Saab entwickelte sich zur Leidenschaft und zum ausgeprägten Hobby

Eine wunderschöne Saab Story, mit tollen Bildern kommt von Matthias. Spielt das Alter der Fahrzeuge eine Rolle? Nicht wirklich, wenn man sie pflegt. Denn Saab hat gute Qualität geliefert. Die Voraussetzung für eine lange und glückliche Beziehung.

Saab 9-3 und Bauhaus. Gutes Design trifft gutes Design.
Saab 9-3 und Bauhaus. Gutes Design trifft gutes Design.

Saab begleitet uns in diesem Jahr genau 20 Jahre und begonnen hat es mit einem Saab 900 S – Mod. 1992. Nach massiven Problemen mit verschiedenen Opel Astra wurde es Zeit damals für eine Alternative.

Meine Frau war bereits der Auffassung bzw. davon infiziert, dass ein Saab 900 doch ein geniales Fahrzeug wäre. Sie hatte immer von einem schwarzen 900 Cabrio mit roter Lederausstattung erzählt und geschwärmt, den ihre Klavierlehrerin bereits damals vor vielen Jahren fuhr.

Ich war zu dieser Zeit noch nicht so begeistert, obwohl mir der 900-II hinsichtlich Design und Leistung ganz gut gefiel. Ich hatte zu dieser Zeit auch schon die ersten zwei Saab 900-II Prospekte zu Haus und näherte mich so der Marke aus Tollhättan.

Die 900-er der ersten Generation empfand ich im direkten Vergleich hinsichtlich Design etc. als unmodern und antiquiert. Ich durfte mich später eines Besseren belehren lassen und bin heute mehr als froh darüber.

Saab 900S – Mod. 1992

In mitten der „Opel-Leidenszeit“ sah ich irgendwann einmal zufällig eine Gebrauchtwagenanzeige in der Auto-Motor und Sport – ein 900 S in Weiß, 3 Jahre alt und nur 50.000 km gelaufen stand ganz in der Nähe zum Verkauf. Wohl wissend, dass dieser 900 nicht ganz oben auf meiner Hitliste stand, vereinbarte ich einen Probefahrttermin und nahm auch gleich das Scheckbuch mit. Meine Frau wollte eigentlich nur mal zur Probefahrt – man kann ja erst schauen, aber nicht gleich kaufen, war ihr Credo. Ich war entschlossen über meinen Schatten zu springen. Sollte mir das Auto zusagen, würde ich auch gleich Nägel mit Köpfen machen.

Ich machte Nägel mit Köpfen und wir fuhren mit dem 900-er nach Hause. Übrigens – hätten die Vorbesitzer nicht das 4. Kind bekommen, der Saab wäre nie verkauft worden. Das sprach doch für sich, oder nicht?

Der Wagen war in gutem Zustand, nicht übertrieben ausgestattet, aber wirklich ansehnlich und ok für mich – er war einfach anders, als alles, das ich bisher kannte. Vielleicht war das der Reiz zu dieser Zeit.

Schnell bemerkte ich dann die Vorzüge des Turbomotors – viel Kraft im unteren Drehzahlbereich, sehr elastisch – die sehr guten Sitze, die Heizung und nicht zuletzt der riesige Kofferraum. Ich vermisste den Astra Kombi nicht, nachdem dieser wegen grober Mängel an Opel zurückgegeben wurde.

Der Saab-Virus sollte ab diesem Zeitpunkt voll zuschlagen, denn ich war sehr angetan von dem Wagen und begann damit, mich mehr mit den Autos aus Trollhättan zu beschäftigen. Nicht zuletzt auch mit dem Buch von Anders Tunberg: „Saab 900 – Eine schwedische Geschichte“.

Saab 96V4 – Mod. 1975

In den 90-er Jahren hatten wir zudem noch in der Familie einen VW Dehler-Bus, mit dem wir viele tolle Urlaube in Skandinavien verbrachten.

So auch 1997 – im 50sten Saab-Jahr. Wir fuhren zufällig zur gleichen Zeit mit der Saab-Rally/Ausfahrt ans Nordkap und begegneten täglich den unterschiedlichsten Saab Modellen – alte 93 und 96-er, Sonetts, 900-er usw.

Leichtsinnigerweise fing meine Frau irgendwann an – so nach dem Motto: „Kaufst du mir so einen 96-er?“. Das war der Spruch, der uns durch den Urlaub begleitete – einfach so aus Spaß.

Mit so etwas macht mein einfach keine Späße! Mir gefielen nämlich die älteren Saabs zwischenzeitlich ebenfalls sehr gut und so blätterte ich immer wieder Mal im Herbst 1997 in Oldtimerzeitschriften und las die Saab-Gebrauchtwagenanzeigen sehr aufmerksam. Ich fand schließlich bei Darmstadt einen Saab 96V4, Baujahr 1975.

Mit meinem Schwager fuhr ich heimlich nach Darmstadt und kaufte den 96-er, den es dann als Überraschung für meine Frau gab.

