30 Jahre und 500.000 km ein und derselbe Saab 900 turbo

Von 1985 bis 1989 fuhr ich einen damals 5 Jahre alten Saab 900 turbo Baujahr 1980. Die Erfahrung mit diesem Fahrzeug hinsichtlich Bequemlichkeit, Rundumsicht, Motorsound, Design und Sicherheit bewogen mich Anfang 1989 einen fabrikneuen Saab 900 turbo beim Saab-Händler zu bestellen.

Saab 900 Turbo Sedan
Saab 900 Turbo Sedan

Trotz des damals schon sehr hohen Preises von ca. 45.000,-DM gab es keinen Zweifel, dass es dieses Fahrzeug wieder sein muss. Nach einer Laufzeit von 180.000 km in neun Jahren frug ich
beim Saabhändler nach, was ich beim Neukauf eines neuen Saab noch für meinen rostfreien, neunjährigen Saab bekomme.

Die enttäuschende Antwort waren 5.000,-DM. Für diesen lächerlichen Betrag wollte ich meinen immer noch zuverlässigen und mir ans Herz gewachsenen Saab nicht hergeben. So beschloss ich den Wagen solange zu fahren, bis ein kapitaler Motorschaden ihn selbst ausnockt. Auf diesen warte
ich, mittlerweile sind 30 Jahre ins Land gegangen und über 500 000. km ist er gelaufen, vergebens.

Natürlich waren im Laufe der Jahre einige Reparaturen fällig, wie Zylinderkopfdichtung, Motorsteuergerät, alle Pumpen etc. aber kein Motorschaden, keine Probleme mit dem Getriebe. Lediglich das Lenkgetriebe hat im Laufe der Jahre immer wieder durch Inkontinenz auf sich aufmerksam gemacht. Da es keinen Original-Neuersatz gibt, war ich in den letzten Jahren auf
reparierte Gebrauchtteile angewiesen, die jedoch teilweise direkt nach dem Einbau ihren Geist aufgaben. Dies war natürlich nervig und ohne ein Zweit- oder Drittfahrzeug nicht zu bewerkstelligen.

Reparaturarbeiten in freien Werkstätten, die keine Saab- Erfahrung haben und die ein altes Auto nicht mehr zu schätzen wissen, lasse ich nach mehreren schlechten Erfahrungen nicht mehr
machen. Da bleibt, je nach Problem nur die Entscheidung, das Fahrzeug nach Mannheim oder nach Frankfurt zu bringen ( von Heidelberg ).

Seit ein paar Jahren wird der Saab 900 nur noch für ausgewählte und meistens kürzere Strecken eingesetzt. Für lange Strecken kommt seit 2015 ein Saab Sportcombi 1.9 Ttid zum Einsatz.
Doch zurück zum Saab 900, den ich nach wie vor und fast wie am ersten Tag mit viel Freude fahre, da er sich nicht nur sehr unkompliziert und gelassen ( trotz Turbo ) fahren lässt, sondern der Sound des Motors ein wohliges Gefühl im ganzen Körper verursacht.

Nun wird der treue Begleiter im nächsten Monat 30 Jahre alt und die Entscheidung steht an, ihn mit H-Kennzeichen als Oldtimer zuzulassen. Ob er diese bekommt auf Grund des Zustandes der Lackierung ist fraglich. 30 Jahre Wind und Wetter, Sonne und Regen, Schnee und Eis und immer unter der Straßenlaterne gestanden, haben Ihre Spuren hinterlassen. Wenn ich eines schönen Tages mich doch verabschieden muss, dann werde ich sicherlich einige Teile des Innenraumes ausbauen
( z.B. Sitze, Lenkrad ) und diese in mein Arbeitszimmer stellen, als Erinnerung an viele unfallfreie Jahre in einem der schönsten und sichersten Fahrzeuge der 80er und 90er Jahre.


Danke an Dietmar Erhard für diese Saab Geschichte! Wie fährt es sich im Alltag mit einem älteren Saab? Was erlebt man, wie reagieren Freunde, Kollegen und die Familie? Mit Nachsicht, Begeisterung oder Mitleid? Wie hält man den Saab am Leben, was erlebt man mit Ersatzteilen und Werkstätten, wie optimiert oder restauriert man den alten Schweden?

