Ein Gefühl wie frisch verliebt, oder der SAAB-Geist ist zurück in Stallbacka.

Das Comeback von Saab hat uns alle bewegt. Mit Mark und mir waren auch vier Saab Freunde aus Deutschland beim Produktionsstart in Trollhättan dabei. Wir haben sie gebeten uns Ihre Eindrücke zu schildern. Wie haben Sie diesen historischen Moment erlebt, wie sind ihre Gedanken zu Saab und zur Zukunft? Sie erzählen uns ihre Sicht der Dinge hier auf dem Blog. Den Anfang macht Detlev Schneider, er schreibt:

Vier Saab Freunde aus Deutschland im Saab Werk beim Produktionsstart
Vier Saab Freunde aus Deutschland im Saab Werk beim Produktionsstart

Eigentlich war SAAB für mich schon lange tot, allerdings nicht einfach dahingerafft, sondern langsam ausgeblutet und nur noch ein Schatten seiner großen Zeit. Irgendwie hatte ich mich damit abgefunden, dass die Zukunft von Saab Vergangenheit war. Der letzte Funken von Hoffnung war mit der Übernahme von NEVS erloschen, zu unglaubwürdig erschien mir der Plan. Der Geist dieser kleinen schwedischen Firma, die sich erst gegen Mainstream der Autowelt stellte schien für immer erloschen.

Seit dem 2. Dezember nun ist alles anders, einer Katze gleich scheint SAAB sieben Leben zu haben.

Seit die Einladung von NEVS-SAAB im E-Mailpostfach lag, war es mit der distanzierten Abgeklärtheit vorbei. Sollte es wirklich weitergehen? Erstmals seit der Übernahme durch NEVS kam bei mir so etwas wie Hoffnung auf.

Als wir am Dienstag, den 2. Dezember kurz nach 12 Uhr in Richtung Huvedporten abbogen, da war der Puls erhöht – was würde uns erwarten.

Der Empfang war freundlich, fast wie bei guten, sehr alten Freunden. Im Pförtnerhaus stand der letzte gebaute SAAB 900 turbo S. Ein Zeichen, dass deutlicher nicht sein kann. Die dunkle Zeit unter der GM-Herrschaft ist zu Ende, jetzt sind „wir“ wieder der kleine kämpfende Hersteller, der SEINEN Weg gehen will. Wir wollen an die Vergangenheit anknüpfen und trotzdem neue Wege gehen. So haben wir dieses „Zeichen“ verstanden.

Saab 9-3 Aero Motorraum
Saab 9-3 Aero Motorraum

Meine Zweifel an der Ernsthaftigkeit von NEVS schwanden immer mehr, um so genauer ich die Personen, die hinter diesem Event standen, beobachten konnte.

Dann die Pressekonferenz, allen Akteuren war der Stolz und die Freude über das Erreichte anzumerken. Kai Johan Jiang strahlte wie ein Kind vor dem weihnachtlichen Gabentisch und seine Rede, in gut verständlichem Schwedisch, war nicht das übliche Marketinggeblubber. Hier schien einer mit dem Herzen zu sprechen, bei aller Freude, aller Emotion, die er und seine Mitarbeiter ausstrahlten, sie vermittelten nicht den Eindruck von einem Traumtänzer. Nur wer einen Plan, eine solide Finanzierung in der Hinterhand hat, kann so Souverän auftreten.

Dann der große Augenblick, langsam bewegte sich der schwarze 9-3 Aero auf das Ende des Produktionsbandes zu. Überall standen die zufriedenen Mitarbeiter, die aus den weiten des Werkes herbei kamen. Dann endlich war es soweit, die Ehrengäste durchschnitten das blaugelbe Band.

Während wir zusammen mit den anderen geladenen Gästen das „neue“ Auto begutachteten, nach Änderungen fahndeten, schob sich langsam NEVS-SAAB Nummer 2, in Silber, immer näher, auch Nummer 3 war bereits zu sehen. Noch sind die Lücken groß, auf dem Band in Stallbacka, doch gerade diese entspannte Herangehensweise, hat viele meiner Bedenken zerstreut. Hier hat es niemand nötig potemkinsche Dörfer aufzubauen, Erfolge herbeizureden um von den offensichtlichen Schwierigkeiten abzulenken, wie es der getriebene Victor Muller früher handhabte.

