SAAB News: Ein Interview und die Konsequenzen

Letzte Woche führte der Ex-Saab-Blogger Steven Wade ein Interview mit Mikael Östlund, Pressesprecher von National Electric Vehicle Sweden. Swade stellte dabei die Fragen, welche die Interviewer von Saabsunited bei früheren Gelegenheiten nicht gestellt haben. Das Ergebnis ? Durchwachsen und mehr negativ als positiv, aber keine Überraschung.

Zukunft: Saab EV-1

Die Kernaussagen von Östlund mögen für manche eine Enttäuschung sein, aber sie bringen Klarheit. Ich selbst habe das Interview am Erscheinungstag gelesen, dazu einen Artikel geschrieben, diesen Entwurf aber gelöscht. So war es am vergangenen Freitag ungeplant ruhig auf dem Blog. Denn der erste Eindruck erschien mir zu negativ, wurde aber auch nach mehrmaligen Lesen an den Folgetagen nicht besser. Hier also Bloggers Meinung, auch im Hinblick auf den deutschen Markt und seine Fangemeinde.

Endgültig klar scheint, nach dem aktuellen Stand, dass wir keine neuen Saab mit konventionellem Antrieb bekommen werden. Die Nachfrage und damit die Motivation, im Sommer 2013 die Produktion zu starten, kommt aus China, wo man sich Chancen ausrechnet. Für die Neuauflage wird der “alte” Saab 9-3 bei Karosserie und Innenraum kräftig überarbeitet, damit er als neues Auto wahrgenommen werden kann.  Im Jahr 2014 wird er dann als EV-1 rein elektrisch durch China fahren. Einen Hybrid-Saab wird es nicht geben, der Fokus liegt auf rein elektrischen Antrieben, mit welchen der neue Saab Eigentümer ins Premiumsegment fahren will.

Der EV-1 auf dem bekannten 9-3 basierend, wird kein Übergangsprodukt für kurze Zeit sein. Denn erst, wenn der Investor NEVS mit dem EV-1 Erfolge verbuchen kann und sich sicher ist, dass sein Produkt am Markt Akzeptanz findet, erst dann wird man die Entwicklung des EV-2 auf der Saab-Phoenix-Plattform voran treiben. Der EV-1 muß schätzungsweise drei Jahre durchhalten, bis der Nachfolger erscheint, welcher auf einer Plattform basiert, deren Debüt jetzt im Dezember sein sollte. EV-2 erscheint damit 3 bis 4 Jahre später als der ursprünglich von Saab geplante 9-3 Nachfolger.

Auf die Frage, warum man sich eine Fabrik in Schweden und nicht in China gegönnt hat, antwortet Östlund mit entwaffnender Offenheit, dass es schwer sei, ohne etablierte Marke ein Werk in der Volksrepublik zu bauen. Das hoch moderne Werk in der Stallbacka, in das 50 Milliarden Kronen investiert worden sind, sei eben ein günstiges Angebot gewesen.

Die Technik der neuen Fahrzeuge kommt aus Japan, die Batterien aus China, und Schweden darf ein bisschen Design und sonst noch was dazu beisteuern. So das Interview… Saab ist damit – Swade stellt es fest – eine rein chinesische Veranstaltung geworden. Mit dem alten “Saab Spirit”, mit den tollen Turbos aus Trollhättan, hat das alles nichts mehr zu tun. Fragt sich nur, was Kjell ac Bergström, früherer Saab Powertrain Chef und jetzt in NEVS Diensten, dabei an Aufgaben hat. Man arbeitet mit Saab Plattformen und Saab Technikern, kauft aber Technik laut Östlund aus Japan ein. Eine Ungereimtheit.

Warum will man 2013 mit einem im Prinzip alten Auto zurück auf den Markt? Saab baut zu diesem Zeitpunkt seit zwei Jahren keine Autos mehr…wartet man auf den 9-3 Nachfolger, der auf der Phoenix-Plattform basiert, werden es 5 Jahre sein. Definitiv zu lange, meint Östlund. Man will die Marke nicht verschwinden lassen, und man möchte mit einer laufenden Produktion einen Cashflow generieren. Gut, aber was soll ein laufendes Werk, wenn doch alles nur nach China geht ?  Den europäischen und amerikanischen Vertriebsstrukturen ist dadurch nicht geholfen. Oder liegt der Grund einfach im (fehlenden) Geld ?  NEVS müsste für den europäischen Markt den Vorderbau des 9-3 kräftig überarbeiten, um die ab 2013 geltenden Vorschriften einhalten zu können.

Die Frage, die man dazu stellen muss – einfach und prägnant – lautet: ist es vorbei ?

