SAAB News: Das was Trollhättan jetzt nicht braucht

Irgendwie waren die letzten 12 Monate nicht besonders gut zur Saab-Stadt. Kaum hat man etwas Hoffnung geschöpft, schon folgt die nächste schlechte Nachricht ! Seit Wochen scheint es, als ob die örtliche Presse jede noch so kleine positive Nachricht aufgreift, um sie den Lesern mitzuteilen. Mittlerweile erinnert es an das „Pfeifen im Wald“.

SAAB EV-1

Sprechen wir über den Saab Investor NEVS !  Am Donnerstag bekam Trollhättan Besuch von seiner norwegischen Partnerstadt Oestfold. Der Besuchergruppe wurde auch ein Blick auf den Entwurf des Saab EV-1 gestattet, denn E-Mobilität ist in Norwegen ein großes Thema. 5000 Elektroautos rollen auf Norwegens Strassen, bei einem Fahrzeugbestand von 2.4 Millionen. Elektroautos sind in Norwegen sehr stark subventioniert und daher halbwegs erfolgreich.

Das neue Logo des Saab-Investors sei innerhalb eines Monats fertig, verkündete Mattias Bergman von NEVS vor Besuchergruppe und lokaler Presse, und einen Tag später, am Freitag, fand sich die Meldung in der Zeitung. Was aber auch die einzigste als positiv einzustufende Meldung der Woche bleiben sollte. Sowohl für die Chinesen, die in der Stallbacka im Saab-Werk sitzen, als auch für Trollhättan.

Zwischenzeitlich hatte Blogger Swade, Gründer von Saabsunited und ehemals in Diensten von Saab, ein Interview mit NEVS Pressesprecher Mikael Östlund geführt. Das Ergebnis ist wenig erfreulich !  Denn Swade hat – im Gegensatz zur SU-Crew –  die richtigen Fragen gestellt. Das Ergebnis lässt schlucken, und auch mehrmaliges Lesen macht es nicht besser. Das Interview und die Reaktionen haben für einige Diskussionen in der Saab-Community gesorgt, und unsere Interpretation der Dinge mit den Konsequenzen kommt am Montag auf dem Blog.

Die Sache mit NEVS entwickelt sich nicht so wie gehofft. Aber für Trollhättan kommt es, leider, noch schlimmer. Volvo Aero, jetzt nach dem Verkauf als GKN unterwegs, ist nach dem Saab-Konkurs der größte Arbeitgeber vor Ort. 2300 Menschen finden dort Lohn und Brot, und mit viel Optimismus wurde der britische Käufer vor einigen Wochen begrüßt.

Die Euphorie ist verflogen. Denn die Kosten sind zu hoch, die Produktivität zu niedrig, wie eine erste Analyse zeigte. Ausserdem blieben im Zuge der sich anbahnenden Krise die Aufträge weg. Am Freitag kam  die schlechte Nachricht. 350 der 2.300 Mitarbeiter müssen gehen. Das trifft Trollhättan hart. Die schöne Stadt im Västragötland hat bereits jetzt die höchste Arbeitslosigkeit in ganz Schweden. Und immer mehr Arbeitsplätze brechen weg. Also auch dieses Jahr keine guten Weihnachten für die Stadt !  Schon wieder…

Die Geschichte von Volvo Aero ist irgendwie auch immer verknüpft gewesen mit der von Saab. Karrieren wechselten über den Zaun hinweg, denn beide Firmen liegen dicht beieinander. Volvo bekam oft Aufträge vom Nachbarn mit wechselnden Produkten. Wer einen 80er oder 90er Jahre Saab mit ab Werk verbauter Standheizung in der Garage hat, der sollte mal unter die Haube schauen. Diese Komponenten kamen vom Nachbarn. Ein Volvo Typenschild unter der Saab Motorhaube. Wer hätte das gedacht!

Text: tom@saabblog.net

Bild: Oliver für saabblog.net

 

4 Gedanken zu „SAAB News: Das was Trollhättan jetzt nicht braucht

  • Auf den Artikel und deine Interpretation von Swades Artikel freue ich mich, Tom.
    Mich hat es in einer Annahme bestätigt. Die Menschen hinter NEVS hatten lange vor dem Kauf Ideen/ Pläne und dann gab es gerade irgendeine Marke zu kaufen und sie haben sie bekommen. Jetzt wird die Marke aus meiner Sicht an diese Ideen angepasst und nicht umgekehrt. Das hat aus meiner heutiger Sicht nicht mehr viel zu tun mit „früher“.

  • Swade sieht der Wahrheit ins Auge und sagt es ganz klar. Dass man auf Nevsunited davon nicht begeistert ist ist auch ganz logisch. Aber gesagt ist gesagt und die Fakten sind klar.

  • es ist genau das eingetreten, was von den Pessimisten unter uns schon kurz nach der Übernahme befürchtet wurde:

    1)
    NEVS hat das Produktions Know-How, die hochwertigen Produktionsanlagen und Design gekauft, um diese für den chinesischen Markt zu nutzen (also Technologietransfer made in China)

    2)
    NEVS ist SAAB egal, man hat nur den Namen als Marketingargument übernommen.

    3)
    Die brauchen einen Untersatz, wo sie ihre in Japan entwickelten Batterien, die in China billig produziert werden (wieder Technologietransfer made in China) einbauen zu können – also einen Fixabsatz. Es scheint überhaupt fast so als wollte man nach Vorbild der Ölmultis, das selbe Konzept auf Elektro ummünzen zu wollen (E-Tankstellen in großem Stil, etc.) – die Autos sind dabei nur Marketstarter – als Argument pro Elektro, daher auch zwangsweise von höherer Fertigungsqualität.

    … was allerdings wieder auffällt ist, dass besagter PR Mann eigentlich nichts Tiefergreifendes weis, und nur auf den veröffentlichten Businessplan gebrieft ist – der nach wie vor nicht Hand noch Fuß hat, was mich wieder zu Punkt 3) führt…

    Die schwedische Regierung und die Administratoren haben, und dies nicht einmal dem Bestbietenden, dies ermöglicht und schwedisches Know-How, Produktionstechnik, Design und den guten Namen unter dem Opfer hoher Arbeitslosigkeit nach China verkauft … das ist Fakt, und niemand weis warum.

  • Hallo…
    ein echtes Trauerspiel ist das ganze…und leider ist dem von GUS nichts hinzu zu fügen!
    Schade für Schweden und die tolle Marke! Für mich sieht das ganze einfach nach einer ordentlichen Schmiererei aus…wo wieder Gelder in tiefe Taschen geflossen sind…schade…
    Schlaf gut SAAB ,warst eine tolle Marke! 🙁

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