Israel erster Exportmarkt für das NEVS 9-3 EV?

Europäische Touristen, die Haifa oder Tel Aviv besuchen, könnten im nächsten Jahr ein automobiles Déjà-vu erleben. Vielleicht fährt ihnen das NEVS 9-3 EV als Reinkarnation der Saab 9-3 Limousine über den Weg. Israel hat im März den Import von bis zu 400 Elektroautos jährlich aus chinesischer Produktion genehmigt. NEVS scheint nach aktueller Nachrichtenlage mit dabei zu sein.

NEVS 9-3 Produktion in Tianjin
NEVS 9-3 Produktion in Tianjin. Foto Credit: NEVS

Das berichten mehrere chinesische Quellen in Bezug auf die Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“. Ein neu gegründetes Handelsunternehmen mit dem Namen „JAC electric cars“ soll Fahrzeuge von JAC Motors und NEVS importieren. Trifft diese Nachricht zu, dann wäre das Land am Mittelmeer der erste Exportmarkt für die NEVS AB. Israel plant bis zum Jahr 2030 seinen Verkehr komplett auf alternative Antriebe umzustellen. Dazu wird von Nord nach Süd ein Netz von 2.500 Ladestationen gebaut.

Noch freilich ruht die Produktion in Tianjin. Die Kapazität des noch neuen Werks wird erweitert, und erst ab Januar 2020 soll das NEVS 9-3 EV vom Band laufen. Im Gegensatz zu der Meldung stehen allerdings die Statements von NEVS, die das 9-3 Elektroauto nur als ein Produkt für den chinesischen Markt, nicht aber für den Export nach Europa bezeichnet haben. Hat vielleicht mit dem Kapital von Evergrande im Rücken ein Umdenken stattgefunden?

Von der Mittelklasse bis in das Luxussegment

Etwas klarer wurde in den letzten Tagen die zukünftige Ausrichtung von NEVS unter Evergrande. Mit der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen wurde die anhaltende Investitionsbereitschaft in die Elektromobilität bestätigt. Evergrande vertritt nach wie vor den Anspruch, in den nächsten 5 Jahren zum größten Hersteller von Elektrofahrzeugen weltweit aufzusteigen. Dafür nimmt das Unternehmen sehr viel Geld in die Hand. Im zweiten Halbjahr wird mit weiter steigenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung gerechnet. 1.2 Milliarden US-Dollar sollen für den 6-monatigen Zeitraum dafür bereitstehen.

Für ihre Ziele setzten die chinesischen Investoren auf selbstfahrende Fahrzeuge wie das InMotion Concept, aber auch auf elektrifizierte Mobilität von der Mittelklasse aufwärts bis hinein in das Ultra-Luxus-Segment. Eines dieser Fahrzeuge wird das Einstiegsmodell von Koenigsegg sein, das ab 2020 in kleiner Stückzahl in Trollhättan gebaut werden soll. Nach eigenen Aussagen arbeitet NEVS an 8 komplett neuen Fahrzeugen, detaillierte Angaben hierzu stehen aus.

8 Gedanken zu „Israel erster Exportmarkt für das NEVS 9-3 EV?

  • Spekulativ würde ich sagen. Noch läuft keine Produktion. Allerdings mit Evergrande Geld ist es wahrscheinlicher denn je. Baut bitte Autos in Trollhättan, dann bin ich dabei!

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  • Gute Nachrichten.

    Schon alleine, weil ein Wiedersehen mit dem 9-3 Freude
    macht und besser als nix ist.

    Aber umso unverständlicher ist die Aussage Smits auf dem Festival …
    Den 9-3 hat bekanntermaßen SAAB entwickelt und auch bereits als EV getestet.

    Ein paar EVs für Israel hätte SAAB 2020 also auch hinbekommen. Ganz locker!
    Und vielleicht wäre ja eine Importgenehmigung für schwedische Autos deutlich
    großzügiger ausgefallen als für chinesische?

    X Autos von 400 können ja nicht allzu viele NEVS aus Tianjin sein. Vor allem
    aber kommt kein einziges davon aus Trollhättan. Wieso und wie kann da
    die SAAB-Insolvenz das beste sein, was Trollhättan passieren konnte?

    Na ja, NEVS liefert hoffentlich irgendwann Antworten …

    Aber wie dem auch sei, hier eine Frage an den Blog/den Autor:
    Ist das so richtig? Zitat: „Israel plant bis zum Jahr 2030 seinen Verkehr
    komplett auf alternative Antriebe umzustellen.“

    Eine Umstellung bis 2030 wäre weltweit ohne Beispiel und ist unfassbar ambitioniert.
    Ist es nicht eher so, dass ab 2030 keine neuen Verbrenner mehr zugelassen werden sollen?
    Das wäre dann aber keine Umstellung bis (!) sondern eine ab (!) 2030 …

    Ich will nicht kleinlich sein, aber zwischen ab und bis können mal locker 30 Jahre liegen.
    Zumindest für Israelis (Besitzer konventioneller Kfz oder von Tankstellen) macht das
    sicherlich einen erheblichen Unterschied …

    Vielleicht lesen hier ja ein oder zwei mit? Wenn ich an Marks unvergessenen und
    genialen Bericht über ein SAAB-Meeting in der Türkei denke, scheint mir das
    sogar wahrscheinlich.
    Die SAAB-Fahrer – was für eine illustre Gemeinschaft.
    Einfach herrlich ! ! !

