Ein Vierteljahrhundert mit SAAB verbunden

Manchmal fragt sich das Blog-Team ob wir aus den vielen Saab Geschichten nicht ein Buch machen sollten. Die Story von Ziehmy hätte das Format für ein längeres Kapitel. Viel Spaß dabei…

2. SAAB 900 Turbo 16S noch mit deutschen Kennzeichen in Portugal
2. SAAB 900 Turbo 16S noch mit deutschen Kennzeichen in Portugal

Ich bin Thorsten, man kennt mich vielerorts auch als Ziehmy, wohne in Uetersen, fahre seit mehr als 25 Jahren SAAB. So kurz und prägnant könnte man den aktuellen Status beschreiben. Aber wie kam es dazu? Warum wurde ich schon als junger Erwachsener früh zum Außenseiter?

Dazu muss ich ein wenig in die Vergangenheit abschweifen…

Wir schreiben das Jahr 1987. Endlich eröffnen sich für mich neue Möglichkeiten der Mobilität:

Es ist geschafft, kurz nach meinem 18. Geburtstag halte ich den heiß ersehnten Führerschein in Händen. Und, wie kann es anders sein, als dynamischer Jugendlicher in diesen Zeiten muss man VW oder Opel fahren, um die abendlichen Runden um den Marktplatz drehen zu können…

Bei mir wurde es Ersteres, ein 1975er Golf I mit strammen 50 PS in der Ausstattung L. Das musste einfach so sein, meine Freunde hatten einen Golf, mein Vater fuhr einen Golf, ich machte den Führerschein auf einem Golf. Vorher war es immer der Käfer bei meinen Eltern. Ich wusste es damals halt einfach nicht besser – es gab immer nur VW. (Der Traum war damals ein Audi Quattro – warum auch immer…)

Das erste eigene Auto, der Golf, wurde entrostet, komplett neu lackiert, mit Spoilern, lauter Anlage, Sportauspuff und Alufelgen aufgepeppt um wenig später gegen eine Hauswand und einen Müllwagen gesetzt zu werden. Wieder gerichtet, wieder lackiert und ungebremst in das Heck eines Mazda 626 gerammt…
Es folgte der nächste Golf, wieder einer der ersten Generation, aber eine US-Variante mit rotem Kunstleder, 85-Einspritzer-PS und eckigen Scheinwerfern. Am Heck stand statt Golf „Rabbit“, so hieß er damals in Amerika. Das war zwar immer noch kein SAAB, aber ich hatte ihn zumindest schon mal beim örtlichen SAAB-Händler in unserer Straße gekauft!

Ein guter Freund von mir, ebenfalls Golf-Fahrer, durfte zwischendurch immer mal einen SAAB seines Chefs fahren und schwärmte mir immer davon vor. So kam die Marke mit leisen Schritten in meine Wahrnehmung.

Dieser US-Golf war zwar ein Hingucker, aber die exotische Motorvariante machte hier in Deutschland den Werkstätten doch Probleme, so dass ich immer wieder mit dem Wagen liegenblieb.
Immer wieder schob ich ihn unter breitem Grinsen des örtlichen SAAB-Händlers durch unsere Straße, vorbei am SAAB-Showroom, auf die heimische Auffahrt. Eines Tages, mittlerweile haben wir Ende 1989, wieder einmal war ich in Ermangelung eines fahrenden Autos mit dem Fahrrad unterwegs, reichte es mir und ich betrat erneut das SAAB-Autohaus in Sichtweite meiner Wohnadresse.

Ich schob dem SAAB-Händler mein mühsam Erspartes über den Tresen und gab meinen Wunsch bekannt:

Ich wollte so einen SAAB haben, wie ich ihn unzählige Male auf Probefahrten vor meiner Haustür vorbeifahren sah, während ich wieder fluchend am Golf schraubte. So einen mit diesem tollen, leicht röchelnden, Auspuffklang. Es sollte ein SAAB 900 CC als 3-Türer werden, ein Turbo, dunkle Farbe, Schiebedach. Und er sollte technisch und optisch sehr gut sein – mehr Wünsche hatte ich nicht.
Nun war mein Geld weg, der VauWeh immer noch kaputt und ich fuhr weiter mit dem Fahrrad.

