Mats Fägerhag

Tun zwei das Gleiche, ist es nicht dasselbe. Zwei Unternehmen im südlichen Schweden,  deren Geschichte im Jahr 2012 began. Die Namen: NEVS und CEVT. Über das erste Unternehmen –  und dessen prekäre Entwicklung – war auf dem Blog bereits zu Genüge zu lesen. CEVT – China European Vehicle Technology –  hingegen stand bisher nicht im Schweinwerferlicht.

Mats Fagerhag
Mats Fagerhag

Der Mann hinter CEVT ist in der Saab Welt ein Begriff: Mats Fägerhag. 1961 in Tidaholm geboren, Studium an der Universität Lund. Verschiedene Stationen bei Volvo Trucks und Saab Military Aircraft. Ab 1992 in diversen Positionen bei Saab, 2005 der Wechsel als Executive Director Vehicle Systems bei GME in Rüsselsheim. 2007 Rückkehr nach Trollhättan, zusätzlich zur Tätigkeit bei GM Executive Director Product Development Vehicle bei Saab. Nach der Scheidung GM – Saab blieb Fägerhag am Göta Älv bis zum Ende der Saab Automobile AB.

2012 – Kai Johan Jiang schickt sich an,  Saab zu kaufen – hat Fägerhag den Standort gewechselt. Der neue Arbeitgeber ist Volvo. Seine Aufgabe: Entwicklungspartnerschaften für die Zukunft zu finden. Eine Herausforderung, aber keine grundsätzlich neue Idee. Victor Muller plante 2011 ein gemeinsames Unternehmen mit seinen Partnern aus China, NEVS hat einen ähnlichen Plan.

Volvo ist chinesisch, was die Suche nicht einfacher gestaltet, die Zukunft scheint zu diesem Zeitpunkt mit dem ein oder anderen Fragezeichen versehen. Fägerhag findet den Partner – im eigenen Konzern. CEVT wird als Entwicklungs-Dienstleister für Volvo und Geely gegründet. Heimatbasis: Göteborg. Mit 150 Mitarbeitern startet im Stadtteil Lindholmen ein neues, interessantes Kapitel im Leben des Mats Fägerhag.

In Trollhättan entwickelt man zur gleichen Zeit weiter an der flexiblen Phoenix Plattform, Vergleichbares tut man in Göteborg. Bei CEVT wächst die neue Basis für eine weltweite Produktfamilie kleiner und kompakter Fahrzeuge der Marken Volvo und Geely heran. Die variable CMA Plattform soll, neben einem Dutzend zukünftiger Geely Fahrzeuge, auch die Grundlage für die neue Volvo 40er Familie mit einem kleinem SUV sein.

2015. Mittlerweile ist die CMA Plattform fertig gestellt, während der Phoenix in Trollhättan seine Flügel vermutlich nie mehr schwingen wird. Der Volvo-Geely Konzern hat damit einen großen Schritt in Richtung Zukunft getan. Crash-Tests sind erledigt, Protoypen auf Erprobung waren in China unterwegs. Neuentwicklungen bei Volvo und Geely sollen zukünftig auf der CMA Plattform in weniger als 24 Monaten erledigt sein. Trifft das zu, hätte CEVT zwei japanische Hersteller überholt, deren Entwicklungsgeschwindigkeit Benchmark war.

Aus dem Startup ist – in nur 3 Jahren – ein großer, internationaler Dienstleister geworden. Die Büros in Lindholmen sind längst zu klein. An sechs verschiedenen Standorten im Göteborger Stadtgebiet arbeiten 1.162 Angestellte aus 15 Ländern und 117 Gastingenieure aus China für CEVT. Viele haben eine Saab Vergangenheit, und in jüngster Zeit stoßen immer mehr Entwickler von Qoros hinzu. Dazu kommen nochmals 500 Mitarbeiter in China. Die Aufgaben sind klar geteilt: Entwicklung und Design in Schweden, Erprobung der Prototypen in China. Produktionsvorbereitung und Erstellung der Lieferkette in beiden Ländern. Mats Fägerhag und seine Mannschaft können für Geely und Volvo Fahrzeuge produktionsfertig abliefern.

In “NyTeknik” gab es vor einigen Tagen einen Beitrag über Fagerhag, CEVT und Geely. Es ging um die erwiesene Zuverlässigkeit der Chinesen, und daß Geely in der Vergangenheit CEVT immer etwas mehr geliefert hat, als zugesagt war. Auch die Zukunft war ein Thema. Laut Fägerhag ist sie eine Langzeitwette,  die Geely auf Volvo laufen hat. Er berichtet, dass er in den vergangenen 20 Jahren weder bei GM noch bei Saab so viel aggressive Dynamik wie bei Geely erlebt habe.