Das Interview ist recht offen. Östlund lässt keine Illusionen zu. Saab, so wie wir es kannten, ist Geschichte. Es mag sein, dass in Trollhättan ein Werk steht, und es mag sein, dass dort die Saab-Schilder in der Nacht leuchten. Das gleiche Werk, die selben Maschinen, ein anderer Ansatz. Nicht mehr schwedische Ingenieurskunst wird in dem vorzufinden sein, was dort zukünftig vom Band läuft. Sondern Technik aus Japan. Die alte Saab-Kultur ist nicht von Interesse, ein Kapitel der Saab-Geschichte ist damit am Ende.

Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen, und ich denke, jeder Fan der Marke muss mit sich selbst ausmachen, ob es ihm gefällt und ob er dabei sein will. Die Werte, für die Saab stand, werden wir beim neuen Eigentümer nicht mehr finden. Nach dem heutigen Stand keine Turbomotoren, keine ausgefallenen Lösungen “Made in Trollhättan”, sondern den üblichen Mainstream, eben nur mit Batterien bestückt. Der Investor scheint, so mein Eindruck bei diesem Interview, nicht interessiert an der bisherigen Kundschaft und an der Geschichte der Marke. Hätte Opel, für wenig Geld, das Werk in Eisenach zum Verkauf angeboten, dann hätte es auch ein Thüringer Werk werden können.

Reaktionen auf das Interview – weltweit…

Hatte NEVS beim SU Oktoberfest noch “Kreide gefressen” und erzählte, was gewünscht war, so nahm NEVS gegenüber einem Blogger vom anderen Ende der Welt kein Blatt vor den Mund. Wahrscheinlich hatte man die Reichweite und die gute Vernetzung des ehemaligen Saab Bloggers in der Medienwelt unterschätzt. Aber Swade ist gut, denn er ist das Original !

Innerhalb kurzer Zeit wurde von Steven Wade in der schwedischen Ausgabe der Auto-Motor-Sport berichtet. Auch  andere Medien nahmen das Interview auf. Das weltweite Presse-Echo könnte nicht schlimmer sein ! “Unwahrscheinlich…” so urteilt Autoweek, nach deren Quellen NEVS auf GM Motoren hofft. “Eine uralte Plattform, nicht geeignet für ein Elektroauto..” bei Digital Trends.  “…Hoffe nicht darauf…” sagt Cars UK,  und so geht es munter weiter. NEVS hat “fehlende finanzielle Möglichkeiten”…liest man immer wieder. Na klasse, das sind die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start.

Positive Presse? Fehlanzeige. Das Östlund Interview, ein PR-Gau !

Was ist positiv am Interview? Der neue Saab-Eigentümer will mit seinen Produkten in das Premiumsegment. Billige Autos mit dem Saab-Schriftzug auf der Motorhaube wird es nicht geben. Das ist gut, so werden wir unsere Marke nicht irgendwo im Auto-Supermarkt in der Ramschecke finden. Das war die positive Meldung, mehr gibt es nicht.

Nachdem nun trotz einiger Fragen, deren Antwort Östlund verweigert hat,  Klarheit herrscht – Swade sei Dank – kann jeder seine persönliche Konsequenz ziehen. Ich selbst befinde mich, nach Monaten des Bangens und der enttäuschten Hoffnungen, seit Wochen im “Youngtimer-Modus” und fühle mich gut dabei. Unsere Alltag-Saabs sind jung, haben wenige Kilometer. Die Youngtimer-Fraktion ist gut gepflegt und erhält immer wieder Zuwachs. Ja, irgendwann stellt sich auch bei uns die Frage, wie es weitergeht. Das ist klar !  Aber das hat noch einige Jahre Zeit !

Das Östlund-Interview provoziert Fragen. Wobei die erste Frage automatisch in die zweite müdet.

Frage 1: Wie nahe an der Realität ist der Geschäftsplan von NEVS?

In Europa und in den USA hat die Marke einen Namen, eine schlagkräftige Ersatzteil-Sparte und eine funktionierendes Vertriebsnetz. Alleine in Deutschland sind gut 40.000 Saab 9-3 unterwegs und wären eine Zielgruppe mit Ersatzbedarf. Wenn nur jeder Zehnte pro Jahr seinen alten 9-3 gegen einen Neuwagen eintauschen würde, könnte man einen guten Absatz generieren.

Aber man ignoriert das Potential und startet in China, wo die Marke fast unbekannt ist und keine Strukturen bestehen. Stattdessen sind dort bereits über 100 Marken vertreten, und auf NEVS wartet kein Mensch. Träumt man davon die Behörden in China zu beliefern, davon war die Rede auf dem SU Oktoberfest, dann ist man als Importmarke schlecht aufgestellt und hat die gleichen Zollprobleme wie der Produzent aus Göteborg.