Es verging einige Zeit, es war kalt und nass auf dem Fahrrad. Sollte ich mir Sorgen um mein Geld machen? Sollte ich mal vorsichtig nachfragen? Ich tat es nicht!

Als ich dann mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs war, eigentlich wollte ich beim SAAB-Händler gerade einmal nachfragen, ob mit meinem Geld eine neue Büroeinrichtung oder ein Urlaub finanziert worden war, sah ich schon während des Radelns, dass ein Auto bei uns auf der Auffahrt stand.

Ich näherte mich langsam, fuhr am SAAB-Händler ohne einen Blick vorbei, starrte auf unsere Auffahrt: das Auto war mir aber unbekannt.

Ich erreichte unser Haus, erkannte einen blauen 900 Turbo 8V mit APC-System, Schiebedach, schicken Alufelgen und blauer Velourausstattung.

Ein Zettel hing an der Windschutzscheibe: „Dein neues Auto, Herr Nachbar. Papiere und Schlüssel sind im Briefkasten. Viel Spaß“. Da stand er nun, mein erster SAAB! Ein 1985er, also gerade 4 ½ Jahre alt, technisch und optisch top, kein Rost, nur in beiden Türen leichte Kratzer eines Vandalismusschadens. Damit war ich unter den Gleichaltrigen bei uns im ländlichen Raum nun zum automobilen Außenseiter geworden – kein Golf oder Manta, auch kein 3er BMW für die abendlichen Marktplatzrunden…

Dieser SAAB sorgte (zumindest bei mir!) für Begeisterung: Zuverlässig und schnell brachte er mich die nächsten Monate, ich war mittlerweile bei der Bundeswehr, quer durch Deutschland zu verschiedenen Lehrgängen an die entlegensten Standorte.
In dieser Zeit, eben gerade durch das Umherreisen, entstand das weitere Interesse an der Marke.

Die Freizeit am Abend und an den Wochenenden wurde genutzt, um die SAAB-Händler in der jeweiligen Region zu besuchen – einfach mal schauen, was die so stehen haben.

Dabei entdeckte ich immer diese schicken 900er-Modelle mit der Beplankung untenherum, so dass ein gewisses „Must-have-Gefühl“ in mir entstand.

Und so kam es, wie es kommen musste, nach nur knapp 9 Monaten mit meinem ersten 900er Turbo folgte ein Fahrzeugwechsel: Es wurde ein 1987er 900 Turbo 16S mit Beplankung, odoardograu, dunkles Leder, elektr. Schiebedach, ohne Klimaanlage, dafür aber mit G-Kat und erst 3 Jahre jung.

Dieser Traum-SAAB begleitete mich von nun an viele Jahre. Erst weiterhin in alle Ecken Deutschlands, dann ging es beruflich, immer noch Bundeswehr, für 3 Jahre nach Portugal, wo er auch mitkam und zugelassen wurde.

Viele, viele Male rauschte der 900 Turbo dabei mit mir durch Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien und eben Deutschland. Probleme gab es dabei (fast) nie…

Naja, da war ein auseinandergebrochenes Antriebsgelenk in Südspanien, das mich dort zu einem etwa 10-stündigen Werkstattaufenthalt zwang, bis die spanischen Mechaniker aus Opel-, Fiat und den SAAB-Restteilen ein nicht ganz leises oder gar spielfreies aber funktionierendes Antriebsgelenk bastelten. Oder der gerissene Kühlwasserschlauch, der in Spanien nicht zu bekommen war und daher mit Schlauchschellen und unzähligen Lagen Klebeband geflickt wurde, um kurz vor Erreichen des Ziels nach über 2.500 Kilometern sich im Elbtunnel endgültig zu materialisieren…

Übrigens liegt meine persönliche Bestzeit für die 3.183km vom südlichen Portugal bis nach Uetersen im Norden Deutschlands bei 27 Stunden….

