Automobilindustrie. Der perfekte Sturm zieht auf.

Nach fast endlos scheinenden Jahren des Erfolgs zieht über der deutschen Autoindustrie ein heftiger Sturm auf. Es könnte ein perfekter Sturm werden, denn die Gründe sind nicht nur hausgemacht. Es braut sich etwas zusammen in Deutschland, und eine Schlüsselbranche zeigt Schwächen. Bei Audi stehen die Zeichen auf Alarm. In Neckarsulm liefen 2018 nur 186.000 Neuwagen vom Band, bei einer Kapazität von 300.000. Und auch Ingolstadt ist auch nur noch zu 80 % ausgelastet. Und hofft auf die Produktion des VW Passat.

Autoindustrie - zieht der perfekte Sturm auf
Autoindustrie – zieht der perfekte Sturm auf? Foto: Ute Kolla-Bliesener

Die Meldungen ziehen sich quer durch die Branche. Man kann sie beliebig auswählen. Bei Opel wurde seit dem Verkauf an den PSA Konzern jeder 3. Job abgebaut, jetzt sollen weitere 500 Beschäftigte in Kaiserslautern und Eisenach gehen. Ford streicht in Deutschland 5.000 Stellen, Bosch baut nicht nur in Bamberg Arbeitsplätze ab, und Daimler schockiert mit einem Milliardenverlust und schickt schon zum zweiten Mal eine Gewinnwarnung an die Börse.

Die Probleme des Handelsstreits

Ein deutsches Problem und hausgemacht? Der Abgasskandal ist noch lange nicht ausgestanden, die politischen Unsicherheiten rund um mögliche Fahrverbote verunsichern private Käufer. Aber da ist noch mehr, und der aufziehende Sturm ist global. Als passendes Beispiel kann Volvo gelten. Die Schweden haben eine junge Modellpalette, und sie bieten haargenau das, was sich die Kunden wünschen. SUV in allen Klassen und Größen, die Käufer honorieren das Angebot. Und auf den ersten Blick zeigt der aktuelle Halbjahresreport gute Zahlen. Ein Rekord bei Umsatz und verkauften Fahrzeugen. Mit einem Plus von 7,3 % wächst Volvo schneller als der Markt, aber die Umsatzrendite ist eingebrochen. Von 6,4 % auf 4,2 % im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018. Mit fallender Tendenz, denn im 2. Quartal 2019 sank die Rendite auf nur noch 3,9 % weiter ab.

In Göteborg fährt man seit Jahresbeginn einen rigiden Sparkurs. Auf Eigentümer Li Shufu kann man nicht hoffen, der Hauptaktionär verpfändete erst kürzlich seine Aktien an der AB Volvo für einen 400 Millionen Euro Kredit. Volvo ist zu einem Opfer des Handelskonflikts zwischen China und den USA geworden. Die globale Produktionsstrategie der Göteborger Autobauer ist nur noch Makulatur. Statt Fahrzeuge aus China in die USA zu liefern und umgekehrt, kommen mehr Volvos aus chinesischen Werken auf den europäischen Markt. Die Produktionsumstellung und Transportwege knabbern am Ertrag. Fahrzeuge aus schwedischer Produktion sind teurer in der Herstellung und werden nun – statt chinesischer Fahrzeuge – nach Nordamerika exportiert.

China wird den Automarkt diesmal nicht retten

Vor einigen Jahren wären die Probleme überschaubar gewesen, denn es hätte eine Lösung gegeben. China war für Jahrzehnte das Zauberwort. Der größte Absatzmarkt der Welt, mit fast unendlich scheinenden Möglichkeiten. Die Autohersteller, vor allem die deutschen, konnten zuverlässig auf die Administration in Peking setzen. Zeigte die Konjunktur Schwäche, dann wurden einige Parameter geändert und das Wachstum weiter angeheizt. Das ist vorbei, insbesondere was Autos angeht. Und die Gründe liegen in China, warum aus vielen lokalen Faktoren ein perfekter Sturm entstehen kann.

