Saab Talk: Der Saab 9000

Leserbeitrag von Sebastian

„In Rolf Bleekers Buch „The Spirit of Saab – Mehr als ein Auto“ ist eine heitere Anekdote beschrieben. Ende der 60er Jahre reist eine Dame den langen Weg von Iowa zur Chicago Motor Show, sucht zielsicher den Saab-Stand auf, um sich dort hinzusetzen, die Schuhe abzustreifen und einem wehrlosen Mitarbeiter drei Stunden lang die Geschichte jedes einzelnen Saab zu erzählen, den sie je besessen hat.

 

...noch zu haben. Saab 9000 CS bei ANA in Schweden
…noch zu haben. Saab 9000 CS bei ANA in Schweden

Als ich das zum ersten Mal las, musste ich grinsend an meinen Vater denken, der nach dem zweiten Bier ebenfalls gerne in chronologischer Reihenfolge von jedem Auto berichtet, das er je besessen hat. Als ich es kürzlich zum zweiten Mal las, erkannte ich erschreckenderweise mich selbst darin wieder. „Den perfekten Saab“ zu finden war angesichts der homöopathischen Dosen unserer Marke auf dem deutschen Markt noch nie einfach. Und in den letzten Monaten ist es wahrlich nicht einfacher geworden. Dafür gibt es zu jedem Saab, den man kauft, fast immer auch eine abenteuerliche, besondere Geschichte, wie man ihn gefunden hat. Man könnte auch sagen: Manche Autos prüfen die Leidensfähigkeit, sobald man sie besitzt. Ein Saab prüft die Leidensfähigkeit, bevor man ihn besitzt. Doch keine Sorge, ich erspare Euch jetzt die Geschichte meiner früheren Saab-Käufe.

Nur von meinem aktuellen Saab muss ich erzählen. Es ist ein schwarzer Saab 9000 Aero von 1996. Ich habe lange nach genau diesem Auto gesucht und es durch den Zufallsfund eines Saab-Freundes entdeckt. Gekauft habe ich den Aero im Saab Zentrum Paderborn. Den Tag, an dem ich mein Auto auf Hochglanz poliert in der Auslieferungshalle abholte und mich zum ersten Mal hinter das Steuer setzte, werde ich nie vergessen. Seniorchef Heinz-Jürgen Borghardt hatte unglaublich viel Arbeit und Leidenschaft in den Aero gesteckt, bis er am Ende wie ein Neuwagen dastand. Ich bin begeisterter Saabfahrer, weil diese Marke eine Seele hat und ich in ihren Autos zu Hause bin. Aber ich bin auch begeisterter Saabfahrer, weil Menschen wie die Borghardts vom Saab Zentrum Paderborn dieser Marke eine Seele und ein Zuhause geben.

Nun hatte ich ihn also endlich – meinen Traum-Saab. Und damit ergab sich auch schon das nächste Problem. Denn er ist viel zu rar und kostbar, um ihn in meinem 40.000 Jahreskilometer umfassenden Berufsalltag zu verschleißen. Also freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an einen Zweit-Saab an.

Hier kommt nun der Saab Blog ins Spiel. Nicht nur trägt er ebenfalls einen wichtigen Teil dazu bei, die Seele der Marke Saab wachzuhalten und ihren Fahrern ein Zuhause zu geben. Er gehört neben Spiegel Online, tagesschau.de und sueddeutsche.de auch zu meiner obligatorischen Morgenlektüre. Erst danach weiß man, was in der Welt wirklich los ist. Allerdings strafte der Saab Blog meine Zögerlichkeit bei der Zweit-Saab-Suche mit unerbittlicher Härte. Denn Objekt Nummer eins war ein weißer 9000 CS aus Fürstenfeldbruck. Immer wieder rief ich das Inserat auf und konnte mich nicht entscheiden anzurufen. Dann tauchte der CS im Blog auf – und kurz darauf in Toms Garage. Mist!

Objekt Nummer zwei war ein roter 9000 CD aus Nordhorn. Wieder konnte ich mich nicht entschließen, bis ich auf dem Saab Blog las, dass er einen glücklichen Besitzer gefunden hatte. Immerhin in meiner Heimat Hamburg, deren Kennzeichen einem Saab besonders gut stehen. Trotzdem: Mist!