Und warum ignoriert man Turbo-Technologie, E85, Hybrid und Range Extender? Statt dessen setzt man nur auf Batterieautos, obwohl dafür weltweit in den letzten Monaten alle optimistischen Prognosen kassiert wurden?

Die schlechteste aller möglicher Entscheidungen allerdings ist es die Entwicklung der Phoenix-Plattform auf Eis zu legen und nicht alle verfügbaren Mittel dort zu investieren. Warum? Fehlt es an den Mitteln beide Projekte, den alten 9-3 und die Phoenix Plattform, zu realisieren? Oder glaubt man im Ernst, mit dem 9-3 das Geld zur Phoenix-Entwicklung einfahren zu können? Erscheint irgendwann einmal ein Modell mit dieser Technologie – und ich bin mir mittlerweile sicher, dass dies unter den geschilderten Umständen nicht bei NEVS sein wird – dann ist die Plattform gute 4-5 Jahre über den ursprünglich geplanten Produktstart hinaus. Und damit schon alt.

Hmm. Dinge können sich ändern, aber das Interview zeigt die aktuelle Lage. Wir haben einen dieser seltenen Momenten, wo Victor Muller und ich einer Meinung sind. Der Sinn des NEVS Geschäftsmodells erschließt sich auch mir nicht. Daher zur Frage Nummer zwei.

Frage 2: Sind es die Zukunftspläne von NEVS unter diesen Voraussetzungen überhaupt wert, dass man sich damit beschäftigt?

Sollte man sich nicht mehr um die aktuellen Saab und um die Youngtimer kümmern? Diskussionsbedarf, nicht nur im Blog-Team, ist vorhanden.

Text: tom@saabblog.net

Bild: Oliver für saabblog.net

 

 

 

44 Gedanken zu „SAAB News: Ein Interview und die Konsequenzen

  • Geahnt haben wir es schon immer – nur glauben wollten es wir nicht.
    Dein guter und realistischer Nachruf macht es uns deutlich.
    Das Licht ist nun aus !

    Gruß an alle die mitgelitten haben.

  • An unserer Begeisterung für SAAB wird sich nichts ändern auch wenn wir jetzt Youngtimer Piloten sind. Das Blogger Team soll bitte weiter schreiben und die Chinesen einfach ausblenden!

    • So soll es sein

      • Mein 9-3 ist Bj. 2008; der machts noch lange!!!!
        Ansonsten traurig traurig…
        Aber Tom, schreibe bitte weiter über und um die Youngtimer!
        Gruß

  • Was im Juni mit der Übernahme des Saab-Werkes eigentlich schon klar war, ist nun endlich auch klar formuliert. Es gibt keine Zukunft für SAAB. Der saabige Ansatz Autos zu konstruieren und zu bauen wird nicht weiter verfolgt. OK, der Name wird auch wohl in Zukunft auf neuen Automobilen zu finden sein. Bei diesen Autos wird es sich aber wohl eher um “geschminkte Leichen” handeln.

    Allein der Versuch den alten 9-3 wieder zu aktivieren, zeigt sehr deutlich wohin die Reise geht. Überarbeitetes Aussen- und Innendesign mit Marktchancen in China? Wie das aussieht, kann man bei BAIC bewundern, die den zeitlosen 9-5 für den chinesischen Markt “modifiziert” haben.

    Spätestens jetzt sollte jedem Liebhaber der Marke klar sein, dass SAAB eine Youngtimermarke ist. In den vorhandenen Autos lebt noch der Geist der Marke, und mit SAAB Parts haben wir die ideale Voraussetzung, dass das auch noch viele Jahre und Jahrzehnte so bleiben kann. Um einen alten SAAB-Werbespruch zu modernisieren: WHY DRIVE A NEW CAR, WHEN YOU CAN PILOT A CLASSIC SAAB?

  • Bei der NEVS Position dreht sich einem der Magen herum. Bleibt nur noch meine letzte Hoffnung, dass NEVS Schiffbruch erleidet, SAAB in 3-4 Jahren zum Verkauf steht und dann ein würdiges Revival erlebt. Den aktuellen Stand um SAAB kann man kaum ertragen…

  • Im Rückblick ist es gut das NEVS nicht die SAAB PARTS gekauft hat. Die Ersatzteile sind uns sicher und das Team in Eschborn macht einen guten Job. Bye bye NEVS!

  • Das ist das Ende des romantischen Wunschdenkens.

  • Mein heutiger Tag läuft eh nicht so dolle … und nun noch das! 🙁

    Naja, geahnt/befürchtet haben wir es sicher irgendwie alle.