Im ersten Halbjahr 2019 konnten so gut wie alle auf dem chinesischen Markt aktiven Autohersteller ihre Absatzpläne für das laufende Jahr nicht erfüllen. Die erfolgsverwöhnte Geely Gruppe korrigierte die Jahresziele um 10 % nach unten, andere Hersteller lagen bei 30 oder 40 % der Absatzziele für das Gesamtjahr. Vor einiger Zeit noch hätte die Pekinger Verwaltung den Markt stimuliert, jetzt überlässt sie ihn weitgehend der Nachfrage durch den Kunden. Und dafür gibt es aus chinesischer Sicht gute Gründe.

Der Absatz an Elektroautos läuft, trotz großzügiger Subventionen, nicht so wie erwartet. Zwar wird ein jährlich steigender Marktanteil per Verordnung vorgeschrieben, und die Anforderungen an die Reichweite und die Subventionsfähigkeit steigen ständig. Aber die heimischen Hersteller bleiben trotz eines Wachstums von 65 % auf 575.061 „New Energy Vehicles“ im ersten Halbjahr weit unter ihren selbst gesteckten Absatzzielen. Weder BYD, BAIC BJEV noch GAC erreichen 40 % ihres geplanten Absatzes.

Die Stückzahlen der Hoffnungsträger sind ernüchternd

Schaut man etwas genauer hin, auf die Hoffnungsträger der chinesischen Autoindustrie, dann zeigt sich das Dilemma in voller Pracht. Trotz Milliarden an Subventionen über mehr als ein Jahrzehnt gelten nur ganz wenige Marken als fähig zum internationalen Erfolg. Darunter sind die Elektroauto-Anbieter Nio und Xpeng. Nio lieferte 2018 8.101 Elektroautos, im Juni 2019 waren es 1.092 Stück. Und das, obwohl der Hersteller erhebliche Mittel in ein Netz an Ladestationen und repräsentativen Verkaufspunkten investiert. Hersteller Nio gilt als einer der heißesten Kandidaten für den Sprung nach Europa und unterhält eine Niederlassung in München.

Etwas besser läuft es bei Xpeng. Mit Nio zählt der Anbieter zu den Hoffnungswerten aus dem Reich der Mitte, denen ein internationaler Erfolg am ehesten zugetraut wird. Nach 371 Elektroautos im Jahr 2018 klettern die Zahlen langsam, aber beständig. Im Juni 2019 wurden schon 2.237 rein elektrische Fahrzeuge ausgeliefert. Ein Erfolg, aber weit unter den Werten, die man sich für eine nachhaltige Mobilität in China erhofft. Und gemessen am Juni-Absatz von Volkswagen, 233.181 Fahrzeuge, maximal eine Fußnote in der Statistik.

Vor diesem Hintergrund wird Peking den Automarkt, der im Juni leicht ins Plus drehte, aber über das Jahr zweistellig negativ ist, nicht retten. Denn die Regierung ist nicht an einem steigenden Absatz von Verbrennern interessiert, sie setzt auf Batterie-elektrische Antriebe und Wasserstoff. Diesen Markt mit Subventionen weiter zu stärken ist für sie bereits aufwendig genug. Außerdem setzt nun endlich die lange von Peking angemahnte Marktbereinigung ein. Nicht auf freiwilliger Basis, wie lange erhofft. Sondern durch die brutale Realität eines schrumpfenden Marktes. Und der Regierung dürfte das nicht unwillkommen sein.

Marktbereinigung in China

Kleine Anbieter wie Hawtai und  Youngman wird es aufgrund finanzieller Probleme nicht mehr lange geben, beide Hersteller waren 2011 an Saab interessiert. Qoros kann seine Verpflichtungen ebenfalls nicht erfüllen und kämpft mit sinkender Nachfrage und leeren Kassen. Und auch bei den Elektroauto-Startups beginnt das große Sterben. Changjiang, Enovate, Bordrin, Qiantu, Reech, Singulato, Zhidou und Hanteng leiden unter Geldmangel und werden vom Markt verschwinden.

Peking träumt nach wie vor von einem halben Dutzend großer, international erfolgreicher Anbieter.  Eine starke Exportnation für Mobilität, das ist der Wunsch. Die Wahrheit aber bleibt ernüchternd. Im ersten Halbjahr 2019 gingen die internationalen Exporte um 4,69 % auf 487.700 Fahrzeuge zurück. Nur bei Elektrofahrzeugen liest sich die Statistik gut. Das Plus von 105 % im Export steht allerdings auch nur für 5.339 Autos.

