Markenrechte. Der Tag, an dem ich NEVS verstand

Montagmorgen. Arbeit am MacBook, im Hintergrund läuft Twitter. Die Woche entwickelt sich prächtig, bis mein Blick auf einen Tweet mit dem bekannten Markenlogo fällt. Was geht da ab in Schweden, denke ich mir und beginne zu lesen…

Saab. Querschläger aus Schweden schädigen das Image
Saab. Querschläger aus Schweden schädigen das Image

Die Konkursverwalter der Saab Automobile AB verklagen Lieferanten auf Rückzahlung von angeblich zu Unrecht erhaltenen Zahlungen. Im aktuellen Fall, an diesem Montag, ziehen sie gegen IAC und fordern 91 Millionen Schwedenkronen. Hintergrund ist die zwischenzeitlich festgestellte Zahlungsunfähigkeit, die auf den 6. April 2011 datiert wird, und die danach geleisteten Abschlagszahlungen an wichtige Lieferanten.

IAC ist einer davon, und das Unternehmen wird an diesem Tag gezwungen werden 49 Millionen Kronen, rund 5.2 Millionen €, in die Konkursmasse zu überweisen. Saab ist – mal wieder – mit einem negativen Thema in der Presse, vermutlich auch in den schwedischen Nachrichten. IAC, davon kann man ausgehen, wird nicht der letzte Fall bleiben. Andere ehemalige Lieferanten, darunter kleinere Betriebe aus dem Mittelstand, könnten ebenfalls in das Fadenkreuz der Anwälte geraten.

Mit einem Mal verstehe ich NEVS

Das Verfahren findet kein Ende, die Konkursverwalter haben eine Lebensaufgabe und ein gutes Auskommen gefunden. Am folgenden Dienstag fordern sie 15 Millionen Kronen für die weitere Arbeit; 250 Millionen sind bisher in das Verfahren geflossen. Ein Abschluss ist nicht in Sicht, die Verfahrensdauer kann noch über viele, viele Jahre gehen. Welcher Investor wäre vor diesem Hintergrund bereit,  in den Saab Markennamen zu investieren?

Querschläger aus Schweden schädigen die Marke weiterhin

Die Marke neu aufzubauen würde Millionen verschlingen. Euro, keine Schwedenkronen. Es gibt eine Million Saab Fahrer, davon ein netter Prozentsatz,  der wirklich hinter der Marke steht. Viele und doch zu wenige,  um das als Fundament zu sehen. Die erneute Einführung von Saab in die europäischen Märkte und in Nordamerika wäre eine Aufgabe über Jahre. Eine langfristige Mission, immer wieder sabotiert durch Querschläger aus Schweden, von einem Verfahren,  das kein Ende findet, und das immer wieder das Saab Logo – garniert mit schlechte Nachrichten –  um den Globus schickt?

Denn, machen wir uns nichts vor, die Welt ist klein und rund. Was heute ein Thema in Schweden ist, das kann morgen auf einem Blog in China der Renner sein. Oder sonst irgendwo auf der Welt. Das Wort Saab, immer wieder belastet durch das Konkursszenario in Schweden – so kann man keine Marke zurück auf die Welt bringen.

Wir kennen nur das halb offizielle Statement von NEVS zu dem Thema. Die Lizenzkosten für die Markenrechte sollen der wichtige Punkt gewesen sein. Ich könnte mir vorstellen, das endlose Verfahren in Schweden war ein weiterer. Ich kann NEVS gut verstehen in dieser Woche. Auch wenn ich gerne mit den Lesern die Wiedergeburt der Marke gefeiert hätte. Unter diesen Begleitumständen wird es wohl nichts.

21 Gedanken zu „Markenrechte. Der Tag, an dem ich NEVS verstand

  • “Aufgrund von Bedenken des hauptsächlich als Rüstungskonzern bekannten Rechteinhabers durfte zwar der Markenname für die ab Dezember 2013 gebauten Fahrzeuge verwendet werden, doch auf das bekannte Logo musste verzichtet werden . Nachdem der neue Besitzer im Mai 2014 die Produktion bereits wieder beendete und im Anschluss sogar Insolvenz anmeldete und Gläubigerschutz beantragte, zog man bei Saab AB gänzlich den Stecker und verweigerte die weitere Verwendung des Namens.”
    “Im Zuge dieser Restrukturierung machte man sich in Trollhättan berechtigte Hoffnungen, dass Saab AB seine Entscheidung zum Entzug der Namensrechte noch einmal überdenken würde. Das ist jedoch nicht der Fall, wie NEVS jetzt bekannt gegeben hat”

    Das NEVS es anders darstellt ist ja wohl klar.