Eine Nachahmung ist in Hinblick auf Lenk- und Ruhezeiten aber nicht zu empfehlen 😉

Zwischendurch gab es aber noch eine erschreckende Feststellung:
Der 900er hatte mal einen Unfall! Die A-Säule begann zu reißen, war unsachgemäß übergespachtelt worden. Der Kotflügel vorne links begann zu rosten, irgendwie schien auch die B-Säule bei genauer Betrachtung schief.

Nachforschungen ergaben dann, dass der verkaufende Händler wohl damals tatsächlich keine Kenntnis hatte, ein anderer SAAB-Händler am Rande Hamburgs erzählte mir damals, dass er den Wagen kenne und zuletzt auf dem Trailer eines polnischen Händlers gesehen hätte….

Naja, egal – er fuhr schon seit Jahren gut und war sehr zuverlässig.
Erst ein kapitaler Getriebeschaden, mittlerweile lebte ich wieder in Deutschland, brachte dann 1997 das Aus und ich verkaufte ihn.
Ersatz war schnell gefunden: ein silberner 900 Turbo 16S aus dem Jahre 1984, steile Front, rotes Leder. Vorbesitzer waren der Mitarbeiter des benachbarten SAAB-Händlers und zuletzt der Sohn meines Friseurs. An dieser Stelle sei anzumerken, dass mein Friseur damals auch einen SAAB 900 Turbo fuhr! Schon damals, als noch ein SAAB-Mitarbeiter diesen 900er fuhr, fand ich ihn toll. Da war wieder dieses „Must-Have“, das mich unhaltbar zum Kauf zwang.
Diesen 900 Turbo 16S, einen der ersten 16-Ventiler und dann auch noch mit rotem Leder, hätte ich eigentlich nie verkaufen dürfen. Aber manchmal hat man so Momente, in denen geistig etwas auszusetzen scheint:

Ende 1998 stand dann eine weitere berufliche Veränderung an: Ich hatte die Prüfung zum Fahrlehrer bestanden. Und als seriöser Fahrlehrer fährt man Golf. Das ist einfach so! Das musste so sein.

Also verkaufte ich den SAAB und erwarb einen nagelneuen (langweiligen) Golf IV mit 90 Diesel-PS.
Ich könnte jetzt lästern und sagen, dass dieser Golf so langsam war, dass er seit langer Zeit mein erstes Auto war, bei dem die toten Fliegen immer an der Heckscheibe klebten. Aber O.K., ich hatte ihn ja ausgesucht.

Der war dann aber doch soooo langweilig, dass er nur 9 Monate bei mir bleiben durfte und 1999 durch einen weiteren Golf IV mit 115-Pumpe-Düse-PS und 6-Gang-Getriebe ersetzt wurde. Der machte schon wieder Spaß!

Als dann aber alle 30.000 Kilometer die Bremsscheiben erneuert werden mussten, entstanden erste Zweifel an der Fahrzeugwahl…
Als Fahrlehrer muss man einen Golf (oder ähnlich langweiliges Auto) fahren! Warum eigentlich?

Diese Frage stellte ich mir immer und immer wieder. Schließlich kam ich kaum noch in den Schlaf und fuhr zum SAAB-Händler meines Vertrauens, um mal richtig zu rechnen:

Wir diskutierten lange, handelten, knauserten, rechneten wieder. Ein SAAB 9³ TiD Anniversary (einer der Letzten der Baureihe) als 5-Türer in silber oder stahlgrau sollte es werden.