Nicht ausgelastete Werke weltweit, schrumpfende Gewinne. Die Krise wird sich zu einem perfekten Sturm ausweiten, dessen Ausgang niemand kennt. Eine Lösung für den Absatz von Verbrennern, die weltweit im Fokus der Kritiker stehen, wird sich nicht finden. Auf der anderen Seite ist die Frage nach einer breiten Akzeptanz von Elektroautos nicht nur in China offen, dennoch kann sich kein Hersteller die Schwäche erlauben, nicht zu investieren. Gleichzeitig stehen die Themen Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe und sich verschärfende Abgasnormen weiter auf der Tagesordnung. Verbunden mit einer schnell voranschreitenden Digitalisierung ist dies eine ungemütliche Situation für eine Branche, die über Jahre auf der Sonnenseite stand.  Man sollte sich vorsorglich auf Verluste vorbereiten. Denn den Sturm erfolgreich zu überstehen dürfte nur den Stärksten gelingen.

16 Gedanken zu „Automobilindustrie. Der perfekte Sturm zieht auf.

  • Das ist mal wieder spannend geschrieben und aufschlussreich. Vic Mullers Hoffnungsträger Youngman und Hawtai hatten also dann doch keine großartige Zukunft? Mit anderen Worten hätten auch die SAAB nicht retten können. Vielleicht geht es ja mit Evergrande weiter, etwas Hoffnung darf man ja haben.

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    • Toller Bericht ! Danke Tom. So etwas kann man in keiner Autozeitung lesen !
      Dafür liebe ich den Blog !!!

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  • Sehr aufschlussreicher Artikel! Danke Tom für die feine Recherche.
    Ich meine wir sind doch in vielen Sparten an einer aboluten Sättigungsgrenze angekommen und das wird sich noch in mancher Branche niederschlagen.
    In unseren Breitengrade hat doch fast jede/jeder alles und man/frau braucht einfach nicht immer mehr. Und in anderen Teilen der Welt fehlen die Mittel um im grossen Stil zu konsumieren.

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  • Ein Artikel der es in sich hat und mich absolut bestärkt in den Gedankengängen Wasserstoff.Erst gestern diskutier: „Wie will z.B. eine Großsstadt ihre Parkhäuser für 1000 Fahrzeuge mit Elektroladestationen ausrüsten? Ein undenkbarer Gedanke.
    Und es gibt viele größere Städte in Deutschland! Ein Mitarbeiter der oberen Entwicklungsetage der DaimlerAG sagte gestern, das E- Auto ist nur ein kurzer Hype, es geht den Konzernen lediglich um die BILANZEN!!!!! , diese Bilanzen werden nun geschönt, bis der Tornade sich weiter ausbreitet, auch er sagte, die Produktion der Batterien und die Reichweiten möglichkeiten sind erschöpft.Es kann nicht nur SUV sein, denen man große Batterien zum Füttern geben kann, die kleinen Autos mit einer Reichweite bei 60 km/h für 200 km kann nicht Zukunft sein.Lösung: Wasserstoff, mit alle Konsequenz, wie es Tom auch schon geschrieben hat. Ich fragte warum wird dies nicht so transparent gemacht und die Käfer weiter stringent getäuscht?, Leider keine Antwort…..Und China? Das blaue Wunder auf unserem blauen Planeten ist schon deutlicher in Sicht als viele glauben.
    Erst letzte Woche habe ich meinen alten Saab renoviert zurückgeholt,ich fuhr in mit seinen wundervollen 4 Zylindern und herrlicher Turbotechnologie aus dem Jahr 2002 mit 205 PS mit sage und schreibe 6,8 bis 7,3 Litern/1ookm. Werte für ein 17 Jahre altes Auto die seinesgleichen suchen. Ich bedauere zutiefst dass es SAAB nicht mehr gibt, ich denke wir hätten eine sehr gute Figur in der aktuellen Zeit abgegeben.

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    • Ein Zufall also das man in China die Subventionen für Batterieautos zurück, und für Wasserstofftechnik hochfährt ? Ich denke nicht. Bei Hyundai verzichtet man sogar komplett auf die Batterie und widmet sich nur dem Thema Wasserstoff – und da ist ein ehemaliger ranghoher BMW Manager nun für die gesamte Entwicklungssparte verantwortlich.

