Das Aeolus Projekt

Geschäfte sind dann gut, wenn alle Beteiligten ihren Vorteil haben. Manchmal muss man suchen, um den Nutzen der einzelnen Parteien zu erkennen. Die Dongfeng – NEVS Partnerschaft gehört in diese Kategorie und machte mich gestern etwas nachdenklich.

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Was zur Hölle soll die Vereinbarung eines industriellen Giganten wie Dongfeng mit seinen 176.000 Mitarbeitern mit einem Zwerg wie NEVS mit 300 Angestellten? Wo auf den ersten Blick die Vorteile nur auf der Seite von NEVS zu liegen scheinen…

Zugang zum Dongfeng Händler-Netzwerk in China, Unterstützung bei Entwicklung, der gemeinsame Einkauf, der Griff ins Teileregal. Und was liefert NEVS? Wenig präzise kündigt NEVS an,  Dongfeng bei der Erschließung von Märkten in Nordamerika und Europa helfen zu wollen; Produkte der Chinesen sollen auf europäischen Standard gebracht werden.

Offenheit und Transparenz war noch nie Teil der Firmenkultur bei NEVS, im Gegenteil. Die Dinge bewusst nicht beim Namen zu nennen, Fakten weg zu lassen, das ist die gewohnte Vorgehensweise. Antworten zu den offenen Fragen liefert Blogger Alfred Tian aus Peking. Zuerst noch einmal die Vorteile, die NEVS nach seiner fundierten Meinung aus der Kooperation zieht. NEVS hat für das kommende Werk in Tianjin noch keine Genehmigung. Die aktuellen Gesetze begünstigen Hersteller von Plug-in-Hybrid Fahrzeugen und rein elektrischen Antrieben, allein das ist noch keine Garantie,  da nur wenige Lizenzen vergeben werden sollen. Die Partnerschaft mit Dongfeng sichert NEVS Unterstützung vor Ort und verbessert die Chancen.

Das Aeolus Projekt

Dongfeng Fengshen = Aeolus
Dongfeng Fengshen = Aeolus

NEVS hilft den Chinesen im Gegenzug bei einem anderen Projekt. Die Lösung trägt den Namen Aeolus. Die wenig bekannte PKW Marke von Dongfeng, gegründet im Jahr 2007, konkurriert mit heimischen Labels wie Red Flag von FAW, Xiali und Besturn, entwickelt sich aber merklich verhaltener als der Mitbewerber. Die Produkte basieren auf Kooperationen mit Nissan und Citroen. Der Aeolus (Fengshen) S30 wurde mit Citroen auf Basis des Elysee entwickelt und trägt im Zuge der Modellpflege und des Einstiegs beim PSA Konzern seit einiger Zeit auch einen Motor der Franzosen unter der Haube.

Eine neue Aeolus (Fengshen) Generation könnte auf einer modifizierten Phoenix Plattform basieren und schwedische Gene tragen.

Bis es in einigen Jahren so weit sein wird sollen NEVS Ingenieure die Fahrzeuge von Aeolus auf europäischen Standard bringen und reif für den Weltmarkt machen…was irgendwie eine Trollhättan-Tradition zu sein scheint. In der Vergangenheit wurden Korea-Opels und Korea-Chevys fit für Europa gemacht. Aktuell stehen Geelys auf dem Gelände des ehemaligen Saab Powertrain Komplexes; jetzt folgt Aeolus. So weit – so gut. Eine Frage ist gelöst, eine andere kommt.

NEVS wird ausserdem Dongfeng helfen,  den Vertrieb von Aeolus Produkten in Europa und Nordamerika aufzubauen, inklusive dem After-Sales Geschäft. Womit ein altes Thema auf dem Tisch wäre. NEVS hat keine Erfahrungen im Bereich After-Sales, verfügt über kein Vertriebsnetz – ganz im Gegenteil ! Service und Ersatzteilversorgung für die NEVS 9-3 wurden an die Orio AB ausgelagert. Gibt es eine Antwort? Nicht von meiner Seite.

Die Kooperation mit Dongfeng sichert NEVS Ingenieuren auf lange Sicht Arbeit, treibt die Entwicklung des Unternehmens in China voran. NEVS ist durch die Kooperation etwas solider geworden; zusätzliche Arbeitsplätze werden in Trollhättan entstehen. Gestern war ein guter und erfolgreicher Tag für NEVS. Ohne Frage.

Aber…

Wenig Freude an der Entwicklung dürfte die Saab AB haben. Dongfeng ist ebenfalls im Rüstungsgeschäft, steht im Wettbewerb mit den Schweden. In der Vergangenheit hat man bereits Missfallen über die anstehende Kooperation geäußert. Sollte sich die Meinung nicht grundlegend geändert haben, dann wird die Bereitschaft,  den Namen Saab erneut zur Nutzung frei zu geben,  durch den engen Schulterschluss zwischen NEVS und Dongfeng weiter gesunken sein.

