Saab Modelljahr 2017

Wenn im August die Sommerferien vorbei sind, dann beginnt bei den schwedischen Autobauern ein neues Modelljahr. Das Saab Modelljahr 2017 wäre ein großer Sprung in  der Firmengeschichte gewesen. Der 9-5 Nachfolger wäre an den Start gegangen, die Überweisung von Lizenzgebühren nach Detroit hätten ein Ende gehabt.

Saab Produktpalette
Saab Produktpalette

Starten wir im Jahr 2010. Die neue 9-5 Limousine kam auf den Markt, der wichtige 9-5 Kombi wäre mit Verzögerung als 2012er Modell gekommen. Der Nachfolger des Saab 9-3 auf Basis der Fenix (Phoenix) Plattform sollte im zweiten Halbjahr an den Start rollen, das Cabriolet 2013. Eine sehr kurze Laufzeit hätte der in Mexiko gefertigte Saab 9-4x gehabt, er wäre bereits 2015 durch einen Nachfolger auf Fenix Basis abgelöst worden. Und unter der Motorhaube wäre kein V6 Motor mehr gewesen, sondern ein aufgeladener 1.6 Liter mit 4 Zylindern aus dem Hause BMW.

Saab Modelljahr 2017

Kooperationen mit BMW, Volvo und Fiat hätten die Entwicklungskosten gesenkt, auch den Griff in das GM-Regal hätte es aus Kostengründen weiter gegeben. Den 9-3 hätten wir endlich als Fließheck und als Hybrid gesehen, vom neuen 9-5 auf Fenix Basis ist ein Coupé mit 4 Türen bestätigt. Im Nachhinein stellt sich die Frage,  wie realistisch die Planung war. Die Daten stammen aus internen und vertraulichen Präsentationen aus dem Frühjahr 2011 – damals schien noch alles machbar. Der mögliche Verkauf an BAIC hätte Saab gerettet, die anstehenden Investitionen langfristig gesichert, noch heute würde es die Marke geben. GM und BAIC waren damals Partner, und im Rückblick wäre BAIC der einzigste von Detroit akzeptierte neue Eigentümer von Saab gewesen.

Das GM Problem mit dem 9-5

Denn GM hatte ein gewichtiges Problem mit dem neuen 9-5. Über viele Jahr hatte man Opel, die Marke,  die für Durchschnittlichkeit steht wie kaum eine zweite, den Vortritt gegenüber Saab eingeräumt. Beim neuen 9-5 machte man alles anders. Und man machte es richtig. Der große Saab zeigte,  was im Konzern machbar war, und Opel Kunden bekamen im Insignia abgehangene Technik. Erst mit dem Facelift durfte Opel zu Saab aufschließen, aber da war schon alles vorbei. Saab als technologische Speerspitze – das erklärt,  warum der 9-5 nicht für andere Eigentümer lizensiert wurde. Ausser vielleicht für den damaligen engen Partner BAIC.

Für 9-5 und 9-4x waren die Produktionszahlen zwischen GM und Saab vertraglich genau geregelt. Mit dem Modelljahr 2016 wären die letzten Limousinen vom Band gerollt, ein Jahr später wäre der letzte Kombi aus der Produktion gegangen. Und wir dürften uns jetzt auf den Nachfolger und das Modelljahr 2017 freuen. Die 2011er Vorschau auf die Modellplanung von Saab endet mit dem Modelljahr 2017. Bis auf ein kleines Detail. Die Entwicklung für den 9-3 Fenix Nachfolger wäre in diesem Jahr gestartet, der Finanzplan führt die Investitionen auf.