    • Das sind vorgefertigte DPA Meldungen. Keiner hat sich da die Mühe gegeben bei NEVS nachzufragen oder bei Saab. Das kennen wir doch alles schon seit Jahren….

  • Ist es nicht eher so, das NEVS die Rechte seitens SAAB AB verweigert wurden ?!
    Hier klingt es anders, obwohl die einschlägige Presse die Verweigerung berichtet.

    • Es gibt nur eine Stellungnahme der NEVS AB, keine der SAAB AB. Diese schweigt dazu. Was NEVS berichtet erscheint plausibel und deckt sich mit dem, was wir einige Wochen zuvor zu diesem Thema erfahren haben. Die Informationen sind aus erster Hand von einem Teilnehmer der Verhandlungen zwischen NEVS und SAAB.

  • Marke bleibt Marke – SAAB war und ist eine Marke NEVS ist nichts. Tesla war auch mal “NICHTS” ist aber heute eine Marke – und was für eine. Ich denke aber, dass es mit NEVS alleine nur in FernOst hinhaut. In Europa tue ich mich schwer mit der Vorstellung, dass das eine neue “Automobilmarke” werden kann. Meine Meinung: man wäre besser bei SAAB geblieben – aber wenn man eh keine Autos baut, dann ist das ohnehin egal.

  • Man sollte sich aber im klaren sein, dass jemand anderes sich die Namensrechte sichern kann und dann evtl. neue Saab baut. Dann natürlich nicht in Trollhättan. Aber unser Cabrio kommt ja auch aus Linz.

  • Interessant, wie man eine krachende Niederlage noch als Erfolg verkaufen kann…

    • Die SAAB AB als Konzern mit ehemaliger Automobilsparte hat eben auch gewaltige Schattenseiten – man kam mit der genannten Sparte dauerhaft nicht zurecht und GM als Käufer zum damaligen Zeitpunkt passte hervorragend. Warum sollen Versager künftig auch noch davon partizipieren?

      Eine krachende Niederlage ist der Verhandlungsausgang keineswegs – es ist bei genauer Betrachtungsweise einfach doch die sinnvollere Variante, die zum Teil unschöne Vergangenheit durch einen neuen Namen hinter sich zu lassen.

      • Sorry, aber anscheinend wissen einige nicht mehr was sie vor kurzer Zeit noch geschrieben haben, oder man hängt sein Fähnchen in den Wind…
        Vor noch nicht allzu langer Zeit war hier der Kanon, dass der Markenname für den Erfolg wichtig sei. Nicht nur hier sondern auch weltweit da der Name “SAAB” eben weltweit einen gewissen Klang und einen exzellenten Ruf besitzt. Jetzt auf einmal ist das egal, sogar nachvollziehbar. Ich frage mich ob einige nur deshalb Saab fahren weil es “Anti-Mainstream” ist (wie NEVS dann auch) oder weil sie wirklich bestimmte Eigenschaften schätzen. Mich erinnert das ziemlich stark an “le roi est mort, vive le roi!” Hauptsache es geht weiter…

        • Ich erinnere mich an die letzte Umfrage zum Markennamen. 85% sahen nur den SAAB Namen als einzige Alternative. Tom stand mit seiner Meinung recht alleine da. Entweder hat er bereits gewusst was kommt, oder hellseherische Fähigkeiten. Dass sich jetzt alles scheinbar positiv für NEVS entwickelt ist eine Überraschung, aber verständlich.

          Bevor in Trollinngen alles in Sack und Asche geht ist NEVS das kleinere Problem, hauptsache es geht positiv weiter.

  • Letztendlich kommt man beim genaueren Hinsehen immer wieder auf die SAAB AB (Rüstungskonzern) zurück.