    Jetzt wissen wir wenigstens, was wir noch für “Schätze” haben!

    • Ja MAC – du hast deinen noch – meiner ist schon in LITTAUEN.
      Alles GUTE

      Gallix

  • …auch ich hab das Interview ein paar x gelesen und alles nicht so recht glauben wollen. Mit etwas Abstand betrachtet scheint es tatsächlich so, dass Swade nicht ernst genommen wurde – und der Pressesprecher entweder selbst nicht gut informiert ist oder einfach nur ein paar weitere Nebelgranaten gezündet hat. Spätestens nach der Bemerkung mit dem Fussgängerschutz des aktuellen 9-3 hätte sich der Pressesprecher zurückziehen und das Interview vertagen müssen – vielleicht mit der Aussicht auf eine vertrauliche Unterredung. Entweder ist der aktuelle PR-GAU also genau so gewollt, oder NEVS agiert einfach nur dilettantisch?

    • Genau so ist es mir auch gegangen und ich bin mir nicht sicher ob Östlund überhaupt hinter seinen Produkten steht oder ob er vielleicht nur in Teilzeit arbeitet. Dass man Swades gute Vernetzung unterschätzt hat, nehme ich ebenfalls an. Und die Problematik der neuen Vorschriften ab 2013 sollte auch einem CIO bekannt sein.

  • Kann mir bitte mal jemand ohne “Saab-Brille” folgendes erklären: Ein Automobil-Manager erwirbt durch eigene (erfolgreiche) Firmengründungen Einfluß und Geld. Einen großen Teil dieses Geldes und Geld von weiteren Investoren setzt er ein, um ein stillgelegtes Automobilwerk zu kaufen. Weder Name, Label, Zulieferer, noch Vertriebswege des ehemaligen Herstellers scheinen ihn zu interessieren. Mit einem weiteren Automobil-Manager als CEO und einem Business-Plan, den jeden Banker zum Lachen bringen würde, will er erfolgreich sein und Geld verdienen, und das auf einem beschränkten Markt mit gewaltigen Zutrittsbeschränkungen? Das passt doch hinten und vorne nicht zusammen!
    Die Marke ist das Eine (wie Tom sagte, hätte es auch jede andere sein können), aber dieser dilettantische Businessplan passt da nicht in das Bild. Oder läufte das alles in China über Korruption? Ich möchte immer noch an den weißen Ritter glauben, der nur seine NEVS-Standarte vor sich her trägt und Nebelgranaten zündet, um sein Geschäft in Ruhe vorbereiten zu können.

    • Hallo Troll,

      der weiße Ritter wird Victor Muller sein, wenn er den Prozess gegen GM gewonnen hat…

      • ich verstehe das ganze auch nicht mehr. Immer das W Wort: warten und nochmal warten und dann wird man doch irgendwie enttäuscht…wie kann man so tolle Autos, die Marke so untergehen lassen. Oder ist es doch nicht so? Ist VM stiller/geheimer Teilhaber bei NEVS und der rettet dann alles ? Oder doch in 2 Jahren, nachdem NEVS entlarvt wurde, ersteigt SAAB aus der PR-Asche ? Oder wie ???

      • In diesem, nicht ganz wahrscheinlichen Fall, läßt er mit dem Geld in THN die limitierte Spyker 9-5-2 SC Sonderserie “Victory-Edition” handfertigen… 😉 , er scheint ja zumindest Benzin im Blut zu haben.

    • Also wir in der Schweiz nennen diese Geschäftsart von NEVS ganz einfach : “Geldwaschen”, und nichts anderes. Das sind Leute, die in den Nachtclub gehen und 8’000.- Euro für einen Champagner bezahlen (im eigenen Club versteht sich)und so wäscht man Geld. Wie gesagt, es geht hier nur um Geldwaschen. Saab war hier ein ideales Opfer, um das Geld zu waschen. Traurig. Ich geniesse meinen SAAB 99 2,0 LE 1973. Den habe ich mir ersteigert, ohne Geld waschen.

    • Ich sehe das genau gleich wie Du: irgendwie macht die Geschäftsidee von NEVS nicht nur wenig sondern wohl schlicht gar keinen Sinn – zumindest wenn man versucht, die offizielle Version für bare Münze zu nehmen.

