Jonas Fröberg: Neustart der Produktion ist nicht genug für Saab

Kampen om Saab - Der Kampf um Saab geht weiter
Kampen om Saab - Der Kampf um Saab geht weiter

Die Perspektiven von Saab aus der Sicht von Jonas Fröberg, dem Autor von “Kampen om Saab”. Fröberg ist einer der “Saab – Freundlichen” Autoren, gilt als intimer Kenner der Marke, und schreibt für das Svenska Dagbladet.  Was er von der Situation in Västragötland hält hat er heute veröffentlicht.

Jonas Fröberg schreibt:

Alle Zeichen stehen jetzt auf Start für einen neuen Produktionsbeginn am Freitag oder Montag. Wobei der Trend klar ist: Die Zulieferer haben die ausgesprochenen Kündigungen nicht zurückgenommen und warten auf die langfristige Finanzierung von Saab. Und das kann dauern.

An der Oberfläche ist es ungewöhnlich still geworden in den letzten Tagem aber hinter der Kulissen in Trollhättan tobt die blutigste Schlacht aller Zeiten.

Es geht darum eine Fabrik neu zu starten, die sieben Wochen stand. Es geht darum mehr als 1000 Lieferanten zu überzeugen mit der Lieferung zu starten. Obwohl Saab zur Zeit nicht einmal die kurzfristige Finanzierung sichern kann.

Und es scheint zu glücken. Sehen wir die “Schlacht” als eine mehrstufige Rakete für Saab. Stufe eins war kurfristiges Kapital zu beschaffen um den Auftragsblock von mehr als 6.500 Fahrzeugen abarbeiten zu können. Stufe zwei war die Lieferanten zu überzeugen den Zahlungsplänen der bestehenden Schulden zuzustimmen und zumutbare Bedingungen für neue Lieferungen auszuhandeln.

Muller selbst hat gesagt, dass er 800* Millionen (*alle Summen in der Übersetzung sind schwedische Kronen) benötigt um die Produktion neu zu starten. Er ist jetzt gerade in der Nähe von 550 Millionen, dazu kommen noch einmal 40 Millionen aus dem GEM Fond zu extrem ungesunden Bedingungen. Aber er hat keine andere Wahl. Er hat bereits versucht das Werk in Trollhättan an andere Investoren zu verkaufen, nachdem die EIB den Verkauf an Antonov gestoppt hat.

Das Ziel ist die Produktion am Freitag zu starten wenn der neue China Partner Pang Da, der für 270 Millionen Saabs gekauft hat und vielleicht noch zusätzlich für 130 Millionen kaufen wird, zu Besuch kommt. Und das scheint so zu gehen. Wichtige Partner sind Plastal, die Kunstoffteile liefern, und IAC welche Instrumente zuliefern. Einer nach dem anderen unterzeichnete den Lieferantenvertrag. Das ist einer der wichtigsten und notwendigsten Siege von Saab. Entgegen aller Vernunft.

Die Risiken für die geplagten Zulieferer sind erheblich. Das ist deutlich zu erkennen. IAC kat kürzlich 200 Kündigungen ausgesprochen und Plastal hat 50 Mitarbeitern gekündigt. Und sie werden die Kündigungen nicht zurücknehmen bevor die langfristige Finanzierung sichergestellt ist und eine klare Eigentümerstruktur sichtbar wird.

Die nächste Stufe ist eine langfristige Finanzierung. In diese Richtung muss es gehen. Pang Da möchte 600 Millionen investieren und einen neuen Produktionspartner in China finden wenn das mächtige Superministerium, die NDRC, zustimmt. Das ist aktuell ganz unsicher.

Vladimir Antonov möchte 29.9 % an Saab und will annähernd 1,0 Milliarde investieren, möchte zu einem Treffen mit Maud Oloffson kommen. Vermutlich wird sie ihn anhören. Aber er sollte lieber in seinen Privatjet steigen und in Richtung Luxemburg und zu GM nach Detroit starten. Denn dort sitzen die wahren Strippenzieher.

Schließlich geht es darum wieder Saabs zu verkaufen, nach einer Rückkehr in die automobile Welt, wenn Saab sich aus dem Sumpf gezogen hat.

– Autor: Jonas Föberg –

Mot alla ods – entgegen aller Vernunft schreibt Fröberg. Treffend, denn der Neustart geht gegen jede Vernunft. Aber wir reden nicht über irgendeine Fabrik, wir reden über Saab. Und in Trollhättan hat man einen starken Überlebenswillen. Fröberg meint Antonov sollte sich lieber mit der EIB und mit GM treffen. Da hat er recht. Antonov sollte das “Luxemburger Problem” angegen, denn nur so kommt er – damit auch Saab – weiter. Die schwedische Regierung ist nur ein Akteur, Entscheidungen fallen nicht in Stockholm. Da helfen auch gut gemeinte Unterschriftsaktionen wenig.

Text/Übersetzung: tom@saabblog.net