Meine – leider nur sporadischen – Erfahrungen mit dem Saab 9000

Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Saab 9000 basierten bislang auf nur drei Erlebnisse, die für mich jedoch wegen der jeweiligen Begleitumstände unvergesslich bleiben werden. Ich selbst habe in meiner persönlichen „Saab-Laufbahn“ die 9000er Baureihe übersprungen, von jeweils drei 96 und 900 (I) wechselte ich direkt zum 9-5 (I).

Das Museum wurde 1975 eröffnet
Das Museum wurde 1975 eröffnet. Bild: Saab Car Museum

Der Erstkontakt mit dem Saab 9000 im Mai 1984

Im Jahr 1984 war es soweit: Endlich unser erster Schweden-Urlaub in Mittel-Schweden. Dass Trollhättan direkt auf dem Weg nach Sunne lag, war damals sicher auch ein Grund für die Auswahl des Urlaubsziels. Wir erreichten das Werk in Trollhättan mit unserem voll bepackten 96, wo Albert Trommer, der damalige, unbeschreiblich sympathische Leiter des Saab-Museums schon auf dem voll belegten Firmenpark-platz auf uns wartete.

Gleich nach der herzlichen Begrüßung ging es in Richtung Stadtmitte. Plötzlich setzte vor uns Albert Trommer den Blinker seines 900 Turbos und wir standen vor einem recht unscheinbaren Haus, das damals zur Saab-ANA gehörte. Jedoch war keinerlei Saab-Emblem oder ein Hinweis auf ein Museum zu sehen. Unsere fragenden Blicke wurden jedoch gleich mit dem Hinweis beantwortet, dass sich das Museum im Kellergeschoß befände.

Historische Bilder aus dem "alten" Saab Museum
Historische Bilder aus dem „alten“ Saab Museum

Dort die nächste Überraschung: Zwei schwedische Studentinnen warteten bereits auf uns und empfingen uns sehr herzlich. Eine individuelle Führung nur für uns in diesem Museum – ich war selig, die Geschichte meiner Lieblings-Marke in Realität und nicht nur aus Berichten kennenzulernen.
Ausgerechnet der Film, mit dem ich die Fotos im Museum machte, war fehlerhaft. Also fertigte ich nach der Rückkehr aus dem Gedächtnis eine Schemaskizze über die ausgestellten Museumsfahrzeuge an. Was ärgerte ich mich, als ich die entwickelten Fotos mit den roten Querstrichen sah…

Nun zum allerersten Kontakt an diesem Tag mit dem 9000. Nach dem Museumsbesuch fragte uns Albert Trommer mit geheimnisvoller Miene, ob wir etwas ganz Besonderes sehen wollten. Natürlich wollten wir.

Wieder oben am Tageslicht angekommen, sahen wir eine Abdeckplane, unter der sich nur ein Auto verbergen konnte. Die Neugier war fast unerträglich, wusste ich damals bereits, dass Saab etwas Neues präsentieren würde. Die beiden Schwedinnen zelebrierten regelrecht das Abdecken des Autos – nur eine Trompeten-Fanfare hätte hier noch gefehlt. Zum Vorschein kam der Saab 9000, der kurz vor seiner offiziellen Premiere stand. Intensives Rot der Karosserie, gepaart mit hellbraunen Ledersitzen – ein Gedicht. Wir waren die ersten Deutschen, die dieses Auto sehen durften.

Der Ur-Saab im Museum
Der Ur-Saab im Museum

Aber das für mich Beste kam erst noch: Wir genossen eine Stadtrundfahrt mit Alberts 900 Turbo! Der Kopparklinten mit der tollen Aussicht auf den Wasserfall und die Schleusen standen natürlich auf dem Programm. Außerdem war es das erste Mal, dass ich mit einem 900 mitfahren durfte, was bei mir einen noch intensiveren Eindruck als der doch recht sachlich gestaltete 9000 hinterließ.

Der zweite Kontakt mit dem 9000, ca. 1994

Inzwischen hatte ich mir 1987 meinen Wunschtraum erfüllt, ein gebrauchter 900 GLi leistete meinem 96 Gesellschaft. Auch ein 99 wäre damals eine willkommene Alternative gewesen, war ich doch viele Jahre zuvor (1969) auf die Marke Saab gestoßen, als ich den 99 das erste Mal bei Nürnberg sah. Schon damals stand für mich fest, dass später Saab einmal zu meiner Marke zählen würde.

1994 gab es dann für mich das zweite 9000-Erlebnis: Ich besuchte eine schwedische Druckerei bei Vetlanda und musste deshalb bei stürmischem Wetter von Kopenhagen nach Vetlanda fliegen – und dies in einem kleinen Propellerflugzeug. Mit einer ungesunden, grünlichen Gesichtsfarbe stieg ich aus dem Flieger aus und wurde von zwei schwedischen Kollegen empfangen. Als ich deren Auto erblickte, hellte sich meine Miene merklich auf. Es war ein Citroën XM, der mir damals schon sehr gut gefiel. Leider musste ich auf dem Rücksitz Platz nehmen und mir wurde unglücklicherweise eine Landkarte ausgehändigt, damit wir den etwas entlegenen Ort der Druckerei finden konnten – Navi-Geräte gab es damals noch nicht.