Jahre der Fehleinschätzung

Die letzten Jahre von Saab, vom Winter 2009 bis Winter 2011, waren geprägt von Fehleinschätzungen. GM würde Saab heute nicht mehr schließen. Dem Konzern fehlt seitdem in Europa eine akzeptierte Premium-Marke mit den entsprechenden Margen, Opel verbrennt seit Jahren Geld. Zwar gab es im zweiten Quartal einen kleinen Gewinn von 124 Millionen €, den ersten seit 5 Jahren. Aber steigende Eigenzulassungen, die Spuren von Dieselgate, und die aufziehende Krise bei Vauxhall zeigen eine düstere Zukunft.

Muller war 2011 der Meinung, dass es bessere Möglichkeiten zur Gewinnoptimierung geben würde als den Verkauf an BAIC. Er ließ die fertigen Verträge liegen, brach die Verhandlungen ab und zog mit Freund Antonov los in Richtung Insolvenz. Auch er würde heute nicht mehr so entscheiden.

Wir dachten, der 9-5 NG und der Sportkombi seien Übergangsmodelle auf dem Weg zu neuen Saabs auf Basis der Fenix Plattform. Wir lagen damit falsch. Es waren die letzten neuen Saabs, die jemals vom Band liefen. Und regelmäßig bekomme ich auch jetzt noch, 5 Jahre später, Mails von Lesern, die nie einen Saab gefahren haben, es aber immer wollten. Die sich ärgern,  dass sie 2011 nicht einen neuen Saab gekauft haben. Auch sie haben sich geirrt, und ich antworte auf diese Mails nicht. Denn was sollte ich schreiben?

Phonix wird nie fliegen

Besonders tragisch lief es für die Fenix Plattform. Der Phönix wird niemals fliegen. Seine Gene werden in der CMA Plattform von Volvo zu finden sein, die für Hybrid, Elektro- und konventionelle Verbrenner ausgelegt sein wird. Und auch bei NEVS wird es Spuren davon geben. Warum Fenix letztendlich scheiterte , denn wir hielten die Plattform irrtümlicherweise immer für die Trumpfkarte unter den Saab Resten ? Unbestätigte Spuren zeigen nach Detroit. GM soll Störfeuer liefern und immer wieder Teile der Plattform für sich reklamieren, die daraus resultierende Rechtsunsicherheit war das Ende von Fenix.

Und Trollhättan? Vielleicht gibt es zum Einstieg in den Neustart ein Modelljahr 2018 aus dem ehemaligen Saab Werk in der Stallbacka. Elektroautos mit optischer Saab 9-3 Verwandtschaft, aber unter dem Blech wird alles neu sein. Der Saab Schriftzug ist vom Werk verschwunden, man hat sich entschieden,  eine neue Marke zu etablieren und auf Elektromobilität zu setzen. Eine Entscheidung für eine gute Zukunft? Der Blogger ist nur Chronist, in einigen Jahren werden wir es wissen.

15 Gedanken zu „Saab Modelljahr 2017

  • Wow. Äußerst interessante Story!!
    Danke dafür!! 🙂

    P.S.: Die Skizzenmodelle (besonders auch das meines 2011´ers) überzeugen mich irgendwie in Details noch nicht so ganz! 😉 ;-(

    • Sind nur Beispielbilder aus den Präsentationen, nicht als Designskizzen zu verstehen.

  • Traurig traurig…

  • Danke Tom, für den spannenden, aber doch auch traurigen „Chronistenbericht“. Es tut auch nach der Pleite immer wieder gut, SAABiges Gedankengut zu erfahren. Langsam zu verstehen, warum es so gekommen ist, wie wir es jetzt bedauern. Das der „PremiumCompakt-SAAB“ nie Wirklichkeit wurde, ist jammerschade!!! 🙁 Die Modell-Visionen haben immer noch Charme!!!
    Ja, es ist und bleibt traurig.
    Was bleibt ist die Hoffnung, das NEVS mit dem Modellerbe etwas anfängt… und es elektr. zum Fliegen bringt, sodaß statt Turbo der El.-Antrieb uns in die Polster drückt! 🙂

  • Tolle und interessante Zusammenfassung! Bitter – es hätte auch alles anders kommen können.

