SAAB News: Wie NEVS Saab kaufte

Das Schwedenradio PV4 Väst hat Zugang zu Gerichtsdokumenten, die belegen, wie es zum Verkauf von Saab an die Investoren von NEVS kam. Die Unterlagen aus Vänersborg umfassen mehr als 500 Seiten und bestätigen manche unserer Vermutungen. Heute meldet der Sender, dass ursprünglich 33 Interessenten zum Kauf der Saab Automobile AB bereit standen.

Saab Werk Trollhattan
Saab Werk Trollhattan

Nur wenige Tage nach Konkurseröffnung trafen sich die Administratoren mit den möglichen Käufern. Darunter waren Mahindra & Mahindra, Lotus-Youngman, Brightwell, NEVS, ein Konsortium aus Schweden und drei ungenannte Bieter. Diese drei mutmaßlichen Investoren verabschiedeten sich schon in einer Frühphase der Verhandlungen, ebenso das schwedische Konsortium, welches sich aus Mangel an verfügbaren Mitteln aus dem Prozess zurückzog.

Weiter ging es in schneller Abfolge. Brightwell, der Investor aus der Türkei, zog sich zurück, nachdem klar war, dass GM keine neue Lizenz für den Saab 9-5 II erteilen würde. Dann sprang Mahindra & Mahindra ab.  Die Inder waren lange Zeit mein Favorit für Saab gewesen, und auch Pang Da zog sich zurück. Der Mega-Autohändler aus China war zu spät in die Verhandlungen eingestiegen, um ein akzeptables Gebot vorlegen zu können.

So blieben nur noch Lotus-Youngman und NEVS übrig, und die Verhandlungen wurden zu einem Duell beider Firmen. Das erste Treffen mit NEVS fand bereits am 2. Januar 2012 statt, und die Verhandlungen werden in den Dokumenten als langwierig beschrieben. Der Zuschlag kam zu Gunsten von NEVS, weil man im Gegensatz zu Youngman den Nachweis erbringen konnte, über die erforderlichen Mittel zu verfügen. Kommt uns das bekannt vor?

Zwar, so schreibt PV 4Väst, hätte Youngman ein von der Höhe her interessantes Angebot gemacht. Es galt „…das höchste Angebot zu berücksichtigen, unter Berücksichtigung der Umstände..“ Und genau hier scheiterte Youngman. Mal wieder, möchte man sagen. Denn den Nachweis unabhängig von behördlicher Genehmigung die Investition stemmen zu können, blieb man schuldig. Ausserdem konnte Youngman keinen akzeptablen Businessplan vorweisen, so dass Saab und Scania eine ablehnende Haltung gegenüber Youngman einnahmen. Ausserdem bestand die Gefahr, dass sich Youngman gegenüber Scania zum konkurrierenden Unternehmen hätte entwickeln können. Beide Firmen bauen Busse, was die negative Haltung von Scania verständlich macht.

Im Gegensatz zu Youngman war Investor NEVS in der Lage, den Adminstratoren 1.7 Milliarden Kronen auf einer schwedischen Bank nachzuweisen. Das gab den Ausschlag, die Gespräche in der letzten Phase nur noch mit NEVS zu führen. Youngman war also, wie zuvor in Verhandlungen mit Victor Muller, mal wieder an eigenen Unzulänglichkeiten gescheitert.

Kommen wir zur spannenden Frage. was NEVS für Saab bezahlt hat. Laut PV4 Väst sollen es komplett fast 1.7 Milliarden Kronen gewesen sein. Der Sender hat die Transaktionen überprüft und kommt zum Ergebnis, dass 1.295 Milliarden für die Konkursmasse und 381 Millionen Kronen für den Immobilien-Anteil bezahlt wurden. Eine erste Anzahlung von 150 Millionen Kronen wurde nach Abschluss der Verhandlungen und der Rest am 31. August bezahlt. Die Saab Automobile AB wurde demnach für 780 Millionen Kronen verkauft, die Saab Tools AB für 450 Millionen und die Saab Powertrain AB für 65 Millionen.

Ursprünglich soll NEVS weniger geboten, aber im Laufe der Verhandlungen sein Gebot erhöht haben. Zusätzlich zur Kaufsumme wurden 50 Millionen Kronen an die Administratoren gezahlt. Diese Summe wurde benötigt, um die durch die sich dahinschleppenden Verhandlungen entstandenen Zusatzkosten für Strom, Heizung und Instandhaltung des Saab Werks zu zahlen.

Haben die Enthüllungen irgendwelche Überraschungen gebracht? Eigentlich kam nichts, was wir nicht wissen. Kreise, die Einblick in die Unterlagen haben,  kennen mehr Details als PV4 Väst jetzt an die Öffentlichkeit gebracht hat. Glaubt man ihnen, dann schlummert mehr Brisantes in den Vänersborger Akten.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

2 Gedanken zu „SAAB News: Wie NEVS Saab kaufte

  • Damit können wir das BMW-Gerücht dann wohl endgültig zu den Akten legen…

    • Gut, dass BMW-Quandt die Finger nicht im Spiel hatte – einen SAAB aus diesem Konzern hätte ich ohnehin nicht mehr geordert!

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