Der 96-er brauchte noch einige Schweißarbeiten, die ich im Jahr darauf erledigte. Danach bekam er auf Anhieb TÜV – bis heute ohne jegliche Probleme. Ich erinnere mich noch an den damaligen TÜV Prüfer – ein stämmiger Mann, Ende 50, mit norddeutschen Akzent in der Sprache (und das bei den Schwaben im Süden).

Ich stand da so mit dem 96-er und in der Nebenreihe ein Honda Civic Coupé mit einem jungen Burschen drin, der den 96-er etwas schräg von der Seite betrachtete. Darauf der TÜV-Prüfer begeistert vom 96-er zu ihm: „Min Jung, det Auto war schon uff der Stroße, da hast du noch nich mal in die Windel gesch….“ – das war der Lacher schlechthin und bis heute gerne viel zitiert.

Ja, der 96-er mag skurril erscheinen, ist aber immer noch ein Auto, das ich neben den sonntäglichen Ausfahrten auch gerne mal zur Fahrt in die Arbeit nehme – weil er einfach schön auf der Straße liegt und verhältnismäßig komfortabel ist. Ab und an schadet es auch nicht, auf so liebgewonnene Features wie Servolenkung etc. zu verzichten.

Saab 96 – Mod. 1962 und Saab 9-3 Anniversary Mod. 2002

Die Jahre darauf kamen noch weitere Saabs hinzu: Ein 96-er 2 Takt im Jahr 1998, aus Schweden importiert, den ich allerdings vor Fertigstellung mangels Zeit wieder verkaufte.

Dann noch ein 9-3 Anniversary, Baujahr 2002 mit der schönen 185 PS Maschine im Jahr 2006.

Der Umbau auf Autogas hat dem 9-3 nicht gut getan – aus ganz verschiedenen Gründen hat das einfach nicht funktioniert, sodass der Umbauer den Wagen schließlich aufgekauft hat, damit ich das Problem los habe.

Saab 9-5 Aero SportCombi – Mod. 2004

In 2008 kam dann ein roter 9-5 Aero SportCombi, Baujahr 2004, hinzu – ein nach wie vor tolles Auto mit viel Power, tollen Sitzen, extrem guten Langstreckenkomfort und ein prima Zugfahrzeug.

Der 9-5 hat uns als sehr treues Zugfahrzeug während der Hausbauphase begleitet, wurde fast 2 Jahre nicht geschont und gepflegt und läuft heute immer noch prima. Die nächsten Projekte am 9-5 werden die Entfernung des ersten Rostansatzes sowie die Hinterachse, ansonsten hat der Wagen rein gar nichts.

Saab 900 S Cabrio – Mod. 1992

Nachdem der Hausbau abgeschlossen war, musste aber bald darauf wieder „ein Projekt“ her – und was könnte es Besseres geben, als ein „Saab-Projekt“?

Den verfügbaren Mitteln angepasst, wurde es ein „900 Cabrio“ mit einem Fahrzeug, das über viele Jahre im Freien stand und entsprechend aussah – Dach zerrissen, Cockpit gerissen, Ledersitze abgewirtschaftet, dreckig innen und außen sowie der Lack matt und mit Moos und Algen übersäht.

Im Sommer 2012 wurde das Cabrio dann mit viel Liebe und einigen Austausch- und Neuteilen hergerichtet – der Lack ein ganzes Wochenende gereinigt und poliert. Erstaunlich war für uns, was man aus dem Lack noch herausholen konnte, ohne den Wagen gleich neu lackieren zu müssen – so sieht eben Qualität aus!

Der Motor brauchte zwar auch noch einige Eingriffe, aber im Herbst letzten Jahres wurde das Projekt für fertiggestellt erklärt. Das schwarze 900 Cabrio macht extrem viel Spaß zu fahren – eine Brise Wind um die Nase in einem so tollen Klassiker – was will man denn mehr?

Saab 9-3 Aero TTiD SportCombi – Mod. 2010

Die ganzen Jahre über haben wir unserem ersten Saab, dem weißen 900, die Treue gehalten. Er war bis 2013 eines unserer Alltagsfahrzeuge.

In der Zwischenzeit hat dieser Saab einige Stellen, die man wieder herrichten muss – die üblichen Verdächtigen eben: Dachhimmel, Antriebswellentunnel, Radläufe und Türen. Das wird das nächste Projekt für 2015/2016. Nach einem gebrochenen Zündverteiler während der Fahrt vor 2 Jahren wird dieses Projekt unabwendbar. Der weiße 900 soll wieder richtig gut hergerichtet werden und erhalten bleiben, denn dies war ja der erste Saab überhaupt bei uns.

Als Ersatz für den 900 und als Alltagsauto wurde im Frühjahr 2013 ein sehr schöner Saab 9-3 Aero TTiD SportCombi, Modell 2010, erworben – entdeckt bei einem Händler in Dresden. Der 9-3 hat mich von der Anzeige her schon gleich begeistert – den musste ich einfach anschauen und am besten auch haben. Ich flog nach Dresden und habe nach der Probefahrt zugeschlagen.

