Saab Klassiker & Youngtimer

Sportlicher Saab 96 V6 – den gab es tatsächlich

Dass Saab einst mit einem Reihensechszylinder im 93 experimentierte, ist bekannt. Es blieb bei einem Versuch. Viele Jahre später gab es nach dem gleichen Muster ein V8 Experiment im Saab 96, das in der Historie kaum erwähnt wurde. Bestand der Reihensechszylinder in Wahrheit aus zwei Dreizylinder Zweitaktmotoren, wurden für den V8 im Werk zwei V4 Motoren zusammen geschaltet.

Projekt Nummer eins parkt heute unter der Bezeichnung „Monster“ im Saab Museum (Link). Was aus dem V8 Experiment wurde, ist nicht dokumentiert. Auf die Strasse kam jedoch ein anderer Saab 96 – mit einem V6 Motor. Er sollte der Auftakt für eine Saab 96 V6 Kleinserie werden, überlegte sein Macher.

Dazu kam es wahrscheinlich nicht. Denn die Leistungsdaten des Saab 96 V6 waren in der Realität nicht sonderlich überzeugend.

Saab 96 V6 - kein Sportwagen
Saab 96 V6 – kein Sportwagen

Der Saab 96 mit dem V6 Motor

Das Saab 96 V6 Experiment fand, im Gegensatz zu den beiden oben beschriebenen Versuchen, in Deutschland statt. Jürgen Münch, 1979 in Solingen als KFZ Meister tätig, wollte den biederen Buckligen in einen schnellen Renner verwandeln, wie er es gegenüber der Auto Motor Sport ausdrückte. Er war damals mit seinen Gedanken nicht alleine. Immer wieder wurden in den 96 größere Motoren transplantiert – in Schweden von privaten Enthusiasten 1972 sogar mit 2,8 Litern Hubraum.

Den Motor für das Münch Projekt lieferte – natürlich wieder einmal – Ford. Der Original V4, ebenfalls aus Ford Produktion, wurde gegen einen V6 (Ford Cologne V6 Motor) getauscht. Der 2 Liter Antrieb war damals ziemlich beliebt, er kam in der Taunus, Capri und Granada Serie zum Einsatz.

Die Leistung des Saab stieg durch die Organtransplantation von 68 auf 90 PS.

Um die jetzt recht vielen PS dauerhaft auf die Straße zu bringen, verbaute Münch eine Kupplung aus der Saab Werksrallye Abteilung, ersetzte die Serienstoßdämpfer durch härtere von Bilstein (Link), baute einen leistungsfähigeren Wasserkühler ein und verbesserte Bremsbeläge.

Ford V6 Motor im Saab 96
Ford V6 Motor im Saab 96

Die Fahrleistungen des Saab 96 V6 enttäuschen

Das Felgenformat wechselte auf 5 1/2 und 6 1/2 Zoll und die Reifengröße auf 205/15. Doch überzeugend war das Ergebnis nicht, berichtet die Auto Motor Sport (Link) als Zeitzeuge in der Ausgabe vom 7. November 1979. Die Bodenhaftung sei durch das verbreiterte Reifenformat zwar besser geworden, schrieb die Redaktion. Die Seitenneigung nehme in schnell gefahrenen Kurven aber beängstigend zu.

Auch die Fahrleistungen wären mit einer anderen Bereifung wohl besser gewesen. Wegen des nur geringen Abrollumfangs sei die Höchstdrehzahl des V6 schon bei 160 km/h erreicht. Zu wenig für sportliche Exzesse.

Breitreifen des 96 V6 - die der Straßenlage nicht guttaten
Breitreifen des 96 V6 – die der Straßenlage nicht guttaten

Zu langsam und zu teuer

Vor allem generell zu wenig überzeugend gegenüber dem V4 aus der Serie. Der beschleunigte in 15,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100, der V6 nahm sich dafür 12,5 Sekunden Zeit, erreichte aber mit 160 km/h die gleiche Höchstgeschwindigkeit. Gemessen am Listenpreis des Saab 96 GL, der in Deutschland 15.550 DM kostete, war die Idee, für 20.000 DM eine kleine V6 Serie ins Leben zu rufen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Die Fahreigenschaften waren zu fragwürdig, die Leistungsdaten zu wenig überzeugend. Der Saab 96 Umbau von Jürgen Münch blieb eine nette Idee, von der die Fachpresse einmal berichtete – und dann nie mehr wieder. Die Spuren des Münch V6 verlieren sich in der Geschichte, weder über ihn noch über seinen Erfinder ist Weiteres bekannt.

3 Comments
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Saab Paule
Saab Paule
3 Jahre zuvor

Vermutlich war des 96 zu diesem Zeitpunkt schon so ausgereizt, dass da keine Luft mehr nach oben war. Er kam ja schließlich vom 92 und hatte am Anfang einen Zweizylinder im Bug. Der V6 wird von Leistung und Gewicht einfach konstruktiv über den Grenzen gelegen haben.

Trotzdem – eine interessante Bastelarbeit!

Volvaab Driver
Volvaab Driver
3 Jahre zuvor
Reply to  Saab Paule

Und außerdem hatte die Auto Motor Sport 1979 wahrscheinlich wenig Lust, sich noch für einen 96 zu begeistern …

So viel schwerer als der 1,5 l V4 war der kleine (2,0 l) Capri-Motor ja auch nicht. Übrigens ein Kurzhuber mit wenig Drehmoment. Die Fahrleistungen des Capris gleichen denen dieses 96 wie ein Ei dem anderen. Das ist entweder für beide okay oder für beide eben zu wenig. Sie waren jedenfalls so und nicht anders zu erwarten – Münch wird das so gewollt haben.
Das mit der Seitenneigung muss man wahrscheinlich auch relativ sehen – relativ zu den höheren Kurvengeschwindigkeiten, die der Münch mit anderen Rädern und härteren Dämpfern möglich macht. Dass ein solches Auto 1979 für so einen Preis nicht funktioniert, ist natürlich trotzdem so …