      Anfänglich war für mich sonnenklar, dass NEVS innert nützlicher Frist ein überzeugendes Konzept vorstellen wird. Nun ist aber seit der Übernahme dermassen viel Zeit verstrichen, in welcher:
      – NEVS nach wie vor eigentlich nichts nachvollziebares bzw. vernünftiges kommuniziert hat,
      – sich zahlreiche Saabhändler gezwungenermassen von Saab verabschieden mussten und sich einer oder mehreren anderen Marken zugewendet haben,
      – sich viele einst treue Saabkunden damit abgefunden haben, dass all die Eigenschaften, die einst Synonym für Saab waren, im Geschäftsmodell von NEVS nicht mehr vorgesehen sind und damit auch alle Argumente, die sie einst gezielt zum Kauf eines Saabs und nicht eines x-beliebigen Automobils bewogen haben, weggefallen sind,
      dass auch bei mir täglich die Hoffnung schwindet, dass NEVS irgendwann vielleicht doch noch einen glaubwürdigen und nachvollziebaren Plan präsentieren wird, wie sich Phönix aus der Asche erheben soll.

      Da die Wahrscheinlichkeit aber gross ist, dass sich kein Phönix (wie wir ihn uns vorstellen bzw. wünschen) aus der Asche erheben wird, lohnt es sich viellicht gar nicht, sich länger mit NEVS auseinanderzusetzen. Möglich zwar, dass sich das vielleicht doch plötzlich noch schlagartig ändert … aber vielleicht ist das ja doch blosses Wunschdenken.

      Spannend immerhin bleibt die Frage, ob wir jemals erfahren werden, warum und allenfalls gegen wen sich NEVS im Bieterrennen um Saab durchsetzen konnte.

    • Tja, so ist das halt, wenn man Optimist ist. Selbst in der schlimmsten Krise noch was gutes erkennen wollen … Keine Ahnung warum, aber ich kann oder will die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Besonders, wenn ich mich in meinen fantastischen 9-3 setzen und dieses Dauergrinsen bis zum nächsten Aussteigen genießen kann. ;)) Und das hoffentlich noch recht lange, was bei einem Baujahr ’08 und knapp 75000km auf dem Tacho eigentlich kein Problem sein sollte. Wenn ich dann so in 15, 20, 25 … Jahren mir ein anderes Auto kaufen werde, gibt es vielleicht nur noch elektrische Reisschüsseln “Made in China”. An die kann man sich dann beim Kauf einen selbst ausgewählten Markennamen kleben lassen und hat so sein ganz “individuelles” Fahrzeug. 😉
      Ach ja Tom, da ich des Schwedischen leider nicht mächtig bin wäre es schön, wenn jemand den Inhalt des Rechenschaftsberichtes von Bergqvist & Co. für die Interessenten hier im Blog veröffentlichen würde. Es wird zwar, wie so vieles im Zusammenhang mit Saab, noch eine Weile dauern, aber Warten haben die Meisten hier inzwischen gelernt.

      • Der Bericht der Administratoren wird zu einem späteren Zeitpunkt kommen als erwartet. Aber wir bleiben natürlich am Ball und werden berichten.

        • Danke Tom, darauf bin ich wirklich gespannt.

  • Sollte das nun wirklich alles so kommen, müßte die weltweite SAAB-Gemeinschaft nicht nur GM und Lofalk für ihre tolle Mitwirkung danken, sondern nunmehr auch noch Bergqvist + Co. für die Spitzenleistung in Sachen Auswahl des Investors.

    Womit hat man diese Kette von Dilettanten als langjähriger SAAB-Fahrer eigentlich verdient?

    Also höchstwahrscheinlich demnächst hin zu SUBARU + Co. – dorthin wo es nach wie vor brauchbare Autos ohne große Batterien unter der Haube gibt!

    Viele Grüße aus Hamburg

  • Mein Hoffnungen das Saab gerettet wird war bis zum Kauf durch NEVS real. Auch nach dem Kauf glaubte ich an eine schnelle Auferstehung in 12-18 Monaten zumindest mit einem GM freien 9-3, auch wenn es ihn erstmals nur als Diesel mit Automatik geben würde.
    Nach einiger Zeit wurde uns allen klar das dieses Auto so schnell nicht kommen würde, mittlerweile ist sogar klar: Es wird gar nicht kommen. Das es jetzt sogar so weit ist das gar kein neuer Saab mehr nach Europa kommt, kann kaum noch schocken.
    So tief meine Verbundenheit zur Marke auch war, diese ist nun dahin.
    Ich habe keine Lust mehr einer schwedischen Firma in irgendeiner Form Geld zu geben nur damit die schwedische Regierung wieder alles nach verbrennt oder nach China verschenkt.
    So leid es mir um diese tolle Marke tut, ich habe keine Lust mehr auf dieses hin und her. Mein nächstes Auto wird definitiv kein Saab mehr.
    Eigentlich müsste man die schwedische Regierung für die Skandal vor Gericht ziehen!