Als wir uns dann endlich einig waren, wir hätten bestellen können, war es zu spät: Es gab keine mehr!

Keine Bestellungen in Schweden mehr möglich, es gab nur noch die Autos beim Händler oder was auf dem Weg aus Schweden noch unterwegs war.

Und die waren alle blau, schwarz oder grün – ich war enttäuscht.
Einige Tage später war ich zufällig als Fahrer eines Reisebusses (ja, auch diese Führerscheine habe ich alle!) beruflich in Kiel unterwegs, und hatte dort etwas Zeit. Hatte ich da nicht eben gerade einen SAAB-Händler im Vorbeiflug gesehen?

Also habe ich mit dem ausgewachsenen Reisebus ein wenig rangiert, ihn „verkehrsgünstig und passgenau“ vor dem SAAB-Händler positioniert und bin mal reingegangen. Dass es ein teurer Besuch werden würde, ahnte ich da noch nicht.

Ich wurde nett empfangen, wir sprachen über SAAB, Gott und die Welt und ich erwähnte, was ich gerne gehabt hätte. Der Verkäufer begann zu lächeln und offenbarte mir, dass er einen silbernen 9³ TiD Anniversary noch in Schweden bestellt hätte, der schon auf dem Weg nach Kiel sei.

Es wurde gar nicht mehr lange diskutiert, ich orderte nur noch eine Anhängerkupplung, die Double-Spoke-Felgen und den Parkpieper, was eh alles vor Ort montiert werden müsse, und unterschrieb den Vertrag.

So kam es dann, dass ich am 29.06.2002 einen nagelneuen SAAB 9³ TiD Anniversary bei SAAB in Kiel in Empfang nehmen konnte. Ein tolles Gefühl, mein erster SAAB-Neuwagen und wirklich einer der allerallerletzten dieser Baureihe!  Die erste Fahrt führte mich dann auch nicht zurück nach Uetersen, sondern erst einmal in eine Werkstatt…

Nein, es war nichts kaputt, aber ein ganz entscheidendes Details konnte man mir bei SAAB nicht liefern und musste nun in einer Fachwerkstatt nachgerüstet werden:

die Doppelpedale für den Fahrschuleinsatz! Der Werkstattmeister verflucht mich noch heute. Er machte mir einen Festpreis, er wusste, wie aufwändig so ein Umbau ist. Hatte er doch schon so oft gemacht – bei Golf & Co. Aber eben noch nie bei einem SAAB – hier war alles irgendwie anders, das Dämmmaterial dicker, der Teppich störrischer, der Platz enger und überhaupt. Er brauchte fast dreimal so lange, wie bei einem Golf. Aber es war ja Festpreis vereinbart…
So kam es dann dazu, dass in Uetersen und Umgebung der wohl einzige SAAB-Fahrschulwagen seinen Dienst antrat. Von wegen, als Fahrlehrer müsse man langweilige Autos fahren!

Es geht auch anders!

Der Seniorchef der Fahrschule war anfangs sehr skeptisch, schulte er doch sein ganzes Leben auf einem VW. Es dauerte aber nicht lange, bis er sich beruhigte.

Die Fahrschüler fanden den Exoten klasse, war doch mal was ganz Anderes!

Die Prüfer waren anfangs irritiert, freuten sich dann aber über den doch großzügigen Platz auf den Rücksitzen. Und Gesprächsstoff gab es mit den Prüfern auch immer 😉 Auch lustige Erlebnisse, zumindest aus Sicht des Fahrlehrers und des Prüfers: Ein Fahrschüler fuhr auf ein Schild zu „Verbot für Fahrzeuge aller Art, ausgenommen landwirtschaftlicher Verkehr“ ohne jede Reaktion – durchgefallen! Kommentar des Prüfers: „Der SAAB klingt vielleicht wie ein Trecker, ist aber keiner!“. Mein Fahrschüler konnte darüber nicht lachen. Ich schon!

