Perspektive Trollhättan?

Ein rascher Blick (nicht nur) in den winterlichen Norden. Der Automobilstandort Trollhättan, seine Zukunft – eine Prognose ist schwer. Aber es tut sich was, und irgendwie wirft das bei mir weitere Fragen auf.

LeanNova, Lichtblick in schwedischer Nacht
LeanNova, Lichtblick in schwedischer Nacht

Ein weiteres Unternehmen der Autoindustrie siedelt sich in Trollhättan an. Die FEV GmbH, weltweit tätig im Bereich Getriebe und alternative Antriebe, hat im Umfeld des Innovatums ein Büro eröffnet. Zum Auftakt sind es 5 Arbeitsplätze, bis Jahresende sollen 20 Menschen dort Beschäftigung finden.

FEV mit seinen 3.000 Mitarbeitern ist kein Leichtgewicht in der Branche. Das Unternehmen aus Aachen ist stark für einen Hersteller aus München aktiv und setzt jetzt auf Südschweden und die Zukunft der Region. Damit steht man nicht alleine.

Mit staatlicher Unterstützung wurde im Februar 2012 LeanNova gegründet. Eine Erfolgsstory, made by Trollhättan! 200 Mitarbeiter, vorwiegend ehemalige Saab Ingenieure, stehen dort mittlerweile auf der Lohnliste. Es gibt Niederlassungen in Coventry und Shanghai, Saab DNA verbreitet sich über die Welt. Die staatliche Fouriertransform hat vor einigen Tagen LeanNova an die ÅF AB weiterverkauft. LeanNova will unter dem neuen Eigentümer weiter wachsen, auch am Standort Trollhättan.

Eine Neugründung, ein Eigentümerwechsel. Das alles vor dem Hintergrund,  dass in der Stallbacka ein Autowerk schon fast wieder ein Jahr vor sich hin schläft, und dass die Zukunft unsicher scheint.

Trollhättan, weiter ein bevorzugter Standort für die Branche? Entscheidungen für eine Ansiedlung werden nicht getroffen,  weil der Göta Älv so schön ist oder die Umgebung im Sommer ihren Charme entfaltet. Entscheidungen fallen, weil es lang- und mittelfristige Perspektiven gibt. Das alles gibt irgendwo Hoffnung, dass der Automobilbau in der Saab Stadt weiterhin eine Zukunft hat.

Perspektive Borgward…

Nachtrag zu einem vorigen Artikel – und nicht ganz zum Saab Thema passend. Aber die Marke und die kommende Story interessieren mich. Vielleicht auch die Leser.

Das Westfalen-Blatt berichtete am Donnerstag unter Bezugnahme auf unternehmensnahe Kreise, dass die neue Borgward-Zentrale in Stuttgart entstehen soll. Hauptgrund soll die Nachbarschaft zu den vielen Zulieferbetrieben in der Region sein. Vor drei Tagen fragte ich noch,  ob Borgward aus China funktionieren würde, und jetzt scheint Borgward 2.0 seine Wurzeln in Deutschland verankern zu wollen.

Überraschend ! Ehrlich !

Eine große Borgward Limousine soll auf der IAA 2015 präsentiert werden. Wenigstens ein Grund,  um nach Frankfurt zu fahren. Im nächsten, sehr langen Artikel geht es wieder um Saab. Und nur um Saab 😉

28 Gedanken zu „Perspektive Trollhättan?

  • Das ist ein Saab – Blog,…….. Borgward hier verloren…

    • Das ist vor allem ein Blog, wo man sich etwas „gewählter“ ausdrückt. Kritik ist o.k., aber nicht so. Rote Karte Benito!

      • Richtig! Sofort vom Platz stellen!

  • Interessant, Tom.
    Bin richtig froh das die Specialisten in Trollhaettan wieder moeglichkeiten haben einen guten Arbeitsplatz in Ihre Naehe zu finden.

  • Das Borgward sein Hauptquartier in Stuttgart aufschlagen will ist heute auch in unserer lokalen Tageszeitung „Der Teckbote“ zu lesen . Ob der Borgward dann auch in Stuttgart gebaut wird , mal sehen .Grundsätzlich freut es mich aber für die Region in der ich zu Hause bin . Das ehemalige Borgwardwerk wird ja von Stuttgart aus betrieben , aber ob das damit zusammen hängt ? Wenn der Enkel vom alten Borgward nicht den Stilbruch begeht und die Autos in China produzieren lässt und sich die Produkte in einem noch finanzierbaren Rahmen halten tut sich damit eine wirkliche Alternative auf falls das mit Saab nichts mehr werden sollte. Soweit ich weis arbeitet auch Mercedes bei den Nutzfahrzeugen eng mit Foton zusammen . Möglicherweise könnte Borgward für den Vertrieb einen Vorteil von der Nähe zu Daimler haben. Aber schauen wir mal was passiert . Und ja Tom , da sind wir mindestens schon zu zweit , die außer Saab auch das Thema Borgward interessiert . Danke für den Bericht