  • Mir war die NRVS Sache schon immer sehr dubios,wie haben die es nur geschaft das Werk zu bekommen , obwohl die anderen Bieter wenigstens weiterhin Saab Autos bauen wollte.
    Koruption zulasten der eigenen Bürger durch die schwedische Politik ?????????

    • Das verstehe ich auch nicht! Warum zuckt da oben niemand auf??? Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass der ganze Deal zu 100% absolut unsauber war. In meinen Augen hat das “schwedische Bild” komplett an Glaubwürdigkeit verloren. Nicht erst seit Julian Assange!

  • Die SAAB-Community scheint ausgesprochen leidensfähig zu sein. Nach Jahren der Unsicherheit mit GM, dem dubiosen Antonov und grossartigen Visionen von VM versuchen wir nun zu ergründen, was wohl die Geschäftsidee eines Investors sein könnte, der die Technik in Japan einkauft, nach Schweden exportiert, zu den Kostenstrukturen in Schweden durch schwedische Ressourcen verarbeiten lässt und damit im chinesischen Markt gegen Handelsschranken und haufenweise Wettbewerb, der im Land produziert, mit einem “grünen Produkt” in einem neuen Marktsegment erfolgreich sein will. Ein gescheiter schwedischer Professor erklärt uns im SAAB-Museum: wir werden künftig nichts mehr in Schweden tun, was woanders z.B. in China günstiger gemacht werden kann. Das wäre gemäss dem Geschäftsmodell von NEVS nichts mehr! Wofür NEVS das SAAB-Werk gekauft hat und wofür schwedische Ingenieure gebraucht werden sollen, erschliesst sich mir nicht. Unglaublich, wie über Jahre Geier und Anwälte über SAAB herfallen konnten und die Politik zugeschaut oder im Hintergrund gemauschelt hat. Da sind wohl völlig andere Interessen im Spiel als SAAB-Produkte für die bisherigen SAAB-Fahrer zu produzieren. Die Politik kann ja ein weiteres Mal die Steuern erhöhen, wenn die Arbeitslosigkeit steigt.

  • Ich bin regelrecht vor den Kopf gestoßen nach diesem Bericht! Wie kann man nur so dekadent der ehemaligen und evtl. zukünftigen Kundschaft gegenübertreten. Mir kommt echt das Kotzen wenn ich die vergangenen Monate betrachte! Bei aller Bange und Hoffnung, aber so besch… wie derzeit konnte es doch garnicht kommen?! Ein Fahrzeughersteller mit so einer ruhmreichen Geschichte, diesem Kult, den Innovationen und mit einer derart eisernen & treuen Fangemeinde hat so ein Abgang einfach nicht verdient.
    Welche ignoranten Idioten haben sich da unsere geliebte Marke gekrallt??? Vielleicht sollte man sich nicht mal überlegen gegen dieses überhebliche Gebaren etwas zu unternehmen. Wenn die(NEVS) uns in den Hintern treten, können wir das auch! Sogar effektvoller!!

    • Jemandem in den Hintern treten? Wem denn, es spielt sich ja alles in dunklen Hinterzimmern, unter Ausschluss der Oeffentlichkeit ab. Nach etlichen Jahren SAAB fehlen mir allmählich die Emotionen für eine Marke, die Spielball von dubiosen Interessen geworden ist und kann mich damit nicht mehr identifizieren. Um uns als Kunden geht es doch schon lange nicht mehr. Ich will mich mit diesem Müllhaufen nicht mehr befassen. fahre nun meinen SAAB so lange es geht noch zu Ende und suche dann was Anderes. Ach ja: Ein SAAB mit einem BMW-Motor wäre durchaus eine Lösung gewesen. Vielleicht wird’s jetzt halt möglicherweise ein BMW ohne SAAB. Die Schweden scheinen echt zu blöde zu sein.

  • Also ich verfolge diesen Blog ja nun schon seit kurz vor der Insolvenz. Eigentlich wollte ich zu SAAB wechseln weil mich diese Marke schon länger gereizt hat. BMW ist eben auch nicht mehr das was es einmal war. Was allerdings jetzt aus SAAB wird ist würde ich sagen das ende einer schönen Automarke. Sieht man ja am BAIC c70. Also kein neuer SAAB nächstes jahr sondern eben wieder ein … . Ich war immer ein Verfechter von 6 Zylinder Motoren. Jetzt bauen aber auch die Bayern nur noch Turbo Motoren.
    Dachte mir wenn Turbo dann von denen die es seit vielen Jahren bauen und auch können. Mal vom schönen und unverwechselbaren Design abgesehen. Der Traum scheint aber nun vorbei.

    • Was ich noch hinzufügen möchte. Mein Traum wäre gewesen ein Saab mit Motor von Bmw und Turbo Technik von Saab.