Es folgten viele, viele glückliche Jahre, in denen Beruf und Hobby vereint waren.

Aber irgendwann bekommt man ja wieder so einen Rappel und möchte ein neues Spielzeug haben. Männer sind so. Und dann diese ewige Diskussion rund um Feinstaubplakette und Umweltzonen, und 88.000 Kilometer hatte er nun auch schon gelaufen, und 6 Jahre war er nun auch schon alt, und….

Naja, er wurde Anfang 2008 verkauft und es folgte ein 2-jähriger 9-5 TiD Vector Hirsch SportCombi aus dem Jahr 2006 in meiner Traumfarbe Rot. Selten, sehr selten, aber stand dem Auto wirklich gut. Ich hatte mich sofort in das „Brillengesicht“ verliebt, die Farbe, die Ledersportsitze, das Hirsch-Tuning – da war wieder dieses „Must-Have“, unter dem SAAB-Fahrer so häufig leiden. Dass sich dieser SAAB zu einem Albtraum entwickeln sollte, ahnte ich anfangs noch nicht. Aus Rentnerhand, ca. 40.000km gelaufen, nahezu Vollausstattung – all das klang überzeugend. Aber es folgten 12 Monate mit 25 (in Worten: fünfundzwanzig) Werkstattaufenthalten.
Immer nur Kleinigkeiten: Getriebeschaden, lose Lenksäule, gebrochene Stoßdämpfer, erheblicher Ölverlust,

Drallklappengehäuse, undichte Spritleitungen, usw. Ein großer dunkler Fleck auf meiner Hofeinfahrt zeugt noch heute von dem Ölverlust des Motors.

Eines Tages wurde ich von der SAAB-Werkstatt angerufen, ich könne ihn abholen, alles sei wieder repariert – ein Fünkchen Hoffnung, gar Freude keimte in mir auf. Als ich beim SAAB-Händler eintraf war der Meister gerade „noch kurz“ zur Probefahrt aufgebrochen.

Die Zeit verging, ich schlich durch den Showroom, kannte mittlerweile die technischen Daten der ausgestellten Fahrzeuge auswendig. Ein Anruf klärte dann auf: Er war auf der Probefahrt liegengeblieben, ich solle den Ersatzwagen noch mal wieder mitnehmen…

Das tollste Erlebnis war der Kommentar eines After-Sales-Managers (den Typen und auch seinen Namen werde ich nie vergessen) von SAAB, als ich wiederholt mit Getriebeproblemen SAAB-Deutschland einschaltete: „Ein 9-5 mit Schaltgetriebe ist ja auch ungewöhnlich.“

Mein Gesicht nach diesem Kommentar hätte ich jetzt im Nachhinein gerne gesehen, seines hingegen werde ich nie vergessen, als ich entgegnete: „Was soll das denn heißen? – Wenn SAAB sowas nicht bauen kann, dürfen sie’s nicht verkaufen!“

Auch an dieser Stelle möchte ich den damals betreuenden SAAB-Händlern noch einmal meinen riesigen Dank aussprechen für die tolle Unterstützung und die schier grenzenlose Geduld – DANKE!

Aber trotz dieser tollen Unterstützung blieb dieser SAAB einfach ein „Eimer“ – immer wieder neue Mängel, kaum eine Woche ohne Defekte. Ein verlässlicher Einsatz als Fahrschulauto? – Undenkbar!
Da es bei SAAB zu diesem Zeitpunkt schon mächtig kriselte, Garantieleistungen gefährdet waren, bestellte ich bei Audi einen Neuwagen und gab den SAAB Anfang 2009 entnervt in Zahlung.

Von nun an fuhr ich 3 Leasing-Jahre zufrieden einen Audi A3 Sportback mit 140 TDI-PS.  Zuverlässig, perfekt verarbeitet aber irgendwie ohne Emotionen – obwohl er rot war, mit schwarzem Grill und innen auch mit schwarzem Himmel. Schon sehr cool. Aber emotionslos… eben kein SAAB.

