32 Millionen Crowdfunding und ein Votum der Community

Für Sono Motors beginnt das neue Jahr mit Unsicherheiten. Ob der Sion in Trollhättan gebaut werden kann,  bleibt ungewiss. Mit einer aufsehenerregenden Crowdfunding Kampagne wollte das Unternehmen 50 Millionen € bis zum 30. 12. 2019 einsammeln. Es wurde zum Stichtag eine Summe von etwas mehr als 32 Millionen, was als großer Erfolg gelten darf – aber zu wenig ist. Dennoch gibt das Münchner Start-up nicht auf. Die Community entscheidet nun über das weitere Schicksal des Projekts.

Sion von Sono Motors
Sion von Sono Motors. Bild: Sono Motors

3 Tage Zeit haben seit dem 31. Dezember die Sion Unterstützer,  um ihre Stimme abzugeben. Wird man die Crowdfunding Kampagne um 20 Tage verlängern, um die restlichen Millionen einzusammeln? Oder ist das Community Projekt als solches gescheitert? Ein basisdemokratischer Vorgang, der ungewöhnlich für die Autoindustrie ist.

Im Dezember mobilisierte Sono Motors die Fangemeinde. Die Basis, welche das Projekt erst soweit brachte, sollte für das Überleben sorgen. Mit regionalen Veranstaltungen tourten die Gründer durch das Land. Sie standen Rede und Antwort, räumten Fehler ein. In Videos dokumentierte man den Stand der Entwicklung, beantwortete offene Frage. Über ein Punktesystem sollen Unterstützter am zukünftigen Gewinn der Firma beteiligt werden, Fans konnten Kredite vergeben. Es wurden Mediasets zur Unterstützung der #staysono Aktion mit Videos, Bildern und Texten verteilt. Kurz und gut, in München zog man alle Register, um die Kampagne zum Erfolg werden zu lassen.

Victor Muller hätte daran seine Freude gehabt.

Das Ringen um Sono Motors erinnerte an den Kampf um Saab 2010 und 2011. Eben nur digitaler und fast ein Jahrzehnt später.

Sono Motors Crowdfunding. Erfolgreich, und doch gescheitert.
Sono Motors Crowdfunding. Erfolgreich, und doch gescheitert.

Wie wir nicht zu Fans wurden

Eine Rückblende. Im Sommer 2019 waren Mark und ich zu Besuch in München. Wir wollten den Termin, weil wir das Projekt und die Geschichte dahinter erfrischend modern fanden. Die Entscheidung,  den Sion in Trollhättan bauen zu lassen, war nur ein Teil der Geschichte. Der Community Gedanke, das Solar Konzept und die bisherige Historie war viel sympathischer und der ausschlaggebende Faktor.

Der Besuch letztendlich verblüffte uns, er verlief völlig anders als erwartet. Alle waren freundlich, aber letztendlich doch zugeknöpft. Unser umfangreicher Fragenkatalog, auf den man im Vorfeld bestanden hatte, spielte keine Rolle. Interessant waren die Halbsätze im Umfeld des Termins, die von Mitarbeitern kamen. Generell aber präsentierte sich Sono Motors verschlossen wie ein Schweizer Banktresor.

Nach dem Termin waren wir ratlos. War das die Firma, die durch die Community so weit gekommen war? Von Saab, NEVS und der Autoindustrie im Allgemeinen waren wir mehr Offenheit gewöhnt. War die Story im Hintergrund nur eine gute Marketinggeschichte oder lag es an uns, die wir aus dem Verbrenner-Lager kommen? Sollten wir uns für die Idee des Solarautos engagieren, könnten die Fortschritte des Projekts unsere Leser interessieren? Als Resümee verbuchten wir den Termin als ein erstes Kennenlernen und beschlossen,  Sono Motors weiterhin medial zu beobachten. Auf Distanz, so wie wir sie in München erlebt haben.

Auf jeden Fall verpasste man es an diesem Tag,  uns zu Fans zu machen.