    • Danke Peter! Ich sah hinter der Geschichte am Anfang nur das übliche Muster „reicher Chinese heiratet verarmten europäischen Adel“. Wenn das Hauptquartier wirklich nach Stuttgart kommt, dann hat sich da jemand kluge Gedanken gemacht. Bleibt spannend!

      • Ich finde das mit Borgward vor Allem sehr interessant da sich mit dem Enkel von Carl Borgward ein Familienmitglied und somit ein echter Borgward an der Firmenspitze befindet . Somit werden die zukünftigen Produkte auch echte Borgward sein . Und ich hoffe und denke , dass Christian Borgward sich dieser Tradition bewusst ist , und die neuen Borgward vielleicht mit chinesischem Geld , aber wenigstens in West oder Nordeuropa baut . Im Idealfall in Deutschland in Bremen.

      • Hauptquartier hin oder her… wo die Produktion stattfinden soll, fände ich da schon interessanter, bzw., ob man sich da von China gelöst hat. Bisher ist die neue Borgward AG ja in der Schweiz ansässig, da würde es genügen, in der Umgebung von Stuttgart ein technisches Büro oder die Entwicklungsabteilung anzusiedeln. Aber wenn man gleich ganz dort hin will… vielleicht entsteht ja doch noch ein neuer deutscher Automobilbauer mit hiesiger Produktion?

        • Foton baut Nutzfahrzeuge und hat wenig Erfahrung was Personenwagen angeht. Die Borgward Story ist ein großer Name, und viele Optionen. Spätestens nach Genf (wo Mark, Yves & ich leider nicht sind) wissen wir mehr.

    • Nein, wir sind zu dritt! Auch Borgward ist absolut eine Option für mich!

  • Gute Nachrichten aus Trolltown! Borgward ist interessant, ist ja auch so eine Nischengeschichte, oder? Sonnige Grüße 🙂

  • Ich liebe deinen Blog und deine Berichte.. Egal ob saab oder andere Marken… Weiter so

    • Danke, …you just made my day 😉

    • Dem schließe ich mich uneingeschränkt an!
      Vielen Dank!

      • Danke an Tom natürlich! Mein vorheriger Kommentar ist einen Beitrag zu tief einsortiert worden.

  • Genau das sind die Berichte, die wir hier auf dem Blog lieben… selbst wenn es nicht hauptsächlich um Saab geht. Mich interessiert hier immer der Blick in die Wirtschaft. Wie andere zu ihrem Saab gekommen sind oder Oldtimerberichte interessieren mich persönlich jetzt überhaupt nicht. Ich bin hier wegen der Wirtschaftsmeldungen und erhoffe mir stets etwas Neues aus Trollhättan zu erfahren – Hier erfährt man eben doch noch ein bisschen mehr…

  • Jetzt fehlt nur noch ein wirklich reicher China-Investor, um NEVS als neuer Haupteigentümer zu übernehmen, damit neue SAAB-Automobile (Elektrofahrzeuge ?) endlich vom Band laufen können!!!!

    Bitte nicht wieder alle Chinesen als unfähig oder unwillig hinstellen. Bei VOLVO läuft es doch mittlerweile mit einem Chinesen an der Spitze recht gut – könnte mit SAAB bei der bisher von NEVS geleisteten Vorarbeit (Stichworte: PHOENIX und E-SAAB) doch auch so klappen.

    Mahindra kommt anscheinend tatsächlich wieder nicht so richtig in Fahrt – wird für die vermutlich so enden wie bei dem Desaster mit Jaguar!

    • Vielleicht könnte das Beispiel Borgward ja auch Schule machen und es gäbe eine Familiäre Lösung für Saab und beispielsweise ein Mitglied aus der Familie Wallenberg fühlt sich wieder alten Traditionen verpflichtet. Geld und Einfluss in der Wirtschaftswelt ist wohl bei dieser Familie immer noch vorhanden .