Mein Ex-SAAB stand noch sehr lange beim Händler, mindestens 1 Jahr. Ich hörte, dass er mal auf einer Probefahrt liegengeblieben sei, er wurde mal auf einem Abschleppwagen beim SAAB-Händler gesehen. Danach tauchte er nie wieder auf….. Und das ist auch gut so!

So fuhr ich also Audi, meine Frau fuhr seit vielen Jahren unseren treuen schwarzen 900 Turbo 16S mit beigem Leder, den wir von einem guten Freund geschenkt bekamen. Wie sehr hatten wir es schon bereut, unseren schönen 2002er 9³ TiD Anniversary verkauft zu haben.

Eines Abends stöberte ich einfach so aus Langerweile (oder weil SAAB-Verrückte das immer mal machen?) mal auf einer bekannten Gebrauchtwagenbörse im Internet und entdeckte einen silbernen 9³ TiD. Ich zeigte ihn meiner Frau und wir begannen sogleich zu träumen: Die gleiche Farbe, die gleichen Felgen, die gleiche Ausstattung, der gleiche Motor, der gleiche Aufkleber am Heck… MOMENT! Das war er!

Ziemlich genau 2 Jahre nachdem wir ihn verkauften, wollte der damalige Käufer ihn nun wieder verkaufen, da er sich ein SAAB 9³-Cabriolet zugelegt hatte (jaja, diese Wiederholungstäter). Es folgte ein kurzes, nettes Telefonat, über das Auto gab’s ja nicht viel zu sagen, ich kannte es ja schon. Schon am nächsten Wochenende fuhr ich mit einem Freund nach Ladbergen und am Abend war er endlich wieder Zuhause in Uetersen! Er fühlte sich sichtlich wohl J
Erst jetzt stellte sich eigentlich eine wichtige Frage: Was wollten wir mit dem SAAB eigentlich?

Meine Frau fuhr ihren 900 Turbo 16S, ich noch ca. 2 Jahre den Audi A3.  Egal, Hauptsache haben. SAAB-Fans sind halt Jäger und Sammler! Nicht jeder Kauf macht Sinn. Dieses unerklärliche „Must-Have“ hatte wieder einmal gesiegt.Er verschwand dann erst einmal in der Garage, dort stand er trocken. Geplant war, dass ich ihn wieder fahre, wenn mein Leasing-Audi weggehen würde.
Aber wie immer, es kommt alles ganz anders….

Meine Frau veränderte sich beruflich, fuhr nun deutlich mehr und brauchte ein zuverlässiges Auto mit großem Kofferraum. Der 900er war zuverlässig, ohne Frage. Aber er brauchte immer mehr Zuwendung, immer mehr Geld und Zeit wurden benötigt, um ihn im Alltag weiter fahren zu können.  Somit fiel dann der schwere Entschluss, den 900er zu verkaufen und meine Frau übernahm den SAAB 9³, der eigentlich über war (jaja, Luxusprobleme…).

Für „Notfälle“ hatte ich beim 9³ die Fahrschulpedale, die immer noch im Keller lagerten, wieder montiert – man kann ja nie wissen! Und die Löcher und Montageteile waren ja hinter dem Armaturenbrett auch noch vorhanden.

Anfang 2012, mittlerweile war der Schmerz über den Verkauf des 900ers etwas verflogen, lief der 9³ schon wieder 2 Jahre ohne jegliche Probleme bei uns. Ein tolles, zuverlässiges Auto, mittlerweile schon 10 Jahre alt.