Jetzt auf der Heimfahrt von Trollhättan, mit einigem Abstand, sehe ich natürlich auch wieder die offenen Fragen, die geschickt nicht thematisierten Probleme. Noch ist es für Euphorie zu früh, aber die Hoffnung lebt wieder.

Die herzliche und sehr persönliche Verabschiedung am Tor, stärkt meine Hoffnung, auf eine glückliche Zukunft für SAAB, für Trollhättan und für uns Saabfahrer. Wir sehen uns wieder im Frühjahr in Trollhättan, zum erste Elektro-SAAB aus Stallbacka.

Text & Bilder: Detlef Schneider

7 Gedanken zu „Ein Gefühl wie frisch verliebt, oder der SAAB-Geist ist zurück in Stallbacka.

  • Moin moin, Detlef, DANKE für Deinen persönlichen Bericht und Deine Eindrücke in der Firma SAAB-NEVS. Das strahlen der Gesichter aus der Chefetage kommte auch ich im Livestream miterleben, ebenso die Ansprache auf schwedisch. Alles diesmal gut durchdacht und erfreulich organisiert.
    Der Unternehmenskultur “im stillen” die möglichen Sorgen einer Lösung zuzuführen, halte ich für schlau und weise. Zu viel Öffentlichkeit, gerade im www-Netz, kann auch schnell zum Verriss führen. G…., haben wir doch schon lange mit SAAB gehabt! Auf die paar gelösten offenen Fragen können wir sicher auch noch warten….wir sind doch versorgt!!! Wir haben tägl. unseren Spass mit den Turbos! Trollhättan zeigt uns jetzt, jetzt geht es mit kleinen Schritten los (die erste Produktionswoche ist verkauft!!!), SAAB kommt langsam wieder in Gang! Das ist das Signal!

  • Sehr schöner Bericht,Danke!! Das läßt doch hoffen 🙂

  • Wir haben uns mächtig gefreut,
    Saab ist wieder da !!!

    Wir sind eingefleischte SAAB Fans und genießen jeden Tag in unserem 95-2.3 T mit Gasantrieb- können wir nur empfehlen!

    Ellen und Peter aus Gummersbach – Nähe Köln in Deutschland

    • Es gehört zwar nicht zum Text, da ich den Beitrag aber gerade gelesen habe und neulich nach einem solchen Wagen (nur als Kombi und alternativ auch dem 2.0T) gesucht hatte und sogar fündig geworden bin, muss ich einfach kurz fragen, wie es mit den Unterhaltskosten ist und ob irgendwelche Probleme bekannt sind?

      Dazu würde mich noch kurz interessieren, ob es der 185ps oder 250ps Motor ist und wieviele km der Wagen insgesamt und mit Gasanlage schon gefahren ist.

      Vielen Dank schonmal für die Antwort.

      Grüße vom Christian

  • Die Hoffnung stirbt zuletzt … dies scheint (hoffentlich) der Vergangeheit zu gehören!!!

  • Was ich vergessen habe.
    Die Klimananlage sollte nicht wie mit den bisherigen Schaltmöglichkeiten (sofort oder drei Vorwahlzeiten), sondern mit einer Fernsteuerung ausgestattet sein.
    Dies wäre zeitgemäßer, denn es gibt sicher einen großen Personenkreis, welcher nicht täglich zu einen festgesetzten Zeit seinen SAAB benötigt.

  • Ich finde es schön zu lesen, dass es auch echte Saab-Fans gibt, die ihre Hoffnung verloren hatten und zunächst sehr skeptisch waren. Trotzdem so lange am Ball blieben und jetzt zumindest einmal die Hoffnung wiedergefunden haben. Allerdings trotzdem noch vorsichtig genug sind, um eben nich sofort in Euphorie zu verfallen.
    Das ist in meinen Augen ein sehr ehrlicher Bericht. Vielen Dank für diese Worte.

    Eine kleine Frage:
    Die Reihenfolge der “Sprecher” entspricht der Aufstellung im Bild? Es ist immer schöner ein Gesicht zu haben – das ist für mich persönlicher.

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