Bei diesem 9-3 handelt es sich um einen nahezu voll ausgestatteten Aero mit dem damals verfügbarem TX-Paket, Schiebedach, Automatik, Navi mit Bose Anlage, e-Sitzen usw. – ein toller Saab, der ebenfalls viel Fahrfreude bereitet.

Leider wurde der 9-3 im Sommer 2013 von einem heftigen Hagelunwetter heimgesucht. Kalkulatorisch war der Wagen so gut wie Totalschaden. Mir war es sehr Leid um den schönen Wagen und so suchte ich nach Möglichkeiten, den Wagen möglichst effizient und kostengünstig zu reparieren. Glücklicherweise wurde ich in Schweden fündig – ein Autoverwerter hatte viele sehr neuwertige und gut erhaltene Saabs auf dem Hof, die nur in Teilen verkauft werden durften.

Das war meine Chance. Zusammen mit meinem Freund und Saab Partner des Vertrauens aus Tübingen fuhr ich nach Schweden. Wir konnten dort alle 4 Türen, Haube und Kotflügel, Rücklichter und Zierleisten von einem 2008-er Saab 9-3 in Carbon-Graumetallic bekommen. Darüber hinaus haben wir auf verschiedenen Schrottplätzen sonst noch einige Teile für seine und unsere älteren Saabs gefunden.

Die Teile wurden am 9-3 an einem Samstag getauscht und danach noch das Dach gedrückt, gespachtelt und lackiert. Das Ergebnis war enorm – es gab keinerlei Farbunterschiede zwischen Original- und Austauschteilen sowie dem neu lackierten Dach – einfach perfekt. Als „Belohnung“ gab es dann noch eine Hirsch-Leistungssteigerung oben drauf, sodass der 9-3 jetzt noch mehr Spaß macht zu fahren.

Oh je, das wurde eine lange Saab Story – und ehrlich gesagt, es gäbe noch einiges mehr zu berichten. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich solange es nur irgendwie möglich ist, meine Saabs fahren, pflegen und erhalten will. Denn es gibt nicht wirklich viele Alternativen zu dem ganzen automobilen Einerlei, v.a im Großraum Stuttgart – und es ist doch auch toll, wenn sich Saab-Fahrer im Straßenverkehr grüßen …

Die Projekte rund um Saab werden mir aller Voraussicht nach (hoffentlich) noch nicht so schnell ausgehen – hm, ein 9000-er wäre doch noch eine Bereicherung … oder ein 900 Vollturbo … ich glaube, da war er wieder – der Saab Virus – Heilung ausgeschlossen.

Många hälsningar – viele Saab-Grüße und allen Lesern gute Fahrt.

7 Gedanken zu „Saab entwickelte sich zur Leidenschaft und zum ausgeprägten Hobby

  • Schöne Autos!

    Aber hatte ein 96 Bj 75 nicht eine andere Stoßstange? Eine, die nicht jedem gefällt ;- ) …

    Meist werden die Folgen einer Modellpflege ja kontrovers diskutiert oder gar einhellig als Entstellung empfunden.

    Man denke an die Chrombrille des 9-5*, die ich persönlich mag, die aber aus Sicht so mancher ein frevelhafter Bruch mit der ursprünglich knäcke-brottrockenen und doch eleganten Sachlichkeit des Vorgängers sei …

    Oder man denke eben an die Stoßstangen, schwarzen Kunststoffgrills, Blinker, Rückleuchten und Innenausstattungen, die Saab und Volvo ’73, ’74 und ’75 ihren spätestens in den 60ern gezeichneten Karossen angetan haben. Da sind eine alte und eine neue Welt regelrecht aufeinandergeprallt …

    Faszinierend finde ich, dass der erste 900 tatsächlich immer moderner und zuletzt am allerbesten aussah. Es gibt nur wenige andere Beispiele gestalterisch derart gekonnter Modellpflege.

    • Nach meinem Kenntnisstand war das das letzte Modelljahr, bei dem noch die Chromstoßstangen verbaut wurden – ab 1976 gab es dann die „schönen“ Gummistoßfänger.

    • Ja, hinsichtlich der 900-er Modellpflege stimme ich absolut zu. Geht mir genauso – finden die „Schrägschnauzer“ extrem gelungen.

  • Mit einem Diesel-TX fährst Du sicher ein absolutes Einzelstück 🙂

    • Habe bisher nur ein vergleichbares Fahrzeug in Schweden in einem Online-Portal gesehen. Auf der Straße ist mir noch kein zweiter begegnet.
      Und genau das hat bei mir den Wunsch nach diesem 9-3 massiv erhöht, als ich ihn auf Mobile.de sah.

  • Saab und Bauhaus, das passt und ist genau mein Geschmack!

    Tolle Geschichte, tolle Autos, Saab eben!

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