Nachruf. Volvo Werk Uddevalla.

Die Zeiten ändern sich, Dinge verschwinden. Was in der Natur der Sache liegt, denn nur wenn Altes geht, kann Neues entstehen. In Schweden verabschiedet sich nach und nach ein Stück automobiler Kultur. Das ehemalige Saab Getriebewerk in Göteborg wird zum größten Teil der Abrissbirne zum Opfer fallen, bei Volvo ist es das Montagewerk in Uddevalla.

Die letzten Volvo C70 aus Uddevalla
Die letzten Volvo C70 aus Uddevalla

Die kleine Stadt Uddevalla liegt in der Nachbarschaft zu Trollhättan, und damit verliert die Region ein weiteres automobiles Standbein. Letzte Woche liefen die letzten Volvo C70 dort vom Band. Der offene Volvo war in seinem Herzen ein Kind verschiedener Kulturen. Er kommt aus der Ehe zwischen Pininfarina und Volvo, einer Beziehung, die beide Firmen 2003 eingingen. Weshalb das Werk auch als Pininfarina-Fabrik bekannt ist. Die Italiener hatten in der Liason die Mehrheit, was man dem C70 ansieht.

Denn im Gegensatz zu anderen Blechdach-Cabriolets sieht der Volvo gut aus und die Proportionen sind ausgewogen. Nicht dass ich einen hätte kaufen wollen. Bei Cabriolets zog es mich in der Vergangenheit immer nur zu Saab, denn dort gab es das Stoffdach, das ebenfalls tauglich für alle Jahreszeiten ist. Ein Blechdach-Cabriolet braucht eigentlich kein Mensch und ist nur eine Angelegenheit für Menschen. die sich zufällig im Showroom einen VW EOS gekauft haben. Weil dort eben VW draufsteht, weil man angeblich damit offen fahren kann, und weil man für nichts anderes den Mut besitzt.

Trotzdem, mit dem C70 ist es wie mit entfernten Verwandten. Man sieht sich ab und zu und man freut sich, dass hier auch noch ein Individualist mit skandinavischen Genen unterwegs ist. Wenn auf langen Autobahnstrecken – kein Saab weit und breit – dann ein Volvo andockt und dranbleibt, dann ist das schwedischer Familiensinn. Dass C70 Fahrer gerne offen und dann – völlig korrekt – ohne Windschott unterwegs sind, macht die Geschichte nur noch sympathischer. Ausserdem haben einige Saab Fans auch ein „Fremdfabrikat“ aus Göteborg in ihrer Garage. Ein klassischer oder ein moderner Volvo, warum nicht ? Das passt und geht völlig in Ordnung !

In Schweden ging letzte Woche ein Stück Autokultur zu Ende. Das kleine Montagewerk in Uddevalla ist endgültig Geschichte, so wie die Zeit kleiner Werke überall auf der Welt abzulaufen scheint. 27 Jahre liefen hier Volvos vom Band, und für die letzten Modelle gab es im Web einen kleinen Fernsehbeitrag. Auch wer den schwedischen Kommentar nicht versteht, ein Blick auf die Gesichter der Mitarbeiter sagt mehr als viele Worte.

Vorbei ! Volvo wird, das ist sicher, nicht nach Uddevalla zurückkehren. Uddevalla wird vom Atlas der Automobilstandorte verschwinden. Die Immobilie ist bereits verkauft, und in Zukunft wird es hier eine Handvoll neuer Arbeitsplätze geben. Große Steinquader sollen in den Hallen bearbeitet und geschnitten werden, so erzählen schwedische Freunde. Was für eine Alternative !

Aber die Reise geht auch für Volvo weiter und es gibt ein neues Kapitel in der Firmengeschichte. In China scheint der Knoten endlich durchschnitten, denn die Verkäufe im ersten Halbjahr stiegen um über 34 %. Einige Tage nach dem Finale von Uddevalla kam für das neue Werk in Chengdu die lang ersehnte Lizenz zum Bau des Volvo S60 und der Langversion S60L. Für die Göteborger ein historischer Schritt. Die ersten Volvos aus dem eigenen Werk in China. Wer sich fragt, warum dort nur die beiden S60 Versionen und nicht noch mehr Modelle gebaut werden, den muss an an die Bürokratie nach Peking verweisen. Für jedes Modell benötigt man in China eine eigene Lizenz. Die muss beantragt werden und das alles dauert. Doch nicht alles toll in der neuen Welt.

Text: tom@saabblog.net

3 Gedanken zu „Nachruf. Volvo Werk Uddevalla.

  • Offen sieht das Blechdach-Cabrio sehr gut aus. Geschlossen allerdings …

  • Von sämtlichen Fahrzeugmarken würde ich derzeit Volvo ganz klar jedem anderen Hersteller vorziehen………., und würde dies auch an einem SAAB 2.0 nichts ändern…. da es noch viele Jahre dauern wird ein Produkt auf dem Nievau der Zeit zu fertigen was Sicherheitsfeatures udgl betreffen würde)

  • Es ist ein Jammer mit den Schweden. Ich bin zwar kein Blechdachfan, aber die Volvo-Cabrios gefielen mir immer gut.
    Aber das sind wohl auch eher keine Autos für den deutschen 3-Jahres-Leasing-Wegschmeißrythmus, sondern (wie SAAB) eher langfristige Anschaffungen. So verschwinden immer mehr Individualisten vom Markt. Gut für die, die einen C70 haben…

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