Während in Trollhättan die Zukunft vielleicht vorbei ist,  bevor sie überhaupt begonnen hat, steigen bei CEVT die Budgets. In diesem Jahr fließen 270 Millionen € in Forschung und Entwicklung. Mindestens !  Erwartet wird eine Steigerung des Budgets auf 300 Millionen €.

Zwei Firmen, zwei Neugründungen. Drei Jahre sind nicht wirklich eine lange Zeit. Trotzdem ein Zwischenergebnis, das unterschiedlicher nicht hätte sein können. Beide Unternehmen sind durch Gelder aus China finanziert, die Erfahrungen mit den Investoren sind komplett different.

Volvo und Geely waren in den letzten Jahren Jobmotor im Raum Göteborg. Die zusätzliche dritte Schicht in Hisingen hat fast 1.500 neue Arbeitsplätze geschaffen – auch für ehemalige Saab Mitarbeiter. Damit ist die Volvo Fabrik fast am Limit. Eine Erhöhung der Taktfrequenz geht noch, dann ist die Grenze erreicht, während sich in Trollhättan seit 12 Monaten ein Werk im Stillstand befindet…

Durch Mats Fägerhag und seine Kollegen ist viel Saab Wissen zu Volvo geflossen. Auch Carl Peter Forster ist bei Geely und CEVT dabei. Ihm verdanken wir Saab 9-5 NG, Saab 9-4x. Mit etwas Glück wäre noch ein kleines SUV hinzugekommen. Zwei Persönlichkeiten mit Saab Hintergrund steuern einen erheblichen Teil der Zukunft in der schwedischen Autoindustrie.

In Schweden wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder die Fusion von Saab und Volvo angedacht und verhandelt. Was wäre geschehen, hätte Geely sich 2012 auch noch Saab geholt? Oder würde 2015 bei der Saab AB anfragen? Spannende Fragen, mal wieder ohne Antworten.

23 Comments
Newest
Oldest Most Voted
SaabFan
11 Jahre zuvor

NEVS hat die SAAB-DNA sowieso nie wirklich verinnerlicht. Von daher ist Saab das was wir fahren…

JayDee
JayDee
11 Jahre zuvor

Ich denke die NEVS-Leute lesen hier mit!? Wenn die Stimmung nicht noch mehr kippen soll, dann wird es endlich mal Zeit, dass NEVS aus dem Quark kommt und sich erklärt. So oder so …

Zirkoski
Zirkoski
11 Jahre zuvor
Reply to  JayDee

NEVS waren wir immer völlig egal, selbst zu guten Zeiten hatten die nur ihre China Träume. Als ob da jemand auf NEVS gewartet hätte. Von daher ist es unerheblich ob die den Bach runter gehen oder nicht. SAAB sind sie sowieso nicht.
Heute erst wieder gehört: Tolles Autos, was sie da fahren. SAAB hat noch so richtig gute Autos gebaut. In dem Moment ist mir NEVS total schnuppe.

Bergziege
Bergziege
11 Jahre zuvor

Ein spannender wunderbarer Artikel! DANKE auch für diese Info! 🙂 Auch wenn dieser für SAAB flau ausfällt….
Zitat: 2015. Mittlerweile ist die CMA Plattform fertig gestellt, während der Phoenix in Trollhättan seine Flügel vermutlich nie mehr schwingen wird. ….soweit ging die betrübliche Aussage von Dir Tom, meine ich, noch nie….. !
Mein SAAB wird weiter gepflegt!

PhiBo
PhiBo
11 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Nur mal ganz vorsichtig nachgefragt… gibt es (zum Einmonatigen des Rekonstruktionsendes) irgendwelche Nachrichten von NEVS bezüglich Finanzierung, Partner, etc.? Ich will ja keinen Druck machen, aber gab es da keine 60-Tage-Frist?

PhiBo
PhiBo
11 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Da sage ich nur… mundus vult decipi.

Peter
Peter
11 Jahre zuvor

Ist doch ganz natürlich das immer mehr junge Leute zu Saab finden . Zumindest bei mir war das so , je jünger umso schmaler der Geldbeutel. Bei Saab gibt es eben nun sehr gute gebrauchte Autos für relativ wenig Geld . Wenn man beispielsweise die gebraucht Preise von einer Mercedes C – Klasse in gleichem Alter mit gleicher Laufleistung und Ausstattung und Motorisierung mit den Preisen von einem 9-3 vergleicht , wird man feststellen , dass für den Mercedes manchmal bis fast der doppelte Preis verlangt wird . Ähnlich sieht es im Vergleich Audi A4 oder BMW 3er aus . Ist doch logisch was man dann fährt wenn man`s nicht so dicke hat

9.3Wolfgang
9.3Wolfgang
11 Jahre zuvor

Ein sehr interessanter Beitrag Tom,wahnsinnig gut recherchiert und trotzdem macht es traurig, das zu lesen.
Wie lange sollen wir noch hoffen? Wenn man das liest, wie will das ein neuer Investor aufholen?
Saab macht so viel Spaß das hat auch die Ausfahrt in Sachsen am letzten Sonntag gezeigt, nur die gegenwärtige Situation darf man nicht ansprechen, dann werden die Gesichter traurig.
P.S.
Was immer mehr auffiel, junge Leute finden zu Saab!!!