An einem Freitagnachmittag fuhr ich zum SAAB-Händler, um diese Befestigungsklipse für die Verkleidung im Kofferraum zu kaufen. Auf dem Weg zum Händler wusste ich aber noch nicht, dass das die teuersten Klipse meines Lebens werden sollten: Die Kleinteile hielt ich schnell in Händen, bezahlte sie und alles war gut. Aber irgendwie kann ich da nie wieder wegfahren, ohne einmal durch den Showroom zu laufen und auch mal die Gebrauchtwagen auf dem Hof in Augenschein zu nehmen.

Und da war er wieder, dieser „Must-Have-Instinkt“, der so SAAB-Fahrer-typisch ist: ein schwarzer SAAB 9³ TTiD Aero SportCombi von 2008. Also erst 4 Jahre alt.
Die Ausstattung passte perfekt, was bei einem Gebrauchten ja eigentlich großes Glück ist! Sportsitze, dunkles Leder, Bluetooth, Schaltgetriebe – perfekt.

Also noch mal wieder rein und verhandeln J. Die Einigung erfolgte erstaunlich schnell, auch meine Frau konnte ich überzeugen. Naja, obwohl ich mich schon fragte, ob ich den wirklich brauche?!?!?
Doch, es passte: Der Audi ging Anfang April zurück zum Händler, wie es dann weitergehen sollte, hatte ich mir noch gar nicht überlegt. So blieben mir bis zum offiziellen Einsatz des Neuerwerbs noch knapp 2 Monate für ein paar technische Anpassungen:
Der SportCombi war zwar noch jung, hatte aber schon über 165.000 Kilometer gelaufen. Ich machte alle Stoßdämpfer und Lager neu, baute ein dezent tieferes Sportfahrwerk ein, montierte eine Anhängerkupplung, ließ ein paar kleine Beulen beheben und baute einen Aktivhalter für das Telefon ein.

Und ein weiteres Luxusproblem sollte sich einstellen: Ich habe immer so die Macke mit den Kennzeichen. Unser 900 Cabrio (hatten wir 2006 mal kurz zwischendurch) hatte meine Initialen und dann die 900, der 9-5 hatte die 95, der 2002er 9³ erhielt logischerweise die 93. Aber nun kam plötzlich ein weiterer 9³ in die Familie?!?
Das war so nie vorgesehen! Zur Verwirrung der Nachbarn haben wir nun die Kennzeichen 93 und 39 an unseren beiden SAABs – das passt doch auch gut!

Ab April 2012 fuhr auch ich dann endlich wieder SAAB und das auch mit dem (fast) passenden Kennzeichen! Dieser Zeitpunkt war es auch, als ich den Job des Fahrlehrers an den Nagel hing.
Sollte es mich doch noch einmal überkommen, als Hilfsbremser in Aktion treten zu müssen, könnte ich das immer noch mit unserem 2002er 9³ machen – der hatte ja noch/wieder die Fahrschulpedale.

Mittlerweile befinden wir uns schon im Jahre 2015, an der Zusammensetzung unseres Fuhrparks hat sich nichts mehr geändert. Noch immer fahre ich zufrieden den 2008er 9³ TTiD, meine Frau den 2002er 9³ TiD. Beim TTiD gab es außer dem Zweimassenschwungrad und den Domlagern (beides typische Mängel bei der Laufleistung) keine Probleme, der 2002er TiD hatte bisher keinerlei Reparaturen neben dem normalen Verschleiß, wie z.B. Bremse oder mal ein Spurstangenkopf. Selbst Auspuff und Kupplung sind noch völlig original – und das nach inzwischen 13 Jahren und 160.000km!

