Saab 9-3 Second Life

In China wurden auf einem Autoblog die Daten und Bilder des auf dem Saab 9-3 basierenden BAIC Senova D60 publiziert. Im vierten Quartal plant BAIC mit der Serienproduktion des Senova D60 zu starten, die Bilder sollen dem entsprechen, was zukünftig in chinesischen Städten bei den Händlern stehen wird.

Senova D60 Cockpit. Digitale Melange
Senova D60 Cockpit. Digitale Melange

Im zweiten Leben des alten Schweden ändert sich Einiges. Aber nicht alles. Und es gibt eine Wiedervereinigung, denn es zieht ein richtiger, kerniger Saab-Motor mit Trionic unter die Haube.

Der Radstand wurde unverändert für die Saab 9-3 China-Variante übernommen, und auch die Länge entspricht mit 4,65 Metern fast dem Original. In der Breite fehlen dem Pekingderivat 4 Zentimeter, in der Höhe ein bis zwei Zentimeter. Spannender wird der Blick unter die Motorhaube. BAIC hat den Saab B205 Motor, bekannt aus der ersten Generation des Saab 9-5, in den D60 transplantiert. Dort leistet das Turbotriebwerk mit Saab Trionic 200 PS. Zwei weitere Turbomotoren mit 1.8 und 1.5 Liter, angeblich Eigenentwicklungen, sollen das Angebot komplettieren. Gekoppelt sind die Motoren wahlweise an eine 6-Gang Automatik oder Handschaltung.

So richtig ausgelebt haben sich die Designer bei der Gestaltung des Cockpits. Eine Turboanzeige ist (natürlich) vorhanden, Senova spielt in China sehr aktiv mit der Saab-Geschichte. Aber aus der einst klaren Anordnung der Anzeigen, die keine Fragen offen liess, wurde ein Melange aus digitalen Elementen und Leuchtbalken. Anders ist nicht immer besser.

Keine Fragen gibt es beim Preis. Der wird gnadenlos günstig sein. Einen Senova D60 kann man in China bereits unter 10.000 € mit nach Hause nehmen, das Spitzenmodell wird knappe 17.000 € kosten.

Nur zur Erinnerung, und damit es nicht in Vergessenheit gerät: ein Unternehmen in Trollhättan arbeitete zwei Jahre an der Neuauflage des Saab 9-3, den Hauptmarkt meinte man in China zu sehen. Der 200 PS Senova D60  wird zu einem Bruchteil von dem angeboten, was NEVS in Schweden für den 2014er 9-3 Aero verlangt. Wie realistisch waren die NEVS-China Pläne?

Text: tom@saabblog.net

 

13 Gedanken zu „Saab 9-3 Second Life

  • Noch ein Grund mehr wieso man sich hätte erst einmal auf den Europäischen Markt konzentrieren sollen. Selbst große Marken haben es in China schwer Fuß zu fassen.

    • Welche da wären? Ford, der Vw Konzern, BMW, Daimler und Toyota sind doch super vertreten und haben sich erfolgreiche Produkte. Wie es mit GMC aussieht, keine Ahnung.

  • Die Design-Änderungen zeigen vielleicht schön die Unterschiede in den ästhetischen Vorstellungen zwischen Europa und China. Das erklärt vielleicht so manchen (für meinen Geschmack eher misslungenen, aber den BMW Cocks kann man ja alles verkaufen) Spagat in Angesicht starken Wachstums im China-Markt.

    Ich frage mich, wie man die Karosserie einfach 4 cm schmaler machen kann.

    • 2 cm auf jeder Seite ist nicht die Welt, weniger dicke Türen und andere Stoßfänger oder an den Kotflügeln gespart. Vielleicht auch anders vermessen… Haben ja auch komplett neue Pressewerkzeuge, viel ursprünglicher 9-3 ist da nicht mehr drin.

    • Nicht nur BMW, bei den neuen Stern-Modellen könnte man vermuten, dass dort seit geraumer Zeit Chinesen in der Designabteilung Fuß gefasst haben – oder/und unser Markt immer unbedeutender wird.