Das Wort Saab nahm gestern bei NEVS und Dongfeng niemand in den Mund. Also, zum Schluß die Frage in die Runde: Was hat das alles noch mit Saab zu tun?

Antwort: Nichts.

63 thoughts on “Das Aeolus Projekt

  • Treffend gesagt, das mit dem E-Auto. Ich bin ein großer Befürworter, aber wir sind eigentlich zu früh. Ich hab für mich jetzt die Anforderung “triple two” formuliert, sprich der Wagen soll 2 Std lang bei 2 00 km/h fahren können. Und er soll 2 Tonnen ziehen dürfen.

    Da sind wir noch weit von entfernt. Bei 200 schafft der Tesla S ca. 180 km, also weniger als eine Stunde. Mein 9-5 TiD verbraucht bei 200 ca. 28 Liter pro Stunde, und kommt bei 70 Litern im Tank damit also deutlich über 2 Std weit.

  • Bergziege; beser könnte es man nicht ausdrücken! Und genau so mache ich das auch!
    Gruss Hans S.

  • Ein Elektroauto , egal ob von Tesla , Saab oder sonst von wem auch immer kann zur Zeit niemals eine vollwertige Alternative sein . So lange man Strom nicht so einfach nachkippen kann wie Benzin oder Diesel wird das auch so bleiben . Ganz besonders wenn man den Namen Saab in den Mund nimmt . Was wird oft mit Saab in Verbindung gebracht ? Langstrecke , Reisefahrzeug . Wenn man Autos bauen will muß man beide Techniken anbieten oder kombinieren wie das bei anderen Herstellern wie BMW , Daimler oder dem VW Konzern der Fall ist . Außerdem ging es gestern durch die Presse ( nicht nur bei meiner Tageszeitung wie ich gestern kommentiert habe ) . Die Saab AB hat eindeutig Stellung bezogen und will den Namen an NEVS nicht mehr freigeben . Egal was NEVS in Zukunft auch Produzieren wird , ich werde von dieser Firma sicherlich kein Produkt kaufen . Es gab schon einige Totengräber die Saab Automobile Stück für Stück näher ans Ende gebracht haben , aber NEVS war es die den letzten Todesstoß ausgeführt haben . NEVS hatte die Chance den Namen Saab wieder aufzupolieren und etwas daraus zu machen , und sie haben aus dieser Chance nichts gemacht . Von so einer Firma kauf ich nichts . Das einzige was NEVS mit Saab noch zu tun hat ist dass sie das ehemalige Saab Werk besitzen .

  • Ja, es nützt ja nichts. Das ergebnisoffene Herumeiern von NEVS ist wirklich unerfreulich, aber wie Du so schön geschrieben hast, halten die das Werk besetzt. Und was damit passiert würde mich schon interessieren – trotz NEVS.

  • Find ich gut ☺!

  • Also Dongfeng ist doch nur ein Partner geworden ohne das Geld fließen wird. Keiner kauft dem anderen etwas ab oder gibt Geld für neue Produkte. Lediglich “Zusammenarbeit”, so wie ich das verstehe.
    Ein Teslamotor mit Antriebsstrang sitzt in der Mercedes B-Klasse, Renaultmotor im Mercerdes Citan, SAAB hat Motoren zugekauft. Die Aschenbecher im Golf sind von Audi. Audimotoren werden u.a. in Ungarn gebaut. Gefühlt ein Dutzend Autohersteller lassen bei Magna Steyr produzieren. Ferrari gehört zu Fiat. WMF lässt komplett in China fertigen. UND? So ist die globale Welt.
    Es fehlt bei NEVS (nur) noch ein Geldgeber, ein Investor. Wartet noch 2 Jahre mit dem Markenwechsel. Ich habe mir gestern in Hamburg den Tesla S angeschaut. Mir fehlt die Night Panel Funktion. Aber sonst eine echte Alternative

  • Eigentlich führt doch für NEVS kein Weg an Saab vorbei, denn wie sollte man ohne eigene Produktion das Werk auslasten und unterhalten können ?
    Nur durch Auftragsfertigung dürfte es wohl kaum gelingen (und Voraussetzung ist man findet überhaupt einen Hersteller der NEVS die Produktion anvertraut)
    Oder will man in Th. eines Tages diese China-Kisten vom Band laufen lassen ?

  • Dann hat Tim seinen BMW verkauft und seinen BMW Blog geschlossen und ist zurück bei SAAB? Oder liege ich falsch?

  • Habe das mal korrigiert, ist besser so 😉

  • Hatten wir bereits zum Bericht über das Saab Festival festgestellt. Nichts neues.

  • Tim sagt zu den Markenrechten, das wäre womöglich gar nicht sicher. Die Originalverträge stammen wohl schon aus den 70er Jahren (nanu) und sind allesamt verschwunden.

  • Sehr schön! Immer getreu dem Motto “It’s safe to crash with a Volvo. If you sit in a Saab” 😉

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