Weiche Federung, langsames Auf- und Abschwingen der Karosserie des XM, Rücksitzplatz und dann auch noch das Hantieren mit der Landkarte – ich wurde immer grüner im Gesicht. Tolles Auto der XM, vor allem vom Fahrersitz aus gesehen, aber mit diesen unglücklichen Begleitumständen für mich leider unmöglich zu ertragen.

Nach dem Kundenbesuch stand dann ein 9000 CS für die Rückfahrt ins Hotel parat. Auch nicht schlecht, vor allem mit der ab 1992 neu gestalteten Heckpartie. Hier verlief die Fahrt aufgrund der härteren Federung wesentlich bekömmlicher, der 9000 gewann bei mir einige weitere Sympathiepunkte. Zwei tolle Autos an einem Tag, was will man mehr…

Der dritte Kontakt mit dem 9000 im Jahr 1999

Dieses Mal stand ein besonderes Highlight auf dem Programm. Ein Arbeitskollege besaß damals einen 9000 CSE und wir wollten schon immer einmal das Werk in Trollhättan besichtigen. Ein Angestellter in unserer schwedischen Druckmaschinenvertretung kannte einen Marketing-Mitarbeiter von Saab, deshalb kamen wir in den Genuss einer unvergesslichen, individuellen Werksführung. Vorteilhaft auch die Lage unserer Vertretung: ca. 300 Meter vom heutigen Saab-Museum entfernt. Klar, dass das Museum bei jedem meiner Schweden-Reisen an erster Stelle steht und erst dann die Vertretung ☺.

Vor dem Besuch des Werks stand jedoch die Fahrt aus dem Frankfurter Raum nach Trollhättan auf dem Programm. Hier lernte ich die hervorragenden Langstrecken-Eigenschaften des 9000 kennen: Platzangebot, perfekte Sitze und ein guter Kompromiss aus Fahrkomfort und Fahrsicherheit machten diese Fahrt zu einem Vergnügen. Die Weiterentwicklung vom 900 zum 9000 war nahezu überall zu spüren.

Der Besuch im Werk war ebenso eindrucksvoll wie mein damaliger Erstbesuch des Museums im Jahr 1984. Kein routiniertes Abfertigen der Saab-infizierten Besucher, sondern Top-Betreuung bis ins Detail. Wo würde man dies heute noch erleben dürfen?

Die Rückfahrt verlief ebenso entspannt, nun bestückt mit etlichen Beutestücken aus dem Saab-Museum: etliche Bücher, Modellautos und Prospekte erhielten von nun an einen Ehrenplatz in meiner Saab-Sammlung.

Warum hat es der 9000 trotzdem nicht geschafft, mein Alltagsauto zu werden?

Objektiv gesehen schwer zu beantworten. Waren zu wenig Saab-Gene vorhanden (kein unvergleichliches Flugzeugkanzel-Feeling der 99/900-Modelle aufgrund der fehlenden runden Frontscheibe, das Zündschloss nicht mehr zwischen den Vordersitzen, die etwas weniger solide anmutende Karosserie, die zumindest äußerliche Ähnlichkeit der Türen zu Fiat Croma und Lancia Thema, das konventionelle Öffnen der Motorhaube, die beim 900 jedes Mal einen gewissen Aufmerksamkeitswert erzeugt)? Oder liegt es an meinem Alter, da ich die Geschichte der 99 und 900 von Beginn an miterlebte?

Ein objektiv tolles Auto der Saab 9000, aber der Funken sprang bei mir nur bedingt über.
Etwas anders war es dann Jahre später mit meinem ersten 9-5 (I). Hier waren zumindest ansatzweise einige Styling-Elemente der 99/900-Serien wieder vorhanden, der Kombi ließ außerdem die bevorzugten Fließhecks nicht vermissen.

Aber wie alles nur Geschmackssache – und für Saab eine gute Zeit, da das Überleben wegen des 9000 noch um einige Jahre verlängert werden konnte.


Danke an Uli für die Saab Geschichte am Sonntag. Wie fährt es sich im Alltag mit einem älteren Saab? Was erlebt man, wie reagieren Freunde, Kollegen und die Familie? Mit Nachsicht, Begeisterung oder Mitleid? Wie hält man den Saab am Leben, was erlebt man mit Ersatzteilen und Werkstätten, wie optimiert oder restauriert man den alten Schweden?

Ein weites Themenfeld für die “Saab Geschichten 2019!”.  Der Einsendeschluss der Aktion war der 15. August. Aktion vorbei und nicht dabei gewesen? Nicht schlimm! Wir haben neue Ideen und stellen sie demnächst vor.

4 Gedanken zu „Meine – leider nur sporadischen – Erfahrungen mit dem Saab 9000

  • Großartiger Beitrag mit interessanten Rückblicken …
    Man vergisst zuweilen, dass das SAAB-Museum nicht nur Geschichte erzählt,
    sondern längst eine eigene und charmante hat.

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  • Danke für den geschichtlichen Beitrag. Unglaublich, als erster Deutscher den 9000er gesehen zu haben.

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  • Sad for you, missing decades of a superb car …..

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  • Und es ist nie zu spät…… Noch sind brauchbare Exemplare zu finden…..

    Gruß

    Der Lizi

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