Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

Am Samstag startet die Baltic Rallye 2015. Martin und Maciej sind als Team Aurora Hunters mit einem Saab 900 „Ove das Krokodil“ unterwegs. Ein tolles Saab Abenteuer! Von den Vorbereitungen erzählt uns Martin hier auf dem Blog:

Das alles fing mit einem spannenden Reisebericht an: „The long way round“, einmal mit dem Motorrad um die Welt. So etwas wollten wir auch machen. Ich wusste, dass es eine Rallye rund um das Baltikum gab. Das schien mir eine gute Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Also meldeten wir uns September 2014 an, mein Partner und ich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung, wie sehr diese Veranstaltung unser Leben in den nächsten Monaten prägen würde.

Bereit für den Star. Saab 900 = Ove das Krokodil
Bereit für den Star. Saab 900 = Ove das Krokodil

Die Bestätigung zur Teilnahme ging schnell, die Anmeldegebühr war auch rasch bezahlt. Auch ein Name für das Team war gleich gefunden. Aurora Hunters. Jäger des Polarlichtes. Im Sommer ein nahezu unerreichbares Ziel, Polarlichter sind ein Phänomen des Winterhalbjahres. Dennoch schien der Name uns passend für eine Rallye im Norden. Um die Kosten im Griff zu haben und die Übersicht zu behalten wurde eine Tabelle erstellt, mit allem, was wir benötigen würden. Zelt, Schlafsack, Matratze, Benzinkosten. Es schien alles überschaubar zu bleiben.

7.500 km, 10 Länder , 16 Tage Abenteuer. Eine Voraussetzung hierfür war ein Auto, das mindestens 20 Jahre alt sein musste. Und hier witterte ich meine Chance, mir einen weiteren Traum zu erfüllen, da sich schnell herausstellte, dass Saab der einzige Hersteller ist, der eine ebene, fast 2m lange Liegefläche für zwei in einem PKW bietet. Es war auch schnell klar, dass wir für das Baltikum keinen Turbo haben wollten. Einen schönen Saab 900 CC für max. 2.500 € zu finden ist jedoch gar nicht einfach. Zuerst ging es nach Warschau, da stand ein vielversprechendes Auto, mit französischen Kennzeichen, doch ohne Papiere. Wie sich herausstellte, ein Opfer der französischen Umweltprämie. Anmeldung in Deutschland wäre kein Problem, nur rieten uns polnische Saab-Liebhaber (die den 900 liebevoll Krokodil nennen) von einem Autokauf in Polen dringend ab. Eine Woche später dann die Entdeckung in Luxemburg: Ein Saab 900i mit Aero Ausstattung (innen wie außen). Wir überlegten nicht lange und nach 12 Stunden Busfahrt saßen wir im Auto und waren auf dem Weg zurück nach Berlin.

Nun ist es aber mit der Anschaffung nicht getan. Ein Auto für knapp 2.000 € kostet erst einmal viel Nerven. Die Anmeldeprozedur und die unverständliche Pingeligkeit (wir reden hier nicht von sicherheitsrelevanten Merkmalen) der deutschen Behörden führte dazu, dass der Saab erst im März 2015 angemeldet war. Somit blieben nur knapp 3 Monate, um Ihn ausgiebig zu testen. Es ist wahrlich nicht einfach, jemand wirklich kompetenten zu finden, der sich mit diesem Wagen auskennt. Die Anmeldung ist eine Sache, die Wartung eine andere. Ich fühlte mich immer noch nicht wohl, irgendwie beschlich mich ein ungutes Gefühl bei jeder Fahrt. Das Budget war allmählich aufgebraucht und das Auto fuhr immer noch nicht richtig. Ich suchte Hilfe im saab-cars.de Forum und fand einen „Saab-Flüsterer“, der sich mit großer Geduld unserer annahm. Irgendwann hatte ich jedoch keine Lust mehr auf das „Basteln“ und folgte dem großzügigen Hilfeangebot in den Süden Deutschlands. Das Resultat? Ein Zylinderkopfschaden, der uns spätestens am Nordkap erwischt hätte, wurde diagnostiziert. Mit Hilfe von HFT wurde dieser dann behoben. Eine Woche später wurde in Sankt Augustin selbst die „Check Engine Lampe“-Problematik geklärt. Ohne diese beiden, den Saab-Flüsterer und HFT, wäre das Projekt definitiv gescheitert.

