Die merkwürdige Arbeit der Saab Administratoren

Es geht um eines dieser besonders seltenen Saab 9-3 Independence Cabriolets, welches man uns nicht gönnen will. Eine dramatische Geschichte, die kein gutes Licht auf die Arbeit der Saab Administratoren wirft und die auch kein glückliches Ende finden wird.  Aber der Reihe nach, beginnen wir im Jahr 2011. Zu den Saab Unabhängigkeitsfeiern in Trollhättan wurde die Produktion von 366 Saab Independence Cabriolets verkündet. Damit war von Anfang an klar, dass diese Autos zu Sammlerstücken werden würden.

Saab Independence Cabriolet im April 2011 auf dem Werksgelände

Die Jubiläums-Feierlichkeiten bei Saab liefen nicht wirklich gut, wie wir wissen. Es gab Produktionsstops, erneute Anläufe, eine On/Off Produktion, und ganz zum Schluß tröpfelten nur noch einige, wenige Wagen vom Band. Komplettiert aus dem, was gerade noch vorhanden war. Statt 366 neuen Cabriolets waren es am Schluss ganze 38, was für eine gründlich misslungene Jubiläums-Feier spricht.

Das Autohaus Stephan, ein traditionsreicher Saab Partner seit 1980, bestellte ein solches Independence Cabriolet für einen Kunden. Als Bio Power, mit schwarzem Verdeck, Navigation, ein Traum von einem Saab. Irgendwann – es muss Ende November oder schon im Dezember 2011 gewesen sein – kam ein Anruf aus Schweden. Das Cabriolet, es stand auf der stockenden Produktionslinie, könne fertiggestellt werden, wenn ein beiges Verdeck statt der schwarzen Variante akzeptabel wäre. Ich weiss nicht, ob man damals schon jedes Warten aufgegeben hatte, aber in Vienenburg stimmte man zu, hatte neue Hoffnung und war guter Dinge.

Die COC Bescheinigung des Independence Cabriolets

Dann, am 06. Dezember 2011, wurde die COC Bescheinigung ausgestellt, und das Independence Cabriolet hatte damit seinen Geburtsnachweis, war damit rein amtlich existent. Ein Kunde wartet, ein Händler freut sich, das super rare Stück wird immer mehr zur Realität.

Wir kommen dem 9-3 Cabriolet einige Tage später noch ein Stückchen näher, denn der Disponent bei Saab bestätigt Philip Stephan den Ladevorgang. Der nagelneue Saab mit beigem Verdeck steht jetzt auf dem Autotransporter in Richtung Deutschland. Die Vorfreude steigt weiter. Doch der Transporter startet nicht, bleibt auf Grund offener Speditionsrechnungen erst einmal stehen. Es nähert sich der 19. Dezember 2011, jener schicksalsträchtige Tag, der für alle Anhänger der Marke aus Trollhättan ein Trauertag ist. Am Morgen bricht Victor Muller auf, fährt nach Vänersborg, stellt den Konkursantrag. Es folgt eine Pressekonferenz, ein internationaler Marketcall und Victor Muller ist Geschichte.

Der Autotransporter steht immer noch auf dem Werksgelände in der Stallbacka, die COC Bescheinigung liegt in Vienenburg, und es wird Weihnachten. Die Insolvenzverwalter ziehen ein im Verwaltungstrakt und lassen den Transporter abladen. Das Independence Cabriolet rollt zurück auf das Auslieferungsgelände am Werk und bleibt dort stehen.

So weit so gut. Rechtlich alles in Ordnung, denn mit Mullers Gang nach Vänersborg wurden alle Verabredungen und Verträge hinfällig. Was allerdings jetzt folgt, lässt die Arbeit der Anwälte in einem unschönen Licht erscheinen. Denn der Kunde, ein langjähriger Saab-Fan, möchte gerne sein Cabriolet. Insolvenz hin oder her. Saab-Fan ist und bleibt Saab-Fan, uns kann wenig erschüttern. Auch Philip Stephan, der ja die COC Bescheinigung seit Anfang Dezember auf seinem Tisch hat, will den Wagen nach Deutschland holen. Die ehemaligen Saab Mitarbeiter in Deutschland, in der Folge teilweise zur Saab Parts AB gewechselt, können nichts tun, auch wenn sie gerne helfen würden. Das Sagen in Trollhättan haben alleine die Anwälte.