Richtig beschleunigt wurde meine Willensbildung aber erst, als mir ein Volvo S70 mit LPG-Anlage zu einem verlockend günstigen Preis angeboten wurde. Über Weihnachten grübelte ich: Könnte ich als ultraorthodoxer Saabfahrer künftig den Alltag in einem Volvo bestreiten?! Am Ende stand fest: Das geht nicht. Ein Volvo ist ein sehr gutes Auto. Aber er ist eben ein sehr gutes Auto, das für andere Leute gebaut wird. Da ich nun jedoch dieses verlockende Angebot mit einer plausiblen Alternative aus Trollhättan kontern wollte, begann über die Feiertage wieder die fieberhafte Suche nach einem Zweit-Saab. Der Markt für gute 9-3/I ist erschreckend leer, der Markt für gute 9000 ist praktisch kaum noch existent. Also weitete ich mein Suchradar auf Schweden aus. Und siehe da: Ausgerechnet ANA in Trollhättan, mitten in der Herzkammer von Saab, offeriert einen wohlbehüteten 9000 CS 2.0t mit übersichtlichen 120.000 Kilometern auf der Uhr. Ich schrieb eine Mail, und wenig später war auch schon die Antwort im Postfach:

“Hello Sebastian! Great to her that you are a saab liker! Yes we have a nice 9000, I look on it and the car looks great there is no big rust what I can se, I can´t garanti that the car is rust free but it´s look very great. The car is in good condition, service has been done of the owner before, its not in the service book but we have all on E-mail! There has been two owner on the car! There is no problem to sale the car abroad!”

Ich hätte das Auto sofort gekauft. Das Problem war allerdings: So schnell die Jungs von ANA auch waren, sie waren in diesem Fall nicht schnell genug. Getrieben von der Furcht, auf dem Saab Blog schon wieder von einem Auto zu lesen, das ich hätte kaufen sollen, war eine Stunde vorher die Entscheidung gefallen. Mein Zweitsaab wird nun ein liebevoll gepflegter silberblauer 9000 CD aus Bayern mit 118.000 Kilometern auf der Uhr. Ja, ein CD. Das Auto, bei dessen Design ich immer auf die Heckklappe schreiben möchte: „Sason lost his life. Envall lost his glasses. That’s why.“ Aber ich mag diesen kuriosen Saab mit seiner Buchhalterausstattung, seinem unzerstörbaren B202-Motor und dem kleinen Schildchen „Unleaded fuel only“ am Armaturenbrett. Er ist die perfekte Ergänzung zum Aero, gerade weil sie so unterschiedliche Interpretationen der gleichen Grundkonstruktion sind.

Nun bin ich also in einer Situation, in die man selten kommt, wenn man einen Saab sucht: Ich hab schon ein gutes Angebot und kann deshalb das zweite gute Angebot nicht annehmen.

Aber ich denke mir: Sicher bin ich nicht der einzige, der es für eine ziemlich coole Vorstellung hält, den eigenen Saab ausgerechnet bei ANA in Trollhättan abzuholen und danach einen Abstecher ins Saab Museum zu machen. Zudem gilt: Gepflegte 9000 CS mit geringer Laufleistung sind selten geworden, und der ANA-9000 macht auf mich persönlich einen guten Eindruck.

Also … vielleicht ist ja jemand unter Euch, der seiner persönlichen Saab-Geschichte genau dieses Kapitel hinzufügen möchte? Ich bin mir sicher: Jeder, der die Leidenschaft für unsere besondere kleine Automobilmarke teilt, wird ihm gerne zuhören … wenn er sich hinsetzt, die Schuhe abstreift und zu einem dreistündigen Bericht ausholt.“

 

Vielen Dank an Sebastian für diesen Artikel. Vielleicht finden wir ja über den Blog einen „neuen“ Besitzer für dieses wunderschöne Exemplar…

 

mark@saabblog.net

 

 

4 Gedanken zu „Saab Talk: Der Saab 9000

  • Toller Artikel! Klasse wenn noch ein schöner 9000 CD in gute Hände kommt. Der Markt ist wirklich eng und gute Exemplare müssen erhalten werden. Außerdem ist ein SAAB kein SAAB! 😉

  • Fast meine Geschichte. Auch mir war mein 9000 Cs, Bj. 1997,jetzt 20.000 Kilometer zu schade. Suchte mir einen 900 Turbo, Bj. 1987 mit 169.000 km der jetzt die „Dreckarbeit“ machen muß.

    • Der arme 900er tut mir leid.Er ist doch viel älter und braucht desshalb mehr Liebe.Du brauchst unbedingt ein anderes Auto um den turbo zu entlasten.

      • Er wird genauso gepflegt wie der andere, bekommt auch eine eigene Garage. Für drei SAABs reicht die Pension leider nicht.

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