Detlef Rudolf
Detlef Rudolf
11 Jahre zuvor

Eine Zusammenlegung von SAAB + Volvo hatte vor Jahren der SAAB Automobile CEO Jan Ake Jonsson vehement abgelehnt – er war der Ansicht, dass Volvo als Konkurrenzunternehmen zu sehen ist.

Die jetzigen SAAB-Leute (NEVS) werden dies vermutlich anders empfinden. Aber hätte Geely denn derzeit überhaupt noch Interesse?

Die meisten guten Leute haben SAAB / NEVS den Rücken gekehrt oder sind von NEVS entlassen worden. Was bleibt ist in erster Linie die Marke und ein modernes Werk – es kommt also auf die Sichtweise eines möglichen neuen Investors an.

Auf jeden Fall bringt der Name SAAB mit Sicherheit mehr als der Name Borward – wer von den jüngeren Autofahrern kann mit der Marke Borgward denn etwas anfangen? Bei China-Borgward steht doch wirlich alles auf Beginn und wenn auch die eher als NEVS erwas hinbekommen sollten, wäre das für SAAB und Schweden eine äußerst herbe Niederlage!

Greif08
Greif08
11 Jahre zuvor

Wenn man sich anschaut was bei Volvo abgeht, kann man nur den Hut ziehen. In der heutigen Zeit muss man erstmal den Mut aufbringen sich auf 4 Zylinder zu beschränken auch im großen SUV. Ob das klappt?! Ich drücke Volvo die Daumen.

Greif08
Greif08
11 Jahre zuvor
Reply to  Tom

Ja das stimmt, der Zeit damals (zu) weit voraus. Selbst heute ist es nicht ganz leicht “nur” auf 4 Zylinder zu setzen und Volvo hat heute einen längeren finaziellen Atem als SAAB es je hatte. Leider!

Herbert Hürsch
Herbert Hürsch
11 Jahre zuvor
Reply to  Greif08

Über das “(zu)” kann man streiten.

Der Umweltschutzgedanke ist längst kein Neugeborenes mehr. Es gab vor GM viele Menschen, welche die konzeptuellen Qualitäten SAABs erkannt und geschätzt haben und SAAB hatte Käufer.

Ich las damals einen Vergleich zwischen dem 9000 Aero und einem 420er MB der S-Klasse, bei dem sich der MB in allen Kategorien geschlagen geben musste – es sei denn, man würde beim Verbrauch den höheren als den besseren werten.

Da hat ein schwedischer 4- einen deutschen 8-Zylinder plattgemacht, der neben dem SAAB auch optisch wie ein Oldtimer wirkte.

Möglicherweise war das Problem eher, dass SAAB mit dem Einstieg GMs nach und nach eben genau diesen Nimbus von Fortschrittlichkeit einbüßte …

Plötzlich wurden rückschrittlich Opel-6-Zylinder verbaut, die sowohl durstiger als auch leistungsschwächer waren und als neue Top-Motorisierung angepriesen. Hat damals kein SAAB-Fahrer verstanden.

Greif08
Greif08
11 Jahre zuvor

Das stimmt, SAAB wurde durch GM verwässert, der 6 Zylinder sollte Prestige bringen. Ich dachte immer der kam von Holden.

Troll4ever
Troll4ever
11 Jahre zuvor
Reply to  Greif08

Hab den neuen XC90 schon gesehen und bin schwer beeindruckt, zum einen vom Design,
zum anderen von der Verarbeitungsqualität. Der wird seinen Weg gehen.

Greif08
Greif08
11 Jahre zuvor
Reply to  Troll4ever

Und das Design und die Verarbeitung wird sich durch die ganze Modellpalette ziehen. Da kann man noch richtig gespannt sein!!

Franken Troll
Franken Troll
11 Jahre zuvor

Wirtschaftskrimi vom feinsten! Mit jedem anderen Investor hätte SAAB mehr Chancen gehabt als mit NEVS. Wer hat diesen Sche.. eigentlich zu verantworten?

Lars
Lars
11 Jahre zuvor

Spannend, spannend, spannend. Volvo hat das große Los gezogen, mit Fägerhag einen der Besten verpflichtet. Vielleicht macht NEVS endlich dicht und es kommt für Saab das verdiente Comeback mit Profis die es können. Träumen darf man doch… 😉