Die allerdings sind nicht interessiert. Reagieren auf keine Mail und auf keinen Versuch der Kontaktaufnahme. So geht das immer weiter. Der Saab Partner versucht immer wieder das zur COC Bescheinigung dazugehörige Auto zu bekommen. Ohne Erfolg. Wie gut, dass in den letzten Monaten des Saab-Dramas Zahlungen nach Schweden erst dann angewiesen wurden, wenn die Autos auf den Hof rollten…

Da ist es erneut aufgetaucht: KVD Auktion in Schweden

In Trollhättan stand das Cabriolet, eines der letzten Fahrzeuge, die vom Band liefen, weiterhin auf dem Schotterplatz vor dem Werk. Ein Winter, ein Frühjahr, ein Sommer, ein Herbst. Um dann nach langer Zeit in der KVD Auktion aufzutauchen ! Anhand des VIN Codes entdecken wir das für Vienenburg bestimmte Cabriolet. Es ist eines von zweien aus der Independence Produktion, die versteigert werden.

Der Preis liegt immer noch unter dem Betrag, den das Autohaus Stephan vor fast einem Jahr und auch später noch den Administratoren überwiesen hätte. Auch in den letzten Tagen hat man versucht, auf verschiedenen Wegen an das Fahrzeug zu kommen. Ohne Erfolg. Rechtlich mag alles in Ordnung sein, denn weder der Saab Partner noch der Kunde des Autohauses hat einen Anspruch auf Herausgabe. Aber das Verhalten der Anwälte, die mit hohen Ansprüchen gestartet waren, um dann die schlecht möglichste Lösung zu finden, hinterlässt einen üblen Beigeschmack. Es passt zu dem Bild und zu der allgemeinen Unzufriedenheit, die nicht nur in Schweden, sondern auch in der kompletten Saab Welt herrscht.

Auktionsbild bei KVD: Das Vienenburger Independence Cabriolet

Das Independence Cabriolet ist durch die Lagerung auf dem Aussengelände ohne jeden Schutz nicht besser geworden. Es wird auf der Auktion dennoch seinen Käufer finden. Wenn es unglücklich läuft, werden die Anwälte weniger Geld erlösen, als man Ihnen immer wieder aus Deutschland überweisen wollte. Wie man sich als Saab-Fan und Partner fühlt, wenn man so nahe an einem Sammlerstück dran war und es dann doch nicht bekommen hat, das können wir alle nachvollziehen. Die Story ist traurig und sie ist nicht nachvollziehbar. Aber sie lässt uns erahnen, warum das Verfahren zu einem solch schlechten Ergebnis gekommen ist.

Was bleibt? Ein engagierter Saab Partner, der bereits in der zweiten Generation mit Leidenschaft für die Schweden arbeitet, und der nun aus seiner Enttäuschung über das Verhalten in Schweden keinen Hehl macht. Ein Saab-Fan, der gerne dieses Cabriolet erworben hätte, und der nun recht frustriert ist. Und ein recht schlechter Eindruck der schwedischen Anwälte.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net (3), KVD (1)

 

12 Gedanken zu „Die merkwürdige Arbeit der Saab Administratoren

  • 11. Dezember 2012 um 10:26 AM
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    Es ist ärgerlich ein solches Auto NICHT zu bekommen!

  • 11. Dezember 2012 um 11:40 AM
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    Das üble Spiel bleibt Realität. Doch der Kunde bei Vienenburg hat doch die Möglichkeit mitzubieten,oder? Die Hoffnung bleibt bis zum Schluss—-ich drücke die Daumen für ein gutes emotionales wie finanzielles Ende für dieses bildschöne SAAB-Cabrio!

    • 11. Dezember 2012 um 4:21 PM
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      Allein aus Trotz würde ich da keine Krone für bieten!

      Die sinnvollste Lösung wäre gewesen das Cabrio selbst aus schweden zu holen.. aber auf die Idee sind der Saab Händler und der Käufer bestimmt auch gekommen

  • 11. Dezember 2012 um 11:55 AM
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    Traurige Geschichte.