    Dieser Konzern selbst kam mit seiner ehemaligen SAAB-Autosparte nie so richtig zurecht – Anfang der 90er Jahre trennte man sich bekanntlich zunächst stückchenweise (50%) und dann im Jahre 2000 vollständig davon. Was dann unter GM passierte war die Fortsetzung des Versagens bezüglich SAAB-Automobile.

    Eigentlich sollten wir rückblickend froh sein, dass die Wiedererlangung der Markenrechte gescheitert ist. In meinen Augen sind die NEVS-Leute fleißig wie die Bienen und werden auch recht erfolgreich sein. Die SAAB AB hat aufgrund der Vorkommnisse in der Vergangenheit irgendwie keinen Anspruch an einer künftigen positiven Entwicklung teilzuhaben – weder in finanzieller Hinsicht (laufende Zahlungen für Namensrechte) noch an einem gutem Image, das sich womöglich in der Zukunft bei den NEVS-Mobilitätslösungen entwickelt.

    Wie bereits im Blog mehrfach erwähnt wurde, kommt es doch in erster Linie darauf an, dass bald wieder Autos in Trollhättan vom Band laufen. Dabei ist der Name zweitrangig – wichtig ist, dass diese Fahrzeuge von ausgezeichneter Qualität sind und dem Slogan “made in trollhättan by trolls” auch wirklich gerecht werden.

  • Vielleicht kann das irgendjemand mal aufklären oder erklären. Was gibt es jetzt noch Großes zum Abwickeln oder zum Verwalten, dass es noch Jahre und eine Menge Honorar braucht um die Insolvenz abzuschließen? Ich verstehe es einfach nicht. Der Käse müsste doch längst gegessen sein. Aber ich bin ja auch nur ein juristischer Laie.

    • Na ja, die Gläubiger (dreistellige Anzahl von Lieferanten, Händler, Mitarbeiter) hätten vielleicht gerne wenigstens einen Teil ihres Geldes wieder. Solche Insolvenzverfahren ziehen sich auch
      in Deutschland über viele Jahre hin. Z.B. verklagen die Insolvenzverwalter GM auf Rückzahlung von 180 Mio. SEK, das dauert. Quelle: http://www.svd.se/saabs-konkursbo-vill-ha-gm-miljoner

      Das die Verwalter dabei gut verdienen, kann einen zwar neidisch machen, aber den potentiellen Ärger sollte man lieber auf die noch besser bezahlten “Manager” die das ganze verursacht haben richten. Gut geführte Betriebe brauche keine Insolvenzverwalter.

  • Wenn man NEVS von hinten liest heißt das SVEN, ist mir gerade aufgefallen. Ich glaube den Vorschlag SVEN hat hier auf dem Blog schon mal jemand genannt. Ich denke den Namen hätte man sich bei NEVS auch überlegen können. Das hört sich doch mal richtig schwedisch an und lässt sich viel besser aussprechen. Den Konkursanwälten sollte das Handwerk gelegt werden. Geld von Zulieferern die auf Grund einer erbrachten Leistung ihre Rechnung bezahlt bekommen haben, nun wieder zurück zu verlangen, dass sich dann die Anwälte in die Taschen schieben, das schreit zum Himmel. Auch wenn das möglicherweise rechtmäßig ist so ist es zumindest moralisch verwerflich

  • Da muss ich Dir Recht geben Tom, so betrachtet ist NEVS Schritt sehr logisch. Ist das wohlmöglich auch irgendwie der Grund wieso ORIO ORIO heisst?

    Übrigens hab ich für mich wohl eine Alternative gefunden, fängt auch mit S an, ist aber einer der ältesten Hersteller der Welt.

    Danke für Deine Beiträge, was macht

      • Das könnte sein…

    • Orio erschließt zusätzliche Märkte, der Name Saab Automobile Parts AB hätte das nicht einfach gestaltet. Ich denke das war der eigentliche Grund zur Umbenennung.

  • Und ich dachte das Verfahren wäre durch…

  • Da haben ein paar Anwälte ihre Lebensaufgabe gefunden wie es scheint. Logisch dass es unter diesen Umständen so ausgeht wie es ausgegangen ist. Kein Investor mit Sachverstand tut sich das an, genau so gut könnte man das Geld aus dem Fenster werfen.

    Ist nur schade um die Marke, die hätte ein fettes Comeback verdient!!

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