Ein weites Themenfeld für die “Saab Geschichten 2019!”. Herausfordernd, aber auch interessant. Wie sieht es bei den Fans aus, wie stark schlägt das Saab-Herz im Alltag? Schreibt es uns, es lohnt sich!

19 Gedanken zu „30 Jahre und 500.000 km ein und derselbe Saab 900 turbo

  • 10. März 2019 um 12:56 PM
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    Tolle Geschichte – so etwas kommt sicher nicht oft vor, aber wenn, dann bei Saab!

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    • 10. März 2019 um 10:18 PM
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      Genau so ist es. Ich habe in den letzten Jahren öfter Fahrer auf ihren 900 oder 9000 angesprochen. Alle waren unverkäuflich und viele tatsächlich Erstbesitz. Und das in Deutschland, dem Land der Abwrack- und Umtauschprämien. Das ist entweder ganz erstaunlich, geradezu unerklärlich oder eben ganz einfach SAAB …

      Antwort
  • 10. März 2019 um 1:42 PM
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    Danke für diese erfreuliche und nette Sonntags-Geschichte. Wunderbar.
    Gut aufpassen auf den SAAB! Werden immer seltener, gerade als Sedan-Ausführung!
    Statt damals 5000 DM einzustecken, war es ein guter Entschluss den SAAB zu behalten. Heute ist dieser sicher mehr als 5000 € (!) wert… 😉 und trotz einiger Reparaturen plus FAHRSPASS ein erfreuliches “Investment”.
    Weiterhin unfallfreie Ausfahrten!
    SAABige Grüße

    Antwort
  • 10. März 2019 um 3:15 PM
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    Also hast du jetzt 2 900er, den aus 85 und den aus 89? Aber ein klasse Bericht, es ist und bleibt der ultimative SAAB, der 900er

    Antwort
    • 11. März 2019 um 8:38 AM
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      Hallo Jörn, auf dem Bild ist meine Tochter, die ebenfalls einen Saab 900 Sedan fährt. Ich habe Ihr diesen
      als Erstauto aus Sicherheitsgründen geschenkt. Ebenso wie meinem Sohn ein Saab 900 Fließheck.
      Nach einem Jahr hat er diesen jedoch gecrasht durch einen Überschlag. Blieb jedoch unverletzt.
      Die Investition hat sich also gelohnt. Besser wie eine Lebensversicherung.

      Antwort
  • 10. März 2019 um 4:44 PM
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    Schönes Auto. Danke für die sonntägliche Dosis SAAB.

    Das H-Kennzeichen würde ich in jedem Fall versuchen. Von den Fotos her sehe ich das optimistisch. Mein Oldtimer (49 Jahre alt) steht optisch schlechter da, fährt aber wie ein Neuwagen (der damaligen Zeit). Man hört zwar immer wieder über 3 Ecken irgendwelche Gerüchte über penible Prüfer, nicht erteilten oder aberkannten H-Status, aber meine Erfahrungen und die im direkten Umfeld sind andere …

    Und für mich ergibt es auch gar keinen Sinn, dass ein Oldtimer mit Gebrauchsspuren keinen Oldtimerstatus verdienen sollte.
    Zum Glück sehen viele Prüfer das ganz genau so und nicht anders. Sinn und Zweck eines H-Kennzeichens sind ja nicht der Dornröschenschlaf, sondern die Präsenz historischer Fahrzeuge im öffentlichen Raum. Eine preisverdächtige Trailer Queen für Messe, Meeting und Events braucht ja auch kein H-Kennzeichen. Eine Trailer Queen braucht gar kein Kennzeichen, außer vielleicht mal für ein rotes …

    Der Unterhalt mit H ist sensationell günstig und immerhin 9.000 Km per anno lässt die Versicherung zu. Nur Mut und in 11 Jahren hat der 900 die 600.000 Km voll …

    Antwort
    • 11. März 2019 um 8:42 AM
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      hallo Herbert, vielen Dank für deine netten und fachlich interessanten Kommentare, die mir immer aus der Seele sprechen.