      Das E-Auto ist aus der Mode bevor es überhaupt in war. Am Ende eine kleine Randnotiz in der aktuellen Automobilgeschichte. Andere Techniken sind (allein aus Umweltaspekten) einfach sinnvoller.

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    • Nach meiner Einschätzung ist der Wasserstoffzug abgefahren, in dieser Richtung wird vermutlich die nächsten 10 Jahre, zumindest in Europa, nichts großartiges kommen. Und wie komme ich zu der Einschätzung?

      Zum einen ist Wasserstoff vermutlich noch nicht wirklich branchenweit fertig entwickelt. Googeln sie mal nach Wasserstoffversprödung, Diffusionsverlust oder Wasserstoffspeicherung. Das hat garantiert nicht jeder im Griff und vermutlich auch Toyota und Hyundai noch nicht abschließend.

      Zum anderen müssen sie es den Kunden auch verkaufen, und wo war der Sturm auf die Autogas- und Erdgas-Fahrzeuge? Da gibt es immer noch Aussagen, dass man sich so eine Bombe nicht zulegen will.
      Andererseits gehört nach meiner Meinung Propan und Butan eigentlich in die Klimaanlage, aber aus, unter anderem den oben genannten Gründen, will man das den Kunden vermutlich nicht zumuten, hat es aber geschafft, dass sie ohne zu murren, brennbares R1234yf kaufen, das auch noch Flusssäure erzeugen kann. Und wer geht wirklich offensiv und transparent damit um? Am ehesten noch Mercedes, aber auch die thematisieren es nicht wirklich.

      Und dann wäre da noch gas größte Problem: Keiner hat Geld, um Wasserstofftankstellen zu bauen. Gerade wird mit eher mäßigem, als überwältigendem Erfolg versucht, die Ladeinfrastruktur auszubauen, um das E-Auto zu pushen. Und der Turnaround ist vermutlich momentan eher ungewiss. Wer soll jetzt noch das Geld für eine zweite solche Runde mit Wasserstoff haben? Die Fahrzeughersteller wohl eher nicht und bei der Politik sehe ich das auch nicht.

      Entweder wir machen unseren Frieden mit dem was kommt, oder nicht. Aber das dann was besseres kommt, dass sehe ich nicht.

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      • WASSERSTOFF

        Habe das auch mal recherchiert. Leider alles richtig, was Sie sagen.
        Insbesondere das Vermögen des kleinsten aller Atome durch alles Mögliche und Unmöglich zu diffundieren ist ganz erstaunlich und höchst problematisch …

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  • …. naja der Markt regelt vieles, aber nicht alles. SAAB wurde durch eine Konzernentscheidung mit vielen vorangegangenen falschen Entscheidungen vom Markt genommen. Also kann ich mir nicht das Produkt kaufen was ich gern hätte, wirklicher Ersatz mit „will ich haben“ Faktor gibt es nicht.
    Politische Entscheidungen wie Abgasgrenzwerte, Parkraumverknappung, Fahrverbote, Parkverbote, geänderte Ampelschaltungen (keine grüne Welle mehr), kein E85 mehr, LPG-mit schwindendem Steurvorteil, E-Auto-hype haben bei mir zu dem Entschluß geführt dienstlich wie privat weiter die 9-23 Jahre alten SAABe weiter zu fahren, mal in etwas Technik wie Apple Carplay zu investieren (was im 9-7x super geht, der übrigens mit Autogas auch umweltfreundlich unterwegs ist).
    Sollte doch mal etwas neues nötig werden weil sie mich als Landei mit meinen SAAB-Stinkern nicht mehr in die Stadt lassen , dann wird es nix was ich mir kaufe. Es könnte ja morgen schon nicht mehr politisch korrekt sein, oder man wird mit Vorsprung durch Betrug im Regen stehen gelassen. Nun dann würde ich auf Angebote wie Care by Volvo zurückgreifen, da ist man das Fahrzeug auch wieder los wenn es nicht mehr oportun ist oder tausch es in ein anderes. Naja es sind nur Gedanken eines verunsichtern Konsumenten der zum Glück noch genug Platz auf den Tachos seiner SAABe hat!

