
    Uli

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  • Hallo,
    Wir haben uns gestern den 3. Saab 9-3 zugelegt. Nach 2 Dieseln einen Biopower, in der Hoffnung das man doch mal wieder die Möglichkeit hat als Alternative Bioethanol mal zu tanken.
    VG

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  • Herzlichen Dank für den tollen Kommentar! Klingt nicht so ideal für mich! Gibt es eine Motorempfehlung, wenn man kostengünstig über Land fahren möchte?

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  • China

    Die stolze Nation hat sich in Paris als Schwellenland einstufen lassen (kann man auf Wikipedia nachlesen). Als solches hat China gegenüber den Industrienationen etliche Privilegien.
    In den internationalen Fonds für Klimaschäden in Entwicklungsländern müssen sie beispielsweise bis mind. 2025 nicht einzahlen. Auch dürfen sie ihre CO2-Emission bis 2025 erhöhen.
    Erst dann und auf Basis des bis dahin erreichten Ausstoßes müssen sie reduzieren.

    Anders gesagt, je höher China seine Emission bis 2025 schraubt, desto mehr dürfen sie auch über 2025 hinaus emittieren und desto leichter fällt anschließend die Einsparung.

    Wenn man den Blick nach China richtet (was nicht nur hier auf dem Blog wiederholt der Fall ist), sollte man diesen Hintergrund immer mitdenken.

    Strom aus Kohle, jetzt Methanol aus Kohle und dazu Elektromobilität. Ist das in sich widersprüchlich und verwirrend?

    Nur nach westlichen Maßstäben und im Namen der Umwelt. Wirtschaftlich und politisch ergibt sich aus chinesischer Sicht ein klarer und gemeinsamer Nenner.
    Möglichst viel CO2 bis 2025.

    Ironischerweise ist die Elektromobilität ein Beitrag in diesem Sinne, denn bekanntermaßen ist die Produktion von EVs CO2-intensiver als die konventioneller Autos. Da die Einsparung sich erst nach Jahren (wenn überhaupt) einstellt, war Chinas Marschroute ideal …

    Mich wundert einzig, dass sich diese große Nation und ihre klügsten Köpfe so sehr nach dem Pariser Abkommen richten. Andererseits macht es vielleicht einfach Spaß, beim Poker zu gewinnen und so ganz ohne den Rest der Welt und externe Absatzmärkte geht es eben auch nicht …

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  • Mach mal – der 2.2 TiD ist wirklich ein langlebiges und lebenswilliges Konstrukt mit nur sehr wenigen Problemstellen – weit weniger als bei den Benzinern. Für mich eines der letzten Aggregate, das über ein geringes Mindestmaß hinaus konstruiert wurde. Der Wagen ist schon produziert, er lässt sich verbrauchsarm fahren, und mit sauberem Ansaug- und Luftbereich ist er nach meinen Erfahrungen auch weit weniger dreckig als manches modernere Fahrzeug.

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  • @Stefan:
    Wenn Du’s noch unkomplizierter als beim 2.2 TiD haben möchtest: älteren SAAB-Sauger (in 9000 oder 900), sparsamer und sauberer geht’s mit Autogas. Meines Erachtens noch unterschätzter/verkannter als die 2.2er in den SAAB 😉

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  • Danke, das klingt doch sehr gut! Hatte wegen obigem interessanten Kommentar fast Abstand genommen vom 2.2 TiD. Ich bin kein Schrauber und brauche etwas robust zuverlässiges. Der Wagen im Fokus hat bereits 320.000 km gelaufen.

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  • An Gas habe ich auch schon gedacht… können die Sauger es dauerhaft sb?

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  • Non serve avere paura della tecnologia! Il cambiamento climatico in atto necessita di cambiamenti per quanto riguarda le azioni degli individui, e queste possono essere modificate attraverso oggetti innovativi, come possono essere le auto elettriche.

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