      Antwort
    • 11. März 2019 um 9:09 AM
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      Die Anforderungen zur Erlangung des “H” sind in den letzten Jahren strenger geworden, was übrigens auch gut so ist. Der Sinn des “H” ist ja offiziell die “Bewahrung automobilen Kulturguts” und nicht möglichst preiswert mit alten Ranzkarren durch die Innenstadt zu gondeln (was offenbar hier nicht der Fall ist). Die Spanne zwischen “Museumsstück” und “verbraucht” lässt ja einigen Spielraum…
      Ich habe mich auch geärgert, dass ich mein MP3 CD-Radio ausbauen musste weil mir der Prüfer damit das “H” verweigert hätte. Aber es ist richtig so, 1987 gab es noch keine MP3 fähigen Radios…

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      Antwort
      • 11. März 2019 um 1:27 PM
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        Das Thema, “preiswert mit alten Ranzkarren durch die Innenstadt zu gondeln”, hat sich für D doch wohl längst erledigt, oder?

        Dass es hier nach den diversen und je nach Abgasnorm gestaffelten Hebesätzen für die Kfz-Steuer, nach Abwrack- und Umtauschprämien tatsächlich noch Autos von 30 Jahren oder mehr gibt, grenzt an ein Wunder. Und diese Oldtimer sind eher selten in den Händen von Arbeitslosen oder Hartz-IV-Empfängern, denn diese bekommen deutlich jüngere Autos (ca. 10 Jahre alt) längst für einen Appel und ein Ei hinterher geschmissen …

        Mein Verständnis für einen Prüfer, der den H-Status am Inhalt des Kofferraums (alter Käse oder frische Bio-Milch) oder dem Inhalt eines ISO-Schachts im Armaturenbrett (jüngeres oder älteres Radio) festmacht, hält sich da in sehr, sehr engen Grenzen. Zum Glück ticken viele Prüfer im gleichen Takt. Da haben Sie sich wohl den falschen gesucht?

        Schön, dass Sie trotzdem zufrieden sind und so viel Verständnis aufbringen.

        Traurig allerdings, dass Sie im gleichen Zuge das Existenzrecht so vieler Oldtimer in Zweifel ziehen, nur weil die vielleicht das falsche Milchprodukt im Kofferraum mit sich führen …

        Das kann und darf es doch nicht sein. Wie authentisch ist denn mein Oldtimer (EZ 1970) ohne Blei im Tank und mit 2016 produzierten Ganzjahresreifen? Nichtmal das Radio ist original. In den letzten 5 Jahren habe ich nur ein zweites Exemplar eines jüngeren Baujahrs und mit etlichen optischen Veränderungen gesehen. Mein Oldtimer ist schon ziemlich einzigartig, zumindest aber selten. Ihren Kriterien nach (“Aber es ist richtig so …”) hätte er seinen H-Status wohl dennoch nicht verdient. Vielen Dank dafür. Die Welt ist mal wieder ein Stück besser geworden.

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        Antwort
        • 11. März 2019 um 3:45 PM
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          Da hat sich längst erledigt…? Man schaue sich nur mal an welche Autos jetzt gerade 30Jahre alt sind oder bald werden. Darunter sind viele Volumenmodelle wie z.B. Golf II die immer noch günstig zu haben sind. Selbst für 9000CC und 901 mit H muss man kein Vermögen hinlegen. Bisher sind Oldtimer von Fahrverboten oder Umweltzonen ausgenommen worden. Ich glaube zwar nicht, dass sich in Stuttgart jetzt massenhaft Euro3 und 4 Dieselfahrer Gölfe/Kadett etc. kaufen um weiterhin in die Innenstadt zu kommen aber dies wäre jetzt auch nicht der Sinn der Privilegierung von Oldtimern.
          Ich ziehe auch nicht das Existenzrecht vieler Oldtimer in Frage: Es gibt einen Anforderungskatalog, welcher wie ich schon geschrieben habe, verschärft wurde. Daran hat sich der Prüfer zu halten und der Besitzer auch. Wenn mir das nicht passt, dass ich in einem >30 Jahre alten Fahrzeug mein Smartphone nicht kabellos laden und Musik über W-Lan streamen kann muss ich mir eben überlegen ob solch ein Fahrzeug das richtige für mich ist. Man kann gerne ein altes Auto fahren, selbst mit faustgroßen Löchern im Blech (wenn es einen selbst oder den TÜV nicht stört) nur ob man dafür dann Steuererleichterungen und günstige Oldtimertarife bei den Versicherungen bekommen sollte? Einen ordentlichen technischen und optischen Zustand sollte man schon erwarten dürfen. Das heißt ausdrücklich nicht: Museumsstück oder nichts.