  • Zum Glück habe ich mir vor 1,5 Jahren noch einen
    der letzten 95 Sportkombi anno 2005 zugelegt.
    Und es macht Spaß ihn jeden Tag zu bewegen- auch wenn kein Saab Herz darin schlägt-
    sondern ein gehirschter Opelmotor.
    Dafür aber als 2.2 mit robuster Dieseltechnik, die selbst bei hohen Minusgraden und einer
    Heizleistung beeindruckt- dagegen sind die Tdi aus Wolfsburg oder Bratislava reine Kühlschränke im Winter sowohl innen als auch außen.
    Der wird auf jeden Fall noch lange rollen- und das schon aus Protest im Mainstream gegen grimmige
    Tagfahrlichter.
    Schade um Saab und um diese Kultmarke, die ich leider zu spät entdeckte.

    Lieber ein Eckiges Etwas als ein rundes Nichts.

  • Bei allen schlechten Nachrichten glaube ich eines nicht, dass nämlich eines Tages tatsächlich elektrische angetriebene NEVS-Autos mit japanischer Technik, chinesischen Batterien, «Made» in Schweden unter dem Namen Saab wo ich immer rumfahren werden. Nie und nimmer. Da stimmt doch zu vieles einfach nicht.

    • Stimmt! Wer ernsthaft versucht, eins plus eins zusammen zu zählen kann nur zum Schluss kommen, dass da einfach zu vieles nicht stimmen kann. Wer – wie ich im Fall von NEVS den Eindruck einfach nicht los werde – nicht fähig ist, klug zu analysieren, vernünftig zu argumentieren und schliesslich glaubhaft zu kommunizieren, wird sich ganz bestimmt niemals mit Premiumprodukten in einem harten Marktumfeld behaupten können.

      Weil ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass die Leute hinter NEVS tatsächlich so diletantisch und naiv sind, wie uns das ihre Website – zwar recht glaubhaft – vorgaukelt, glaube ich, dass NEVS vielleicht irgendwann doch noch für eine Überraschung gut sein wird; was auch immer das dann sein mag.

  • Dann ging es dem Blogger ähnlich wie mir (siehe auch Kommentar von gestern). Ich bin auch über die Aussage gestolpert nach dem “alten” Fahrzeug mit dem neuen zu beginnen. Das klang im Hinblick auf eine langfristige Finanzierung der Firma nicht überzeugend.
    Als die ersten Gerüchte aufkamen, dass irgendein Konsortium aus China und Japan auf der Bildfläche erschienen sein soll (damals wurde auch Panasonic genannt), war mein erster Gedanke, dass die bestimmt nicht den höchsten Preis bieten und folglich auch nicht kaufen. Welch Irrtum. Nachdem was bisher zu sehen ist, finde ich es schade, dass der Saab- Konzern seinen Namen dafür gibt. Auch politischer Druck?
    Wenn sich nichts ändert (und davon gehe ich eigentlich mindestens seit dem schwarzen Dezember aus) hat sich für mich das Thema schwedische Neuwagen (somit auch die Nachbarn aus Göteborg) erledigt. Hoffentlich kann ich mir auch weiterhin leisten, einen Saab als Hobby zu behalten.

    • Nachtrag: Und daher ist es auch wichtig, dass so ein guter Blog erhalten bleibt, um die Community zusammen und die Erinnerung hoch zu halten.

    • Genauso gehts mir auch, so leid es mir für Schweden tut.
      Solange die Saab-Affäre nicht aufgeklärt wird, will ich keine Neuwagen mehr aus Schweden.

  • Als hätte die Welt keine größeren Sorgen ……………… 🙁

    • In diesem Blog geht es um SAAB und nicht um die Welt – vielleicht solltest Du woanders teilnehemn!

      • Lieber Joachim,

        die einen versteh das was zwischen den Zeilen steht und es gibt andere die verstehen es nicht. Thats life ……

        Nur so am Rande ich nehme an diesem Blog nicht teil, ich habe damals Tom auf die Idee für diesen Blog gebracht.

        Ciao

        Marco

  • Das was SearchSaab äußert möchte ich anders interpretieren:

    Als gäbe es in Schweden nicht größere Sorgen!

    Ich sehe in SAAB nicht nur das Auto, sondern vor allem die vielen Mitarbeiter (auch bei den Zulieferern) die dieses Produkt letztlich ermöglicht haben. Bei all den schlechten Nachrichten zu diesem Thema finde ich es furchtbar egoistisch, dass die meisten hier nur dem Auto nachweinen, aber kein Wort über deren “Erbauer” verlieren. Die hohe Arbeitslosigkeit, das Schicksal vieler Familien die bei BAAB und im Umfeld tätig waren – wer von Euch denkt an die?

