SAAB News: Trollhättan, Briefe, Saab Werksgelände

Wie geht es einer Stadt, deren größter Arbeitgeber die Tore geschlossen hat und deren zweitgrößter Betrieb soeben verkauft wurde? Die Lage in Trollhättan ist nicht rosig. Saab hat die Werkstore bisher nur einen kleinen Spalt weit wieder geöffnet, Volvo Aero hingegen ist verkauft und baut erste Arbeitsplätze ab. Die Attraktivität des Standorts ist, trotz der vielen kleinen Ausgründungen und deren Erfolgsgeschichten, in Gefahr.

Saab Werk: Was tut sich im Werk?

Viele tragen sich mit dem Gedanken ihr Haus zu verkaufen, wenn sie denn einen Käufer finden, und an die Westküste zu ziehen. Die Kommune und die Politik, zumindest die auf der Provinzebene, haben reagiert, die Region Trollhättan – Vänersborg rückt näher an Göteborg heran. Ab dem 9. Dezember wird sich die Anbindung beider Städte an die Küstenregion und an das Volvowerk Torslanda spürbar verbessern. Den Pendlern stehen von Trollhättan aus dann 34 bis 35 Züge statt bisher 21 und Vänersborg 22 bis 23 statt bisher 12 zur Verfügung. Darüber hinaus verbessert Västtrafik die Verknüpfung zwischen den Bussen und Zügen.

Alles geschah auf Grund von wachsenden Unmut und auf öffentlichen Druck, ausgeübt durch ehemalige Saab Mitarbeiter, die täglich zwischen Torslanda und Trollhättan pendeln.

Briefe an die ehemaligen Saab Mitarbeiter

Saab Eigentümer NEVS hat ehemalige Mitarbeiter direkt per Post kontaktiert. Von der örtlichen Presse angekündigt, sind die Schreiben mittlerweile bei den früheren Angestellten angekommen. Allerdings hat nicht jeder einen Brief mit Bitte um Registrierung und Aktualisierung seiner Daten erhalten. Die Investoren haben also bereits eine Vorauswahl getroffen. Es scheint, dass man nach Faktoren wie Alter und Qualifikation bereits vorab mögliche neue Mitarbeiter selektiert.

Sowohl ehemalige Saab Mitarbeiter, die in einem neuen Beschäftigungsverhältnis sind, wurden angeschrieben, als auch Mitarbeiter, die immer noch als arbeitslos gemeldet sind. Es bewegt sich (endlich) etwas, und den Ankündigungen folgen nun wirklich Taten. Ein Punkt für den neuen Eigentümer.

Das Saab Werksgelände

Es ist gut, wenn man Freude in Schweden hat. Oder Freunde, die gute Freunde haben. Seit einigen Monaten reichen unsere Blicke direkt bis auf das Werksgelände in der Stallbacka. Was wir bisher dort zu „sehen“ bekamen, war nicht besonders aufbauend. Seit Anfang  September liegt das Werk in einem Dornröschenschlaf, von Aufbruchstimmung oder Neuanfang keine Spur.

Das Bild hat sich jetzt grundlegend gewandelt. Die Angestellten der auf dem Werksgelände beheimateten Firmen, die alle nicht zum Investor gehören, sind nicht mehr alleine. Schlagartig herrscht reges Treiben, und es scheint, dass die Saab-Fabrik ganz sachte wachgeküsst wird.

Dazu passt das Interview von Fredrik Sidahl, CEO der Lieferanten, gegenüber einem Radiosender in den letzten Tagen. „…processen kommer igång och jag hör inget annat än positiva signaler…“ so meinte er, und möchte damit mitteilen dass sich  „etwas bewegt und dass er nichts anderes als positive Signale empfängt“. Klingt gut ! Ganz sachte und vorsichtig ist verhaltener Optimismus in Sachen Saab angesagt. Oder?

Fragt man Experten die es wissen sollten wie lange es dauert ein Autowerk, das komplett herunter gefahren wurde, mit neuem Leben zu erfüllen, dann verfliegt die Hoffnung für ein rasches Comeback. Zwischen 12 und 18 Monaten wird es dauern, bis erneut Bänder laufen könnten, so die Antwort. Nicht umsonst hatte der frühere Saab Investor Youngman bereits im Frühjahr diesen Jahres Kontak zu den Lieferanten geknüpft. Rechnen wir deshalb kurz nach. Den Zuschlag bekam Saab Eigentümer NEVS im Mai oder Juni. Den vollen Kaufpreis entrichtete man im August, die Schlüssel zum Werk holte man zum 2. September ab. Im Oktober machte man es öffentlich, dass man Kontakt zu den Lieferanten sucht.

NEVS scheint nicht die schnelle Truppe zu sein, glaubt man das was an die Öffentlichkeit kommt. Es sei denn, man hätte hinter der Bühne und unbemerkt von der Öffenlichkeit Vorbereitungen getroffen. Denn sonst droht uns immer noch eine lange Wartezeit.

Text: tom@saabblog.net

Bild: saabblog.net

4 thoughts on “SAAB News: Trollhättan, Briefe, Saab Werksgelände

  • Langsam aber sicher? Würde mich freuen wenn es wieder weiter geht!

    Ciao
    Marco

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    Liest sich doch ganz gut, die beste Nachricht an so einem ungemütlichen Montag 😉

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    Wenigstens bewegt sich was, würde man nur Akku Autos bauen wollen wäre wohl immer noch Ruhe angesagt. Gute Nachrichten!

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    Danke für den umfangreichen Beitrag!

    Kleiner Kommentar dazu:
    Lieber etzwas langsamer und gut überlegt und dafür langfristig mit viel Nachhaltigkeit gehandelt, als schnekk, hektisch und dann klappt doch nichts….

    WEITER SO NEVS – alles wird gut!

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