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  • Der Zustand des Automobilmarktes war lange nicht mehr so spannend. Große etablierte Player wanken (aber fallen noch nicht), viele kleinere Unternehmen nutzen die Chance und bisherige Nischenanbieter sichern sich Ihren Platz (zB Volvo).

    Für mich der perfekte Nährboden für eine Marke wie Saab, die anders denkt und Lösung hatte als andere noch auf der Suche waren. Individuell, anders. Sparsame Turbos, BioPower und wer weiß ob es nicht sogar eine Wasserstofflösung aus der Stallbacka gegeben hätte. Schade, das man in Trollhättan kein Teil der Zukunft sein wird.

    Oder doch ? Vielleicht braucht es doch langsam einen zweiten Versuch ?!

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  • Danke Tom, wieder (!) ein klasse aufschlussreicher Artikel.
    Die Dimension des „Sturmes“ ist, so glaube ich, wirklich noch nicht erfassbar…
    Wandel ist immer…
    Ob nur „die Starken“ durch die Krise kommen, oder „die besten Anpassbaren“ wird sich zeigen.
    Auf der Sonnenseite wird es ungemütlich…

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  • TELLERRAND?

    Nein, dieser Artikel ist weit mehr, als ein banaler Blick ein wenig darüber hinaus. Für den Moment kann ich nur danksagen. Die Komplexität und Dimension des Gesagten will erst noch ermessen werden …

    Für den Moment freue ich mich über den Input und darüber, auf der richtigen Seite zu sein. Wo sonst bekommt man noch solche Denkanstöße und gültige Anregungen? Das ist leider Mangelware. Danke Tom ! ! !

    Nach dem Verdauungsprozess erlaube ich mir dann wieder eine Meinung. Für den Moment nehme ich zur Kenntnis (und Anregung), dass die Debatte um die individuelle Mobilität weitaus ergebnisoffner (hinsichtlich ihrer Energiequellen und einer nationalen Präferenz) zu sein scheint, als es zwischenzeitlich schien …

    Das ist wirklich sehr, sehr spannend …

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  • Auch wenn mein Herz für Schwedenstahl schlägt, bin ich der Meinung man sollte die deutsche Autoindustrie nicht unterschätzen. Sie hat Fehler gemacht, nicht nur heute sondern auch in der Vergangenheit, aber auch eine ganze Menge richtig! Die Diskussionen die im Moment geführt werden sind ohne Sinn und Verstand und soll nicht nur der Autoindustrie, sondern dem ganzen Land schaden. Und da sollte unsere Politik drauf achten. Man kann den Vorwurf machen es wird zu viel produziert, was ja auch stimmt, aber nicht nur in der Autoindustrie. Elektromobilität ist nicht die Zukunft, zumindest nicht für den gesamten Verkehr. Und hier sollte darauf geachtet werden, das die Batterien umwelt(menschen)freundlicher werden.

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  • Wandel oder Sturm

    Schwieriges Thema. Es droht die Vereinigung zweier automobiler Tiefdruckgebiete. Grob vereinfacht gesagt, sind die national wirtschaftlichen Interessen Chinas und der chinesische Markt eines dieser Sturmtiefs. Das andere ist das Damoklesschwert des technischen Wandels und einer neuen Mobilität (inkl. Car Sharing, dem Autonomen Fahren etc.), welches global über der Branche schwebt und zumindest gefühlt täglich schärfer geschliffen wird.

    Andererseits zeigt sich die automobile Realität der Gegenwart von alledem erstaunlich unbeeindruckt. Das Car Sharing hatte mittlerweile auch schon wieder ein Vierteljahrhundert Zeit, der Automobilindustrie den Garaus zu machen. Stattdessen hat es sich als Zusatzgeschäft etablierter Hersteller entpuppt und diesen neue Zielgruppen erschlossen. Die ersten Hybride erreichen Youngtimer Status und in meinem Dunstkreis wartet derweil jemand seit einem halben Jahr auf sein Wolfsburger Diesel-SUV (ausgerechnet) oder auch nur darauf, nunmehr endlich mal einen verbindlichen Liefertermin genannt zu bekommen …

    Die automobile Gegenwart ist noch immer von individuellem Besitz (inkl. Lieferzeiten), von Benzin und Diesel dominiert. Und schaut man sich die Zulassungszahlen an, fällt es schwer, auch nur an einen tatsächlich stattfindenden Wandel zu glauben – geschweige denn, an einen ausgewachsenen und unmittelbar bevorstehenden Perfect Storm …

    Es werden wohl doch noch ein paar Dekaden ins Land ziehen, bis sich die Mobilität und die Branche bis zur Unkenntlichkeit verändert haben wird. Gerade das Massensterben chinesischer EV-Start-Ups oder auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und nicht erfüllten Erwartungen der „etablierten“ chinesischen Marken sprechen für diese These.