180 Grad Kehrtwende

Im Dezember dann die dramatische Kehrtwende. Nach Monaten des Schweigens ging es um alles,  und man besann sich auf die Wurzeln. Die man über einen längeren Zeitraum ignoriert und vernachlässigt hatte, wie man zugab. Und was nie wieder vorkommen sollte. Sono ist wieder zurück in der Community, der Sion ein Gemeinschaftsprojekt. Schon das macht ihn interessant, auch wenn die Kehrtwende vielleicht zu spät kam. Soziale Medien sind schnelllebig, Nachrichten und Trends haben eine sehr knappe Halbwertzeit.

Kluge, erfrischende Ideen gab und gibt es jetzt aus München in Masse. Kunden können zur Überbrückung auf den Renault Zoe wechseln, bis der Sion kommt. Kundenbindung auf eine unkonventionelle Art, schon sympathisch, wenn auch aus der Not geboren.

Wie wird es weitergehen?

Vermutlich wird die Community für eine Verlängerung stimmen. Das Crowdfunding geht dann weiter,  und es ist nicht ausgeschlossen, dass die restlichen Millionen eingesammelt werden können. Dann fehlen bis zur Produktion in Trollhättan noch rund 200 Millionen €, die man bis Mitte 2021 organisieren muss. Um noch mehr Menschen vom Konzept des Solarautos zu überzeugen und Gelder zu werben, wird man verstärkt Probefahrten anbieten, Prototypen bauen, und den offenen Kontakt zur Community pflegen.

Ein Abenteuer, quergedacht, ungewöhnlich. Auf jeden Fall spannend.

5 Gedanken zu „32 Millionen Crowdfunding und ein Votum der Community

  • Dafür dass der SION nicht zu den Autosgehört die eine erhöhte Herzfrequenz auslösen ist das Ergebnis recht gut. Ich würde mich natürlich freuen wenn die Geschichte gut ausgehen würde. Alleine schon wegen Trollhättan!

    Ein gutes neues Jahr der Saab Gemeinschaft!

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  • Willkommen im Jahr 2020! Und…, in der Tat lesen wir am ersten Tag des neuen Jahres wieder einen frischen Bericht auf dem Blog! Geradezu (fast) unglaublich! Vielen vielen Dank in die Redaktion. Der Blog ist jeden (!!!) € wert. 🙂
    Ich freue mich auf die weiteren über 300 Tage…

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  • Mensch Tom,

    du schreibst schneller als ich lesen kann. Ich dachte, du machst eine kleine und wohlverdiente Pause. Wenigstens an Neujahr …

    Jetzt sind das schon 2 Beiträge am 2. Tage von zwanzig-zwanzig und knapp zwanzig Millionen fehlen Sono.

    Wenn ich richtig verstanden habe, fehlen die aber nicht etwa zur Produktion, sondern für den Versuch und zur Überbrückung, um weitere 200 Millionen für eine verspätete Produktion einsammeln zu können?

    Es ist quasi die Frage nach der Finanzierung einer Finanzierungsfrage. Ein interessantes Experiment. Klingt aber auch sehr nach Sesamstraße (wer nicht fragt bleibt dumm). Oder nach unendlicher Geschichte. Gibt es vielleicht doch auch dumme Fragen? Oder Geschichten, die enden müssen?

    Ich fände es ja schade um den Sion und Sono, sehe die Sache aber leider schwarz …

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    • Aus Blog Sicht hat das neue Jahr begonnen wie das alte endete. Mit viel Arbeit und einer Menge Beiträge die vorbereitet werden müssen. Mit TOGG und Sion kamen noch ein paar aktuelle Themen dazu. Und die Leser sorgen mit eigenen Artikel, die sie einsenden, für weitere Arbeit. 😉

      Sion: 50 Millionen fehlen für Prototypen Bau und Homologation, 200 weitere Millionen für die Produktionsvorbereitung mal ganz grob gesprochen. Man hofft mit fertigen Prototypen weitere Besteller und potenzielle Investoren gewinnen zu können. Wie Du schon sagst: Ein interessantes Experiment!

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  • Ich hoffe für Trollhättan, obwohl ich dort noch nie war, immer noch, dass es mit Sion klappt

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