      Allerdings haben chinesische Hersteller grade derbe Absatzprobleme auf dem heimischen Markt, weshalb die dortigen Behörden nun Schikanen gegen z.B. deutsche Hersteller starten.

  • NEVS hat wohl eher voll auf die Karte „chin. Kontakte“ gesetzt und gehofft, das gewisse politische Kreise das Ganze wohlwollend begleiten….
    Hoffentlich wird einmal der Grund veröffentlicht, weshalb NEVS den Zuschlag für die Übernahme von SAAB erhielt!
    Nur E-SAAB-Produkte wären wohl ein wenig dünn….

  • Das ist das was mich seit 2012 am brennensten interessieren würde . Warum ausgerechnet NEVS den Zuschlag bekommen hat . Aber mittlerweile wissen wir ja , mit den anderen Chinesen ( Youngman ) wäre es bestimmt noch schlechter gelaufen , siehe Spyker , und vielleicht wirds ja jetzt doch noch was mit Mahindra aber die eiern ja jetzt auch schon wieder viel zu lang herum . Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt.

    • Das war ja auch die Zeit der großen Elektromobilitätseuphorie. Da mischte sich Inkompetenz der Journaille mit gleicher Inkompetenz der Juristen zu einem Ergebnis, dass Elektroautos die Zukunft wären.

      Das sind sie auch, davon bin ich weiter überzeugt, aber in den nächsten 10-20 Jahren (bis das Öl noch teurer wird) nur dann, wenn endlich die Akkus besser werden. Faktor 5 mindestens. Und ich verfolge jetzt tolle wissenschaftliche Ankündigungen seit 2008, und sehe keinerlei Umsetzungen in Produkte.

      Das erste Mal war ich skeptisch, was NEVS anbelangte, als ich die Speicherdichte der geplanten Akkus erfuhr. Das war nur Mittelmaß. Ich glaube mittlerweile, dass NEVS wirklich auf einen -auch staatlich geförderten- Boom gehofft hat. Warum sie zu so einem frühen Zeitpunkt (relativ zum Entwicklungsstand des Elektro-Phoenix) die Wiederinbetriebnahme der Fertigungsstraße, und dann auch noch mit Verbrennungsmotorautos, betrieben haben, ist mir mittlerweile nicht mehr klar. Das hat bestimmt viel Geld gekostet, das de facto jetzt verpufft ist.

  • Was ich mich frage ist -> wie realistisch waren die Pläne von NEVS für Europa?

    • Falsche Frage. Gab/gibt es überhaupt einen für außerhalb von Schweden, das wäre die Frage.

  • NECS hat doch auch innerhalb Schwedens keine Zukunft , siehe die
    9-3 Verkaufszahlen und E-Modelle in Schwedens Provinz ist bestimmt auch der Renner

  • Was ihr nur immer mit eurem europäischen Markt habt. Dieser Markt ist komplett gesättigt und da verkauft man in der Situation in der sich NEVS befindet nur eine minimale Anzahl an Fahrzeugen. Viel zu wenig auf jeden um die Entwicklung und die Fertigung vernünftig betreiben können. Der wachsenden Märkte sind nun einmal China und Indien. Nicht ohne Grund induzierten sämtliche Marken in Produktionsstätten in diesen Ländern. Mir den aus Patriotismus verkauften Fahrzeugen in Schweden und den paar Autos am Liebhaber und treue Fans der Marke hätte bebe gemausert nur kurz überlebt.
    Da hilft auch keine Kritik a la: „hätten die das doch mal auf unseren Markt gebracht – hätte denen zwar genauso wenig gebracht aber ich hätte jetzt endlich nenn neuen Saab. [Anmerkung von mir]“

    Nichts für ungut aber NEVS hat den richtigen Ansatz gehabt, wenn aber dann die Investoren kein Geld allem, wie es eigentlich gesagt hatten (So hab ich das verstanden), dann ist das wohl nicht NEVS` schuld.

    Zu dem baic Cockpit – das ist doch übersichtlich. In der Mitte d die Geschwindigkeit, Links die Drehzahl rechts die Ladedruckanzeige. Alles supi. Und die geringere breite erkauft man sich durch einen schlechteren Unfallschutz.

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