    Es ist durchaus möglich, dass ein zeitnaher Sturm vor allem die fragile Flotte der elektromobilen Goldgräber versenken und die etablierten Werften konventioneller Hochseeschiffe verschonen würde …

    Aber wie dem auch sei, mit großem Abstand am sichersten sind wohl die großen Hersteller aufgestellt, die parallel zueinander den Markt der Gegenwart bedienen und dort Umsatz und Rendite abgreifen sowie sich und ihre (elektromobilen Nischen-) Produkte für eine ungewisse Zukunft aufstellen können.

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    • Wie meistens, wird auch bei diesem Problem wohl die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Für die Verbrenner kommt wahrscheinlich auf breiter Basis die 48V Mildhybridisierung, die die aktuelle Technik noch mindestens eine Dekade aktuell halten kann, falls es damit auch zu anerkannten Plug-in Hybriden langen sollte, eventuell auch noch länger.

      Man wird sich aber vermutlich um Hochvolt-Plug-in-Hybride und Batterieelektrische-Fahrzeuge nicht herummogeln können, wenn die Ankündigen verschiedener Staaten und einzelner Regionen bezüglich eines Verbrenner-Zulassungsverbotes (https://www.autozeitung.de/zev-benziner-diesel-verbot-bis-2050-116894.html#), zum Teil sogar Nutzungsverbotes (https://www.elektroauto-news.net/2019/amsterdam-verbrenner-verbot-ab-2030/), wirklich so kommen sollten, wie sie angekündigt sind.

      Darin liegt dann auch die Chance für neue Player auf dem Automobilsektor, weil die großen Hersteller es wohl am liebsten wie auch früher schon machen würden, und die Neuerungen bevorzugt top-down einführen wollen. Nur wenn wir wirklich über 2030 für E-Fahrzeuge reden, könnte es dafür vielleicht schon zu spät sein.
      Wenn sie sich clever verhalten, sollte aber jeder große Hersteller auch seine Chance haben, da es wohl auch in 20 oder 30 Jahren noch irgendwo auf der Welt Märkte geben wird, die Verbrenner abnehmen, z.B. Osteuropa, Südamerika oder Afrika.

      Wie sich die Ladeproblematik lösen lässt, wird man sehen müssen. Vermutlich steigen zuerst die auf ein E-Fahrzeug um, die es sich leisten können und für die Laden kein großes Problem darstellt. Für die anderen könnten bessere Batterien, so sie denn kommen sollten, oder Range Extender, vielleicht auch mit Wasserstoff, eine möglich Lösung sein.

      Das autonome Fahren ist womöglich gar kein so großes Problem. Vermutlich kommt das teilautomatisierte Fahren (z.B. Stop-and-Go im Stau) relativ schnell, bei dem der Fahrer noch als Backup zur Verfügung stehen muss, wenn sich das Fahrzeug überfordert fühlt, da die definierten Parameter verlassen werden. Hier können die Hersteller die Verantwortung ja noch auf den Fahrer abwälzen, wenn sich das Auto rechtzeitig bemerkbar macht. Das echte autonome Fahren (Auto fährt alleine)
      ist, neben der technischen Herausforderung, vermutlich vor allem ein Haftungstechnisches Problem, woran es noch länger scheitern könnte, als es im Moment den Eindruck macht.

      Möglicherweise kommt der Sturm aber aus einer Richtung, über die im Augenblick noch gar nicht so deutlich gesprochen wird. Wenn sich die USA und China weiter ihre Handelsscharmützel liefern, so das daraus ein ausgewachsener Wirtschaftskrieg wird, dann könnten die Märkte weltweit in einen Abwärtsstrudel geraten, bei dem der Automobilmarkt dann vielleicht nur noch eines der kleineren Probleme darstellt, da sich die Menschen um Essentielleres kümmern müssen.

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