Hofer Powertrain – deutsche Technologie für NEVS

Vor fast genau 7 Jahren übernahm NEVS die Saab Immobilien in der Stallbacka. Es waren ohne jeden Zweifel 7 harte Jahre – mit wenigen Höhen,  dafür aber Tiefen. Eine schwierige Zeit für das noch junge Unternehmen, für Trollhättan und den Blog als Berichterstatter. Es könnten jetzt bessere Jahre folgen, denn für den traditionsreichen Standort in Schweden bahnt sich ein kleines Wunder an.

Deutsche Technologie für NEVS

Das kleine Wunder von Trollhättan

Die Liste der offenen Stellen in der Stallbacka wächst beständig, und sie spricht eine klare Sprache. Es werden vor allem Entwickler und Software-Ingenieure gesucht, außerdem Mitarbeiter, welche die Produktion vorbereiten können. Rund 100 zusätzliche Ingenieurstellen werden in den kommenden Monaten neu besetzt. Fast hat es den Anschein, als stände ein gut gewähltes Timing dahinter. Denn in Göteborg entlässt Volvo seit Jahresanfang externe Berater und baut in einem größeren Umfang Arbeitsplätze in der Entwicklung ab. Auf Hisingen muss man erstmals seit Jahren eisern sparen, Trollhättan hingegen investiert. Im kleineren Umfang, und noch sehr weit entfernt von der alten Größe. Aber ein wenig erinnert das den Beobachter an längst vergangene Zeiten, als es stets ein Wechselspiel zwischen Saab und Volvo gab.

Mitarbeiter, die es noch zum Jahreswechsel nach Hisingen zog, melden sich mittlerweile zurück am Göta Älv,  wo sich etwas Großes anzubahnen scheint. NEVS Hauptaktionär Evergrande hat bislang 2 Milliarden € bereitgestellt, das Geld fließt auch nach Trollhättan.

Deutsche Technologie für NEVS

Neue Dinge scheinen sich jetzt rasant zu entwickeln, und die Geschwindigkeit der letzten Monate kann durchaus beeindrucken. Es ist wirklich ein kleines Wunder, denn NEVS war bereits mehr als nur einmal für tot erklärt worden. Nicht nur von mir, auch in Schweden gab man dem Unternehmen kaum noch eine Chance. Wenn es zutrifft, dass Totgesagte länger leben, dann ist NEVS der Beweis dafür. In dem früheren Saab Komplex arbeiten die Entwickler an 8 (!) neuen Fahrzeugen. Und diesen Mittwoch gab Evergrande die Gründung eines Joint Ventures mit Hofer Powertrain bekannt. Der Spezialist für Antriebstechnologie ist global mit 4 Werken und 15 Entwicklungsstandorten tätig. Hofer liefert unter anderem Systemlösungen für Verbrenner, Hybride und Elektroautos. 67 % des neuen Joint Ventures hält Evergrande, zu 33 % ist die Hofer AG beteiligt.

Evergrande wird mit Hofer einen weiteren Entwicklungsstandort in China aufbauen. Vor allem aber gewinnt man durch deutsche Technologie etwas, was man sich eigentlich mit Geld gar nicht kaufen kann. Zeit!  Mit dem Zugriff auf bereits bestehende Entwicklungskapazitäten und Lösungen verkürzt man den Rückstand auf andere Anbieter, der offensichtlich ist. Die Ankündigung, dass ab 2020 in Trollhättan wieder Autos gebaut werden sollen, gewinnt dadurch an Glaubwürdigkeit.

Tianjin wird weiter ausgebaut

Eine andere Produktion ist mittlerweile zum Stillstand gekommen. Der Produktionsstart in Tianjin war in erster Linie, wie auch vermutet, ein politisches Signal. Zum Vertrieb des NEVS 9-3 in China fehlte die nötige Lizenz, was einige schwedische Medien bemerkten. Diese soll in der Zwischenzeit eingetroffen sein, aber das Werk steht dennoch still. Die Fabrik wird, wie es unsere Informationen bestätigen, planmäßig aufgerüstet und soll zum Jahresbeginn 2020 mit einer Kapazität von 200.000 Einheiten wieder in Betrieb gehen. Die bisherige Kapazität von Tianjin lag bei nur 50.000 Elektroautos im Jahr.

5 Gedanken zu „Hofer Powertrain – deutsche Technologie für NEVS

  • Echt aufregend! Bei meinem nächsten Schwedenurlaub 2020 will ich in Trollhättan Neuwagen sehen!

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  • Moin,

    schon interessant, dass bei Volvo zurück gefahren wird, und bei NEVS die Zeichen auf Start stehen. Ich würde es den Werkern und der Region um Trollhättan gönnen, wieder im Geschäft zu sein. 8 Fahrzeuge? Vielleicht auch neue NEVS dabei! Und wer weis, sollten die Produkte eine gewisse Qualität erreichen kann ja der Name SAAB noch mal ins Gespräch gebracht werden.

    Grüße vom Erik

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    Antwort
  • Bin begeistert und sehr gespannt. Würde mich riesig freuen für Trollhätten und die Stallbacka. Ein neues Fahrzeug weg vom Mainstream aus der Stallbacka würde sich, vorausgesetzt das Design stimmt und Saablinien sind erkennbar, neben meinem 95 NG und dem Cabrio gut machen. Vielleicht wird ja etwas daraus.

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  • EIN SCHLÜSSELSATZ:

    „Mit dem Zugriff auf bereits bestehende Entwicklungskapazitäten und Lösungen verkürzt man den Rückstand auf andere Anbieter, der offensichtlich ist.“

    Mal wieder sachlich, informativ, wohl den meisten Lesern voraus und dabei journalistisch maximal neutral und ergebnisoffen. Bar einer jeglichen Meinungsmache, bar der Prophetie oder prophetischer Anmaßungen. Tom wäre mein persönlicher Wunschkandidat für eine Intendanz bei der ARD. So geht Berichterstattung …

    Was in Trollhättan wird oder auch nicht, werden wir zur gegebenen Zeit hier erfahren. Gründlich, sachlich, kritisch …

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