  • Wie immer super interessant! Wo bekämen wir solche tollen Informationen ohne den Blog bloß her. Vielen Dank Tom. Schade, dass es nie wahr wird, was man vor hatte .
    Was ist eigentlich aus den Entwürfen und Prototypen geworden?

    • Der Phoenix steht bei NEVS. Die Entwürfe, mir sind nur „Tonmodelle“ bekannt, ebenso. Ich denke dort sind sie gut aufgehoben.

  • Sehr spannend und irgendwie frustrierend.Wie konnte es denn so weit kommen? Die Hoffnung liegt auf NEVS und auf dem Designteam. Wann gibt es Studien oder so zu sehen?

  • Wenn NEVS clever bleibt, übernimmt man dort Stilelemente der SAAB-Fahrzeuge – dann wäre für die Öffentlichkeit die Herkunft der neuen Flotte schon mal klar zu erkennen.

    Wenn dann auch noch Qualität und andere SAAB-Tugenden durchkommen, wird gepaart mit einem guten Marketing eine erfolgreiche Zukunft bevorstehen. Dabei dürfte der neue Name eher zweitrangig sein – Hauptsache: MADE IN TROLLHÄTTAN BY TROLLS!

  • Ich war vor einer Woche in Trollhättan. Bleierne Stille rund um das Werk, aber um die 20 Fahrzeuge von Angestellten direkt am Haupteingang. Bei Combitech standen zwei neue 9-5 Combis vor der Tür. Das müssten also einige der wenigen Vorserienmodelle sein.

    Es ist ein großes Areal und irgendwie liegt Geschichte in der Luft – es sieht noch ein bisschen aktiv aus dort oben, und auch wenn überall NEVS Fahnen wehen steht auf fast jedem größeren Schild SAAB.

    Über Deinen Artikel habe ich mich sehr gefreut. Wenn man durch das SAAB Musum läuft, bemerkt man anhand der Studien und der letzten Fahrzeuge, in welche Richtung es ging. Der letzte 9-5 ist sowohl als Limousine als auch als Combi ein schönes und stattliches Auto mit Präsenz.

    • Danke! Die Schweden sind immer noch in den Ferien, ebenso das (ehemalige) Saab Werk. Im Sommer 2017 soll es nicht mehr so ruhig sein, ob es weiter die traditionellen Sommerferien mit Werkschließung geben wird ist fraglich.

      • Die Produktionpausen werden häufig genutzt um Änderungen an den Linien bzw. an den Modellen vorzunehmen. Ich könnte mir gut vorstellen das dies auch in Zunkunft so bleiben wird

  • Das Aus ist nun bald 5 Jahre her und dennoch bricht die Wunde bei Artikeln wie diesen immer ein wenig wieder auf.

  • Schöner Bericht. Seit ich 18 war, träumte ich davon, mir meinen ersten fabrikneuen Saab bestellen zu können. Als ich dann in Einkommensregionen aufgestiegen war, in denen ich diesen Traum hätte verwirklichen können, gab es keine neuen Saab mehr zu bestellen.

    Allerdings: Dass Opel für Durchschnittlichkeit steht wie kaum eine zweite Marke, teile ich gar nicht. Meine Erfahrungen beschränken sich zwar auf Insignia und Adam. Aber beide Autos fand ich überraschend gut und würde sie jederzeit einem Produkt aus dem Volkswagen-Konzern vorziehen, ebenso wie einem BMW oder Mercedes. Opel löst mittlerweile durchaus wieder die Erwartungen ein, die man mal an Opel hatte: Nicht unbedingt an der Speerspitze des Fortschritts (im Gegensatz zu VW tun sie aber auch nicht so), dafür aber gute, praktische, ehrliche, haltbare, preiswerte, angenehme Autos, mit denen man nix falsch machen kann. Der Ruf der Marke mag nach wie vor im Eimer sein, die Produkte und die Fertigungsqualität sind es längst nicht mehr.

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