SAAB News: Riksgälden behinderte Parts Verkauf

Es ist keine wirkliche Neuigkeit, die da aus Schweden zu uns kommt. Aber damit die Informationsflut erhalten bleibt… Radio P4 Väst greift auch heute das Saab Thema auf und schreibt über den gescheiterten Verkauf der Saab Parts AB an einen Investor. In den Vänersborger Gerichtsakten finden sich Details dazu, die sich kurz wie folgt zusammen fassen lassen:

Schwedische Schuldenverwaltung
Schwedische Schuldenverwaltung

Die Nationale Schuldenverwaltung wollte die Saab Parts AB für 2.2 Milliarden Kronen, exakt jenen Betrag, mit dem man einen  EIB Kredit für Saab abgelöst hat, durch den Verkauf erlösen. Weder Mahindra noch NEVS waren bereit diese Summe zu zahlen. Für Mahindra ein Grund, erst gar kein Gebot abzugeben, für NEVS ein Grund, nur den Rest zu kaufen. So  ging der Logistik- und Ersatzteil-Spezialist aus Nyköping in staatlichen Besitz über. Punkt.

Für die Regierung ging es darum das Gesicht zu wahren, keine Steuergelder sollten in das Saab Abenteuer fließen. Für die Investoren war der Kaufpreis schlicht und einfach zu hoch. Wobei die Sache zwei Gesichter hat. Aus Perspektive der Käufer, die für die Saab Automobile AB, Powertrain, Tools, das Werksgelände und die Lizenzen für 9-3 und Phoenix Plattform nur 1.79 Milliarden Kronen bezahlt haben, ist der Preis sicherlich zu hoch. Denn knapp 200 Millionen Euro waren ein richtiger Freundschaftspreis. Zum damaligen Zeitpunkt waren zudem die Lager in Nyköping recht leer, wie wir alle wissen.

Die Zukunftsperspektiven waren ungewiss, Kunden hätten abwandern können, Händler schließen und Blogger den Stecker ziehen können. So ist es nicht gekommen, und aus der Saab Parts AB wurde eine Erfolgsgeschichte. Hatten die Investoren zu wenig Mut?

Die heimische Presse bezeichnet mittlerweile das Unternehmen aus Nyköping als “staatliche Cashcow”, und Schweden erwirtschaftet einen nette Rendite aus diesem Investment.

Heute ist die Saab Parts AB ein interessanter Distributions- und Logistik-Spezialist, der, so meine Meinung, sich in der Zukunft breiter aufstellen wird. Die Vertriebskanäle sind auch für andere Hersteller interessant, und die Kooperation mit NEVS ist enger als es scheint. Wie lange der Staat Eigentümer bleibt, wissen wir nicht. Alles ist Spekulation, und recht viel hängt von den zukünftigen Ereignissen in Trollhättan ab. Nach dem Sommerferien sollen bekanntlich dort die Schlote wieder rauchen.

Text: tom@saabblog.net

3 Gedanken zu „SAAB News: Riksgälden behinderte Parts Verkauf

  • Hallo Tom ,
    Danke das du uns immer aktuell und zuverlässig mit deinen wirklich toll geschriebenen Berichten versorgst. Absolute Spitze wär es allerdings noch wenn du für Saabfahrer , die ihr Auto so wie ich noch nie in Schweden bewegt haben , die Kronen noch in Euro übersetzen könntest. Ich hab absolut keine Ahnung oder ein Feeling dafür was 1 Milliarde Kronen so Wert ist.

    • Hallo Peter – kein Problem. Gefühlt bin ich halt schon ein halber Schweden. 1 Million Kronen sind 116.367,02 EUR und die Saab Parts hätte 256.007.447,48 Euros gekostet.

    • @Peter (und alle, die die gleiche Frage hatten),
      hier mal der aktuelle Tauschkurs in beidenn Richtungen: 1€ : 8,59SEK / 1SEK : 0,12€

      @Tom,
      auch von mir ein großes Danke für die regelmäßigen Berichte und Info`s, die schon zur täglichen Lektüre dazu gehören. Der “weiße Ritter”, auf den ich gelegentlich gehofft hatte, ist nun doch nicht gekommen. Dafür hat uns NEVS aber positiv überrascht, und das nach ihrer “Verwirrtaktik” nach der SAAB-Übernahme. Dafür scheint keiner wirklich über die “eigentümlichen” Verhaltensweisen des ach so sauberen schwedischen Staates überrascht zu sein. Danke Tom für die fundierten Hintergrundinfo’s.

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