          Der Vergleich “ohne Blei” und 2016er Reifen…da wissen Sie selbst, dass das in dem Zusammenhang nicht passt. Steht auch nicht in den Prüfungsvorschriften, dass man bitte mit 40 Jahtre alten Reifen unterwegs sein muss…;-)

          Antwort
          • 11. März 2019 um 8:20 PM
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            Sie haben vollkommen Recht. Da rücken in den kommenden Jahren auch Hinz und Kunz nach …

            Ich hatte im Moment meines Kommentars fast nur alte Schweden im Kopf. Ein (geheilter) Fall von Wunschdenken und selektiver Wahrnehmung. Danke also für den Hinweis.

          • 12. März 2019 um 8:04 PM
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            VW Käfer haben auch ein H-Kennzeichen, warum also Golf 2 und andere Volumenmodelle nicht?

          • 13. März 2019 um 9:45 AM
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            Auch wieder wahr. Man kann nicht das hohe Lied der Nachhaltigkeit auf jeden erhaltenen SAAB anstimmen und gleichzeitig damit hadern, dass auch solche Autos 30 Jahre oder länger nicht weggeworfen werden, von denen man persönlich vielleicht weniger begeistert ist …

            Sollen sie alle ihr H-Kennzeichen haben – wider der Wegwerfgesellschaft.

            Faszinierend finde ich es dennoch, dass man manches Auto schon als Klassiker wahrnimmt, wenn es noch immer neu vom Band läuft. So ging es mir mit dem Käfer, dem Defender und auch verschiedenen Volvos und SAABs. Der 9-5 NG war für mich vom Start weg aber spätestens ab der Insolvenz ein Babytimer.

            Der Charakter, die Laufzeit eines Modells, die Einzigartig- oder Beliebigkeit sind aber nunmal keine gültigen H-Kriterien. Und es ist auch gut und richtig, wenn das Thema nicht weiter bürokratisch aufgebläht wird.

  • 10. März 2019 um 4:47 PM
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    Grossartig! Ich kann dem nur beipflichten! und hoffen, dass meine 900, die bislang ‘nur’ 250.000 auf den Achsen haben, es ebenso lange aushalten werden… auch ich hoffe auf H-Kennzeichen, lebendige Museumsstücke dann!
    Viel Glück und viele herzliche Grüsse!

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    • 11. März 2019 um 12:38 PM
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      danke für die guten Wünsche und die herzlichen Grüße, die ich gern erwidere.
      Viel Spaß mit deinen Saabs und vor allem immer unfallfrei.

      Antwort
  • 10. März 2019 um 6:37 PM
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    …einfach weiterfahren, genau richtig! Danke für die tolle Story

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  • 11. März 2019 um 9:52 AM
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    Ein SAAB ist eben das Langzeit Fahrzeug schlechthin! Tolle Geschichte!

    Antwort
  • 11. März 2019 um 10:08 AM
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    Schöne Geschichte.
    Respekt – 30 Jahre sind schon eine Leistung!

    Antwort
  • 11. März 2019 um 5:51 PM
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    Tolle Geschichte, noch viele weitere Kilometer. Habe einen Freund in Tschechien die haben auf einem Saab 9000 auch schon über 500 000 Kilometer drauf.

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