  • Raimund aus Salzburg.
    Borgward Isabella Kombi 1500 ccm, 60PS, mit diesem roten Wagen lernte ich 1969 fahren. Meine Mutter meinte einmal:“ dieses Auto rostet aber schnell“, wann ich wieder einmal an einem Eck zu knapp dran war und zB am Radkasten einen kleinen Kratzer fabrizierte, der unbehandelt blieb. Also dieses Auto kenn ich noch live.
    Das schöne Isabella Coupe auch unvergessen.
    Und heute fahre ich bereits länger als 20 Jahre mit meinen Saabs.
    Interessant, dass diese Kombination in diesem Blog ein Thema ist.
    Beide technisch innovativ. Eine Formensprache, die Anklang findet.
    (Isabella war die elegantere). Saab hat was, vorallem die 900er, aber was macht die Anziehung, das Emotionale darin aus. Da muß es „Etwas“ neben dem Turbo geben.
    Ich hab mir einmal das „Kindchemschema “ vorgestellt. Das ist bei allen jungen Lebewesen, Menschen sowie Tieren, vorhanden und löst den Beschützerinstinkt aus. Die gewölbte Stirne, der Wangen-Mund-Kinn Bereich ist bei den Babies immer eine eigene Form.
    Hat der Saab da was?.
    Na vielleicht doch nicht, denn da wäre das Auto öfters gekauft worden.
    Herzlicher Gruß, Raimund

    • Hallo Raimund,

      SAAB-Automobile wären ganz bestimmt öfters gekauft worden, wenn geschicktes Marketing stattgefunden hätte – es gab jedoch merkwürdiger Weise weder unter der SAAB AB noch unter den nachfolgenden Eigentümern (nicht mal unter GM) nur annähernd ausreichende geschweige denn geschickte Werbung für die Marke.

      Die meisten Menschen sind nun mal leicht lenkbar und selbst von der Qualität her grenzwertige Produkte (auch Autos) finden bei Werbung im großen Stil reichlich Abnehmer – Beschützerinstinke sind wohl eher nicht ausschlaggebend.

      Allerdings kam bereits unter der SAAB AB und später vor allen Dingen unter der Ägide von GM die Werbung hinsichtlich des Schutzes der Insassen von SAAB-Automobilen viel zu kurz – den Verkaufszahlen hätte geschicktes Marketing (nicht nur in puncto Insassenschutz) mit Sicherheit nicht geschadet.

      • Hallo Detlef,
        Habe über die Jahre bis zu den letzten einige Saab Prospekte gesammelt. Mein Highlight ist das dicke Heft aus 1987 „Form und Funktion“. Mich hat das kühle, leicht italienisch beschwingte Design der Innenraumanmutung angesprochen. Es war nie marktschreierisch aufdringlich. Wahrscheinlich deshalb kein Massenmarkt. Sei es wie es ist. Wir haben für uns einen Teil davon und gut. Gruß

  • Bitte halte uns weiter mit Borgward auf dem laufenden. Alles was 4 Reifen hat und nicht in den Top 100 der Zulassungsstatistik auftaucht passt doch gut hierher:-)

    • Das passt auf jeden Fall, denke ich. Wir fahren Saab, weil wir das Besondere, jenseits des Mainstreams schätzen. Borgward ist ebenso „exotisch“, auch wenn ich noch viel lieber einen neuen Saab auf der IAA 2015 sehen würde.

  • Moin,

    ich bin Bremer und ganz in der Nähe des alten Werks (sitzt jetzt Mercedes drin) aufgewachsen. Da freuen einen solche Neuigkeiten schon auch wenn der neue Standort dann nicht mehr Bremen sein wird.

    Gruß
    Thomas

  • Adler, NAG, Brennabor, Horch, Wanderer, Veritas, Gutbrod, NSU, Glas, Borgward und weiter Tempo, Boeringer (ja von den ist der schöne Unimog….) alles weg! Schlechte Autos haben die nicht gebaut, von internationalen Marken wollen wir garnicht anfangen. Nun gehört Saab wohl dazu, hätte wenn und aber…ja und das Peter „Poker“ Wallenberg (hat ja gerade geerbt) Stallbacka kauft wünschen wir uns alle. Macht er aber nicht. Aber das Museum das hat er gerettet, so haben wir wenigstens ein Treffpunkt im Juni….hätte schlimmer kommen können. Tom mach weiter mit Borgward, ich finde es interessant. Ach ja, Audi war auch mal 30 Jahre „Sleeper“ ……..

    • … obige Liste wäre noch um Hanomag und vor allem aber um DKW zu ergänzen !

  • Wir können bzgl Borgward relativ sicher davon ausgehen, dass das eher so was im Kaliber Spyker oder gar Koenigsegg wird.

    So Revivals und neue Kleinsthersteller gibt es ja ab und an.

Kommentare sind geschlossen.