    Es drängt sich geradezu der Verdacht auf, das beim Kauf von SAAB so ziemlich alles schief ging, bzw. vielleicht sogar bewußt zerstört wurde. Ausbaden müssen das letztlich die kleinen Leute in Schweden. Ich bin der Meinung, dass für die Folgen aus dieser scheinbar dilletanten Vorgehensweise jetzt die Politik und die Administratoren zur Rechenschaft gezogen werden sollten.

    Setzt man heimische Maßstäbe an und sieht für welch kleine Vergehen deutsche Politiker ihren Hut nehmen müssen (z.B. ein Herr K-T zu Guttenberg), dann sollten in Schweden folglich massig Köpfe rollen. Der vermutlich größte Wermutstropfen bei der Sache ist vermutlich dann der, dass diese Narren noch immense Abfindungen zugesprochen bekommen. Gelder, die der kleine “Saabianer” dringender braucht.

    Grüße aus Bayern an alle Leser hier.

    • Was Rolf Franke sagt, unterstütze ich – was mit SAAB seit einigen Jahren veranstaltet wurde, ist Kapitalismus der übelsten Sorte. Die Menschen, die über Jahre diese tollen Autos gebaut haben, und die nun mit Ihren Familien den Schlamassel ausbaden, haben offensichtlich nie jemanden ernsthaft interessiert, am wenigsten die Dilettanten in der Politik. Die grossen Profiteure dieser tragischen Komödie haben Ihren Profit längst in’s trockene gebracht oder schwelgen in intellektuellen postindustriellen Phantasien. Ob dafür je jemand zur Rechenschaft gezogen werden kann – ich weiss es nicht. Schweden, ein Land, in dem Gerechtigkeit und Chancengleichheit herrschen soll, produziert eine Story, die besser zu einer Bananenrepublik passen würde.
      Wenn ich vergleiche, wie in Deutschland das Bundesland Niedersachsen seinen Einfluss als grosser Aktionär bei VW über Jahre geltend gemacht hat, und wo VW heute im Markt ist, dann sehe ich, was Commitment und Verantwortung bewirken können und dass es auch anders gehen kann. Wenn Deutschland nicht eingreift, könnte sich die SAAB-Geschichte unter der Führung von GM in Deutschland mit Opel noch mal wiederholen – mit dem gleichen katastrophalen Resultat für die Mitarbeiter. Auch hier wird eine an sich gute Marke durch die “Mutter” systematisch kaputt gemacht. Die Chevrolet-Kia-Hjunday’s aus Korea werden die deutschen Arbeitsplätze nicht sichern.
      Die Kunden sollten wir trotzdem nicht vergessen – viele davon haben durch Ihren Kauf jahrelang den SAAB-Spirit hochgehalten und wären bereit gewesen, dies auch weiterhin zu tun. (kopfschüttel)

  • Lieber Blogger
    Vergisst einfach nicht, dass am Schluss immer der Endkonsument über Sein- oder Nichtsein eines Produktes entscheidet. Der Preis der weltweiten Marktwirtschaft ist für ärmere Kulturen bald unbezahlbar. im ganzen Kontinent Afrika steht keine einzige Autofabrik. Auch viele Menschen haben kein Trinkwasser. Man kann immer alles in verschiedenem Kontex sehen. Also bleiben wir in Europa “auf dem Boden” und lösen unsere “kleinen” Probleme….
    (Ein Autobesitz muss nicht Lebensinhalt sein…)

    • Lieber Saabfan, vielen Dank für Deinen Kommentar. Der Satz “Ein Autobesitz muss nicht Lebensinhalt sein..” trifft es sehr gut. 😉 Deshalb unterstützt das Blog Team aktiv unser Charity Projekt, das sich um die wirklich wichtigen Dinge kümmert. Jeder Leser kann selbstverständlich Teil davon werden und Spendenunterlagen senden wir gerne zu!

  • Ich hatte eigentlich schon wieder einmal mehr Hoffnung gemacht und werde wieder enttäuscht. Erst hört man das man die Cabrio Sparte wieder mit neuen Leben erfüllen möchte bloß mit dieser Nachricht wird das auch wohl Geschichte sein. Der SAAB Spirit wird wohl weiterhin bestehen bleiben dafür ist die SAAB Gemeinde einfach zu stark. Ich hatte auch gehofft dass ich auch die Möglichkeit bekomme in Zukunft mir einen Neuen SAAB ” Made in Trollhättan ” mit Ottomotor kaufen zu können. Ich werde weiterhin SAAB Fahren und mich auch an jeder Sekunde Puren Fahrspaß erfreuen.

    Bloß die Hoffnung stirbt zuletzt.

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