Und ich glaube auch nicht, dass in absehbarer Zeit dieses zwingende „Must-Have-Gefühl“ in mir aufkeimen wird. Noch nie war ich so zufrieden mit der Zusammensetzung des Fuhrparks, so spiegelt er doch einen guten Eindruck der SAAB-Geschichte wider: 2008, 2002 und 1974 – drei Genrationen. (Zu dem 1974er Modell folgt ein separater Bericht)

Naja… da wäre höchstens das Motorrad. Aber da SAAB keine Motorräder gebaut hat, kann/muss ich damit leben. Das waren mal eben 25 Jahre SAAB-Geschichte mit Höhen und Tiefen. Aber trotz einiger sogar sehr tiefer Tiefen, kann man SAAB einfach nicht böse sein. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass SAAB-Fahrer offenbar echte Wiederholungstäter sind, die über eine recht gute Schmerzresistenz zu verfügen scheinen?

Nicht erwähnt habe ich in meinem Vierteljahrhundertbericht die zahlreichen „Zwischendurch-SAABs“: 99CC, 99 Sedan, 96V4, 95V4, 900i Cabriolet, 900 Softturbo, 9000 Turbo, noch ein 900 Turbo 16S, 900 Turbo 8V 5-Türer, Sonett III.

Einige dieser Autos blieben viele Jahre so nebenbei, andere dienten nur als Teileträger, andere wurden gekauft, waren über und wurden dann gleich wieder verkauft, noch andere sind noch heute vorhanden.

Es gibt aber darunter auch einige SAABs (oder sagt man „SÄÄBe“?), die es wert sind, in einer weiteren Geschichte Erwähnung zu finden!
Auch in meinen SAAB-losen Zeiten im Alltag gab es parallel immer mindestens einen SAAB in der Garage – das war immer sehr beruhigend… 😉

Als kleinen Vorgeschmack kündige ich daher folgende Berichte an:
– Der kuriose Kauf eines 95V4 – gut aufpassen beim Internetkauf!
– Der Traum von einer Sonett III – vom ersten Kontakt bis zur Erfüllung!

Eine weitere Saab Geschichte ist schon in Vorbereitung...
Eine weitere Saab Geschichte ist schon in Vorbereitung…

Geschichten und Bilder rund um meine SAAB-Macke gibt es auch unter www.saab-ziehm.de. In der Rubrik „Aktivitäten“ gibt es einen Link zu vielen Bildergalerien über Treffen, Ausfahrten, Veranstaltungen, Schraubereien, Schrottplatzbesuchen und allerlei SAABischen Erlebnissen in über 15 Jahren.

So, und nun begebe ich mich wegen meiner SAAB-Macke wieder in ärztliche Behandlung, damit das „Must-Have-Gefühl“ weiterhin erfolgreich unterdrückt werden kann

5 Gedanken zu „Ein Vierteljahrhundert mit SAAB verbunden

  • Hallo Ziehmy, danke für deinen Bericht! War ja nur in Stichworten deine Saab Karriere, dabei gab es noch so viele schöne Details! Unvergessen deine Verleih-Aktion des grünen 96er, so habe ich doch am nächsten Morgen erstmal ein Loch in den Boden gebohrt damit die 4cm Wasser im Innenraum ablaufen können…den Auspuff habe ich dabei nicht beschädigt, der war bei der ersten Fahrt schon abgefallen..Auch der Verkauf Deines grauen16S ist mir in guter Erinnerung, nachdem Du die komplette Innenausstattung entfernt hattest, habe ich noch final die Antriebswellen ausgebaut. Trotzdem wechselte die Hülle dieses einstmal so schönen Saabs für eine ungeheure Summe den Besitzer. Hoffe man sieht sich in Kiel oder kommst Du sogar mit? Bis dahin, Grüsse Götz

    • Hallo Götz! Du bist ja einer der Zeitzeugen meiner SAAB-Karriere und auch nicht ganz unschuldig an einigen „Must-Have-Käufen“

  • ….manches kannte ich schon, anderes nicht! Schöne Story,

    Viele Grüße vom Torsten ohne h

  • Toller Werdegang – SAAB bindet einfach… 🙂 Danke dafür!

  • SEHR interessante Saab-Story mit einem gewissen – durchaus positiv einzuschätzenden – „du hast nen Knall“-Faktor

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