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    • Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten.

      Israel hat die Vision ab 2030 nicht mehr von „umweltschädlichen Energiequellen“ abhängig zu sein. Sprich: keine Ölimporte mehr. Aus diesem Grund beginnt jetzt der Bau von 2.500 Ladestationen angefangen vom Kibbuz Dan im Norden bis in das südliche Eilat. Schon 2020 sollen die Stationen stehen und als Anreiz dienen auf Elektroautos umzusteigen. Dazu muss man wissen, dass aktuell weniger als 1.000 rein elektrische Fahrzeuge in Israel unterwegs sind. 400 pro Jahr sind da schon erst mal eine Nummer.

      Es ist zwar nichts zum Verbot von Verbrenner zu lesen, ich interpretiere die eingeschlagene Richtung allerdings als endgültiger Abschied von dieser Technologie.

      Antwort
      • Vielen Dank für die AW.

        Also ist die Regierung in diesem Punkt schwammig.
        Nicht die erste und nicht die Einzige. Da tut es mir schon fast Leid,
        dass ich überhaupt nachgefragt und eine Formulierung hinterfragt habe …

        Na ja, wer nicht fragt bleibt dumm und ich hatte einen gewissen Zugewinn an Erkenntnis.
        Anders herum (eine verlässliche Regierung [wo auch immer auf dieser Welt] und eine Unschärfe
        auf einem Blog) wäre es mir aber deutlich lieber gewesen …

        Antwort
      • Vor zehn Jahren hatte Israel schon einmal die Abkehr vom Verbrennungsmotor, und damit ein Ende der Abhängigkeit vom Öl der ungeliebten arabischen Nachbarn, ausgerufen. Zeitliches Ziel war damals das Jahr 2020. Gelingen sollte das ebenfalls mittels E-Mobilität.

        Der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi gründete die Firma Better Place. Sein Ansatz war die Batterien der Fahrzeuge in voll automatisierten Wechselstationen zu tauschen (dauerte weniger als 5 Minuten). Damit wollte er gegen die Reichweitenangst und lange Ladezeiten vorgehen. Dieses Prinzip verfolgt heute wieder der chinesische Hersteller NIO.

        Anders als NIO baute Better Place keine eigenen Autos sondern trat in Verhandlungen mit etablierten Herstellern. Diese sollten passende Autos liefern. Jedoch einzig und allein Renault konnte er für eine Zusammenarbeit gewinnen. Die anderen Marken (insbesondere die deutschen) wollten sich nicht auf ein Batteriesystem festlegen lassen, wollten lieber selber entwickeln oder gaben damals der E-Mobilität keine Zukunftschance.

        In Israel sollten im Rahmen des Projektes ca. 40 Batteriewechselstationen gebaut werden. Als die Firma 2013 insolvent ging waren knapp 940 Autos (Renault Fluence – es gab nur das eine Modell) in Israel unterwegs. Bis dahin gab es Better Place auch in Europa: In Kopenhagen war mindestens eine Akkutauschstation in Betrieb.

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        • Das sind auch sehr interessante und anregende Infos. Vielen Dank.

          Und mal wieder tun sich innere Widersprüche auf. So weit ich weiß, werden in der Region (notgedrungen)
          zigtausend Generatoren mit Verbrennungsmotoren zur Stromerzeugung genutzt. Deren Effizienz liegt je nach
          Betriebszustand irgendwo zwischen 0 (Leerlauf ohne elektrischen Verbraucher) und max. 20% …

          Der Rest bzw. das Alles (80 bis 100%) ist kein Strom, sondern heiße Luft und CO2 aus fossilen Energieträgern
          der Exportnationen von Gas und Öl – ganz gleich, ob diese nun geliebt oder ungeliebt sind.

          Na ja, letztlich ein x-beliebiges Beispiel dafür, wie randvoll (bis zum Überlauf) unser Globus und die Menschheit
          mit inneren Widersprüchen und nationalen oder internationalen Interessen und Zielkonflikten aufgeladen sind …

          Unterdessen lehnt man sich als Exporteur (geliebt oder ungeliebt) gelassen zurück und freut sich über den
          auf unabsehbare Zeit weiterhin steigenden Bedarf und Konsum auch fossiler Brennstoffe.

          Wir reden so viel über Wende, E-Mobilität, Dekarbonisierung und unsere Zukunft, dass wir längst die
          Realität und die Gegenwart völlig aus dem Augenwinkel verlieren. Dabei wäre dies der einzig
          gültige und sinnvolle Bezugspunkt, an dem man tatsächlich effizient anknüpfen könnte …

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  • Bin gespannt.
    Aber warum nur Kontakten mit Israel; ein ziemlich kleines land. Es gibt anderen Maerkten die meht Moeglichkeiten zum Ansetz von Elektro Wagen haben. Was ist der Grun-d das NEVS mit Israel ein ersten Vertrag abgeschossen hat?
    Sehen wir was hier passieren wird in Anfang 2020.

    Antwort
    • Israel ist ein relativ kleiner Markt der immer wieder gerne als Test für neue Technologien und neue Anbieter ausgewählt wird. Nicht ungewöhnlich also.

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