Bei dieser Rallye soll es ja aber nicht nur um das Auto gehen. Es geht auch darum, fremde Länder zu sehen, Menschen kennenzulernen, Abenteuer zu bestreiten. Und Spenden für einen wohltätigen Zweck zu sammeln. Neben dem Projekt Arche e.V., wohin ein Teil der Spenden als Voraussetzung für die Teilnahme an der Rallye geht, haben wir durch unsere Freunde ein spannendes Projekt in Nepal entdeckt, welches dringend unsere Hilfe braucht. Die Vereinsgründer Daniela und Steffen bauen Schulen, kümmern sich um die ärztliche Versorgung, schaffen Einkommensquellen für Familien. Und dies alles ehrenamtlich mit der Hilfe von Spenden und großer Eigenleistung.

Somit war der Administrative Part in Arbeit. Fehlte also noch die Ausstattung: Ein Zelt sollte schnell auf- und abbaubar sein. Der Aufbau abends, der Abbau morgens sollte uns keine Zeit kosten. Es wurde somit natürlich ein Wurfzelt. Witzige Angelegenheit, und ich bewundere jedes Mal aufs Neue meinen Co-Piloten, wie schnell er es wieder zusammenbauen kann. Schlafsäcke müssen 0°Grad aushalten können. Ein Kocher, am besten Benzin, somit kann man an jeder Tankstelle nachfüllen. Fremdwährung musste auch erworben werden. Doch nicht viel, denn in der Hälfte der Länder die wir bereisen gibt es ja den Euro.

Nebelscheinwerfer für das Auto, einen dubiosen „Extra“-Schalter und zwei USB Steckplätze zum Laden der Fotoausrüstung. Russland Visa auch erledigt. Alles zusammen? Ich glaube, irgendetwas vergessen zu haben. Das wird sich jedoch erst auf der Reise herausstellen.

Zu guter Letzt gilt es noch, die Länder und die möglichen Strecken zu checken. Wir wissen ja nur „ungefähr“ wo es langgehen wird. Und wann wir wo an den zwei Treffpunkten sein müssen. Was jetzt schon auf der To-do-Liste steht ist Trollhättan, Oves Geburtsort, Falun das Bergwerk, welches für die typisch rote Hausfarbe in Schweden steht und Jokkmokk, die heimliche Hauptstadt der Sami.

Wir sind noch gar nicht losgefahren und haben schon einiges gelernt:

Sponsoren zu finden ist nicht ohne. Einige kamen durch meinen Arbeitgeber (Begegnungen auf dem Flur), einige durch die Hilfe der einmaligen Saabcommunity hinzu. Dasselbe gilt für die Spendengelder, auch hier muss man unentwegt hinterher sein.

Viel schwieriger noch ist es, ein 23 Jahre altes Auto mit 281.000 km Laufleistung innerhalb eines halben Jahres auf Vordermann zu bringen.

Und zu guter Letzt und als wichtigstes: Dass es immer noch alte, wahre Freunde gibt, welche uns mit Ihren Spenden helfen. Und neue, welche es plötzlich geworden sind, Menschen die uns der Himmel geschickt hat. Niemals gesehen, jedoch voller Enthusiasmus für unsere Aktion und stets hilfsbereit und voller Ideen. Danke an euch alle.

Das Team Aurora Hunters kann live hier verfolgt werden, ausserdem auf Facebook und wir bringen regelmäßig Updates zum Verlauf der Rallye. Neben viel Saab-Spaß geht es auch um den guten Zweck. Bisher konnte das Saab Team 1.256 € an Spendengeldern sammeln. Wir sind sicher da geht noch mehr.

7 Gedanken zu „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

  • Tolle Tour mit einem schönen Auto – hätte ich auch Lust drauf :-).

  • Das erinnert mich an die Zeit, als ich mit meinen 900er anno dazumal Skandinavien bereiste und ebenfalls im Auto auf der topfebenen Liegefläche geschlafen habe. Geht wunderbar, nur darf sich niemand mitten in der Nacht auf die einladend breiten Stosstangen setzen.

  • Ich möchte auch dabei sein…Natürlich ohne leuchtende CE…Aber das passiert in Trollhättan sicherlich nicht;-)

  • Hab mir die Rallye für 2020 vorgenommen, mal sehen….,,viel Spaß Euch und immer ne Handbreit zwischen allen Elchen und sonstigen Hindernissen!! 😉

  • Das mit dem Vertrauen und dem guten Gefühl dabei ist so eine Sache – ich hoffe für Euch, dass sich das alles noch beruhigt und da niemand mit Bauchgrummeln losfährt.
    Habt Ihr das Schlafen im Kofferraum denn auch schon ausprobiert?

  • Gute Fahrt und gute Reise bei eurem Abenteuer!
    Hört sich richtig spannend und gut an… 🙂
    Und der SAAB ist sicher die richtige Wahl in der Region 😉 !

  • Viel Glück und Spaß! Kann mir jemand das „Check Engine Lampe“-Problem erklären? Kommt bei mir auch manchmal (ab und zu nach Warmstart, verschwindet während der Fahrt wieder), habe einen 900 S (1994, alte Form).

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