    Vielleicht sollte man aber auch einmal versuchen, die andere Seite zu beleuchten:
    Der Niedergang SAABs und die damit verbundenen finanziellen Querelen waren/sind ja bekanntermaßen sehr, sehr umfangreich. Es ging/geht dabei um Millionen.
    Wenn die Administratoren dann jedes Schreiben, jede Mail, jedes kleine Angebot für einen kleinen Teil des Ganzen beantwortet hätten, wäre man wahrscheinlich noch kaum einen Schritt weiter.

    Schade ist es aber trotzdem – besonders für den Kunden!
    Und das Autohaus Stephan ist ja dafür bekannt, sich sehr zu engagieren.

  • 11. Dezember 2012 um 1:19 PM
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    Tom’s Artikel ist auf SU erschienen. Dort schreibt ein Kommentator, scheinbar ein deutscher Händler (Barracuda)? dass er ähnliche Erfahrungen mit den SAAB Anwälten gemacht hat als er versuchte Autos zu kaufen. Scheinbar kein Einzelfall.

  • 11. Dezember 2012 um 3:29 PM
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    Der gesunde Menschenverstand war bei der gesamten Bearbeitungsweise (Verfahren und auch hier dieser Einzelfall) wohl irgendwie völlig abhanden gekommen – wir wären doch alle wenigstens halbwegs zufrieden, wenn zumindest die rechtlichen Vorgaben beim Auswahlverfahren (NEVS) eingehalten worden sind und diesbezüglich auch endlich mal ein Nachweis käme.

    Es wurden jedoch weder Gründe für die Auswahl noch der Kaufpreis genannt – aber in Schweden scheinen ja nicht nur die Politiker nach Gutsherrenart zu verfahren sondern auch diese merkwürdigen Insolvenzverwalter.

    Gibt es in Schweden eigentlich überhaupt keine Leute mit Mumm, die gegen derartiges Treiben angehen? Anscheinend ist es wohl so – traurig, traurig….

    Viele Grüße von einem sich immer weiter entfernenden SAAB-Fan aus Hamburg

    • 11. Dezember 2012 um 8:41 PM
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      ….da wollen wir doch versuchen und erreichen, dass du bald wieder in den SAAB-Hafen zurückfindest….
      Von welcher anderer Automarke solltest du denn auch sonst FAN werden??….
      Viele Grüsse aus der Schweiz

  • 11. Dezember 2012 um 6:59 PM
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    Wenn ich das so lese, bin ich doppelt froh eines der letzten Cabrios noch bekommen zu haben.
    Ich hatte im Februar 2011 mein Aero Cabrio Bio-Power mit kompletter Ausstatung bestellt, mit der Lieferzusage 08.04.2012. Mit Bangen und Warten kam es dann am 24.06.12.
    Ein Bild hatte ich ja schon einmal gepostet.
    Ihr könnt mir glauben, dass ich sehr froh bin es zu haben und u fahren!!

    Lieben Gruß
    Olaf

  • 11. Dezember 2012 um 7:18 PM
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    Irgendwie hört man ja irgendwann auf sich zu wundern, aber merkwürdig sieht es schon aus, wenn man es vor vielen Monaten geschafft hat habfertige Autos von der Produktionslinie zu verwerten aber einige fertige Nicht-Testwagen auf dem Hof oder in der Halle anscheinend bis jetzt übersehen hat.
    Das auf dem Bild sieht nicht aus wie ein COC sondern schon wie eine Zulassungsbescheinigung Teil 1 oder 2 ??
    Damit hätte man, wenn man sie den aufrecht erhaten hätte können eine zulassung durch jemand anderes ziemlich schwer machen können?

  • 11. Dezember 2012 um 10:16 PM
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    Wo ist das Problem?
    Kunde / Händler kann den Wagen nun zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises ersteigern, COC Bescheinigung hat er ja scheinbar schon

    • 13. Dezember 2012 um 10:01 AM
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      Nun ja, 2 tage vor Ende der Versteigerung ist der Bruchteil schon bei 80% des Listenpreises, plus Zusatzkosten…

  • 13. Dezember 2012 um 11:47 AM
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    Das rostrote Cabriolet ist wirklich ein schickes Gefährt. Es ist doch wirklich schade, dass es so gelaufen ist.

Kommentare sind geschlossen.

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